Bücherverbrennung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gustave Doré: Paulus in Ephesus (um 1866). Magier verbrennen nach ihrer Bekehrung durch den Apostel Paulus in Ephesus ihre heidnischen Bücher.

Eine Bücherverbrennung ist die demonstrative Zerstörung von Büchern oder anderen Schriften durch Feuer. Es handelt sich dabei um die bekannteste Form der Bücherzerstörung. Die meist öffentlich durchgeführten Verbrennungen erfolgten wegen moralischer, politischer oder religiöser Einwände gegen den Inhalt der Schrift und kamen sowohl als staatlich inszenierte oder geduldete Maßnahme als auch als Mittel öffentlichen Protestes gegen staatliche Gewalt vor. Missliebige Bücher wurden u. a. als blasphemisch, häretisch, ketzerisch, unmoralisch, obszön, aufrührerisch und hochverräterisch sowohl symbolisch als auch tatsächlich verbrannt.

Bekannt sind die Bücherverbrennungen der römisch-katholischen Kirche, die seit den Anfängen stattfanden und ihren Höhepunkt in der Inquisition erreichten. Im 20. Jahrhundert sind es die Bücherverbrennungen 1933 im nationalsozialistischen Deutschland, bei denen im Zuge einer Aktion wider den undeutschen Geist der Deutschen Studentenschaft zehntausende Bücher in ritualisierten Demonstrationen öffentlich verbrannt wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

„Bücherhinrichtungen“ sind ein die Entwicklung der Menschheit begleitendes Phänomen, das sich durch die gesamte erfahrbare Geschichte zieht. Erste Buchexekutionen sind bereits aus der Antike bekannt, prägten aber vor allem die Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts, die Blütezeit der Bücherhinrichtungen in Europa. Ungenau ist die Terminologie „Bücherverbrennung“, die sich im deutschsprachigen Raum weitestgehend unabhängig etabliert hat, denn sie spiegelt nur einen kleinen Teil des weitläufigen Spektrums der Hinrichtung unliebsamen Gedankengutes (Katja Lehman). Im öffentlichen Bewusstsein hat sich der Begriff „Bücherverbrennung“ festgesetzt, da Bücherhinrichtungen (tatsächlich und vornehmlich) durch das Feuer vollzogen wurden.

Bereits Kaiser Diokletian ließ in Konstantinopel die Schriften der Christen verbrennen. (Siehe dazu Märtyrer der heiligen Bücher und Diokletianische Christenverfolgung.) Im Mittelalter bezeichnet Autodafé die Verbrennung ketzerischer Bücher als Vollstreckung eines Urteils der Inquisition. In der Neuzeit bedienten sich französische Revolutionäre und britische Truppen in Nordamerika dieses extremen Mittels ihrer Politik und brannten Teile der Bibliothèque Nationale bzw. die Library of Congress nieder. Die Gründe blieben über Jahrhunderte die gleichen: Die Aussagen der Bücher seien politisch untragbar, falsch, gefährlich, verleumderisch, obszön oder verderblich. Die Versuche, unerwünschte Bücher zu verbieten, gipfelten dabei oft in publikumswirksam inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen. Das Zeremoniell passte sich den jeweiligen Gepflogenheiten an. Während bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch die Kirchenglocken läuteten und ein Scharfrichter die Strafe vollstreckte, indem er das Buch auf einen Scheiterhaufen warf, geht man heute gewöhnlich leiser vor und entzieht sich - bedingt durch die negative Assoziationskraft zur Bücherverbrennung 1933 - oft der Aufmerksamkeit der Medien. In moderner Zeit werden neben Büchern auch andere missliebige Publikationsformen wie Tonbänder, Schallplatten, CDs oder Videobänder verbrannt.

