Bönnigheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bönnigheim
Bönnigheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bönnigheim hervorgehoben
49.0419.095221Koordinaten: 49° 2′ N, 9° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ludwigsburg
Höhe: 221 m ü. NHN
Fläche: 20,14 km²
Einwohner: 7214 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 358 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74357
Vorwahl: 07143
Kfz-Kennzeichen: LB, VAI
Gemeindeschlüssel: 08 1 18 010
Stadtgliederung: 3 Teilorte
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchheimerstraße 1
74357 Bönnigheim
Webpräsenz: www.boennigheim.de
Bürgermeister: Kornelius Bamberger
Lage der Stadt Bönnigheim im Landkreis Ludwigsburg
Erdmannhausen Erdmannhausen Remseck am Neckar Schwieberdingen Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Oberstenfeld Oberstenfeld Mundelsheim Mundelsheim Affalterbach Asperg Benningen am Neckar Besigheim Besigheim Bönnigheim Erligheim Freudental Gemmrigheim Großbottwar Großbottwar Hessigheim Löchgau Murr (Gemeinde) Murr (Gemeinde) Pleidelsheim Pleidelsheim Steinheim an der Murr Tamm Walheim Ingersheim Freiberg am Neckar Bietigheim-Bissingen Bietigheim-Bissingen Ditzingen Eberdingen Kornwestheim Möglingen Oberriexingen Sersheim Vaihingen an der Enz Sachsenheim Korntal-Münchingen Ludwigsburg Markgröningen Hemmingen Gerlingen Kirchheim am NeckarKarte
Über dieses Bild
Ruine der Ganerbenburg
Logo von Bönnigheim

Bönnigheim ist eine Stadt im Norden des Landkreises Ludwigsburg, am Rande des Stromberg und des Zabergäu gelegen. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Ludwigsburg und Heilbronn.

Geografie[Bearbeiten]

Zu Bönnigheim gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Hofen und Hohenstein. Zur Stadt Bönnigheim in den Grenzen von 31. Dezember 1971 gehören die Stadt Bönnigheim und das Haus Burgermühle sowie die abgegangene Ortschaft Birlingen. Zur ehemaligen Gemeinde Hofen gehört das Dorf Hofen. Zur ehemaligen Gemeinde Hohenstein gehört das Dorf Hohenstein.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung der Stadt[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Nennung Bönnigheims findet sich im Lorscher Codex. In einer auf 16. Februar 793 datierten Urkunde vermachte die Nonne Hiltburg die Gemeinden Bönnigheim, Erligheim und Alt-Cleebronn dem Kloster Lorsch. Durch diese Schenkung kam Bönnigheim an das Hochstift Mainz.

Das Kloster Hirsau kaufte den Ort später zu Lehen und verkaufte ihn 1284 an das Kloster Bebenhausen. Im selben Jahr erlangte Bönnigheim das Stadtrecht.

Ganerbentum[Bearbeiten]

1288 ging das Lehen an Rudolf von Habsburg über, der die Stadt 1291 seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg überließ. Durch Erbschaft, Heirat und Kauf kam es zu einer Zersplitterung des Besitzes, aus dem das Ganerbentum hervorging, das bis 1750 Bestand hatte. Während dieser Zeit wurde der Besitz der immer noch unter Mainzer Hochherrschaft stehenden Stadt auf vier Adelsgeschlechter (Herren von Sachsenheim, Herren von Liebenstein, Herren von Gemmingen und Herren von Neipperg) aufgeteilt. Jedem Ganerben stand ein Viertel der Stadt zu. Diese Ganerbenverhältnisse galten auch im benachbarten Erligheim.

Es ist nicht möglich, eine Stadt in vier Sektoren zu gliedern, ohne dass es zu Einschnitten im gesellschaftlichen Leben kommt. Auch sind Streitereien unter den Erben bei einer solchen Situation kaum etwas Besonderes. Aus diesem Grund wurde 1388 der Burgfrieden geschlossen, mit dem Bönnigheim seine erste Stadtordnung bekam. Im Burgfrieden legten die Ganerben fest, aus ihren Reihen alle zwei, später alle drei Jahre einen Baumeister zu wählen, der für die Verwaltung der Stadt verantwortlich war. Der jeweilige Baumeister bezog seinen Wohnsitz in der Burg. Weiterhin geregelt waren darin die Wahlen von Stadtrat und Bürgermeister, sowie die Bestellung eines Amtmannes.

