Axel Springer SE

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Dieser Artikel behandelt den Medienkonzern Axel Springer SE. Für den davon unabhängigen wissenschaftlichen Verlag, siehe Springer Science+Business Media.
Axel Springer SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
ISIN DE0005501357
Gründung 1946
Sitz Berlin, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 12.843 (2013)[1]
Umsatz 2.801,4 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Medien
Website www.axelspringer.de

Die Axel Springer SE ist eines der größten digitalen Verlagshäuser Europas mit einer Reihe multimedialer Medienmarken wie BILD, DIE WELT und FAKT. Im Geschäftsjahr 2013 erwirtschafteten über 12.800 Mitarbeiter einen Konzernumsatz von 2,8 Milliarden EUR und ein EBITDA von 454 Mio. EUR. Bereits heute tragen die digitalen Medienkanäle fast 50 % zum Umsatz und mehr als 60 % zum EBITDA bei. Das Geschäft von Axel Springer ist in drei Segmente aufgeteilt: Bezahl-Angebote, Marketing-Angebote und Rubriken-Angebote.

Das Unternehmen hat seinen Sitz im Axel-Springer-Haus in Berlin und ist mit Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Lizenzen in mehr als 40 Ländern aktiv.

Die Aktie des Unternehmens ist Bestandteil des MDAX.

Geschichte[Bearbeiten]

Axel-Springer-Haus in Berlin
Der Keller der Druckerei in Berlin wird automatisiert betrieben
Steuerung der Druckmaschinen
Sortieranlagen
Aktie der Axel Springer Verlag AG

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1946 gründeten Axel Springer und sein Vater, der Verleger Hinrich Springer, den Axel Springer Verlag (ASV) in Hamburg als eine GmbH. Erste Publikationen waren die Hörzu und die Nordwestdeutschen Hefte. In den nächsten Jahren folgten Bild und das Hamburger Abendblatt. Im Jahre 1953 erwarb Springer die Zeitung Die Welt, aus der die Welt am Sonntag und Das neue Blatt entstanden.

Springer weitete 1959 seine Beteiligung an der Ullstein AG, die in Berlin die Blätter B.Z. und Berliner Morgenpost herausgab, zur Aktienmehrheit aus.

Der Verlag errichtete 1966 direkt an der Berliner Mauer in Berlin-Kreuzberg das Axel-Springer-Hochhaus als seinen Hauptsitz.

1970er- und 1980er-Jahre[Bearbeiten]

Der Verlag wurde 1970 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Beim Börsengang 1985 verkaufte Axel Springer 49,23 % der Verlagsanteile. Der Verleger Axel Springer starb am 22. September 1985. In der Folge erwarb der Medienunternehmer Leo Kirch ein bedeutendes Aktienpaket an dem Unternehmen.

Mit Sat.1 Text betrat der Verlag 1988 den Markt für neue Medien. Es folgten Beteiligungen am Telefondienstleister CompuTel und den TV-Sendern Hamburg 1 und Business TV International.

Neuausrichtung ab den 1990er Jahren[Bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erweiterte der Verlag seine Aktivitäten im europäischen Ausland. Tochterfirmen und Beteiligungen in Osteuropa, Spanien, Frankreich und der Schweiz wurden gegründet und ausgebaut.

1999 erwarb der Konzern Beteiligungen an der Schwartzkopff TV-Productions und Studio Hamburg. Nach dem Zusammenschluss der Fernsehsender Pro7 und Sat.1 ist er an der ProSiebenSat.1 Media AG beteiligt.

Im November 2002 schied Leo Kirch aus dem Aufsichtsrat des Verlages aus. Die Anteile der Kirch-Gruppe wurden bereits im Oktober von der Deutschen Bank und Friede Springer übernommen. Der Aktienbesitz der Deutschen Bank wurde 2003 an die US-amerikanische Private-Equity-Gruppe Hellman & Friedman LLC und Friede Springer verkauft. Die Witwe des Verlagsgründers hält damit die einfache Mehrheit der Anteile an der Aktiengesellschaft.

