Aydan Özoğuz

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Aydan Özoğuz 2013 in Hamburg

Aydan Özoğuz [ɑidɑn ˈœzˈouːz] (* 31. Mai 1967 in Hamburg) ist eine deutsche Politikerin (SPD) und seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Özoğuz ist seit Dezember 2011 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Seit Dezember 2013 ist sie Nachfolgerin von Maria Böhmer als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Özoğuz schloss ihr Studium der Anglistik mit den Nebenfächern Spanisch und Personalwirtschaft mit dem Magisterexamen ab. Während der Studienzeit war sie Mitglied der türkischen Studentenvereinigung Hamburg und zwei Jahre lang deren Vorsitzende.

Seit 1994 war Özoğuz als wissenschaftliche Mitarbeiterin Projektleiterin der Körber-Stiftung im Bereich „Koordination Neue Projekte“ mit dem Schwerpunkt deutsch-türkische Projekte tätig. Seit 1996 leitete sie deutsch-türkische Projekte im Bereich Jugend- und Wissenschaftsaustausch sowie Symposien zu Fragen der zwischenstaatlichen Beziehungen. Mit Annahme ihres Abgeordnetenmandats wurde Özoğuz von der Körber-Stiftung freigestellt.

Politische Ämter und Mandate[Bearbeiten]

Von 2001 bis 2008 war Özoğuz Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Dort war sie migrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Mitglied im Innen-, Eingaben- und Familienausschuss. Zur Bürgerschaftswahl 2008 wurde sie auf den zweiten Listenplatz im Wahlkreis Rahlstedt gewählt. Sie verpasste jedoch den Wiedereinzug in die Bürgerschaft, weil Ole Thorben Buschhüter und Günter Frank mehr Stimmen erhielten als sie.

Zur Bundestagswahl 2009 wurde sie am 14. Februar des Jahres von der Landesvertreterversammlung der Hamburger SPD auf Platz zwei der Landesliste gewählt. Sie gewann die Abstimmung gegen Sylvia Wowretzko mit 216 zu 102 Stimmen.[2] Bei der Bundestagswahl 2009 zog sie in den Deutschen Bundestag ein. Da die SPD-Direktkandidaten nur drei der sechs Hamburger Wahlkreise gewannen zog erstmals seit 1987 wieder ein Kandidat über die SPD-Landesliste in den Bundestag ein. Im Bundestag ist Özoğuz Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft.

Am 2. März 2010 ernannte die SPD-Bundestagsfraktion Özoğuz zur Integrationsbeauftragten der Fraktion.[3] Im März 2011 riet sie in dieser Funktion den deutschen Muslimen, die von Innenminister Hans-Peter Friedrich einberufene Deutsche Islamkonferenz zu boykottieren, weil Friedrich diese zu einer „Sicherheits-Partnerschaft“ mit dem Staat gegen Islamisten erklärt hatte. Der Boykottaufruf stieß auf Unverständnis und Kritik in Teilen der CDU und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion.[4][5][6]

Özoğuz ist seit Dezember 2011 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Özoğuz ist damit die erste türkischstämmige Frau in der Parteiführung der SPD.[7]

Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Özoğuz mit 39,9 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Wandsbek als Direktkandidatin erneut in den Bundestag gewählt.[8] Nach der Bundestagswahl 2013 wurde sie im Kabinett Merkel III Nachfolgerin von Maria Böhmer als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Privates[Bearbeiten]

Özoğuz ist mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) verheiratet. Gemeinsam haben sie ein Kind.[9]

Seit 1989 besitzt Özoğuz die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern kamen 1958 als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland und machten sich später mit dem Handel von Lebensmitteln selbstständig.

Özoğuz hat zwei Brüder, Yavuz Özoguz und Gürhan Özoguz, die das islamistische Internetportal Muslim-Markt betreiben. Özoğuz und ihr Ehemann wurden in einem Interview im Jahr 2005 nach den Tätigkeiten ihrer Brüder befragt. In der taz erklärte Özoğuz, dass deren Ansichten in ihrer Familie die Ausnahme seien. Ihr Mann verwies in diesem Zusammenhang auf andere Verwandte, ihre Cousins, die Zwillinge Gökhan und Hakan Özoğuz, die die türkische Punkrock-Band Athena bilden.[10]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Özoğuz ist Mitglied des Kuratoriums der Muslimischen Akademie in Deutschland,[11] seit 2010 stellvertretendes Mitglied im Kuratorium des Deutschen Historischen Museums und ebenfalls stellvertretendes Mitglied im Kuratorium der Stiftung Haus der Geschichte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aydan Özoğuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sascha Balasko: Özoguz erste türkischstämmige Staatsministerin. In: Hamburger Abendblatt, 16. Dezember 2013.
  2. Presseerklärung der SPD-Hamburg vom 16. Februar 2009
  3. SPD-Bundestagsfraktion Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz
  4. Boykott-Aufruf der SPD sorgt für Eklat. In: Handelsblatt, 30. März 2011.
  5. Friederike Freiburg: SPD ruft Muslime zu Boykott der Islamkonferenz auf. In: Spiegel Online, 30. März 2011.
  6. Gröhe: Boykottaufruf zu Islamkonferenz unsäglich. In: Münchner Merkur, 30. März 2011.
  7. Erste türkischstämmige Frau in der SPD-Spitze. In: europenews.dk, 7. Dezember 2011.
  8. Immerhin: SPD holt fast alle Wahlkreise. In: Hamburger Morgenpost, 23. September 2013, S. 14.
  9. Aydan Özoğuz, SPD. In: bundestag.de.
  10. Sven-Michael Veit, Eva Weikert: Freiheit. Feigheit. Multikulti. In: die tageszeitung, 8. Januar 2005 (Interview mit Aydan Özoguz und Michael Neumann).
  11. Muslimische Akademie in Deutschland: Kuratoriumsmitglieder