Im Bauernkrieg wurde die Burg niedergebrannt, 1546 wieder aufgebaut, 1697 jedoch teilweise wieder eingerissen. In diesem Zustand ist sie heute noch erhalten.

Neuzeit[Bearbeiten]

1750 kaufte Graf Friedrich von Stadion die Stadt und beendete damit das Ganerbentum. 1756 ließ er das prachtvolle Schloss bauen. 1785 ging die Stadt Bönnigheim durch Kauf Herzog Carl Eugens an Württemberg über. Dort gehörte es zum Oberamt Besigheim, das 1938 im Landkreis Ludwigsburg aufging.

Religion[Bearbeiten]

Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ist auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort vertreten.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
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40
30
20
10
0
33,16 %
31,70 %
18,91 %
16,24 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
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+4,08 %p
+0,27 %p
+3,94 %p

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2009 hat der Gemeinderat 18 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,37 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  Freie Wählervereinigung/CDU 6 Sitze (33,16 %)
  Unabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim 6 Sitze (31,70 %)
  SPD 3 Sitze (18,91 %)
  B90/GRÜNE     3 Sitze  (16,24 %)

Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Kornelius Bamberger. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 18. April 2010 erhielt er 96,49 Prozent der Stimmen.[3]

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Hohenstein

Das Wappen zeigt in Rot ein sechsspeichiges, silbernes Rad sowie einen darunter liegenden gesichteten silbernen Mond. Das Wappen spiegelt damit die Geschichte der Stadt wider, indem als Elemente das Mainzer Rades auftauchen, sowie der Mond als Teil des Wappens der Herren von Magenheim, die als Gründer von Bönnigheim gelten.

Die Bönnigheimer Stadtfarben sind Weiß-Rot; sie sind seit mindestens 1921 in Gebrauch.

Die Wappen der eingemeindeten Orte sind:

Hofen

Hofen: In Rot eine silberne Kirche mit linkshin stehendem Turm, rechts oben ein doppelarmiges silbernes Kreuz; Flagge weiß-rot; genehmigt am 7. Oktober 1966.


Wappen Hohenstein

Hohenstein: In Silber auf einem mit fünf aneinander gereihten silbernen Rauten belegten grünen Berg eine zweitürmige bezinnte rote Burg; Flagge rot-weiß; genehmigt am 19. August 1965.


Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Rathaus von Bönnigheim

Bönnigheim unterhält freundschaftliche Beziehungen zu

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bönnigheim liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen[Bearbeiten]

Mit dem Museum Charlotte Zander (Naive Kunst) im Stadionschen Schloss, dem Museum Sophie La Roche (der Autorin des ersten deutschen Frauenromans gewidmet), dem Schwäbischen Schnapsmuseum, der Arzney-Küche (einem Apothekenmuseum) und der Sudetendeutschen Heimatstube verfügt Bönnigheim über insgesamt fünf Museen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Köllesturm
Friedhofskapelle

Bönnigheim besitzt zahlreiche sehenswerte, denkmalgeschützte Gebäude. Der ausgeschilderte historische Rundgang durch die Stadt führt entlang von knapp 50 Bauwerken.