Auf einer Hauptversammlung im April 2003 beschlossen die Aktionäre unter anderem eine Umfirmierung des Unternehmens in Axel Springer AG und ein neues Corporate Design.

Im Mai 2007 kaufte der Konzern zusammen mit der PubliGroupe AG die Zanox.de AG. Dafür wurden rund 214,9 Mio. Euro bezahlt. Im Juni 2007 übernahm das zu Springer gehörende Zürcher Unternehmen Jean Frey die Zeitschriften Tele, TV4 und TV2 vom Schweizer Ringier-Verlag. Ebenfalls im Juni 2007 kaufte der Konzern 41,4 % des französischen Frauen-Internetportalbetreibers auFeminin.com. Dafür bezahlte Springer 284 Mio. Euro.

Am 28. Juni 2007 wurde bekanntgegeben, dass Springer den Postdienstleister PIN Group für 510 Mio. Euro übernimmt.[2]

Im Dezember 2008 gab der Verlag bekannt, dass alle Veranstaltungen im Jahr 2009, darunter auch die Verleihungen der Goldenen Kamera, des Medienpreises Osgar und des Goldenen Lenkrads, sowie der Neujahrsempfang und das Sommerfest abgesagt werden. Begründet wurde die Absage mit der internationalen Finanzkrise. Der Verlag wollte mit der Sparmaßnahme Entlassungen verhindern.[3]

Die gescheiterte Übernahme von ProSiebenSat.1[Bearbeiten]

Anfang 2005 war die Springer AG nur am Hamburger Lokalsender Hamburg 1 sowie an zwei Produktionsgesellschaften beteiligt.

Im Sommer 2005 kündigte Springer an, sie wolle ihren bisherigen Anteil an der ProSiebenSat.1 Media AG (die TV-Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1, N 24, 9Live) erheblich ausweiten und neben allen (stimmberechtigten) Stammaktien auch rund ein Viertel der Vorzugsaktien erwerben. Das Gebot des Springer-Konzerns an die Investorengruppe um den US-Amerikaner Haim Saban betrug vier Milliarden Euro. Der Umstand entbehrte nicht einer gewissen Ironie: Saban hatte 2003 die TV-Gruppe für preisgünstige 500 Mio. Euro erworben; der Springer-Konzern war vor einer (damals viel billigeren) Übernahme zurückgeschreckt.

Im November 2005 wurde die Übernahme vorläufig untersagt. Die Medienkommission KEK kritisierte ein Meinungsmonopol, wenn die Bild-Zeitung und ProSiebenSat.1 in einer Hand lägen. Als Kompromiss schlug sie einen Beirat vor, der die inhaltliche und wirtschaftliche Kontrolle über einen der beiden großen Sender ProSieben oder Sat.1 übernehmen sollte. In einem Zwischenbescheid des Bundeskartellamts im selben Monat wies dieses darauf hin, dass die Fusion aufgrund zu starker wirtschaftlicher Konzentration im Medienmarkt wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig sei. Springer wollte jedoch die volle wirtschaftliche Kontrolle über die Sender behalten und auch keinen von beiden veräußern. Im Gegenzug bot das Unternehmen an, sich von Überkreuzbeteiligungen mit dem Medienkonzern Bertelsmann zu trennen und ferner die fünf Programmzeitschriften des Verlags zu verkaufen.

Das Angebot bewertete die KEK als nicht genügend und gab darum im Januar 2006 bekannt, dass sie die Springer-Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG als nicht medienkonzentrationsrechtlich unbedenklich bestätigen könne: Springer müsse sich entweder von der Bild-Zeitung trennen, oder einer der beiden großen TV-Sender (Sat.1 oder ProSieben) müsse vor einer Übernahme durch Springer aus dem Konglomerat herausgelöst werden. Darauf bot Springer am 11. Januar den Verkauf von ProSieben an, zog das Angebot aber am 16. Januar wieder zurück. Begründung: Springer könne vor der Übernahme keinen TV-Sender verkaufen, der ihm formaljuristisch ja noch gar nicht gehöre. Zudem schien Haim Saban dem Vorhaben ablehnend gegenüberzustehen, der die TV-Sender nur im Komplett-Paket abzugeben bereit schien.