Frühzeit und Mittelalter[Bearbeiten]

  • Der chinesische Kaiser Qin Shihuangdi griff im Zuge der Reichseinigung zu rigorosen Maßnahmen. So wurde die Vielfalt widerstreitender philosophischer Schulen abgeschafft und verboten. Lediglich die staatstragende Philosophie wurde gebilligt. 213 v. Chr. wurden die Bücher aller anderen Schulen verbrannt.
  • Das Neue Testament schildert eine Bücherverbrennung, mit der bestimmte Kirchen und Christengruppen bis zur Gegenwart immer wieder ihr Vorgehen gegen abweichende Meinungsdarstellungen verglichen und begründet haben: „Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre [Zauber-]Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren und kamen auf fünfzigtausend Silberdrachmen”. (Apostelgeschichte 19,19 EU) Diese neutestamentliche Überlieferung beschreibt das Wirken des Apostels Paulus in Ephesos, wo er auf seiner dritten Missionsreise für zwei Jahre Station machte. Die Wirkung seines missionarischen Eifers soll nicht zuletzt darin bestanden haben, dass bekehrte Magier ihre Bücher zusammentrugen und verbrannten. Die spektakuläre Aktion zeichnete sich offenkundig durch Freiwilligkeit aus, was bei späteren kirchlichen Bücherverbrennungen nicht immer der Fall war. John Milton beschrieb dies als Beispiel eines persönlichen und freiwilligen Vorgangs: “It was private act, a voluntary act, and leaves us to a voluntary imitation: the men in remorse burnt those books which were their own; the Magistrat by this example is not appointed“.
Der heilige Dominikus und die Albigenser in Albi (1207) – katholische und katharische Schriften werden ins Feuer geworfen, doch nur diese verbrennen – Pedro Berruguete um 1495.[1]
  • 325 wurden die Bücher des Arius und seiner Schüler nach dem Ersten Konzil von Nicäa als häretisch verbrannt. Nach ähnlichen Anordnungen in Konzilien 381, 431 und 451 wurde die Verbrennung häretischer Schriften „sub conspectu judicum“ angeordnet.
  • Ab dem 4. Jahrhundert gibt es Nachweise für die Verbrennung von „Zauberbüchern“ im Rahmen christlicher Bekehrung. Von ca. 350 bis ins Mittelalter hinein gibt es Schilderungen, dass „Zauberbücher“ aufgesucht und vernichtet wurden. Zwischen 350–400 konnten Besitzer von „Zauberbüchern“ auch mit dem Tode bestraft werden.
  • Die Res gestae des Ammianus Marcellinus (ca. 330 bis ca. 395) berichten von der Verfolgung und Hinrichtung von Personen, denen der Besitz von Büchern mit verbotenem Inhalt vorgeworfen wurde. Ihre Codices und Rollen wurden in großer Zahl öffentlich verbrannt. Bei den Büchern soll es sich vor allem um Werke der „artes liberales“, der klassischen antiken Wissenschaften gehandelt haben. Infolgedessen hätten in den „östlichen Provinzen“ „aus Furcht vor ähnlichen Schicksalen die Besitzer ihre ganzen Bibliotheken verbrannt“.
  • 371-372 (oder 374) befahl Kaiser Valens eine der größten Büchervernichtungen. Zum konfiszierten und vernichteten Material gehörten dabei mehr Schriften der Artes liberales und des Rechts als der Magie, dabei ließ der Kaiser die Bücher der Verdächtigten in ihren Häusern aufspüren - ein besonders schwerer Verstoß gegen römisches Recht. Die Bücherverbrennung fand in Verbindung mit der Hinrichtung vieler angesehener Männer wie etwa Philosophen statt.
