Börse Berlin

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Börse Berlin AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 29. Juni 1685
Sitz Berlin
Branche Börsen
Website http://www.boerse-berlin.de
Die erste Börsensitzung fand 1739 im ehemaligen Neuen Lusthaus am Berliner Lustgarten statt. Graphik von Seutter, 1750.
Die Berliner Börse am Lustgarten, 1820. Graphik von Leopold Ludwig Müller.
Berliner Börse um 1900
Reste der Berliner Börse, 1998
Reste der Berliner Börse, 1998

Die Börse Berlin AG (vormals Berliner Wertpapierbörse) ist eine Regionalbörse in Berlin, deren Eigentümer der Verein Berliner Wertpapierbörse e. V. ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Berliner Börse wurde am 29. Juni 1685 durch Kurfürst Friedrich Wilhelm in Berlin gegründet. Die erste Börsensitzung fand am 25. Februar 1739 statt. Zunächst wurde das Obergeschoss des ehemaligen Lusthauses im Lustgarten neben dem Dom in direkter Nähe zum Berliner Stadtschloss genutzt, bevor dieses 1798 zugunsten eines Neubaus für die Börse an gleicher Stelle abgerissen wurde. Träger der Börse war ab 1803 die Vereinigte Börsenkorporation, ab 1820 die Korporation der Kaufmannschaft. Das Gebäude in der Burgstraße auf der anderen Seite der Spree wurde von 1859 bis 1864 von Friedrich Hitzig errichtet. Die Gesamtkosten des Baus betrugen 700.000 Taler. Am 24. Mai 1944 brannte das Gebäude nach einem Bombenangriff aus, die Ruine wurde in den Jahren 1957 und 1958 abgerissen.[1] Hinter einem noch bis zur Neubebauung ab dem Jahr 2001 stehenden Bauzaun lagen lange Zeit einige gut sichtbare Teile des Gebäudes (Säulenteile, Fassadenschmuck).

Im Jahr 1922 wurde erstmals der Aktienindex des Statistischen Reichsamtes berechnet, der auf dem durchschnittlichen Kursniveau von rund 300 repräsentativen Aktien der Börse Berlin beruhte. Der Wirtschaftsrundfunk, eine Agentur für Wirtschaftsnachrichten, hatte ein Büro in der Börse. Der Schwarze Freitag am 13. Mai 1927 ließ den Aktienindex an der Börse um 31,9 Prozent einbrechen.[2]

Ende 1926 wurden an der Börse 917 Aktiengesellschaften gehandelt, Ende 1932 waren es 659. Bis 1943 sank die Anzahl der gelisteten Unternehmen auf 450.[3] Der Zweite Weltkrieg führte 1943 zur Einstellung der Kursermittlung durch das Statistische Reichsamt.

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Im März 2003 fusionierte die Bremer Börse mit der Berliner Börse zur öffentlich-rechtlichen Wertpapierbörse „Börse Berlin-Bremen“. Im Juni 2007 wurde diese Vereinigung wieder gelöst, und von da hieß die Institution Börse Berlin. In einer Pressemitteilung hieß es:

„Die Dach-Marke ‚Börse Berlin‘ vereint künftig sowohl die Aktiengesellschaft als auch die öffentlich-rechtliche Börse. Die Auflösung des Staatsvertrages war die letzte Hürde auf dem Weg zur Umbenennung in Börse Berlin. Der Zusatz Bremen ist nun auch formal Vergangenheit.“

Pressemitteilung vom 18. Juni 2007

Die Börse Berlin hat heute ihren Sitz im Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße 85 im Ortsteil Charlottenburg. Geschäftsführer ist Jörg Walter. Mitglieder des Vorstands sind Artur Fischer und Jörg Walter.