Ende Januar 2006 verbot das Bundeskartellamt endgültig die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern. Dagegen konnte Springer nur noch auf zwei Wegen vorgehen: mit einer Klage gegen das Bundeskartellamt oder mit der Einholung einer Ministererlaubnis, die innerhalb eines Monats nach einem definitiven Votum des Bundeskartellamts zu beantragen gewesen wäre. Der Ministerentscheid hätte dann innerhalb von vier Monaten ergehen müssen.

Gegen den negativen Bescheid der KEK konnte hingegen nicht Springer, sondern ausschließlich eine der Landesmedienanstalten Einspruch einlegen. Diesen kündigten die Landesmedienanstalten Bayern und Rheinland-Pfalz am 26. Januar an. (Ein KEK-Votum kann mit einer Dreiviertel-Mehrheit der Stimmen der 15 Medienanstalten im Rahmen der Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten aufgehoben werden).

Am 1. Februar 2006 erklärte der Springer-Konzern überraschend, dass er von seinen Übernahmeplänen endgültig Abstand nehme. Springer wolle sich nicht weiter einem langwierigen und in der Konsequenz unabsehbaren Procedere unterwerfen. Man wende sich digitalen Märkten zu und wolle im Ausland expandieren. Dennoch gab das Verlagshaus am 24. Februar bekannt, dass es vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen die Entscheidung des Bundeskartellamts Beschwerde einlegen werde. Das Verfahren solle Rechtssicherheit für künftige Akquisitionen schaffen, da das Unternehmen bei Aufrechterhaltung der Untersagungsgründe kaum noch Raum sähe für Zukäufe in Deutschland.

Im November 2008, kurz vor der Urteilsverkündung der Klage, zeigte der Springer-Konzern nach wie vor großes Interesse an einem Einstieg ins Fernsehgeschäft. Als Möglichkeit dafür wurde nach wie vor die Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG genannt, als Alternative der Aufbau eigener Einheiten.[4]

Gemeinschaftsunternehmen mit Ringier in Osteuropa[Bearbeiten]

Am 23. März 2010 gaben die Axel Springer AG und das größte Schweizer Medienhaus Ringier AG die Absicht zur Gründung einer gemeinsamen Holding-Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich bekannt, an der beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt sind. Die Axel Springer AG leistet in das Joint Venture eine Bareinlage in Höhe von 50 Mio. Euro und zahlt zudem rund 125 Mio. Euro Ausgleich an Ringier. In dieser Holding, die in drei bis fünf Jahren an die Börse gehen soll, werden künftig die Osteuropa-Aktivitäten der beiden Konzerne gebündelt. Die Axel Springer AG bringt das Geschäft seiner Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien und Ungarn ein, Ringier sein Geschäft in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die beiden Unternehmen haben in Osteuropa zusammen bereits über 100 Printtitel (34 Zeitungen, 73 Zeitschriften) und über 70 Online-Angebote auf dem Markt (Stand März 2010). Mit dem Gemeinschaftsunternehmen entsteht somit auf einen Schlag eines der größten Medienunternehmen in Osteuropa, das auf das Gesamtgebiet gesehen deutlicher Marktführer bei Boulevardzeitungen und einer der größten Anbieter im Zeitschriftensegment sein wird. Es käme auf Basis der Geschäftszahlen von 2009 auf einen Umsatz von etwa 414 Mio. Euro (500 Mio. Schweizer Franken) und ein EBITDA von 62 Mio. Euro (74 Mio. SFr) und eine Zahl von rund 4800 Mitarbeitern. CEO der Holding wird Florian Fels, der erst zum Jahresanfang 2010 von seinem Posten als CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung von Axel Springer Polska zu Ringier gewechselt war und in der Konzernleitung CEO des neuen Konzernbereichs Mitteleuropa wurde.[5][6] Vorsitzender des paritätisch besetzten Verwaltungsrats wird Ralph Büchi, Präsident von Axel Springer International.[7][8][9] 2002 war der Axel Springer AG ein Interesse am Kauf der Ringier AG nachgesagt worden.[10] Zum 1. Juli 2007 hatte Springer über die Schweizer Tochtergesellschaft Jean Frey AG die deutschsprachigen TV-Programmzeitschriften TELE, TV4 und TV2 von Ringier erworben.[11]

