Bönninghardt

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51.5761111111116.470277777777845Koordinaten: 51° 34′ 34″ N, 6° 28′ 13″ O

Bönninghardt
Gemeinde Alpen
Höhe: 45 m
Fläche: 5,4 km²
Einwohner: 1652 (31. Dez. 2011)
Postleitzahl: 46519
Vorwahl: 02802
Alpen-Ort Bönning Bönninghardt Drüpt Huck Menzelen VeenKarte
Über dieses Bild

Lage von Bönninghardt in Alpen

Die Bönninghardt ist ein Abschnitt des als eiszeitliche Endmoräne entstandenen Niederrheinischen Höhenzuges. Sie erhebt sich bis zu 46 Meter über Normalnull und liegt zwischen den niederrheinischen Gemeinden Issum, Sonsbeck und Alpen. Die Bönninghardt erstreckt sich vom Tüschenwald bei Sonsbeck bis zum Staatsforst Leucht in Kamp-Lintfort. In der Gemeinde Alpen liegt der gleichnamige Ort Bönninghardt.

Geschichte[Bearbeiten]

Rekonstruktion einer Plaggenhütte im Alpener Ortsteil Bönninghardt

Die Bönninghardt war bis zur verstärkten Besiedlung des Höhenzugs zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Heidefläche, auf der überwiegend Besenbinder in Plaggenhütten lebten. Sie waren als Kolonisten vor allem aus der Pfalz auf die im niederfränkischen Dialekt schlicht als "Hei" bezeichnete Bönninghardt gekommen, wo sie in der trockenen, wenig fruchtbaren Landschaft bald verarmten. Erst mit verbesserten Agrartechniken wurden die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Nutzung des Höhenzugs entwickelt, was durch ertragreiche Ernten die Besiedlung und Urbanisierung des Gebiets ermöglichte.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der bereits in prähistorischer Zeit besiedelte Ort 1184 mit der Erlaubnis des Kölner Erzbischofs an die Bewohner der Hofstätten im nahe gelegenen Borth, im erzbischöflichen Wald Berenkart Bau- und Brandholz zu schlagen. Auf einer topografischen Karte aus dem Jahr 1560 wurde der Höhenzug schließlich als Buninckhartse Heyde bezeichnet. 1643 diente die Benninckharter Heide "etlichen hundert stuck rintviehe undt Schaffen" als Weide. Territorialgeschichtlich gehörte der nördliche Teil der Bönninghardt zum Herzogtum Kleve, der südliche hingegen, insbesondere die im Amt Rheinberg gelegenen Gebiete, zu Kurköln.

Besiedlung im 18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ab 1770 wurden in dem Gebiet staatlicherseits Menschen aus der Kurpfalz sowie aus Pfalzdorf angesiedelt, die dort kein Auskommen mehr fanden. Im Zuge der Inneren Kolonisation gelangten so pfälzische Familiennamen wie Barth, Imig, Kalbfleisch, Minor und Scharff auf die Bönninghardter Heide. Aber auch Kolonisten u.a. aus Alpen, Dinslaken, Issum, Rheinberg, Sonsbeck, Uedem, Wesel, Winnekendonk und Xanten kamen auf die unfruchtbare Bönninghardt. Armut und Verwahrlosung waren bald die Regel; die ersten Neusiedler wohnten in Erdlöchern. Man fand hauptsächlich Beschäftigung als Besenbinder und als Tagelöhner bei den Bauern. Teilweise wurden die Besen von der Bönninghardt "auf Schiebkarren bis nach Crefeld und selbst nach Düsseldorf" transportiert.

Aufteilung der Bönninghardt 1808/10[Bearbeiten]

In den Jahren 1808/10, während der Zeit der französischen Verwaltung, wurde das nach dem Ergebnis einer Vermessung 3.235,51 ha umfassende Gebiet der Kolonie Bönninghardt nach längeren Verhandlungen vertraglich auf die anliegenden Bürgermeistereien Alpen, Issum, Kamp, Kapellen, Sonsbeck, Veen und Vierquartieren aufgeteilt. Auf Issum entfielen 818,13 ha, auf Veen 640,50 ha, auf Alpen 549,54 ha, auf Sonsbeck 421,04 ha, auf Kapellen bzw. Hamb 412,60 ha, auf Vierquartieren bzw. Saalhoff 338,02 ha und auf Kamp bzw. Altfeld 55,68 ha. Hinter dieser proportionalen Aufteilung stand die Absicht, eine Grundversorgung der meist protestantischen Siedler zu gewährleisten, was jedoch im Ergebnis nicht gelang.

Infrastrukturmaßnahmen ab 1845[Bearbeiten]

Ab 1845 begann Preußen, auf der Bönninghardt eine minimale Infrastruktur auf- und auszubauen. So entstanden die Regierungsbrunnen bei den Gehöften der Kolonisten, 1852/64 die konfessionellen Schulgebäude und schließlich 1885 der Bahnhof an der 1874 in Betrieb genommenen Strecke Haltern-Venlo der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Vorausgegangen war diesen Maßnahmen regierungsseitig die auf den Düsseldorfer Regierungspräsidenten Adolph von Spiegel-Borlinghausen zurückgehende Erkenntnis, dass "zur Aufhülfe des Wirthschaftszustandes der gegenwärtig in Armuth, Verschuldung und Hülflosigkeit versinkenden Colonisten eine mäßige Beihülfe aus dem Fonds für landwirthschaftliche Zwecke hier gerechtfertigt und wohlangebracht wäre".

Die letzte von vielen Plaggenhütten, ein mit Grassoden ausgefachtes Kleingebäude, wurde jedoch noch bis 1896 bewohnt. Ein überliefertes Bild aus dem Jahre 1890 dokumentiert die fortbestehende Armut der Behausung und ihrer Bewohner; heute ist eine Rekonstruktion davon zu besichtigen. Mit seiner erstmals 1929 erschienenen Erzählung Die Vogelfreien der Bönninghardt setzte der Duisburger Journalist Hermann Jung dem jugendlichen Räuber Wilhelm Brinkhoff, geboren 1839 in Alpen, ein verklärendes literarisches Denkmal, das bis heute fortwirkt.

Militärflugplatz Bönninghardt[Bearbeiten]

Am 8. August 1827 veräußerten die Gemeinden Alpen und Huck (heute eine Gemarkung innerhalb der Gemeinde Alpen) ein als "Alpische Kuhweide" bezeichnetes, 131 Morgen und 88 Ruten umfassendes Stück Weideland auf der Bönninghardt für 1.050 Taler, das sodann vom preußischen 17. Kavallerie-Landwehr-Regiment als Exerzier- und Pferdesportplatz genutzt wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte zunächst eine vorübergehende Nutzung des Areals durch die belgische Besatzung. Der 1936/37 angelegte Segelflugplatz wurde am 1. Juni 1939 dem nationalsozialistischen Fliegerkorps Gruppe Niederrhein übergeben. Bereits am 19. Mai 1939 war die zweite Gruppe des Jagdgeschwaders 26 mit 48 Maschinen und dem Auftrag der Sicherung der niederländischen und belgischen Grenze am Flugplatz Bönninghardt eingetroffen. Sie wurde jedoch bereits im November ohne einen einzigen Einsatz ins Ruhrgebiet verlegt und durch die Jagdgruppe 126 ersetzt. Erst nach der Verlegung der ersten Staffel des Jagdgeschwaders 20 zur Bönninghardt konnte am 22. März 1940 der erste Luftsieg verbucht werden, als Leutnant Harald Jung nordwestlich von Kleve eine Spitfire abschoss. In der Folgezeit nahmen auf der Bönninghardt stationierte Flieger am Fall Gelb und Fall Rot teil.

