Avro Tudor

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Avro Tudor
Avro Tudor V
Typ: Verkehrsflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: A.V.Roe & Company
Erstflug: 14. Juni 1945
Indienststellung: 1947
Stückzahl: 33[1]

Die Avro Type 688/689 Tudor war ein viermotoriges Verkehrsflugzeug des britischen Herstellers A.V.Roe & Company aus den 1940er-Jahren. Das Flugzeug war für den Langstreckendienst zwischen Großbritannien und Nordamerika vorgesehen, konnte sich aber nicht gegen die US-amerikanischen Konkurrenzmodelle durchsetzen.

Die Tudor machte bald nach ihrer Einführung durch eine Reihe schwerer Unfälle auf sich aufmerksam.

Geschichte[Bearbeiten]

1943 entstanden in Großbritannien erste Pläne zur Entwicklung ziviler Nachkriegsflugzeuge. A.V. Roe erhielt den Auftrag, ein Passagierflugzeug für die Nordatlantikstrecke zu entwickeln. Um auch Schlechtwettergebiete überfliegen zu können, war erstmals bei einer britischen Maschine eine Druckkabine vorgesehen.

Zunächst dachte man an eine zivile Version des Bombers Avro Lincoln. Der Konstrukteur Roy Chadwick entwarf das Flugzeug dann mit den Lincoln-Tragflächen und -Triebwerken sowie einem neuen Rumpf. Im September 1944 wurden die ersten Flugzeuge für die Fluggesellschaft BOAC in Auftrag gegeben. Der Erstflug des Prototyps fand am 14. Juni 1945 statt.

Bei den Testflügen stellte sich heraus, dass die Reichweite weit unter den geforderten 6.400 Kilometern lag. Die Kapazität von nur 24 Passagieren und die Flugeigenschaften waren ebenfalls unbefriedigend. Erst 1947 erfolgte nach zahlreichen Konstruktionsänderungen die Auslieferung von sechs vergrößerten Modellen an die British South American Airways (BSAA), einer Tochter der BOAC.

Da die Tudor im Vergleich zur Douglas DC-6, Lockheed Constellation und Canadair North Star deutlich schlechter abschnitt, konnten nur wenige Kunden gewonnen werden. Einige Maschinen kamen als Treibstofftransporter während der Berliner Luftbrücke zum Einsatz. Andere wurden als Erprobungsträger verwendet. Eine strahlgetriebene Variante war die Avro Ashton.

Der Konstrukteur Roy Chadwick kam 1947 bei einem Absturz eines Tudor-Prototyps ums Leben. Als zwei Flugzeuge der BSAA Ende der 1940er-Jahre über dem Atlantik verloren gingen, durfte die Tudor vorübergehend nicht mehr für Passagierflüge eingesetzt werden. Die verbliebenen Maschinen wurden teilweise von Aviation Traders Ltd zu Frachtflugzeugen umgebaut und bis 1959 eingesetzt.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Tudor war ein in Halbschalenbauweise konstruiertes Ganzmetallflugzeug. Der druckbelüftete Rumpf erhielt einen kreisförmigen Querschnitt. Die Tragflächen des Tiefdeckers wurden unverändert von der Avro Lincoln übernommen, das einziehbare Spornradfahrwerk stammte von der Avro Lancaster. Als Antrieb dienten vier 12-Zylinder-V-Motoren Rolls-Royce Merlin 621 mit je 1.320 kW.

Um die Verkaufsmöglichkeiten zu verbessern, wurden in den 1940er-Jahren mehrere Varianten entwickelt. So war die Tudor 2 für bis zu 60 Passagiere vorgesehen, während die Tudor 7 von vier Sternmotoren Bristol Hercules angetrieben wurde.