Übernahme von G+J Russland[Bearbeiten]

Im März 2010 genehmigten die russischen Kartellbehörden die Übernahme der Russland-Tochter des Zeitschriftenkonzerns Gruner + Jahr durch Axel Springer Russia. Hierzu gehören russische Ausgaben der Titelfamilie Geo (Geo, Geo Lenok, Geo Traveller) und die Gala Biografia, die unter demselben Titel in Lizenz weitergeführt werden sollen, sowie die entsprechenden Internet-Portale. Axel Springer Russia verlegt bereits die russischen Lizenzausgaben des Forbes Magazine, der Computer Bild sowie das über Prominente berichtende Magazin OK! und betreibt auch die zugehörigen Internet-Portale.[12]

Umwandlung der Axel Springer AG in eine SE[Bearbeiten]

Am 2. Dezember 2013 gab das Unternehmen die Umwandlung der AG in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea/SE) bekannt. Der Verlag begründet dieses damit, dass „die neue Rechtsform ... die europäische und internationale Marktausrichtung des Unternehmens unterstreichen und erleichtern“ solle. Der Handelsregistereintrag erfolgte unter der Nummer 154517 B beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg.

Publikationen, Beteiligungen, Vermarktung[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

Das bisherige Kerngeschäft war der Verlag und Rollenoffsetdruck von Tageszeitungen und Zeitschriften. Hierbei waren neben den auch heute noch zu Springer gehörenden überregionalen Blättern Bild und Die Welt und der Berliner Boulevardzeitung B.Z. bis April 2014 vor allem die Berliner und Hamburger Lokalzeitungen (Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt) nennenswert. Neben der Hörzu verlegte das Unternehmen die Fernsehzeitschriften BildWoche, Funk Uhr, TV Neu und TV Digital.

Am 25. Juli 2013 gab die Axel Springer AG bekannt, dass sie eine Reihe von Zeitschriften (Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, TV Neu, Bild der Frau und Frau von heute) sowie die Tageszeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt für insgesamt 920 Millionen Euro zum 1. Januar 2014 an die Funke Mediengruppe verkaufen werde. Vom Kaufpreis fließen bei Vollzug des Geschäfts allerdings erst 660 Millionen Euro an Springer, die restlichen 260 Millionen Euro Kaufpreis bekommt Funke vom Verkäufer selbst als Darlehen gestellt.[13] Am 27. Juli 2013 gab der Konzern auch den Verkauf des französischen Zeitschriftenverlags PGP an die französische Reworld Media bekannt.[14]

Die Übernahme der Regionalzeitungen und Frauenzeitschriften wurde vom Bundeskartellamt bereits am 3. Dezember 2013 ohne Einschränkungen durchgewinkt,[15] der Verkauf der Programmzeitschriften wurde schließlich am 29. April 2014 unter Auflagen genehmigt. So musste sich Funke verpflichten, mehrere Titel an die Mediengruppe Klambt weiterzuverkaufen.[16]. Am 1. Mai 2014 wurde der Verkauf wirksam.[17]

Beteiligungen[Bearbeiten]

Neben dem Kerngeschäft besitzt das Unternehmen eigene Druckereien und ist am Pressegroßhandel beteiligt. In den letzten Jahren wurden Beteiligungen an Online-Diensten erworben. Zunehmend stellt sich das Unternehmen auf den Online-Journalismus und die neuen Medien im Allgemeinen ein, indem sie bezahlungspflichtige Inhalte im Internet und für das Handy anbietet.[18]

Vermarktung[Bearbeiten]

Seit Januar 2008 bündelt der Geschäftsbereich Axel Springer Media Impact die Vermarktung nationaler Medienangebote der Unternehmensgruppe. Zu diesen Medienangeboten gehört beispielsweise das Kleinanzeigenportal quoka.de.[19] Mit über 500 Mitarbeitern erzielte der Vermarkter in 2009 einen Gesamtumsatz von mehr als 500 Mio. Euro. Der nationale und regionale Anzeigenverkauf im mittleren und kleinen Kundensegment wird von der Tochtergesellschaft Axel Springer Media Impact Dienstleistungs-GmbH bedient.