1941 erfolgte die Widmung zum Einsatzhafen I. Ordnung; dem Militärflugplatz Bönninghardt wurde der Deckname Brausebad zugeteilt. Das Aufgabengebiet der dort stationierten Flieger verlagerte sich jedoch mehr und mehr auf den Schutz des deutschen Luftraums, insbesondere nach der verlorenen Luftschlacht um England, obgleich der Flugplatz wegen des nahe gelegenen Fliegerhorsts Venlo-Herongen an Bedeutung verlor. Spätestens ab 1944 wurde jedoch auch der Flugplatz auf der Bönninghardt zum Ziel alliierter Luftangriffe, was im März 1945 zur endgültigen Aufgabe des Flugplatzes vor den heranrückenden alliierten Truppen führte.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

  • 1787: 155[1]
  • 1862: 493[2]
  • 1910: 557[3]
  • 1931: 635[4]
  • 2011: 1652 (Stand: 31. Dezember 2011)[5]

Bildung und Sport[Bearbeiten]

In Bönninghardt besteht seit 1983 eine Förderschule in Trägerschaft des Kreises Wesel und mit dem BSV 1951 Rot-Weiß Bönninghardt ein Fußballverein. Darüber hinaus sind u.a. der Bürgerschützenverein Bönninghardt von 1925 und der Tambourcorps 1949 Bönninghardt im Ort aktiv.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto v. Mülmann, Statistik des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Bd. 1, Iserlohn 1864, S. 352.
  2. Statistische Darstellung des Kreises Moers, Moers 1863, S. 43.
  3. Gemeindeverzeichnis 1900, Kreis Moers
  4. Das Amt Alpen auf Gen-Wiki
  5. Gemeinde Alpen, Einwohnerstatistik nach Ortschaften laut Einwohnermeldeamt. Abgerufen am 14. April 2013 (PDF; 156 kB).

Literatur[Bearbeiten]

