Bösebrücke

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52.55472222222213.398611111111Koordinaten: 52° 33′ 17″ N, 13° 23′ 55″ O

f1

Bösebrücke
Bösebrücke
Nordseite der Bösebrücke
Nutzung Straßenverkehr
Überführt

Bornholmer Straße

Querung von

Berlin-Stettiner Eisenbahn, Nord-Süd-S-Bahn

Ort Berlin, Ortsteil Prenzlauer Berg
Konstruktion Eisenfachwerk, zweibogig, zwei Hauptträger
Gesamtlänge 138,0 m
Breite 031,0 m
Längste Stützweite 087,0 m
Konstruktionshöhe Bogenscheitel über eingehängter Platte (ca. 12 m „Pfeilhöhe“)
Baukosten 1 Mio. Mark (heute: rund 2.793.000 Euro)
Baubeginn Juli 1913
Fertigstellung 11. September 1916
Planer Friedrich Krause und Mitarbeiter

Die Bösebrücke ist eine Bogenbrücke in Berlin und verbindet über die Gleise der Fern- und S-Bahn die Ortsteile Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen. Das im Verlauf der Bornholmer Straße liegende Bauwerk wird umgangssprachlich auch „Bornholmer Brücke“ genannt.

Die unter Denkmalschutz stehende erste genietete Stahlbrücke Berlins wurde 1916 als Hindenburgbrücke eröffnet und 1948 zu Ehren des NS-Widerstandskämpfers Wilhelm Böse umbenannt. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, war der Grenzübergang Bornholmer Straße am östlichen Ende der Bösebrücke der erste Übergang in Ost-Berlin, der für DDR-Bürger geöffnet wurde. Am 9. November 2013 wurde ein Bereich des damaligen Grenzübergangs in „Platz des 9. November 1989“ benannt.[1]

Lage[Bearbeiten]

Bösebrücke und S-Bahn-Station

Die Bösebrücke verläuft in Ost-West-Richtung des Straßenzugs Bornholmer Straße – Osloer Straße und ist Teil des früheren nördlichen Stadtringes. Unter der Brücke befindet sich die 1935 eröffnete S-Bahn-Station Bornholmer Straße der Nord-Süd-S-Bahn. Über die Brücke führte bis 1961 und (wieder) seit dem 14. Oktober 1995 eine Straßenbahnstrecke.

Geschichte[Bearbeiten]

Die niveaugleiche Kreuzung zwischen der Eisenbahn und der nach dem Hobrecht-Plan von Plötzensee bis Lichtenberg führenden Ringstraße entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Verkehrshindernis. Deshalb erwog der Magistrat der Stadt Berlin den Bau einer Brücke über die Eisenbahn. Nach Prüfung verschiedener Entwürfe und Modelle kam eine stählerne Auslegerkonstruktion nach Plänen des Stadtbaurats Friedrich Krause und seiner Mitarbeiter Hedde, Sievers, Behrens, Pohl, Marcus und Heinzel in die Auswahl. Der Baubeginn war im Sommer 1913, für die sorgfältige Ausführung der Metallarbeiten wurden zwischen den vorhandenen Gleisen hölzerne Lehrgerüste aufgestellt und größere Teile vor Ort zusammengenietet. Erst nachdem alle tragenden Teile fertig waren, senkte man die Konstruktion auf die stählernen Mittelstützen und die seitlichen Widerlager. Die Brücke aus Nickelstahl erhielt bei ihrer feierlichen Eröffnung am 11. September 1916 (während des Ersten Weltkriegs) den Namen Hindenburgbrücke.

Im Zweiten Weltkrieg waren sowohl Bahngleise als auch große Brückenbauwerke gute Orientierungspunkte bei den Luftangriffen der Alliierten. Die Hindenburgbrücke erlitt aber auch bei der Schlacht um Berlin Ende des Krieges keine größeren Schäden. Am 5. Juli 1948 wurde sie nach dem 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer Wilhelm Böse benannt.

Mit der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde sämtlicher Verkehr an dieser Stelle unterbrochen, die Bösebrücke gehörte zum überwiegenden Teil zu Ost-Berlin, jedoch lagen 30 Meter im Westen der Stadt. 1983–1985 wurde der im damaligen Bezirk Wedding liegende Teilabschnitt umfangreich instandgesetzt.