Organe und Eigentümerverhältnisse[Bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten]

Aktuelle Mitglieder des Vorstands sind:

  • Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender)
  • Jan Bayer (Vorstand BILD- und WELT-Gruppe)
  • Julian Deutz (Vorstand Finanzen und Personal)
  • Andreas Wiele (Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote)

Aufsichtsrat[Bearbeiten]

Aktuelle Mitglieder des Aufsichtsrates sind:

Ehemalige Mitglieder aus Aufsichtsrat und Vorstand[Bearbeiten]

Aufsichtsrat[Bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten]

  • Lothar Lanz (Vorstand Finanzen 2009–2014)
  • Ralph Büchi (Vorstand Internationales 2012–2014)
  • Steffen Naumann (Vorstand November 2001 bis April 2009)[23]
  • Claus Larass (Vorstand 1998 bis 2003)
  • August A. Fischer (Vorstandsvorsitzender von Januar 1998 bis Dezember 2001)[24][25]
  • Jürgen Richter (Vorstandsvorsitzender von Mai 1994 bis 31. Dezember 1997)[26][27]
  • Günter Prinz (ab 1991 stellvertretender Vorstandsvorsitzender und von 1993 bis 1994 Vorstandsvorsitzender)[28]
  • Günter Wille (Vorstandsvorsitzender 1991 bis November 1993)[29]
  • Peter Tamm (Vorstandsvorsitzender von 1968[30] bzw. 1982 bis 10. Juli 1991)[31]
  • Erhard van Straaten (Vorstand von 1985 bis August 1991)
  • Hans-Peter Scherrer (Vorstand bis 31. August 1991)
  • Christian Herfurth (Vorstand bis 31. August 1991)
  • Wolfgang Müller (Vorstand bis 31. August 1991)[29]

Anteilseigner[Bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
51,5 % Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co.,
Anteilseigner: Friede Springer 90 %, Ariane Springer 5 %,
Axel Sven Springer 5 %
5,0 % Friede Springer
3,3 % Mathias Döpfner
1,1 % Kim von Thesen
39,1 % Streubesitz

Stand: Aug. 2014[32]

Der Axel-Springer-Verlag als ein Brennpunkt der Medienkritik[Bearbeiten]

Der Axel-Springer-Verlag war und ist oft im Brennpunkt der Kritik, einerseits wegen der konservativen Grundeinstellung vieler seiner Publikationen (die auch in den sog. Grundsätzen formuliert worden ist), andererseits wegen der vermeintlichen Übermacht im deutschen Pressemarkt.

Grundsätze[Bearbeiten]

1967 formulierte Axel Springer fünf weltanschauliche Grundsätze, die für jeden Mitarbeiter bis heute verbindlich sind. Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der erste Grundsatz geändert. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der heutige dritte Grundsatz verfasst. In der heutigen Version lauten die Grundsätze:

„1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas.
2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
3. Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
4. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
5. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.“

Grundsätze und Leitlinien (de) Axel Springer SE. Abgerufen am 12. Dezember 2013.