  • 391 ging das Serapeum von Alexandria, Gelehrtensitz und Bibliothek vieler Jahrhunderte, in Flammen auf; die größere Bibliothek, das Museion, erlitt bereits 47 v. Chr. bei der Eroberung Alexandrias durch Caesars Soldaten Schäden, die letzte Bezeugung des Gebäudes datiert um 380.
  • Ende des 5. Jahrhunderts fanden Studenten in Beirut bei einem „Johannes mit dem Beinamen ‚Walker‘ aus dem ägyptischen Theben“ im Zuge einer Hausdurchsuchung Zauberbücher. Nachdem er sie verbrannt hatte, wurde er gezwungen, die Namen von anderen Besitzern anzugeben. Daraufhin begannen die Studenten „unterstützt vom Bischof und der weltlichen Obrigkeit“, eine größere Suchaktion. Sie fanden bei anderen Studenten und einigen namhaften Personen derartige Bücher und verbrannten sie vor der Kirche. (Siehe auch: Bücherverluste in der Spätantike)
  • 562 ließ der römische Imperator Justinian I. heidnische Bücher, Bilder, Götterstatuen im Kynegion verbrennen, an dem Ort, „wohin die Leiber der Hingerichteten geworfen wurden“, eine besonders verachtende Form der „damnatio memoriae“, der Auslöschung der Erinnerung.
  • 1193 wurde die buddhistische Nalanda-Universität (heute Bundesstaat Bihar, Indien), mutmaßlich die weltweit größte ihrer Zeit, vom islamisch-türkischen Eroberer Bakhtiyar Khilji zerstört, wobei es zu einem Massaker an tausenden von Lehrern und Studenten, meist buddhistischen Mönchen, kam. Demnach wurden die Opfer enthauptet oder lebendig verbrannt. Zudem wurden alle Bücher der Bibliothek verbrannt, was aufgrund des riesigen Umfanges mehrere Monate gedauert haben soll. Das Ereignis gilt auch als Wendepunkt des Buddhismus in Indien, der hierbei auf dem Subkontinent weitgehend ausgelöscht wurde.
  • 1207 übergab der mit der Ketzerbekämpfung beauftragte Dominikus in Albi die Schriften der Albigenser den Flammen. Dominikus prüfte derart die Schriften der Albigenser, die im Feuer liegen bleiben und verbrannten, während die rechtgläubig katholischen Bücher in den Himmel emporgehoben wurden.
  • 1242 kam es zur Pariser Talmudverbrennung bei der sämtliche in Frankreich, England, Portugal und im nicht-almohadischen Teil Spaniens entdeckten jüdischen Bücher konfisziert und vernichtet wurden. Unter Aufbietung des königlichen Beamtenapparates wurden 24 Wagenladungen jüdischer Bücher aus dem ganzen französischen Königreich zusammengetragen, die Scheiterhaufen brannten zwei Tage lang. Mit dem Flammengericht wurden zum ersten Mal in Paris die Bücher „in maxima multitudine“ in Form des Scheiterhaufens aufgeschichtet und verbrannt. Diese Bücherverbrennung ging auf eine Anweisung von Papst Gregor IX. an die dortigen Bischöfe zurück, denen es gelang Ludwig IX. zu überreden, zwölftausend Exemplare des Talmud in Paris verbrennen zu lassen. Weitere Päpste taten es ihm gleich, so Innozenz IV. (1243-1254), Clemens IV. (1256-1268), Johannes XXII. (1316-1334), Paul IV. (1555-1559), Pius V. (1566-1572) und Clemens VIII. (1592-1605), denen es fast gelang, das gesamte jüdische Schrifttum zu vernichten.
  • 1256 ordnete der Mongolen-Khan Hülegü die Verbrennung der großen Bibliothek an, welche die Assassinen auf Alamut zusammengestellt hatten. Lediglich alle Koran-Handschriften und wissenschaftlichen Werke wurden zuvor aussortiert.