Für die Straßenbahn im Ostteil der Stadt wurde vor der Brücke eine Wendeschleife an der Björnsonstraße errichtet. Der S-Bahnhof Bornholmer Straße wurde zunächst ohne Halt durchfahren, später verlegte man die Gleise und die Züge fuhren mit Höchstgeschwindigkeit durch diesen Abschnitt. Zwischen 1963 und 1989 befand sich östlich der Bösebrücke der Grenzübergang Bornholmer Straße für Personenkraftwagen und Fußgänger.

Die Bösebrücke mit zahlreichen DDR-Bürgern vor dem Grenzübergang Bornholmer Straße am 18. November 1989

In der Nacht des 9. zum 10. November 1989 öffneten die Grenztruppen der DDR diesen Grenzübergang als ersten, um dem Druck der Massen von Ost-Berliner Seite nachzugeben.[2] Dies war der Beginn des Falls der Berliner Mauer.[3]

Bronzetafel an der Brücke zur Erinnerung an die Grenzöffnung (Tafel 1998 angefertigt von der Kunstgießerei Lauchhammer)[4]

Die Instandsetzung am Teilstück im damaligen Bezirk Prenzlauer Berg konnte nun in Angriff genommen werden. Nach einer Ausschreibung zur kompletten Brücken-Sanierung mit Teilerneuerungen der vier Treppenanlagen zum Bahnhof begannen im Sommer die notwendigen Reparaturen und wurden nach viereinhalb Jahren am 9. Februar 1995 abgeschlossen.[5]

Konstruktion[Bearbeiten]

Die stählerne Brücke ist als Zweigelenkbogen mit beiderseitigen Kragarmen und gelenkig angeschlossenen Endfeldern sowie eingehängter Brückenplatte ausgeführt. In der Oberkonstruktion sind beidseitig Lichtmaste integriert. Die gesamte Brückenfläche wird mit 3726 m² angegeben. Die Brücke trägt beidseitig sechs Meter breite Fußwege, die gesamte Fahrbahn ist 15 Meter breit. 2008 ergaben Untersuchungen des Brückenstahls, dass zur Gewährleistung der Standsicherheit eine weitere Sanierung notwendig ist. Außerdem müssen Fahrbahnschäden beseitigt und Abdichtungen sowie sämtliche über die Brücke führenden Versorgungsleitungen erneuert werden. Im Dezember 2008 wurde als möglicher Beginn der Instandsetzung das Jahr 2010 abgegeben.[6][7]

Verkehrsprobleme[Bearbeiten]

Gleisverschlingung der Straßenbahn über die Brücke

Wegen der für vierspurigen Verkehr geringen Straßenbreite wurde nach der Maueröffnung zeitweilig ein Abriss und Neubau der Bösebrücke diskutiert. Der bestehende Denkmalschutz führte dagegen zu den oben beschriebenen Instandsetzungsarbeiten, die insgesamt 26 Millionen Mark kosteten.[5] Schwierig war die Wiederinbetriebnahme der Straßenbahnstrecke, die über die Bösebrücke bis zum Virchow-Klinikum geführt wurde. Damit die Bahnen in jeder Richtung ohne Weichen in ihrem jeweiligen Gleis fahren können, sind die Schienen als Gleisverschlingung realisiert. Der auf der Brücke beidseitig verbleibende Fahrstreifen für den Pkw-Verkehr entspricht nicht den Normbreiten für je zwei Fahrstreifen, weswegen direkt auf der Brücke keine Spurführungsmarkierung aufgebracht wurde. Die unfallfreie Passage ist dem Geschick der Autofahrer überlassen.

Rezeption[Bearbeiten]

Das Lied und das Video Where are we now des Pop-Musikers David Bowie erinnerten 2013 mit den Zeilen “Twenty thousand people cross Bösebrücke, fingers are crossed, just in case” an die Nacht vom 9. zum 10. November 1989.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 158–159

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bösebrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Platz des 9. November 1989“ heißt künftig „Platz des 9. November 1989“. In: Prenzlberger Stimme
  2. Grenzübergang Bornholmer Straße am 9. November 1989. In: Spiegel Online
  3. Fotos und Bericht über die Grenzöffnung an der Bösebrücke Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; abgerufen 26. März 2009
  4. Referenzliste der Kunstgießerei; hier: 1998
  5. a b Infos über die Bösebrücke Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; abgerufen 26. März 2009
  6. Peter Neumann: Bösebrücke muss saniert werden. In: Berliner Zeitung, 23. Dezember 2008
  7. Zustandsbericht der Bösebrücke vom 4. März 2009 (Abstract; Gesamtbericht als PDF) abgerufen 26. März 2009