Zeichen gegen Antisemitismus[Bearbeiten]

Aus Anlass der großen Kundgebung gegen Antisemitismus am 14. September 2014 am Brandenburger Tor in Berlin setzte die Axel Springer SE ein Zeichen: Ab dem 11. September erschien am Berliner Axel-Springer-Haus in Kreuzberg auf ca. 180 Quadratmetern der Schriftzug „Stimme erheben! Nie wieder Judenhass“.[33]

Proteste in den 1960er Jahren[Bearbeiten]

Die Außerparlamentarische Opposition und Teile der liberalen Öffentlichkeit von 1968 wandten sich mit einer Anti-Springer-Kampagne gegen die „Springerpresse“. Neben seiner marktbeherrschenden Stellung warf man Bild vor allem den „Mißbrauch der Pressefreiheit zur Volksverhetzung“ vor. Namhafte Intellektuelle wie Theodor Adorno, Hans Paul Bahrdt, Heinrich Böll, Peter Brückner, Ludwig von Friedeburg, Eugen Kogon, Golo Mann, Alexander Mitscherlich, Heinrich Popitz, Helge Pross und andere unterzeichneten eine Erklärung, in der es hieß: „Das Bündnis von bedenkenlosem Konsumjournalismus und wiederauflebender nationalistischer Ideologie, das die demokratisch engagierten Studenten und Intellektuellen seit Jahren als „Linksmob“, „Eiterbeule“, „akademische Gammler“, „Pöbel“, „geistige Halbstarke“, „Neurotiker“, „Schreier“ und „Schwätzer“ verunglimpft, droht das Selbstverständnis der Deutschen in einer Welt der friedlichen Verständigung, der fortschreitenden Aufklärung und Zusammenarbeit auch zwischen verschiedenen Gesellschaftssystemen abermals zu zerstören.“[34]

Die Proteste verschärften sich nach dem Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 durch Josef Bachmann. Entgegen verbreiteter Darstellung bezeichnete die Bildzeitung Rudi Dutschke zwar nicht als „Staatsfeind Nr. 1“,[35] doch der Bundesvorstand des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes machte den Berliner Senat und die Springer-Zeitungen für das Attentat verantwortlich: „Wir betrachten diejenigen, die das Attentat auf Dutschke möglich gemacht haben, als die wirklich Schuldigen und werden sie zur Rechenschaft ziehen.“[36] Am Tag des Attentats riefen Demonstranten vor dem Springer-Hochhaus: „Springer – Mörder.“[37]

Bei den folgenden „Oster-Unruhen“ wurde die Auslieferung von Springer-Zeitungen aus den Druckereien bundesweit blockiert. Dabei kam es zu den damals schwersten gewaltsamen Konfrontationen zwischen Demonstranten und Polizeikräften in der Geschichte der Bundesrepublik. Springer-Kritiker zogen historische Parallelen zum Niedergang der Weimarer Demokratie, der von Mordhetze in den Zeitungen und politischen Attentaten geprägt war. Zuvor hatten Zeitungen des Springer-Verlags wiederholt betont, die Studentenbewegung, deren Protestform des „Happenings“ von Joseph Goebbels vorweggenommen worden wäre, entspreche „genau dem Wesen des Faschismus“.[38]

Weniger als eine Woche nach dem Dutschke-Attentat und den „Oster-Unruhen“ jubelte die Bildzeitung: „Endlich! Schnellgerichte gegen die Rädelsführer!“,[39] als ein Münchner zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wurde, da ihm zur Last gelegt wurde, „sich an einer SDS-Aktion gegen den Verlag beteiligt“ zu haben.[39]

Kritik in der Literatur[Bearbeiten]

Heinrich Böll veröffentlichte 1974 seine Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum, in der er die Boulevardpresse scharf kritisierte. Böll geriet selbst in die Schusslinie der Springer-Blätter, wofür Günter Grass den Verlag scharf kritisierte und sich jahrzehntelang weigerte, diesem Interviews oder Abdruckrechte zu erteilen, bis sich der Verlag bei Bölls Familie entschuldigte.[40]

1977 arbeitete Günter Wallraff dreieinhalb Monate lang als Redakteur bei der Bild-Zeitung. In seinem Erfahrungsbericht Der Aufmacher. Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war weist er der Bild-Zeitung schwere journalistische Versäumnisse und unsaubere Recherchemethoden nach. Die Axel Springer AG verklagte Wallraff daraufhin mehrfach.