  • Die Ganerbenburg, Burg Bönnigheim bildete die nordwestliche Begrenzung der mittelalterlichen Stadt und wurde im Bauernkrieg zerstört, danach wiederaufgebaut und im 17. Jahrhundert größtenteils abgerissen. Von ihr ist heute noch ein Turm sowie ein massives Steinhaus erhalten. Von der mittelalterlichen Stadtmauer, deren Gesamtlänge rund 1150 Meter betrug und die bis zu 9,10 Meter hoch und 1,40 Meter stark war, bestehen noch Reste westlich des Schlosses.
  • Der Köllesturm ist ein Torturm der früheren Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Außerhalb der Stadtmauer führte eine Brücke über den trockenen Stadtgraben zu diesem Turm, der mit Flügel- und Zugtor verschlossen war. Seine heutige Dachform erhielt der Turm bei einer Renovierung nach Brand im späten 18. Jahrhundert.
  • Der Diebsturm ist ein halbrunder Turm, der 1458 an die Stadtmauer angebaut wurde.
Stadionsches Schloss
  • Das Stadionsche Schloss wurde 1756 von Baumeister Anton Haaf für Friedrich Graf Stadion errichtet. In seiner wechselvollen Geschichte diente das Gebäude u. a. von 1828 bis 1888 als Forstamt, später als königliche Taubstummenanstalt und als „Schiller-College“ für amerikanische Studenten. Seit 1996 befindet sich im Schloss das Museum Charlotte Zander für Naive Kunst und Art Brut.
  • Der Kavaliersbau mit markantem Staffelgiebel an der Stadtmauer ist der letzte noch bestehende Teil des Liebensteiner Schlösschens, an dessen Stelle später das Stadionsche Schloss errichtet wurde. In dem Gebäude befindet sich heute u. a. die städtische Musikschule und das Jugendcafé.
  • Das Forstgefängnis zwischen Schloss und Kavaliersbau wurde als Gefängnis für Wilddiebe und Forstfrevler im 19. Jahrhundert errichtet. Heute befindet sich dort das Museum Sophie La Roche.
  • Der Georgsbrunnen mit der Figur des gegen einen Drachen kämpfenden heiligen Georg wurde 1549 errichtet, sein Brunnentrog stammt von 1816 und ist mit den Namen der damaligen Räte der Stadt beschriftet. Der vor dem Schloss befindliche Brunnen diente lange Zeit als Löschwasserspeicher.
Cyriakuskirche
  • Die Cyriakuskirche geht auf eine romanische Basilika zurück und wurde 1100 erstmals erwähnt. Auf dem Kirchplatz befindet sich eine Spiegel-Installation der Bönnigheimer Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai (* 1956).
  • Beim Kirchplatz befinden sich das Cyriakuspfründehaus, das bis 1869 Wohnhaus des ersten Pfarrers und später das Ortsgefängnis war, sowie das benachbarte Stelzenhaus, in dem durch einen überkragenden und auf Holzpfosten ruhenden Oberstock mehr Wohnraum geschaffen wurde.
  • Der Bebenhäuser Hof war ein Hof des Klosters Bebenhausen, das bereits 1103 Besitz in Bönnigheim hatte. Das Gebäude datiert um 1620, es weist einen Neidkopf auf und seine Gefachbemalungen zeigen zeitgenössische Liedtexte. Heute beherbergt das 1983 renovierte Gebäude ein Hotel.
  • Der Mainzer Hof am Meierhof 7 ist ein frühgotisches, zweigeschossiges Steinhaus aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.
  • Der Maulbronner Hof wurde als Hofgut des Klosters Maulbronn 1581 errichtet. Das Gebäude wurde inzwischen zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.
Gemminger Kelter
  • Die Neipperger Kelter und die Gemminger Kelter sind massive Keltergebäude aus dem Jahr 1600, die auf die Herren von Neipperg bzw. die Herren von Gemmingen zurückgehen, denen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert jeweils ein Viertel der Stadt Bönnigheim gehörten. Die Gemminger Kelter wurde unlängst zu einem zeitgemäßen Geschäfts- und Wohngebäude modernisiert, die Neipperger Kelter ist äußerlich unsaniert und beherbergt das Clublokal eines Sportvereins. Die anderen beiden Keltern der Herren von Sachsenheim und Liebenstein wurden beim Bau der Genossenschaftskelter 1949 abgerissen. Diese weist einen Uhrenturm mit den Wappen der früheren vier Ganerbenfamilien auf, wurde jedoch inzwischen zum Supermarkt umfunktioniert.
  • Das ehemalige Gemminger Amtshaus befindet sich nahe der Kirche. Das zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaute Gebäude lässt nur noch schwerlich seinen historischen Kern erkennen.
  • Auch der Ganerbenbrunnen in der Ortsmitte zeigt die Wappen der vier Ganerbenfamilien und erinnert an die Einteilung des Ortes in Viertel.
Fachwerkhaus am Markt
  • Das frühere Stadtschreiberhaus an der Kirchstraße 22 weist Reste spätgotischer Ausmalung von 1541/42 auf.
  • Die Stadtapotheke an der Kirchgasse 2 wurde 1764 im spätbarocken Stil errichtet, eine Apotheke befindet sich seit 1848 in dem Haus. Die alte Einrichtung kann durch neue Schaufenster besichtigt werden.
  • Im Ort befinden sich außerdem zahlreiche weitere historische Fachwerkbauten, darunter auch historische Gasthöfe wie das Gasthaus „Bären“ von 1766. Hervorzuheben sind das Weingärtnerhaus von 1810 und das Wohnhaus von 1757 in der Grabengasse sowie das Ackerbürgerhaus von 1630 mit seinen insgesamt neun Dachfeldern in der Schloßstraße.
  • Die Villa Ammann in der Kirchheimer Straße 15 wurde im Jahre 1900 errichtet.
Klösterle
  • Rund 1,5 km südwestlich des Stadtkerns befindet sich am Rande der Weinberge die Ruine des Klösterle. Um 1435 wurde hier eine Kapelle erbaut, die der seligsten Jungfrau Maria geweiht war. In Verbindung mit der Quelle, bei der sie sich befand, wurde sie zu einer Pilgerstätte. Von 1477 bis zur Reformation lebten hier Barfüßermönche. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgegeben. Die Steine wurden teilweise für Bauten in Bönnigheim verwendet. Die Überreste waren schließlich völlig von Erdreich bedeckt. 1975, bei Flurbereinigungsarbeiten, wurden die erhaltenen Reste der Anlage wiederentdeckt und freigelegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten]

