Axel Wieandt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Axel Wieandt (* 19. September 1966 in Bochum) ist ein deutscher Manager. Von 2008 bis 2010 war er Vorstandsvorsitzender der Bank Hypo Real Estate (HRE).

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Axel Wieandt wurde in Bochum als Sohn von Paul Wieandt, der später ein bekannter deutscher Bankmanager war, geboren.

Er begann 1986 ein betriebswirtschaftliches Studium an der WHU – Otto Beisheim School of Management,[1] das er 1990 als Diplom-Kaufmann abschloss. Zwischen 1988 und 1990 war er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. An der Kellogg School of Management der Northwestern University (Illinois) erwarb er zudem 1992 den MBA-Grad mit einem Stipendium, das durch den DAAD vermittelt wurde.[2] 1993 wurde Wieandt an der WHU bei Prof. Horst Albach zum Dr. rer. pol. promoviert.[3]

Karriere[Bearbeiten]

Nach seiner Promotion begann Wieandt seine berufliche Karriere bei McKinsey & Company zunächst in Düsseldorf und später in Boston. Von 1997 bis 1998 war er anschließend für Morgan Stanley im Investment Banking in London tätig.

Deutsche Bank[Bearbeiten]

Von Morgan Stanley wechselte er 1998 zur Deutschen Bank. 2000 wurde Wieandt zum jüngsten Bereichsvorstand im Corporate Center ernannt. In seiner Funktion als Head of Corporate Development war er mit seinem Team zuständig für die Strategieentwicklung und die Durchführung von strategischen Transaktionen.[4] Seit 2003 war er zusätzlich Global Head of Corporate Investments.[5] In dieser Rolle war er zuständig für das im Unternehmensbereich Corporate Investments gebündelte Beteiligungsportfolio der Bank.[6]

Hypo Real Estate (HRE)[Bearbeiten]

Im Oktober 2008 trat Axel Wieandt den Vorstandsvorsitz der infolge der Finanzkrise in finanzielle Schieflage geratenen HRE an.[7] Unter seinem Vorgänger Georg Funke war die HRE nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers durch ihre Tochtergesellschaft Depfa in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise geraten. Sie konnte nur mit erheblichen Liquiditätsgarantien und Kapitalhilfen des Staates gerettet werden. Begründet wurde dies durch die Systemrelevanz der Bank.[8] Im Laufe des Jahres 2009 wurde der Bund schließlich Alleineigentümer der Bank.

Hauptartikel: Hypo Real Estate

Während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender wurde die pbb Deutsche Pfandbriefbank als neue „strategische Kernbank des Konzerns“ ins Leben gerufen. In ihr wurden strategische Aktiva und das Neugeschäft mit den Geschäftsfeldern Immobilienfinanzierung und Staatsfinanzierung gebündelt.[9] Durch diese „good bank“ wurden ab Herbst 2009 wieder Pfandbriefe emittiert. Zudem wurde die Gründung einer „bad bank“, der heutigen FMS Wertmanagement, vorbereitet. Ab Dezember 2008 übernahm Wieandt zeitweise neben dem Vorstandsvorsitz auch die Funktion des Finanzvorstands, ab Februar 2009 zudem die des Immobilienvorstands.[10]