Rechtschreibreform[Bearbeiten]

Die Rechtschreibreform von 1996 wurde von vielen Journalisten des Verlags abgelehnt. Nachdem die Reform 1999 zunächst übernommen wurde, entschied man sich 2004 für eine eigene, an die „klassische Rechtschreibung“ angelehnte Hausorthographie. Diese wurde im August 2005 noch einmal erweitert auf rund 350 Seiten. Zugleich wurde eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen die Reform gestartet („Schlechtschreibreform“).

Im März 2006 gab der Konzern bekannt, den Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 2. März für die reformierte Rechtschreibung entsprechend der Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung ab dem 1. August für alle Erzeugnisse zu übernehmen, jedoch bei optionalen Schreibweisen weitgehend die „klassische“ Rechtschreibung anzuwenden. Die frühere Ablehnung kommentierte Mathias Döpfner in der Süddeutschen Zeitung mit folgenden Worten: „Der Ansatz war völlig richtig. Wir haben aber die politische Wirkung unterschätzt. Das war naiv. Denn sofort begannen die Angriffe, ein Kartell habe sich Rechte angemaßt, was allein dem Parlament und dem Gesetzgeber zustehe. Warum haben Politiker eigentlich mehr Rechte als die, die von Sprache leben: Schriftsteller, Journalisten, Verleger?“ Schließlich teilte der Verlag im Juni 2006 mit, bei allen Medien den Schreibempfehlungen des Duden zur reformierten Rechtschreibung zu folgen.[41]

Ausbildung[Bearbeiten]

Der Konzern betreibt seit 1986 in Hamburg und Berlin eine eigene Journalistenschule, die seit 2007 unter dem Namen Axel Springer Akademie firmiert, und bildet in mehreren kaufmännischen und technischen Berufen aus.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ist ein Journalistenpreis, der seit 1991 jährlich von der Axel Springer Akademie vergeben wird. Die Preisverleihung findet jeweils am 2. Mai, dem Geburtstag des 1985 verstorbenen Gründers Axel Springer in Berlin statt.
  • Anlässlich des Treffens des Art Directors Club (ADC) in Berlin vergibt die Axel Springer AG seit 1993 jährlich einen „Journalistenpreis für wegweisende Printwerbung“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Grossmann, Oskar Negt (Hrsg.): Die Auferstehung der Gewalt. Springerblockade und politische Reaktion in der Bundesrepublik. Frankfurt 1968.
  • Claus Jacobi: 50 Jahre Axel-Springer-Verlag. 1946–1996. Axel-Springer-Verlag, Berlin und Hamburg 1996.
  • Hans Dieter Müller: Der Springer-Konzern. Eine kritische Studie. P. Piper Verlag, München 1968.
  • Gudrun Kruip: Das „Welt“-„Bild“ des Axel Springer Verlags. Journalismus zwischen westlichen Werten und deutschen Denktraditionen. Oldenbourg, München 1999, ISBN 978-3-486-56343-6.
  • Stefan Wolle, Jochen Staadt und Tobias Voigt: Feind-Bild Springer – Ein Verlag und seine Gegner. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-36381-2.[42]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Axel Springer SE – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Eigene[Bearbeiten]

