Bäuert

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Eidgenössisches Wappen
Gemeinde in der Schweiz

Eine Bäuert oder schweizerdeutsch Püürt (von ahd. gebûrida, zu gibûri ‘Bauer’) ist im Berner Oberland eine öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich organisierte Körperschaft, die auf die mittelalterliche bäuerlichen Güter- und Nutzungsgemeinde zurückgeht. Begriff und Sache waren bis in die jüngere Vergangenheit auch in Teilen des Kantons Graubünden bekannt, wo man heute aber gewöhnlich von Fraktion spricht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bäuerten entstanden aus den mittelalterlichen Versammlungen der Bauern, welche nach demokratischen Spielregeln die Nutzung ihrer gemeinsamen Güter regelten (Wälder, Alpen, Allmenden etc.). Sie sind also mit den alten Bürgergemeinden der Eidgenossenschaft oder den Nachbarschaften des alten Freistaates der Drei Bünde identisch, jedoch nicht mit den modernen Einwohnergemeinden. Hinsichtlich der heutigen Gemeindeformen sind die Bäuerten mit den innerschweizerischen und Glarner Korporationsgemeinden, den Fraktionsgemeinden der bündnerischen Landschaft Davos sowie den ehemaligen Zivilgemeinden im Kanton Zürich vergleichbar.

Rechtsform[Bearbeiten]

Der Begriff der Bäuert lässt sich im Kanton Bern heute keiner bestimmten Rechtsform zuordnen. Es kann sich bei einer Bäuert um eine Unterabteilung einer Einwohnergemeinde gemäss Art. 123 des Berner Gemeindegesetzes oder um eine burgerliche Korporation gemäss Art. 117 des Gemeindegesetzes,[1] aber auch um eine Realgesellschaft nach Art. 20 des Berner Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch[2] oder um einen Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches[3] handeln.[4] Erstere beide sind damit Körperschaften des öffentlichen kantonalen Rechts, der dritte Typus ist eine Körperschaft des kantonalen Privatrechts (mit Koppelung der Mitgliedschaft an einen bestimmten Grundbesitz), und der letztgenannte ist eine Körperschaft des bundesrechtlichen Privatrechts.

Von den heute noch 15 Unterabteilungen von Einwohnergemeinden nennen sich acht Bäuerten, und von den derzeit 74 burgerlichen Korporationen werden 22 als Bäuerten bezeichnet (Stand 2013). Über die privatrechtlichen Bäuerten sind keine Zahlen bekannt.[4] Es handelt sich bei Letzteren teilweise um frühere öffentlich-rechtliche Körperschaften, die jedoch die Vorgaben des Gemeindegesetzes nicht mehr erfüllen konnten und sich deshalb in Vereine umwandelten, aus Gründen der Tradition aber am Begriff Bäuert festhielten.

Im Kanton Graubünden haben die früheren Bäuerten beziehungsweise heutigen Fraktionen ihr Dasein als rechtsrelevante Körperschaften spätestens im Rahmen der aktuellen Gemeindefusionen verloren.[5] Eine Ausnahme bilden die Fraktionsgemeinden der Landschaft Davos.

Aufgaben[Bearbeiten]

Der Aufgabenbereich der heutigen Berner Bäuerten ist sehr unterschiedlich. Einige erfüllen gewisse dauernde Gemeindeaufgaben, beispielsweise den Unterhalt der Schul- und anderer gemeindeeigener Liegenschaften, den Strassenunterhalt, den Winterdienst und/oder die Wasser- und Energieversorgung. Andere Bäuerten hingegen verwalten und bewirtschaften in erster Linie ihren Land- und Waldbesitz.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berner Gemeindegesetz vom 16. März 1998
  2. Berner Gesetz betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 28. Mai 1911
  3. Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. März 1907
  4. a b c Auskunft vom Berner Amt für Gemeinden und Raumordnung, Abteilung Gemeinden, vom 7. Mai 2013.
  5. So bestand die Gemeinde Safien noch bis zur Fusion mit den Nachbargemeinden Tenna, Versam und Valendas per 1. Januar 2013 aus den vier Fraktionen/Pürten Tal, Camana, Zalön und Gün. (Von der Gemeinde Safiental vermittelte Privatauskunft vom 12. Mai 2013).