Der Weinbau ist schon seit der ersten urkundlichen Nennung in Bönnigheim bekannt.

Die Strombergkellerei baut heute als Erzeugergenossenschaft die Weine der Orte Bönnigheim, Kirchheim am Neckar, Hohenhaslach und Erligheim aus.

Überregional bekannt als Weingut für Qualitätsweine, speziell für Spätburgunder und Lemberger, ist das Weingut Ernst Dautel.

Industrie[Bearbeiten]

Das industrielle Zeitalter kam relativ spät nach Bönnigheim. Erst am 1. November 1854 gründeten Alois Amann (1824 – 1892) und Immanuel Böhringer (1822 – 1906) eine Firma für die Fabrikation von gezwirnter und gefärbter Seide in einem Gebäude, das früher ein Knabeninstitut war.[4]

Am 1. Dezember 1854 waren bereits zwei Wind- und eine Putzmaschine in Arbeit neben eine Zwirnmaschine. Die bescheidene Produktion der neuen Firma wurde mit etwas auswärts gekauften Zwirnen vorerst in der Färberei von Rau in Berg gefärbt und anschließend nach Bönnigheim gebracht, um hier von zwölf Frauen überarbeitet und auf eine Haspel gehaspelt zu werden. Die Antriebskraft lieferten zwei Radtreiber, die ein großes Schwungrad beschwerlich drehten. Die Kraft dieser tapferen Männer erwies sich jedoch bis 1855 infolge der weiter aufgestellten Maschinen als unzureichend und ihre menschliche Leistung wurde daher durch ein von zwei Eseln (später zwei Ochsen) getriebenes Göpelwerk ersetzt. Auch im 1855 wurde die Schwarzfärberei in eigener Regie betrieben und zusätzliche Maschinen verschiedener Arten gekauft. 1856 kamen 4 neue Zwirnmaschinen, 6 weitere Windmaschinen und weitere Spul- und Haspelmaschinen in Einsatz. Alle Maschinen wurden durch eine 4 Pferdestärke Dampfmaschine getrieben, die die Ochsen ersetzten. Das Jahr 1857 verzeichnete zwischen 90 und 100 Arbeiterinnen.[5]

