Avital Ronell

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Avital Ronell (* 15. April 1952 in Prag) ist eine amerikanische Germanistin, Literaturwissenschafterin und Philosophin. Sie lehrt als Professorin für Deutsche, Vergleichende und Englische Literatur an der New York University. Ihr umfangreiches Werk zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Dekonstruktion.

Avital Ronell, 2007

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ronell wurde in Prag als Kind israelischer Diplomaten geboren und war Performancekünstlerin, bevor sie sich akademischen Studien zuwandte. Sie studierte bei Jacob Taubes und Hans-Georg Gadamer am Institut für Hermeneutik der Freien Universität Berlin, promovierte 1979 an der Princeton University und setzte dann ihre Studien bei Jacques Derrida und Hélène Cixous in Paris fort.

Avital Ronell unterrichtete Vergleichende Literatur an der University of California, Berkeley, bevor sie an die New York University wechselte, wo sie eine Forschungsplattform zu Trauma und Gewalt eingerichtet hat. Während sie in Berkeley regelmäßig gemeinsam mit Judith Butler, Jean-Luc Nancy, oder Philippe Lacoue-Labarthe unterrichtete, lehrte sie an der New York University zunächst an der Seite von ihrem Freund und Förderer Jacques Derrida.

In ihrer Arbeit setzt sie sich etwa mit Phänomenen des Gespenstischen in der Literatur (Dictations), der Frage nach der Technik (The Telephone Book), dem Zusammenhang von Drogen und Dichtung (Crack Wars), der Stellung der Dummheit in der Geschichte der Philosophie (Stupidity), dem positivistischen Bedürfnis nach Erzeugung empirischer Evidenzen (The Test Drive), und dem Problem väterlicher Autorität (Loser Sons) auseinander.

Referenzen, auf die in Ronells Schriften immer wieder Bezug genommen wird, sind unter anderen die deutschsprachigen Dichter Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Rainer Maria Rilke und Franz Kafka; die Philosophen Friedrich Nietzsche, Walter Benjamin und Martin Heidegger; die Psychoanalytiker Sigmund Freud und Jacques Lacan; sowie zahlreiche Denker der neueren französischen Philosophie wie Emmanuel Levinas, Jean-François Lyotard, Jean-Luc Nancy und vor allem Jacques Derrida.

In den Dokumentarfilmen The Call: Philosophie im Bild 1 (2005)[1] von Arno Böhler, Examined Life (2008)[2] von Astra Taylor sowie Derrida (2002)[3] von Kirby Dick und Amy Ziering wurde Ronell interviewt und ihre Arbeit vorgestellt.

Publikationen[Bearbeiten]

Monographien:

  • Loser Sons: Politics and Authority, ISBN 0-252-03664-6, 2012
  • The Test Drive, ISBN 0-252-02950-X, 2005
  • Stupidity, ISBN 0-252-07127-1, 2001
    • in Deutsch: Dummheit, Brinkmann & Bose, Berlin 2005
  • Crack Wars: Literature, Addiction, Mania, ISBN 0-252-07190-5, 1993
    • in Deutsch: Drogenkriege: Literatur, Abhängigkeit, Manie, Fischer, Frankfurt 1994
  • The Telephone Book: Technology, Schizophrenia, Electric Speech, ISBN 0-8032-8938-3, 1989
    • in Deutsch: Das Telefonbuch: Technik, Schizophrenie, elektrische Rede, Brinkmann & Bose, Berlin 2001
  • Dictations: On Haunted Writing, ISBN 0-8032-8945-6, 1986
    • in Deutsch: Der Goethe-Effekt: Goethe - Eckermann - Freud, Wilhelm Fink, München 1994

Essaysammlungen und Interviews:

Beiträge:

Übersetzungen:

  • Philippe Lacoue-Labarthe, "The Response of Ulysses", in: Eduardo Cadava u.a. (Hg.), Who Comes After the Subject?, ISBN 0-4159-0360-2, 1991.
  • Jacques Derrida, "Otobiographies", in: Ders., The Ear of the Other, ISBN 0-8032-6575-1, 1989.
  • Jacques Derrida, "Devant la loi", in: Alan Udoff (Hg.), Kafka and the Contemporary Critical Performance: Centenary Readings, ISBN 0-2533-1709-6, 1987.
  • Jacques Derrida, "A Peine", in: Ders., Mèmoires: For Paul De Man, ISBN 0-2310-6232-X, 1986.
  • Jacques Derrida, "The Law of Genre", in: Glyph: Textual Studies 7, ISBN 0-8018-2365-X, 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe GRENZ-film
  2. siehe Zeitgeistfilms
  3. siehe Jane Doe Films