Avichai Rontzki

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Avichai Rontzki (* 10. Oktober 1951 in Haifa, Israel) ist ein israelischer General und seit 2007 Chef des Militärrabbinats der Israelischen Streitkräfte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er stammt aus einer nicht religiösen Familie und besuchte in Haifa die Hebräische Reali Schule, die als Privatschule eingerichtet ist. Im Jahre 1969 begann seine militärische Laufbahn in der Spezialeinheit Schajetet 13. Er wechselte jedoch bald die Einheit und ging zu der Kommandoheit Sajeret Schaked, mit der er im Jahre 1973 am Jom-Kippur-Krieg teilnahm. In diesen siebziger Jahren begann seine religiöse Einkehr und er studierte an den Schulen von Machon Meir und Mercaz HaRav. Weiterhin betätigte er sich als Sozialfürsorger für Straßenkinder in Jerusalem. Im Jahre 1980 beteiligte er sich am Aufbau von religiösen Talmud-Studien in Elon Moreh. Ab 1984 war er an der Gründung der Siedlung Itamar beteiligt, die südlich von Nablus liegt.[1]Dort baute er auch eine Talmudschule auf und wurde Sprecher und Rabbiner des Ortes.

Die erworbenen religiösen Kenntnisse legt er in einer vierbändigen Schrift als ein Halacha-Führer unter dem Titel Hitzim K'yad Gibor für die israelischen Streitkräfte nieder. Militärisch diente er in der Armeereserve weiter und wurde zum Kommandeur der regionalen Samarien-Brigade befördert. Als er das Amt des Chefs der Militärrabinats im Jahre 2006 annahm, verstärkte er den Einfluss der Rabbiner in den Militäreinheiten und erhöhte ihre Zahl in wenigen Jahren um das Vielfache.[2]Vor allem auf der Ebene der Bataillon erhöhte er ihre Anzahl, wo bis dahin nur wenige Rabbiner wirkten. Bei der Ausbildung wurde das Jewish Awareness Department erweitert, das die den religiösen Einfluss besonders bei den Kampfeinheiten der israelischen Streitkräfte erhöhte.[3]Er organisierte die Einrichtung von Tora-Klassen in den Gefängnissen und führte Angehörige des israelischen Geheimdienstes nach Hebron, wo sie mit dem Rabbiner Dov Lior zusammentrafen. Diese Aktionen sollten vor allem dazu dienen, die Auffassungen der israelischen Siedler bei den Soldaten zu verbreiten.[1]Ein Ausdruck seiner Verbundenheit mit den Siedlern sah er auch darin, dass ein Siedler, der wegen der Verletzung und Ermordung von Palästinenser angeklagt wurde, seine Haft im Haus von Rotzki verbrachte.[4] Im Oktober 2008 richtete er einen Brief an die Leitung des Militärrabinats, in dem er forderte, dass die israelischen Soldaten mit den jüdischen Wurzeln und Werten vertraut gemacht werden müssten.[5]Er unternahm auch den Versuch, den israelischen Armeesender Galei Tzahal dazu zu bringen, am Sabbat den Sendebetrieb einzustellen und nur noch den Pflichtdienst zu erfüllen, wie es die Anweisungen für die Armee vorsahen.[6]Er betätigte sich auch immer mehr bei den Soldaten im Felddienst bei der Infanterie statt im Büro des HaKirya.

Operation Gegossenes Blei[Bearbeiten]

Im Verlauf der Operation Gegossenes Blei war er sowohl bei den operativen Einsätzen bei den Soldaten als auch in den Lazaretten bei den verwundeten Soldaten im ganzen Land. Er erstellte eine Schrift für die Soldaten und die Einsatzkommandeure der Operation über Torastudien für Soldaten und Offiziere, die den Text einer Schrift des Rabbiners Schlomo Aviner enthielt. Rotzki wandte sich auch gegen den Dienst von Frauen in den militärischen Einheiten, weil das unpraktisch sein würde und die Kampfbedingungen verletzen würde. Er zweifelte auch daran, dass nur wenige Frauen den vollen Militärdienst wie die männlichen Soldaten ableisten wollten. Er brachte auch vor, dass ein religiöser weiblicher Offizier ins Militärrabbinat kommen würde, um die Bedürfnisse religiöser Soldatinnen zu erfüllen, was bisher nicht beachtet wurde.[7]

Kritische Stimmen[Bearbeiten]

Die links stehende Menschenrechtsgruppe Jesch Din appellierte an den israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak, Rotzki als Chef der Rabbiner abzulösen wegen seiner Rolle in der Operation Gegossenes Blei.[8]Ophir Pines-Paz forderte eine sofortige Untersuchung über die Tätigkeiten des Militärrabinats. Er äußerte seine Besorgnis und sagte, dass das Militärrabinat seine Befugnisse überschreiten würde, nur religiöse Dienste anzubieten. Die Aktivitäten würden dazu führen, dass die Soldaten der israelischen Streitkräfte sich in aggressiver Weise als religiöse Vertreter betrachteten. Das Militärrabinat würde die Religion bei den Soldaten durch die Hintertür wieder hereinbringen und damit die Fähigkeiten der israelischen Streitkräfte für ihre Aufgaben gefährden würde.[6]

Diese Kritik wendete sich gegen den Kernpunkt von Rotzkis Bestrebungen, an alte religiöse Traditionen anzuknüpfen. Dabei will er die Einrichtung eines cohen meschuach milchama wieder einführen. Diese Person war ein althebräischer Feldpriester, der im Kampf bei den Soldaten auf dem Schlachtfeld weilte und sie mit religiöser Inbrunst zum Kampf aufrief.[1] Vor allem die religiösen Thesen von Aviner, die Rontzki auch an alle anderen israelischen Soldaten während der Operation Gegossenes Blei verteilen ließ, erregte das Aufsehen vieler Beobachter. Diese Worte Aviners erinnerten intensiv an die Broschüre, die Rontzki bei seiner Amtsaufnahme im Jahre 2006 unter dem Titel Dein Lager soll heilig sein verbreitete und aus dem fünften Buch Mose (23,15) stammte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Joseph Croitoru, Heilig soll dein Lager sein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. April 2009
  2. Keeping the Faith. In: IDF Spokesperson's Unit. Abgerufen am 21. April 2009. 
  3. Amos Harel: Israel military rabbi under fire for 'brainwashing' soldiers. In: Haaretz, 23. Oktober 2008. Abgerufen am 21. April 2009. 
  4. Amos Harel: Rabbinate without borders. In: Haaretz. Abgerufen am 21. April 2009. 
  5. Amos Harel: Chief IDF rabbi: Army rabbinate needs to inculcate Jewish values. In: Haaretz. Abgerufen am 21. April 2009. 
  6. a b Amos Harel: Labor MK demands IDF be investigated for alleged proselytizing. In: Haaretz. Abgerufen am 21. April 2009. 
  7. Gil Ronen: IDF's Chief Rabbi Opposes Women in Combat Units. In: Israel National News. Abgerufen am 21. April 2009. 
  8. Harel, Amos (2009–01–26). "IDF rabbinate publication during Gaza war: We will show no mercy on the cruel". Haaretz. http://www.haaretz.com/hasen/spages/1058758.html. Abgerufen am 21. April 2009