Béroul

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Béroul (auch Berol; um 1180) war ein altfranzösischer Dichter.

Sein Name verbindet sich mit einer der ersten erhaltenen Bearbeitungen des Tristan und Isolde-Stoffes.

Wohl in den 1170er Jahren entstanden die beiden ältesten, allerdings nur unvollständig überlieferten romanartigen Versionen des Stoffes: die des sonst unbekannten höfischen Autors Thomas d'Angleterre und die des ebenfalls als Person nicht näher bekannten Spielmannes Béroul. (Ein vielleicht um 1160 von Chrétien de Troyes verfasster Tristan-Roman ist verloren, die Tristan-Isolde-Novelle von Marie de France datiert ebenfalls von ca. 1170.) Sowohl Thomas als auch Béroul griffen offensichtlich auf ältere, etwas unterschiedliche Texte zurück.

Thomas schrieb sein Werk ca. 1172–75 für den englischen Hof. Insgesamt sind in fünf Handschriften acht Fragmente mit zusammen gut 3000 Versen aus dem letzten Drittel der Handlung erhalten (Tristans Heirat mit der nur als Ersatz betrachteten namensgleichen Isolde Weißhand, einige weitere Abenteuer T.s und sein tragisches Ende).

Bérouls Roman, der wohl gegen 1180 entstand, ist in einer einzigen Handschrift überliefert, die knapp 4500 Verse des Mittelstücks enthält (Tristans und Isoldes heimliche Liebe am Hof von König Marke, der Tristans Onkel und Isoldes Ehemann ist; die Entdeckung ihres Verhältnisses; Tristans Flucht; Isoldes Verurteilung und ihre Rettung durch Tristan; das gemeinsame Leben der beiden allein in einer Laubhütte im Wald; ihre schließliche Rückkehr an den Hof; Isoldes Wiederaufnahme durch Marke und Tristans Aufbruch ins Exil).

Die Gesamthandlung des Thomasschen Romans kennen wir dank einer kompletten altnordischen Prosa-Übertragung von ca. 1225 und dank des unvollendet gebliebenen Tristan von Gottfried von Straßburg (gegen 1210). Dem Werk Bérouls dagegen entspricht inhaltlich weitgehend, ohne eine direkte Übertragung oder Bearbeitung zu sein, der vollständig erhaltene Tristan von Eilhart von Oberg (ca. 1180).

In Frankreich kompilierte um 1230–35 ein unbekannter Autor (oder mehrere Autoren?) aus verschiedenen Versionen den sog. Tristan en prose, einen sehr umfänglichen Prosaroman, der bis ins 16. Jh. hinein gelesen wurde. Das in zahlreichen Handschriften und leicht divergierenden Versionen überlieferte Werk verbindet den Tristan-Stoff mit anderen Stoffen, vor allem dem König Artus-Stoff und macht Tristan zum dicht- und sangeskundigen Ritter der Tafelrunde.

Der Tristan-Isolde-Stoff stammt übrigens nicht, wie man als Deutscher und Wagnerianer glauben könnte, aus der germanischen Sagenwelt, sondern aus der walisisch-schottisch-britannischen, d.h. der sog. matière de Bretagne, aus der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts viele Stoffe und Motive in die französische Literatur eingeflossen sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Tristan (Béroul) – Quellen und Volltexte (französisch)