Am 25. März 2010 bot Axel Wieandt dem Aufsichtsrat der HRE seinen Rücktritt vom Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der Aufsichtsrat nahm das Angebot an und entband ihn von seinen Ämtern. Hintergrund waren laut HRE-Presseerklärung unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung zwischen dem Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin und dem Vorstandsvorsitzenden.[11] Nach Ansicht von Insidern forderte Wieandt mehr Freiheit gegenüber dem Staat als Alleinaktionär der Bank. Die Kernkapitalquote sollte nach seinen Vorstellungen über 10 Prozent gehalten werden, wohingegen der SoFFin-Chef Hannes Rehm einen „schonenden Umgang“ mit Steuermitteln versprach und auf eine Absenkung drängte.[12] Ein weiterer Streitpunkt war die Frage, ob für die Sanierung wichtige Mitarbeiter durch Gewährung vertraglich vereinbarter Bonuszahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro im Unternehmen gehalten werden können. Wieandt befürchtete einen Exodus der Spezialisten, der bereits an den Standorten New York und Dublin eingesetzt hatte, weil die Konkurrenz mit höheren Gehältern lockte. Die Lücke müssten dann weitaus teurere Berater füllen. Die SoFFin widersetzte sich den Bonuszahlungen jedoch zunächst.[13] Ein dritter Grund für den Abgang von Wieandt lag im Bestreben der SoFFin, umfangreiche Informationspflichten in kurzen Intervallen durchzusetzen. Bei Verstößen dagegen sollten Vertragsstrafen in Millionenhöhe fällig werden, die die Bank auf ihre Vorstände hätte abwälzen können. Wieandt widersetzte sich dieser verschärften Haftung. Nach Insidereinschätzung war dies der Knackpunkt.[14]

Zu Kontroversen in den Medien kam es über die Pensionsregelung für Axel Wieandt.[15] Der Aufsichtsrat gewährte ihm ab dem 60. Lebensjahr eine Altersversorgung von 240.000 Euro p.a. Nach Aussage des HRE-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Endres erfolgte die Regelung mit Wissen des SoFFin und des Bundesfinanzministeriums.[16] Nachdem diese Kenntnisnahme vom Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU) zunächst bestritten wurde, gab er sie nach Bekanntwerden einer informierenden E-Mail von Endres an SoFFin-Chef Hannes Rehm schließlich zu.[17]

Rückkehr zur Deutschen Bank[Bearbeiten]

Am 1. Juni 2010 kehrte Wieandt zur Deutschen Bank zurück. Er war als Managing Director im Corporate Center tätig und kümmerte sich um Integrationsprojekte.[18]

Im Sommer 2010 gab es Berichte in den Medien, dass die Berufung von Axel Wieandt zum Chef der Deutsche-Bank-Tochter BHF-Bank überraschenderweise an Bedenken der zuständigen Mitarbeiterin der BaFin gescheitert sei und die Deutsche Bank daraufhin von einem formalen Antrag abgesehen hätte.[19] BaFin-Präsident Jochen Sanio hat jedoch mögliche Einwände in einem persönlichen Gespräch mit Axel Wieandt in Bonn ausgeräumt und auch gegenüber der Presse bestätigt, dass „er keinen bankaufsichtsrechtlichen Grund sehe, warum Wieandt nicht für künftige Geschäftsleiterposten infrage komme“.[20]

Credit Suisse[Bearbeiten]

Zum 1. Juli 2011 wechselte Axel Wieandt als Managing Director in den Bereich Investmentbanking der Credit Suisse Deutschland. Dort war er für die Betreuung von Finanzdienstleistern in Deutschland, Österreich, Skandinavien und Russland sowie ausgewählten Kunden aus anderen Branchen zuständig.[21] Wieandt verließ die Credit Suisse bereits nach einem Jahr im Juni 2012.[22]

Valovis Bank[Bearbeiten]

Am 26. Oktober 2012 wurde Axel Wieandt zum Vorstandsvorsitzenden der Valovis Bank bestellt. Die frühere Karstadt-Quelle-Bank ist als Spezialist für Kreditkarten, Immobilienfinanzierung und Factoring im deutschen Markt tätig. Durch die notwendig gewordene Wertberichtigung von Griechenland-Anleihen im Dezember 2011 war die Bank in eine Schieflage geraten und musste vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) gestützt werden. Damit übernimmt Wieandt nach Einschätzung der FAZ „einen schwierigen Sanierungsfall“.[23] In der Pressemitteilung der Valovis Bank lässt er sich mit den Worten: „Wir werden das Geschäftsmodell einer kritischen Überprüfung unterziehen und die notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Bank auf den Weg bringen“[24] zitieren.

