Bönhase

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Bö(h)nhase war in Norddeutschland, vor allem in Hamburg, ein unzünftiger, also keiner Zunft angehöriger Handwerker.

Dialektal verschiedenlautlich standen die Wörter Bön, Bon, Been, Beun, Bün, Böhn, Bühn, Bühne für den (Dach)boden der Behausungen, in denen zu den Zünften nicht zugelassene, seltener ausgestoßene Handwerker zu Zeiten der Zünfte entgegen den Zunftstatuten oder städtischen Vorschriften, also meist illegal, ihren erlernten Tätigkeiten nachgingen. Standen die Häuser traufseitig zur Straße, so waren die Böden oft miteinander verbunden und die Bö(h)nhasen konnte über mehrere Dachböden hinweg vor Kontrollen, Visitationen und Verfolgungen flüchten. Das Wort „Hase“ steht bildlich für die Flinkheit ihrer Flucht. Mit Böhnhasen-Jagen bezeichnete man das Aufspüren und Verfolgen dieser "ungesetzlichen" Handwerker durch die städtischge Obrigkeit und die Zünfte: sie wurden dann wie Hasen über die Bö(hn), den Dachboden ihrer Behausungen gejagt.

Da Schneider lediglich Nähkasten und Tuche benötigen, gingen insbesondere sie ihrer Tätigkeit in Dachstuben nach.

Aufgrund fehlender Produktkontrollen der Zünfte und weil weitere widrige Arbeitsumstände, wie das Arbeiten in versteckten Winkeln, hinzu kamen, hatte das von Bö(h)nhasen in Lohnwerk hergestellte Gut nicht selten Mängel, weswegen Bö(h)nhasen unter den Bürgern teilweise als Stümper und Pfuscher galten. Die Bö(h)nhasen rekrutierten sich vor allem aus der Vielzahl ausgebildeter Handwerker, die von ihrem erlernten Beuf leben mussten, aber keine Zunftzulassung erhielten. Sie konnten kein Bürgerrecht beantragen. In Hamburg gehörte die Verpflichtung zur Verfolgung dieser Unzünftigen zu den Statuten des Krameramts im 17. und 18. Jahrhundert. Mit den angewandten repressiven Massnahmen gegen die Bö(h)nhasen ließ sich das grundlegende Problem nicht lösen, und es verschwand erst ganz, nachdem sich im 19. Jahrhundert die Gewerbefreiheit durchsetzte.

Später bezeichnete man auch Nörgler, Diebe und Tölpel als Bönhasen. Als abschätziges Allzweckwort verlor Bö(h)nhase dann im Laufe des 18. Jahrhunderts seine umgangs- und schriftsprachliche Präzision.

Das Wort Bö(h)nhase bezeichnete auch scherzhaft in Dachstuben und auf Dächern herumstreundende Katzen; das ist noch in heutigem, seltenem Dachhase mit selber Begrifflichkeit enthalten.

[Bearbeiten] Quellen

Reinhold Paberl: Im Schatten des Michel. Das Kramer-Amt in Hamburg und seine Witwenwohnungen am Krayenkamp. Hamburg: Christians, 1978, bes. S. 15 - 20

[Bearbeiten] Siehe auch

Wiktionary Wiktionary: Bönhase – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen