Béziers

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Béziers
Wappen von Béziers
Béziers (Frankreich)
Béziers
Region Languedoc-Roussillon
Département Hérault
Arrondissement Béziers (Unterpräfektur)
Kanton Chef-lieu von 4 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d'agglomération Béziers Méditerranée.
Koordinaten 43° 21′ N, 3° 13′ O43.3433333333333.215833333333362Koordinaten: 43° 21′ N, 3° 13′ O
Höhe 4–120 m
Fläche 95,48 km²
Einwohner 71.432 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 748 Einw./km²
Postleitzahl 34500
INSEE-Code
Website Ville Béziers

Béziers, Kathedrale St. Nazaire und Pont Vieux

Béziers [beːˈzje] ist eine französische Stadt im Département Hérault in der Region Languedoc-Roussillon. Sie hat 71.432 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) auf einer Fläche von 95,48 km².

Lage[Bearbeiten]

Béziers liegt am Fluss Orb und dem Canal du Midi. Die südfranzösische Stadt ist 14 km vom Mittelmeer entfernt, nicht weit von den letzten Ausläufern des Massif Central in der Küstenebene des südwestlichen Languedoc. Sie ist der Verwaltungssitz des gleichnamigen Arrondissements.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Béziers wurde spätestens um 750-650 v. Chr. besiedelt; es handelt sich also um eine sehr alte Stadt Galliens. Der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebende lateinische Dichter Avienus bezeugt, dass der vorrömische Name des Ortes Besara lautete.[1] Zuerst von Iberern bewohnt, wurde die Siedlung um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. von dem etwa zu dieser Zeit in Gallien eingefallenen keltischen Volksstamm der Volcae[2] besetzt, zu dessen Oppida sie seither zählte.

Ab etwa 119 v. Chr. gehörte der Ort als Baeterrae (auch Biterrae oder Civitas Biterrensium genannt) zur römischen Provinz Gallia Narbonensis. Octavian machte das nun an der Italien mit Spanien verbindenden Via Domitia gelegene Baeterrae 36/35 v. Chr. zu einer römischen Kolonie, die den Namen Colonia Urbs Iulia Septimanorum Baeterrae erhielt. Der Namensbestandteil Septimanorum bezieht sich darauf, dass die Kolonie mit Veteranen Caesars, die aus der 7. Legion stammten, bevölkert wurde. Zugeteilt waren die Kolonisten laut Inschriften der Tribus Pupinia. Unter Kaiser Augustus, wie sich Octavian seit 27 v. Chr. nannte, nahm Baeterrae einen bedeutenden Aufschwung und prosperierte während der gesamten frühen Kaiserzeit. Seinen Wohlstand verdankte es u. a. der einträglichen Agrarwirtschaft seines reichen Umlandes, der Nähe der Häfen Narbo (heute Narbonne) und Agatha (heute Agde) sowie dem Handel. In der Umgebung der Stadt gab es laut dem älteren Plinius[3] guten Wein.

Eine 276 n. Chr. erfolgte Invasion von Stämmen der Germanen führte zur Verwüstung von Baeterrae, das danach neu befestigt wurde. Durch eine Verwaltungsreform Kaiser Diokletians kam es zur Provinz Narbonensis I, die aus der Teilung der früheren Provinz Gallia Narbonensis hervorgegangen war. Etwa ein Jahrhundert nach dem Einzug des christlichen Glaubens in der Stadt fand hier 356 n. Chr. die erste Synode statt, die sich gegen die Arianer richtete.[4] Bischöfe von Béziers gab es vom 5. Jahrhundert bis 1790 bzw. 1801.

Vandalen plünderten Béziers um 409, woraufhin es die Westgoten um 413 zugleich mit Narbonne nahmen und bis zum Untergang ihres Reiches behielten. Danach fiel es um 720 kurzzeitig in die Hände der Sarazenen, die sich dort bis zum Jahr 733 behaupteten. Die Franken unter Karl Martell eroberten und zerstörten die Stadt, damit sich die Mauren nicht wieder in ihr festsetzen konnten. Sie wurde jedoch wieder aufgebaut, und im Jahr 752 bemächtigte sich Pippin ihrer und der ganzen Provinz Septimanien. Die seit dem 8. Jahrhundert bestehende Vizegrafschaft Béziers unterstand im 10. Jahrhundert Toulouse, im 11. und 12. Jahrhundert den Grafen bzw. Vizegrafen von Carcassonne. Vertreter der bedeutenden südwestfranzösischen Adelsfamilie der Trencavel waren im 12. Jahrhundert nicht nur die Vizegrafen von Béziers und Carcassone, sondern auch von Albi, Nîmes und Agde. Sie stellten sich unter den Schutz der Grafen von Barcelona bzw. der Könige Aragons.