Versionen[Bearbeiten]

Tudor 8 mit Strahltriebwerken
Avro Super Trader, umgebaute Tudor IV
Tudor 1 (Type 688) Ursprungsversion für 24 Passagiere, 12 gebaut
Tudor 2 (Type 689) Rumpfdurchmesser um 30 cm vergrößert,
um 7,50 m gestreckte Version für 60 Passagiere, 5 gebaut
Tudor 3 Tudor 1 mit VIP-Ausstattung, 2 gebaut
Tudor 4 zum Teil umgebaute Tudor 1 mit um 1,70 m gestrecktem Rumpf
für 32 Passagiere, 9 Neubauten, 4 Umbauten
Tudor 5 modifizierte Tudor 2 für 44 Passagiere, 5 gebaut
Tudor 6 Tudor 2 für 38 Passagiere (Projekt)
Tudor 7 Umbau der ersten Serien-Tudor 2 mit vier Sternmotoren Bristol Hercules, 1 Umbau
Tudor 8 Umbau des zweiten Tudor-1-Prototyps mit vier Strahltriebwerken Rolls-Royce Derwent, 1 Umbau
Tudor 9 Tudor 2 mit vier Strahltriebwerken Rolls-Royce Nene, verwirklicht als Avro Ashton
Trader (Type 711) geplante Frachtversion der Tudor 2 mit Bugradfahrwerk, nicht gebaut

Unfälle[Bearbeiten]

  • Am 23. August 1947 stürzte eine Tudor 2 bei einem Testflug ab. Zu den Todesopfern gehörte Avros Chefkonstrukteur Roy Chadwick. Unglücksursache war ein Fehler bei der Montage des Prototyps.
  • In der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1948 verschwand eine Tudor 4 der BSAA mit 31 Personen an Bord zwischen den Azoren und den Bermudas (siehe Bermudadreieck). Die Unglücksursache blieb vorerst unbekannt.
  • Am 17. Januar 1949 verschwand erneut eine Tudor 4 der BSAA mit 20 Personen an Bord auf dem Flug von den Bermudas nach Jamaika (siehe Bermudadreieck). Auch diesmal konnte die Unglücksursache vorerst nicht aufgeklärt werden. Da man Probleme mit den Druckkabinen vermutete, wurden alle Tudors vorübergehend aus dem Passagierdienst zurückgezogen. Später wurde festgestellt, dass ein zu weit ausgeschlagenes Höhenruder die Maschine in einen unkontrollierten Sturzflug bringen konnte.[2].
  • Am 12. März 1950 stürzte eine Tudor 5 der Airflight Ltd. beim Anflug auf den Flugplatz Llandow in Wales ab, dabei kamen 80 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben. Der Pilot hatte die Kontrolle über die völlig überladene Maschine verloren. Es war zu diesem Zeitpunkt das schwerste Flugzeugunglück der Luftfahrtgeschichte.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Type 688 Tudor 1
Besatzung 5
Passagiere 24
Länge 24,20 m
Spannweite 36,60 m
Höhe 6,70 m
Flügelfläche 132 m²
Startmasse 34.500 kg
Reisegeschwindigkeit 453 km/h
Höchstgeschwindigkeit 512 km/h
Dienstgipfelhöhe 9.180 m
Reichweite 5.840 km
Triebwerke vier 12-Zylinder-V-Motoren Rolls-Royce Merlin mit je 1320 kW

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: World Aircraft – Commercial Aircraft 1935–1960. Sampson Low Guides, London 1979, ISBN 0-562-00125-5.
  • Tony Eastwood, John Roach: Piston Engine Airliner Production List. Aviation Hobby Shop, West Drayton 1991, ISBN 0-907178-37-5.
  • Harry Holmes: Avro – The History of an Aircraft Company. Crowood Press, Wiltshire 2004, ISBN 1-86126-651-0.
  • A.J. Jackson: Avro Aircraft since 1908. 2nd edition, Putnam Aeronautical Books, London 1990, ISBN 0-85177-834-8.
  • Fred T. Jane: The Avro 688 Tudor I. In: Jane’s Fighting Aircraft of World War II. Studio, London 1946, ISBN 1-85170-493-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Avro Tudor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Stroud: Post-War Propliners - Avro Tudor. In: Aeroplane Monthly Dezember 1993, S. 47 ff.
  2. Gondrom-Verlag (Hg.): Flugzeug-Katastrophen, 1996