Axiale Chiralität

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Axiale Chiralität ist ein Spezialfall der Chiralität, bei der das Molekül kein chirales Zentrum, sondern eine Chiralitätsachse aufweist.

Vorkommen[Bearbeiten]

Axiale Chiralität kommt bei atropisomeren Biarylsystemen vor, deren Rotation um die Aryl-Aryl-Bindung gehindert ist, sowie bei Dihydroanthracenon-Verbindungen.[1] Die Erscheinung wurde 1922 zum ersten Mal bei der 6,6’-Dinitrodiphensäure nachgewiesen.[2]

Des Weiteren weisen Allen-Verbindungen und Kumulene mit einer geraden Anzahl kumulierter Doppelbindungen bei unsymmetrischer Substitution axiale Chiralität auf (z. B. Propadien-Derivate). Spiroverbindungen können ebenfalls axiale Chiralität aufweisen.[3]

Auch einige trans-Cycloalkene können axial-chiral sein, beispielsweise gibt es von trans-Cycloocten zwei Enantiomere.[4] Allerdings ist die Klassifizierung als axial-chiral bei trans-Cycloalkenen umstritten.[5]

Helicale Moleküle wie beispielsweise die Helicene sind axialchiral.

Die Enantiomere axial-chiraler Verbindungen werden mit den stereochemischen Deskriptoren (R) und (S), in komplizierteren Fällen auch Ra und Sa gekennzeichnet, wobei der Index „a“ für „axial“ steht. Auch die Plus (P)-/ Minus (M)-Notation ist gebräuchlich.[6]

Anwendung[Bearbeiten]

Axial-chirale Liganden mit C2-Symmetrie wie BINAP [2,2'–Bis(diphenylphosphino)–1,1'–binaphthyl] werden in der enantioselektiven homogenen Katalyse eingesetzt. Durch den Einsatz geeigneter Ring-Substituenten lassen sich die sterischen und elektronischen Effekte variieren.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Absolute stereochemistry of fungal metabolites: Icterinoidins A1 and B1, and atrovirins B1 and B2. Melvyn Gill and Peter M. Morgan Arkivoc (RI-1154C) 2004 Online Artikel.
  2. J. Kenner, W. V. Stubbings; A Second Form of 6,6’-Dinitrophenic Acid and its conversion into New Cyclic Systems, Journal of the Chemical Society 119 (1921) 593.
  3. Bernhard Testa: Grundlagen der Organischen Stereochemie, Verlag Chemie, Weinheim, 1983, S. 59−61, ISBN 3-527-25935-X.
  4. Bernhard Testa: Grundlagen der Organischen Stereochemie, Verlag Chemie, Weinheim, 1983, S. 64−65, ISBN 3-527-25935-X.
  5. Ernest L. Eliel, Samuel H. Wilen:Stereochemistry of Organic Compounds, John Wiles & Sons, 1994, S. 1172-1175, ISBN 0-471-05446-1.
  6.  Eintrag: axial chirality. In: IUPAC Compendium of Chemical Terminology (the “Gold Book”). doi:10.1351/goldbook.A00547 (Version: 2.1.5).
  7. R. Noyori, Nobelpreisvortrag, 8. Dezember 2001.
  8. P. J. Walsh, M. C. Kozlowski: Fundamentals of asymmetric catalysis. Verlag University Science, S. 614 (Auszug in der Google-Buchsuche).