Daten zur Börse Berlin[Bearbeiten]

(Stand: Dezember 2011, Börse Berlin)[4]
  • Gesamtumsatz 2011: 13,8 Mrd. Euro (+84 %)
  • Aktienumsatz 2011: 0,83 Mrd. Euro (+4,5 %)
  • Umsatz Anleihen 2011: 12,7 Mrd. Euro (+98,4 %)
  • Umsatz Fonds: 0,260 Mrd. Euro (-16,4 %)
  • Sonstige Wertpapiere: 0,056 Mrd. Euro
  • Umsatz Equiduct: 33,7 Mrd. Euro (+802 %) rund 1.534 Blue Chips
  • Umsatz festverzinslicher Wertpapiere 2008 : 56,7 Mrd. Euro (+94,2 %)
  • Handelsteilnehmer 2011: 59 Kreditinstitute, 17 Finanzdienstleister, 5 Skontroführer und 2 Market Maker
  • Gesamtzahl der gehandelten Werte bis 2011: 35.212, reguliert 1.419
  • Zahl der im Freiverkehr gehandelte Werte 2011: 31.841 (Aktien, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine)
  • Internationale Aktien gesamt bis 2011: 13.059
  • nordamerikanische Titel: 5.598 (inklusive aller an der NASDAQ gehandelten Werte)
  • Osteuropäische Aktien: 124
  • Aktien aus dem asiatischen Raum: China (1.321), Japan (371), Neuseeland bis 2008 (61), Australien (1.442)
  • Anzahl der gehandelten Anleihen 15.318, Fondsanteile: 3.049

Equiduct Trading[Bearbeiten]

Im September 2007 erwarb die Börse Berlin eine Mehrheitsbeteiligung von 53 % an der EASDAQ NV, die unter der Marke Equiduct aktiv ist. Ziel der Transaktion ist eine Partnerschaft, mit der die Möglichkeiten, die die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID bietet, genutzt werden sollen.

Das zu der Kooperation gehörende Segment Equiduct Trading hat am 1. Juli 2008 den Betrieb aufgenommen. Kernelemente des Marktmodells von Equiduct Trading sind das HybridBook, PartnerEx und der VBBO (Volume weighted best bid and offer). PartnerEx ermöglicht es Marktteilnehmern, im Rahmen bilateraler Beziehungen, eigene Handelsparameter zu definieren und Geschäfte zu internalisieren. Im HybridBook werden Orders gegeneinander ausgeführt oder treffen auf ausführbare, zweiseitige, verbindliche Quotes von Market Makern. Der VBBO ist ein mathematisch berechneter Börsenpreis. Der Preis wird durch ein virtuelles Orderbuch berechnet, das sichtbare Pre-Trade Informationen (Level II Daten) von relevanten Märkten bündelt und damit einen Echtzeit-Datenstrom für liquide europäische Aktien generiert.

Equiduct befindet sich zu 53 % im Besitz der Börse Berlin, zu 23 % im Besitz von Jos Peeters, einem belgischen Venture-Capital-Geber, und im Rest von verschiedenen Investmentbanken (u. a. Knight Capital und Goldman Sachs).

Die aktuelle Equiduct Trading Plattform mit der Bezeichnung „European Trading System“ (ETS) baut auf das um das Jahr 2000 für rund 50 Mio. Euro entwickelte EASDAQ-System auf. Dieses System stellte ursprünglich ein Eigenhandelssystem dar, dass für EASDAQ bzw. Nasdaq Europe entwickelt wurde.

Im Juli 2009 reduzierte sich der Anteil der Börse Berlin an Equiduct signifikant auf nur noch über 10 %, nachdem der Chicagoer Hedge-Fund und Handelssystembetreiber Citadel Investment Group deutlich über 50 % Anteil an Equiduct übernommen hat.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Börse Berlin (building) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Götz Eckardt (Hrsg.) und andere: Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1978, Band 1, S. 45
  2. Die Zeit: Der Schwarze Freitag, vom 7. April 1967
  3. Deutsche Bundesbank: Deutsches Geld- und Bankwesen in Zahlen 1876-1975. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-7819-0165-3
  4. Berlin.de: Allgemeine Angaben zur Börse Berlin
  5. Reuters, 21. Juli 2009

52.50666666666713.328333333333Koordinaten: 52° 30′ 24″ N, 13° 19′ 42″ O