Den Albigensern diente Béziers als einer ihrer Hauptsitze. 1209 wurde die Stadt beim Albigenserkreuzzug als erste der okzitanischen Städte von den Kreuzrittern erobert, die dem Aufruf von Papst Innozenz III. gefolgt waren, die von der katholischen Kirche als ketzerisch eingestuften Albigenser zu bekämpfen. Der damalige Vicomte von Béziers, Raimund-Roger Trencavel, hatte sich in das besser befestigte Carcassonne zurückgezogen, viele Einwohner von Béziers fielen aber am 22. Juli 1209 einem großen, von den Kreuzfahrern verübten Massaker zum Opfer. "Tötet sie alle, Gott wird die Seinigen schon erkennen", soll die Order von Abt Arnaud Amaury, dem päpstlichen Legaten, während des Ansturms auf Béziers gelautet haben. Angeblich 7000 in die Magdalenenkirche geflüchtete Einwohner wurden mit dieser verbrannt und zahlreiche weitere niedergemetzelt; insgesamt sollen gegen 20.000 Personen umgekommen sein.

Im Frieden von 1229 kamen die Länder des Vizegrafen von Béziers, Carcassone und Albi zur Krondomäne Frankreichs, seit welcher Zeit Béziers der Krone verblieb. Synoden wurden hier (außer der erwähnten von 356) in den Jahren 1233 und 1255 gegen die Albigenser sowie 1279, 1280, 1299 und 1351 in verschiedenen Streitigkeiten gehalten. Im 16. Jahrhundert war Béziers ein Hauptort der Hugenotten und litt schwer während der Religionskriege. Nach dem Aufstand von Henri II. de Montmorency wurden 1632 die Festungswerke von Béziers auf Befehl Richelieus zerstört.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Weinbau und der Branntweinhandel sind die wichtigsten Erwerbszweige.

Politik[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl 2014 gelang es dem parteilosen Robert Ménard, dem Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation Reporters sans Frontières, mit starker Unterstützung des rechtsextremen Front National (FN) als Bürgermeister gewählt zu werden.[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Béziers ist ein wichtiger Verkehrsknoten. Neben den Wasserwegen des Orb und des Canal du Midi kreuzen sich in der Stadt die Straßen RN112 (Castres nach Agde), RN113 (Narbonne nach Pézenas), D11 (Richtung Capestang und Carcassonne) und D909 (Richtung Bédarieux) sowie die Autobahnen A9 und A75 (siehe auch Liste der Autobahnen in Frankreich).

Der Flughafen Béziers wurde in den Jahren 2006 bis 2007 vergrößert.

Béziers hat auch einen Bahnhof. Hier trifft die Strecke von Clermont-Ferrand auf die wichtige Strecke entlang der Mittelmeerküste.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick von Beziers auf den Fluss Orb

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Béziers

  • Allée Paul-Riquet, das Zentrum der Stadt
  • Kirche Saint Aphrodise (11.–15. Jahrhundert)
  • Hôtel de Ville (Rathaus, 18. Jahrhundert)
  • ehemalige Kathedrale Saint-Nazaire (13.–14. und 18. Jahrhundert) mit dem Musée Lapidaire (alte Grabsteine und Kapitelle)
  • Kirche Saint-Jacques (12. Jahrhundert)
  • Kirche de la Madeleine (begonnen Ende des 11. Jahrhunderts, im 18. Jahrhundert restauriert)
  • Musée des Beaux-Arts (Gemälde)
  • Pont Vieux (Alte Brücke, über den Orb, 13. Jahrhundert, Umbauten im 14.–16. Jahrhundert)
  • Schleusentreppe von Fonserannes (18. Jahrhundert)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Béziers unterhält Städtepartnerschaften mit Heilbronn in Deutschland (seit 1965), dem englischen Stockport (seit 1972), dem russischen Stawropol (seit 1982) sowie mit Chiclana de la Frontera in Spanien (seit 1993).

Medien[Bearbeiten]

Béziers war Drehort des Films Ein schönes Mädchen wie ich (Une belle fille comme moi) von François Truffaut (1972)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Béziers – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Avienus, Ora maritima 589.
  2. Entweder vom Teilstamm der Volcae Arecomici (so Yves Lafond: Baeterrae. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01472-X. (Auszug online)) oder jenem der Volcae Tectosages (so Monique Clavel-Lévêque: Baeterrae. In: Richard Stillwell et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.).
  3. Plinius, Naturalis historia 14, 68.
  4. M. Clavel-Lévêque, Baeterrae, in: The Princeton Encyclopedia of Classical Sites, Princeton 1976 (online).
  5. Bericht zur Wahl spiegel.de, 30. März 2014, abgerufen am 31. März 2014