Andere[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Axel Springer SE: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 24. April 2014 (PDF).
  2. news aktuell:Axel Springer übernimmt Mehrheit an PIN Group AG
  3. Pressemitteilung Axel Springer AG beschließt Veranstaltungspause für 2009
  4. DWDL.de: Springer nach wie vor an ProSiebenSat.1 interessiert. Abgerufen am 22. November 2008.
  5. Ringier beruft Florian Fels in die Konzernleitung (Version vom 18. April 2010 im Internet Archive), Medienmitteilung der Ringier AG, 4. Januar 2010
  6. Ringier-CEO Unger: «Ein Verkauf ist nicht geplant», Klein-Report, 4. Januar 2010
  7. Medienmitteilung der Axel Springer AG, 23. März 2010
  8. Medienmitteilung der Axel Springer AG, 24. März 2010
  9. Medienmitteilung der Ringier AG und Axel-Springer-AG, 23. März 2010
  10. Springer will offenbar Ringier kaufen, Spiegel Online, 19. September 2002
  11. Axel Springer kauft Schweizer Programmzeitschriften von Ringier, Medienmitteilung der Axel Springer AG, 21. Juni 2007
  12. Axel Springer darf russische G+J-Titel kaufen, Horizont.net, 22. März 2010
  13. Springer verkauft sein Erbe in Süddeutsche Zeitung vom 25. Juli 2013
  14. Ausverkauf: Springer trennt sich auch von französischen Titeln in DWDL vom 27. Juli 2013
  15. Bundeskartellamt zu Zeitungsverkäufen: „Funke der Frau“ kann kommen in Die Tageszeitung vom 3. Dezember 2013
  16. Kartellamt segnet Springer-Funke-Deal ab in Süddeutsche Zeitung vom 29. April 2014
  17. Meldung der FAZ vom 30. April 2014
  18. Axel-Springer-Verlag im Internet und auf dem Handy. Auf: Beyond-Print.
  19. Pressemitteilung von Quoka. Website von Quoka. Abgerufen am 14. August 2013.
  20. Oliver Heine – Springer-Aufsichtsrat ist auch Jahr-Partner, mediatribune.de vom 13. Oktober 2010 (abgerufen am 20. November 2012)
  21. Überraschende Ankündigung bei Geburtstagsempfang: Professor Dr. Bernhard Servatius wird Aufsichtsrat verlassen, Pressemitteilung Axel Springer AG vom 3. Mai 2002
  22. Michael Lewis resigns from Supervisory Board, ASV-Pressemitteilung vom 28. September 2012
  23. Steffen Naumann, kress.de/koepfe
  24. VERLAGE Doppelte Rendite? DER SPIEGEL 3/1998
  25. Axel Springer Verlag – Döpfner macht das Rennen, Spiegel vom 29. August 2000
  26. Jürgen Richter zum 70. Unbeugsam, unangepasst, ehrlich, sueddeutsche.de vom 17. Oktober 2011
  27. Der SPIEGEL berichtete … Nr. 45/1997 „Verlage – Mauer des Schweigens“
  28. Günter Prinz 80, bdzv.de vom 6. August 2009
  29. a b Verlage, Gründlich unterschätzt. DER SPIEGEL 34/1991
  30. Peter Tamm, whoswho.de
  31. Presse – Elektrischer Stuhl, DER SPIEGEL 46/1990
  32. Aktionärsstruktur auf www.axelspringer.de
  33. Zeichen gegen Antisemitismus. Riesenprojektion am Axel-Springer-Haus. Die Jüdische Allgemeine informierte am 12. September 2014 zur Lichtinstallation am Verlagshaus in Berlin
  34. Heinz Grossmann, Oskar Negt (Hrsg.): Die Auferstehung der Gewalt. Springerblockade u. politische Reaktion in der Bundesrepublik, Frankfurt 1968, S. 30.
  35. Stefan Niggemeier: Der Staatsfeind, der kein „Staatsfeind“ war. In: Bildblog, 18. Januar 2010.
  36. SPD: Abscheu und Empörung (PDF; 990 kB). In: Berliner Morgenpost, 12./13. April 1968, S. 2 (Fortsetzung von S. 1).
  37. Steine auf das Springer-Haus. Brandstiftung (PDF; 667 kB). In: Berliner Morgenpost, 12./13. April 1968, S. 1.
  38. So zum Beispiel William S. Schlamm: Dutschkismus… (PDF; 695 kB). In: Welt am Sonntag vom 29. Oktober 1967, S. 5.
  39. a b Endlich! Schnellgerichte gegen die Rädelsführer! (PDF; 686 kB) In: Bild (Berlin), 17. April 1968, S. 1.
  40. Holger Dohmen: ‚Springer und die 68er‘ – ein Dialog nach 40 Jahren. In: Hamburger Abendblatt, 19. Juni 2006
  41. Pressemitteilung: Axel Springer stellt Rechtschreibung zum 1. August 2006 um, 28. Juni 2006
  42. http://www.welt.de/politik/article3873110/Axel-Springer-die-Stasi-und-der-ominoese-SS-Schatz.html