Nach dem deutsch-französischen Krieg (1870 – 1871) florierte und expandierte die Firma und eine größere Dampfmaschine wurde in Betrieb genommen. Im Jahre des 25-jährigen Jubiläums 1879 galt die Firma „Amann und Böhringer“ als führendes Unternehmen unter den deutschen Nähseidenzwirnereien.[6]

1880 wurde die bedeutende Konkurrenzfabrik „Payr und Mayer“ in Augsburg und derer Tochtergesellschaft in Mossingen aufgekauft und das Führungspersonal nach Bönnigheim verlegt. 1880 zog sich Immanuel Böhringer ins Privatleben zurück und Alois Amann übernahm das Geschäft bis er von seinen Söhnen, Emil Amann (1862 – 1935) und Alfred Amann (1863 – 1942), unterstützt wurde, worauf die Firma „Amann und Söhne“ hieß. Emil unternahm Versuche mit der Herstellung von synthetischen Fasern, kam aber schließlich zu dem Urteil, dass die Naturseide noch durch nichts Gleichwertiges zu ersetzen sei.[7] Es folgte der Erwerb von zwei Fabriken in Oberitalien an den Plätzen Seriate und Telgate. Emil Amann bereiste Deutschland und die fernsten europäischen Staaten um den Absatz der Fabriken zu erweitern während sein Vater und Bruder sich auf die Leitung des Unternehmens konzentrierten.[8]

Eine eigene Couleurfärberei wurde 1884 in Betrieb genommen, da die bisher auswärts eingefärbte Seide immer wieder zu Reklamationen Anlass gegeben hatte.[6] Da kein Fluss durch Bönnigheim fließt, wurde im Werksgelände ein Bohrloch gebohrt, um Wasser für den Färbeprozess zu liefern.[7] Alfred Amann legte eine Lehre in Lyon, London und Krefeld ab, bevor er zur Firma zurückkehrte um den Posten als Technischer Direktor zu bekleiden.[6] Nach dem Tode von Alois Amann 1892 übernahmen die Söhne die Firma und blieben weiterhin in Geschäftspartnerschaft bis 1917, als Emil aus dem Werk ausschied und als Privatier nach Wiesbaden übersiedelte.[6]

Medien[Bearbeiten]

Aus Bönnigheim berichtet die Bönnigheimer Zeitung, eine Lokalausgabe der Südwest-Presse. Einmal wöchentlich erscheint mit einer Auflage von 7.000 Exemplaren das „Nachrichtenblättle“. Es berichtet aus den Rathäusern von Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Bildung[Bearbeiten]

Mit dem Alfred-Amann-Gymnasium, der Sophie La Roche-Realschule und der Ganerbenschule, einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, sind alle Segmente des dreigliedrigen Schulsystems in Bönnigheim vertreten. Außerdem gibt es drei städtische, zwei evangelische und einen römisch-katholischen Kindergarten sowie eine städtische Musikschule.

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten]

Das Stromnetz in der Stadt wird von der EnBW Regional AG betrieben. Die Stadtwerke Bönnigheim versorgen die Stadt mit Wasser und Gas sowie das Baugebiet "Schloßfeld" mit Fernwärme. Die Abfallentsorgung wird von der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg mbH (AVL) übernommen, einer 100 %-igen Tochtergesellschaft des Landkreises Ludwigsburg. Die AVL ist beauftragt, die Aufgaben zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen im Auftrag des Landkreises Ludwigsburg zu erfüllen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Sonstige mit Bönnigheim verbundene Personen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag 1993, S. 90.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bönnigheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 396–399
  3. http://www.wahlen.kdrs.de/118010m.htm
  4. Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt - Bönningheim, Hohenstein-Hofen. Stadt Bönnigheim, Bönnigheim 1984, ISBN No isbn, S. 164–165 (Zugriff am 6. Januar 2011).
  5. Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt S. 165
  6. a b c d Jörg Alexander Mann: Die Villa des Fabrikanten Alfred Amann in Bönnigheim: Ein Landhaus im Chalet-Stil als Beispiel der malerischen Architektur in Württemberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (German) Fakultät für Architektur (Fak. f. Architektur) Institut für Baugeschichte (IFB), University of Karlsruhe. 15. Januar 2007. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  7. a b Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt S. 168
  8. Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt S. 169