Aus dem Geschäftsbericht 2012 geht hervor, dass der Vorstand "einen geordneten Rückbau der Bank im Going-Concern" verfolgt. Wie aus dem Geschäftsbericht weiter hervorgeht, war es erforderlich, dass der Einlagensicherungsfonds “ESF mit einem Nachrangdarlehen von 50 Mio Euro sowie der Garantiegewährung für verschiedene Aktiva” zum Jahresende den Going Concern der Bank absicherte. Ein wesentlicher Fokus der Arbeit des Vorstands unter Führung von Axel Wieandt "ist der Abbau von Risiken und die damit verbundene Stärkung der Eigenkapitalquote sowie die Prüfung der strategischen Handlungsoptionen für die einzelnen Geschäftsfelder der Valovis Bank AG". Das Geschäftsfeld Mittelstandsfactoring wurde eingestellt.[25]

Außerdem gibt es Gerüchte im Markt, dass das Bankhaus Metzler beauftragt wurde, Käufer für die Kreditkartensparte zu finden.[26] [27]

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten]

Seit 2002 ist Axel Wieandt als Lehrbeauftragter an der WHU tätig, an der er studiert hatte. Seit 2005 lehrt er mit dem Titel eines Honorarprofessors.[28]

Seit 2009 ist er Mitglied im Kuratorium der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer.[29]

Ebenfalls seit 2009 amtiert Wieandt als Chairman Europe, Middle East, Africa des Kellogg Alumni Council.[30]

Seit Februar 2011 ist er Mitglied im Beirat von Aquila Capital.[31]

Seit Oktober 2012 ist er Mitglied des Advisory Boards von auxmoney.[32]

Persönliches[Bearbeiten]

Axel Wieandt entstammt einer Bankerfamilie. Sein Vater Paul Wieandt war Vorstandsvorsitzender der Landesbank Rheinland-Pfalz, der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und der SchmidtBank. Seine Schwester Dorothee Blessing ist (noch[33]) Partnerin bei Goldman Sachs und verheiratet mit Martin Blessing, dem Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank. Sein Bruder Carl Wieandt war zuletzt als Partner bei McKinsey & Company im Bereich Corporate Finance tätig.

Axel Wieandt ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Aufsätze (ausgewählte Beiträge)
  • Contestable markets - ein Leitbild für die Wettbewerbspolitik? (mit Harald Wiese), in: ORDO, Band 44, 1993, S. 185 - 202.
  • Versunkene Kosten und strategische Unternehmensführung, in: ZfB, 64. Jg. (1994), H.8, S. 99 – 116.
  • Innovation and the Creation, Development and Destruction of Markets in the World machine Tool Industry, in: Small Business Econcomics, Vol. 6, 1994, pp. 421 – 437.
  • Biotechnology: The emerging battlefield for US and Japanese pharmaceutical companies (mit Naseem Amin), in: Technology Analysis & Strategic Management, Vol. 6, No. 4, 1994, pp. 423 – 435.
  • Die Entwicklung von Märkten durch Innovationen, in: ZfbF, Heft 10, Oktober 1994, S. 852 – 870.
  • Deutsche Bank: Auf profitables Wachstum eingestellt (mit Michael Bachschuster), in: Sebastian Raisch, Gilbert Probst, Peter Gomez (Hrsg.): Wege zum Wachstum - Wie Sie nachhaltigen Unternehmenserfolg erzielen, April 2007, S. 218 - 233.
  • Neuausrichtung der Deutschland AG (mit Dr. Anna Magdalena Haslinger), in: Martin Glaum, Ulrich Hommel, Dieter Thomaschewski (Hrsg.): Internationalisierung und Unternehmenserfolg, November 2007, S. 339 - 359.
  • Herausforderung Klimawandel - Die Finanzmarktperspektive (mit Thorsten Peppler), in: Die Bank, Heft September 2008, S. 12 - 17.
  • Deutsche Pfandbriefbank als Immobilien- und Staatsfinanzierer, in: Immobilien & Finanzierung, Oktober 2009, S. 658 - 660.
  • Too Big to Fail? - Leçons de la crise financière (mit Sebastian C. Mönninghoff), in: Revue d'économie financière, 2011.
  • The Financial Crisis: Observations and Implications – The HRE Case Study (mit Sebastian C. Mönninghoff), in: Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Jahrgang 63, August 2011, S. 508 – 530.
  • Nachhaltigkeit - Unternehmerisches Handeln in globaler Verantwortung, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Verlag Fritz Knapp GmbH, Ausgabe 15/2011, S. 33-38
  • Finanzsysteme benötigt effektive Bail-in-Regulierung, in: Börsenzeitung, 4. Juli 2013.
Bücher