  • Annalen der Landwirthschaft in den Königlich Preußischen Staaten. Herausgegeben vom Präsidium des Königl. Landes-Oeconomie-Collegiums. Verlag von Veit und Comp, 4. Jahrgang, Bd. 7, Heft 2, Berlin 1846, S. 371 ff. (books.google.de), abgerufen am 20. November 2011
  • Adolf Ernst von Ernsthausen: Statistische Darstellung des Kreises Moers. J.G. Eckner, Moers 1863, S. 102 (de.wikisource.org), abgerufen am 2. November 2013
  • Die Bönninghardter Haide bei Alpen im Kreise Moers. In: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. 8. Jahrgang, Nr. 11 vom 13. März 1867 (books.google.de), abgerufen am 11. August 2012
  • Richard Pick: Zur Geschichte der Stadt und des ehemaligen Amtes Rheinberg. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln. 39 (1883), S. 1 ff. (de.wikisource.org), abgerufen am 16. Dezember 2011
  • Paul von Laer: Innere Kolonisation auf der Bönninghardt. In: Otto Constantin, Erwin Stein (Hrsg.): Monographien deutscher Landkreise. Bd. 3: Der Landkreis Moers. Deutscher Kommunal-Verlag, Berlin-Friedenau 1926, S. 326–335.
  • Rudolf Stampfuß: Hügelgräberuntersuchungen auf der Bönninghardt. In: Prähistorische Zeitschrift. 22 (1931), S. 115 ff.
  • Karl Reible: Die Bönninghardt. In: Heimatkalender Kreis Moers. 1938, S. 86 ff.
  • Blaß: Die Bönninghardt vor 100 Jahren. In: Kriegs-Heimatkalender für Ruhr und Niederrhein 1943. S. 247 ff.
  • Bernhard Roßhoff: Die Pfälzer Siedlung auf Bönninghardt. In: Heimatkalender Kreis Moers 1964. S. 83–87.
  • Hugo Feltens: Pfarrer Sanders. Geschichten um den "Kleinen Jan" und die alte Bönninghardt. In: Heimatkalender Kreis Moers 1967. S. 127–132.
  • Hermann Jung: Das Zeitalter der "Vogelfreien" auf der Bönninghardt. In: Hans-Georg Schmitz (Hrsg.): Alpen. Festbuch zur 900-Jahr-Feier. Büderich 1974, S. 54–61.
  • Hermann Jung: Die Vogelfreien der Bönninghardt. Vor 200 Jahren mußten Pfälzer Auswanderer am Niederrhein "notlanden". In: Die Heimat. Zeitschrift für niederrheinische Kultur- und Heimatpflege 48 (1977), S. 47–48
  • Jakob Imig: Die Bönninghardt. In: Rhein-Hunsrück-Kalender 35 (1979), S. 67–70
  • Ludger van Bebber, Karl Bröcheler, Johannes Schmitz, Jürgen Wiegert: Bönninghardter Bilderbogen. Geiger-Verlag, Horb/Neckar 1996, ISBN 3-89570-179-3.
  • Karl Bröcheler: Wilhelm Brinkhoff und kein Ende. In: Jahrbuch Kreis Wesel 1998. ISBN 3-87463-259-8, S. 67–70.
  • Karl Bröcheler: Wilhelm Brinkhoff und kein Ende (Teil II). In: Jahrbuch Kreis Wesel 1999. ISBN 3-87463-273-3, S. 174–181.
  • Karl Bröcheler: Wasser für Bönninghardt. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2000. ISBN 3-87463-288-1, S. 146–149.
  • Ludger van Bebber, Karl Bröcheler, Johannes Schmitz: Bönninghardter Bilderbogen. Schulen. Geiger-Verlag, Horb/Neckar 2000, ISBN 3-89570-676-0.
  • Margret Wensky (Hrsg.): Sonsbeck. Die Geschichte der niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Böhlau-Verlag, Köln 2003, S. 51 f.
  • Karl Bröcheler: Die Plaggenhütte auf der Bönninghardt. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2004. ISBN 3-87463-354-3, S. 163–168.
  • Jürgen Wiegert: Die kurkölnische Bönninghardt bis 1794. hrsg. von der Interessengemeinschaft für Geschichte und Natur Bönninghardt. 3. Auflage. Selbstverlag, o.O. 2010
  • Jürgen Wiegert: Die kurkölnische Bönninghardt. Das Leben der ersten Kolonisten um 1790. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2009. ISBN 978-3-87463-434-2, S. 19–26.
  • Karl Bröcheler: Das Besenbinderhandwerk auf der Bönninghardt. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2009. ISBN 978-3-87463-434-2, S. 157–164.
  • Jürgen Wiegert: Die Franzosen auf der Bönninghardt. hrsg. von der Interessengemeinschaft für Geschichte und Natur Bönninghardt. Selbstverlag, o.O. 2010
  • Karl Bröcheler: Ein Bestseller von der Bönninghardt. Hermann Jung und seine "Vogelfreien der Bönninghardt". In: Jahrbuch Kreis Wesel 2011. ISBN 978-3-87463-477-9, S. 55–61.
  • Karl Bröcheler: Ein kostbares Gut. Wasser für die Bönninghardter Heide. Selbstverlag, Alpen 2011.
  • Dieter Schauenberg: Die Eisenbahn auf der Bönninghardt. Geschichte und Geschichten. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2011. ISBN 978-3-87463-477-9, S. 90–97.
  • Josef Böhmer: Der Bönninghardter Wald und seine Geschichte. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2012. ISBN 978-3-87463-493-9, S. 112–118.
  • Jürgen Wiegert: Das Schicksal der ersten Siedler. Bönninghardt 1770–1780. Neukirchen-Vluyn 2012
  • Dieter Schauenberg: Die Waschol. Geschichte eines kleinen Bönninghardter Randgebietes. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2013. ISBN 978-3-87463-514-1, S. 128–132
  • Jürgen Wiegert: Bohrtürme auf der Bönninghardt. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2014. ISBN 978-3-87463-534-9, S. 135 - 140
  • Karl Bröcheler: Johann Sanders. Der "Kleine Jan" - ein niederrheinisches Original. In: Jahrbuch Kreis Wesel 2014. ISBN 978-3-87463-534-9, S. 171 - 173

Weblinks[Bearbeiten]