Ayoreo

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Ayoreo ist der Name einer indigenen Volksgruppe, die in Nordwest-Paraguay und Südost-Bolivien lebt. In Paraguay werden sie auch als morotocós oder moros, corazo oder kursu bezeichnet. Ayoreo ist die Selbstbezeichnung der im nördlichen Gran Chaco an der Grenze lebenden Gruppen, deren Gesamtzahl auf etwa 4.000 geschätzt wird. Die Sprache der Ayoreo gehört zur Familie des Zamuco.[1] Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bewohnten sie ein Gebiet von rund 300.000 km² Fläche zwischen Río Paraguay, Río Pilcomayo, Río Parapetí und Río Grande.

Gruppen in Bolivien und in Paraguay[Bearbeiten]

In Bolivien unterscheidet man zehn Gruppen, nämlich Zapocó, Poza verde, Puesto Paz, Guidai Ichai, Santa Teresita, Tobita, Urucú, Motacú, Rincón del Tigre, und Belen in der Provinz Germán Busch und der Provinz Chiquitos im Departamento Santa Cruz. Es handelt sich um rund 1.700 Menschen.[2]

In Paraguay unterscheidet man drei Gruppen, nämlich die Guidaygosode – ein erst seit den 1950er Jahren bestehender Zusammenschluss verschiedener, im südlichen Chaco Central lebender Lokalgruppen - die Garaygosode und die Totobiegosode. Sie leben in 15 Dörfern in den nordwestlichen Departamento Boquerón und Departamento Alto Paraguay. Nur die Gruppe der Totobiegosode lebt nicht, wie die anderen, von Landwirtschaft und Fischfang, sondern folgt ihrer traditionellen Lebensweise. Ein kleiner Teil - maximal 40 Personen - der Ayoreo Totobiegosode lebt noch ohne Kontakt zur übrigen Gesellschaft und zählt damit zu den Isolierten Völkern.

Das Wort Totobiegosode bedeutet „Menschen vom Ort der Wildschweine“ und beschreibt die abgeschiedenste Gruppe der Ayoreo. Auch heute meiden sie noch den Kontakt zu Fremden. Die Totobiegosode sind Jäger und Sammler. Eines ihrer Rituale ist das asojna-Ritual, welches beginnt, wenn die Nachtschwalbe das erste Mal schreit und dadurch die Regenzeit ankündigt. Damit beginnt eine Zeit von Feierlichkeiten.[3] Laut Survival International gehören die Ayoreo-Totobiegosode heute zu den bedrohten indigenen Völkern der Welt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Europäer nahmen 1537 Kontakt mit einigen Ayoreo auf, als eine Expedition unter Führung von Juan de Ayolas († 1537) ihr Gebiet berührte. Die Jesuiten errichteten die Missionsstation San Ignacio Zamuco (1724 bis 1745).

Mennoniten nahmen in den 1940er Jahren Kontakt mit den Ayoreo auf, einige siedelten sich in ihrer Umgebung an. Die protestantische New Tribes Mission (Misión Nuevas Tribus) ging hierbei von 1979 bis 1986 allerdings rücksichtsloser vor, und es kam zu Zwangsmissionen.[4]

Anfang des 21. Jahrhunderts drangen Viehzüchter in die Waldgebiete vor, die wiederum zunehmend von der Sojaindustrie verdrängt werden. Die Umweltorganisation Iniciativa Amotocodie koordiniert inzwischen den Landkauf für die Ayoreo. In ihr haben sich 13 Dörfer in Paraguay zusammengeschlossen, die 95 Prozent der Ayoreo im Lande repräsentieren. Sie garantieren die traditionelle Nutzung des nach und nach erworbenen Landes. Dabei werden sie von dem gemeinnützigen Verein Rettet den Regenwald in Hamburg unterstützt. Im Dezember 2009 hatten die Ayoreo 1.800 ha erhalten, am 17. April 2010 konnte der Verein den Ayoreo weitere 2.000 ha Regenwald überschreiben, dessen Ankauf durch private Spenden ermöglicht wurde. 1.200 ha sollen folgen. Insgesamt wurden ihnen bereits 15.538 ha übergeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Glosario de lenguas indígenas sudamericanas Edgardo Civallero, Universidad Nacional de Córdoba (Argentinien) (PDF, 208 kB) (spanisch)
  2. Pueblos Indígenas de Bolivia und Karte der Ayoreo-Siedlungsgebiete in Bolivien (spanisch)
  3. Lebensweise der Ayoreo
  4. Los últimos indígenas aislados al sur del Amazonas establecen contacto in: Survival (spanisch)

Weblinks[Bearbeiten]