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WHU: Lebenslauf Axel Wieandt, Abgerufen am 23. April 2011
  2. Vom Berater zum Bankenchef, Karriere, 17. Oktober 2008
  3. WHU: Lebenslauf Axel Wieandt, Abgerufen am 23. April 2011
  4. Kopf des Tages: Axel WieandtVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, FTD, 21. Dezember 2008
  5. Wieandt folgt auf Virtue, Manager Magazin, 21. Februar 2003
  6. Vom Berater zum Bankenchef, Karriere, 17. Oktober 2008
  7. bekannt gegeben am 7. Oktober 2008, Amtsantritt am 13. Oktober 2008; Axel Wieandt wird neuer Vorstandschef von Hypo Real Estate, dpa Deutsche Presse-Agentur, 7. Oktober 2008
  8. Im Grab des großen Geldes, Der Spiegel, 2. Februar 2009
  9. HRE heißt jetzt Deutsche Pfandbriefbank, Manager Magazin, 29. Juni 2009
  10. Hypo Real Estate Geschäftsbericht 2009
  11. Pressemitteilung der Hypo Real Estate, 25. März 2010
  12. Axel Wieandt tritt zurück, Manager Magazin, 25. März 2010
  13. Ständige Scharmützel, Der Spiegel, 29. März 2010
  14. Ständige Scharmützel, Der Spiegel, 29. März 2010
  15. Die Bank auf dem politischen Altar, Die Welt, 27. September 2010; Gerade die HRE-Banker brauchen ein Topgehalt, Die Welt, 26. September 2010;
  16. Bundesregierung stiehlt sich bei HRE-Pensionen aus der Verantwortung, Die Welt, 23. September 2010
  17. Finanzministerium in Bedrängnis, Süddeutsche Zeitung, 23. September 2010
  18. Wieandt kehrt zur Deutschen Bank zurück, Handelsblatt, 1. Juni 2010
  19. Der Ex-HRE-Chef und der Bankenführerschein, Die Welt, 20. September 2010
  20.  Die Kontrollfreakshow. In: Capital. Nr. 12, 2010, S. 122.
  21. Spiegel-Online 15. Juni 2011: Ackermann verliert Nachwuchs-Star
  22.  Axel Wieandt in der Karriere-Sackgasse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 144, 23. Juni 2012, S. 16.
  23.  Axel Wieandt wird Chef des Sanierungsfalls Valovis Bank. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Oktober 2012, S. 18.
  24. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUmfassende personelle Neuordnung an der Spitze der VALOVIS BANK AG. Valovis Bank, 26. Oktober 2012, abgerufen am 9. Februar 2013 (Pressemitteilung).
  25. Geschäftsbericht 2012 Valovis Bank AG (PDF; 4,1 MB); Seite 4 und 5.
  26. Axel Wieandt zerschlägt frühere Karstadt-Bank Valovis, Manager Magazin, 23. Juli 2013;
  27. Valovis: EX-HRE-Chef zerschlägt frühere Karstadt-Bank, Spiegel Online, 23. Juli 2013;
  28. Honorarprofessuren, WHU - Otto Beisheim School of Management
  29. Kuratorium, Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer
  30. Alumni Profile, Kellogg School of Management Alumni
  31. Management, Aquila Capital
  32. [1], auxmoney
  33. Deutsche Top-Bankerin verlässt Goldman Sachs