Neuzeit[Bearbeiten]

15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Martin Luther verbrennt 1520 in Wittenberg die Päpstliche Bulle. (Gemälde von Paul Thumann, 1872/73)
Titelblatt zum Index Librorum Prohibitorum, Kupferstich von 1711. (N.B.: Der Heilige Geist oben, mitten in Aureole und zusehenden Engeln, entzündet mit 2 Strahlen, die von Christen, mit Heiligenschein, abgelenkt werden, den Bücherhaufen unten.)
Verbrennung des „Book of Sports“ (Declaration of Sports) durch englische Protestanten (um 1618)
  • 1415 wurde der böhmische Reformator Jan Hus an seinem Geburtstag am 6. Juli in Konstanz zum Feuertod verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtung wurde er am Friedhof jener Kirche vorbeigeführt, wo zur selben Stunde seine Bücher „in Anwesenheit des Klerus und johlenden Volkes“ verbrannt wurden.
  • Am 7. Februar 1497 und am 17. Februar 1498 ließ der Dominikanermönch Girolamo Savonarola in Florenz durch eine „Kinderpolizei“ in Haus- und Straßensammlungen die „Herausgabe aller unehrbaren Schriften, Figuren und Gemälde“ erzwingen und verbrannte in einem „Scheiterhaufen der Eitelkeiten” pornographische und heidnische Bücher, Glücksspiele, Kosmetik, obszöne Bilder, Boccaccios Decamerone und alle Werke des Ovid, die in der Stadt gefunden werden konnten.
  • Im 15. Jahrhundert gab es zahlreiche derartige Aktionen auch schon vor den „bruciamenti“ Savonarolas, die ebenfalls oft von Bußpredigern initiiert wurden, etwa in Bologna, Augsburg, Nürnberg, Bamberg und Wien.
  • 1499/1500 verfügte der Erzbischof von Toledo, Gonzalo Jiménez de Cisneros, im Rahmen der Zwangsbekehrung der muslimischen Granadinos, dass deren Bücher, nicht zuletzt die ausgeforschten Koran-Exemplare, verbrannt werden. 1821 machte Heinrich Heine dieses Ereignis zum Sujet seiner Tragödie Almansor (siehe unten).

16. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 1501 wurde die Bücherverbrennung papstfeindlicher Schriften in der Päpstlichen Bulle angeordnet
  • 1520 erließ Papst Leo X. die BulleExsurge Domine“ gegen Martin Luther mit der Androhung des Bannes. Die Verbrennung seiner Schriften, die zwar vielerorts von der Kanzel herab angeordnet aber nur in wenigen deutschen Städten (darunter Löwen, Lüttich, Trier und die Bistümer Mainz und Köln) im Oktober tatsächlich befolgt wurde, veranlasste Luther dazu, seinerseits Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Er verbrannte am 10. Dezember die kanonischen Rechtsbücher (Codex Iuris Canonici) und die päpstliche Bannandrohungsbulle vor dem Elstertor in Wittenberg. Mit diesem Akt vollzog Luther die symbolische Loslösung von Rom, mit einer lateinischen Verdammungsformel warf er die Bulle ins Feuer: „Weil Du getilgt hast die Wahrheit Gottes, so tilge Dich heute der Herr. Hinein mit Dir hier ins Feuer!“.
  • Ebenfalls am 10. Dezember 1520 wurden nach einem Aufruf Melanchthons vor den Toren der Stadt Wittenberg die päpstlichen Bulle, Bücher des päpstlichen Rechts und der scholastischen Theologie sowie einiger Schriften von Johannes Eck und Hieronymus Emser verbrannt. Die „Summa theologica“ von Thomas von Aquin und der „Sentenzenkommentar“ von Duns Scotus entgingen den Flammen, da der Organisator der Bücherverbrennung (wahrscheinlich Johannes Agricola) davon keine Exemplare auftreiben konnte. Diese Aktion symbolisierte die endgültige Abkehr vom Katholizismus und das Ende der Bestrebungen, eine gütliche Einigung im Konfessionsstreit zu finden.
  • Am 10. März 1521 erließ Karl V. das Mandat zur Verbrennung der Schriften Martin Luthers.
  • 1526 führte der englische Kardinal Wolsey in St Paul’s Cross in London in Anwesenheit von 30.000 Zuschauern die Verbrennung einer großen Anzahl lutherischer Bücher durch.
  • 1534 (am 24. Dezember) wurde der französische Typograph und Verleger Antoine Augereau, der Lehrmeister Garamonds, auf dem Scheiterhaufen mit seinen Schriften verbrannt. Hintergrund war ein theologischer Streit mit der katholischen Kirche.
  • 1559 erschien erstmals der Index Librorum Prohibitorum, ein Verzeichnis der für jeden Katholiken bei Strafe der Exkommunikation verbindlich verbotenen Bücher. Die letzte amtliche Ausgabe erschien 1948.
  • Am 12. Juli 1562 ließ der Bischof von Yucatán, Diego de Landa, vor dem Franziskanerkonvent in Maní alle Götzen und Objekte, von denen er meinte, dass sie den Maya zur Teufelsanbetung dienten, auf einem Scheiterhaufen verbrennen. So wurden auch sehr viele Bücher der Maya ein Opfer der Flammen. Nur vier Codices überlebten die Vernichtung und geben uns heute einen kleinen Einblick in die Lebenswelt der Maya.
  • 1562 verurteilte Papst Leo X. Pietro Pomponazzis „Tractatus de immortalitate animae“ (Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele) von 1516. Es wurde öffentlich verbrannt. Pomponazzi wies in seinem Werk die Unsterblichkeit der Seele als unhaltbar zurück.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • Um 1618 verbrannten Protestanten in England durch den Henker das „Book of Sports“, das nach puritanischer Ansicht der Heiligung des Sabbath widersprach. („10 of May the Boocke of Sportes upon the Lords day was burnt by the Hangman in the place where the Crosse stoode & at Exhange“)
  • Am 29. Januar 1630 ließ der bayerische Kurfürst Maximilian I. im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz vor den Toren der Stadt Amberg 11.183 „unkatholische“ Bücher verbrennen, die seine Beamten bei systematischen Hausdurchsuchungen im gesamten Fürstentum konfisziert hatten. Dabei handelte es sich überwiegend um in protestantischen Haushalten verbreitete religiöse „Gebrauchsliteratur“, etwa das Gebetbuch von Johann Habermann, den Psalter von Ambrosius Lobwasser, Evangelien, Verhaltensratgeber, z.B. Jesus Sirach, sowie Luther- und Hus-Biographien.[2] Die propagandistisch als Strafgericht inszenierte Verbrennung wurde von Jesuitenschülern musikalisch untermalt.[3] Später bekam der ehemalige Bürgermeister Georg Kotz wegen seiner angeblichen Äußerung, man hätte „die Pfaffen“ gleichfalls auf den Bücherhaufen setzen sollen, Schwierigkeiten mit der Obrigkeit.[2]
  • 1634 fand in Madrid eine „Buchhinrichtung“ statt.
  • 1650 fand die erste nachgewiesene Bücherverbrennung auf US-amerikanischem Boden auf dem Marktplatz von Boston statt, wo religiöse Schriften dem Feuer übergeben wurden. Dies begründete eine lange Tradition von Bücherverboten und Bücherverbrennungen in den USA.[4]
  • Am 23. September 1660 verfügte der Staatsrat unter dem französischen König Ludwig XIV., die Lettres provinciales des Philosophen Blaise Pascal zu verbrennen, und verbot allen Druckern und Buchhändlern bei Androhung „exemplarischer“ Bestrafung nicht nur Druck und Verbreitung, sondern auch den privaten Besitz des Buches.[5] Die Schrift, in der sich Pascal kritisch mit dem sittlichen Verfall der Jesuiten und der probabilistischen Moraltheologie auseinandersetzte, war zuvor durch eine hochrangig besetzte Kommission von katholischen Klerikern und Theologen der Sorbonne als jansenistisch und damit häretisch eingestuft worden.[6] Die Verfügung wurde am 8. Oktober an der Einmündung der Rue de l'Arbre Sec in die Rue Saint-Honoré vollstreckt, einem Platz, der unter dem Namen Croix du Tiroir bekannt war und als einer von mehreren Richtstätten im damaligen Paris diente. Der Scharfrichter zerriss die Exemplare, derer man habhaft geworden war, und verbrannte sie auf dem Scheiterhaufen.[7] Bereits drei Jahre zuvor hatte das Parlament der Provence Pascals Schrift in Aix auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen und die Generalkongregation der Inquisition unter Papst Alexander VII. hatte sie noch im gleichen Jahr auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt.[8]
  • 1664 wurden im Zuge des Theaterskandals um Molieres Tartuffe in Paris einige Exemplare des Stückes, das Scheinmoral und Bigotterie anprangerte, öffentlichkeitswirksam verbrannt.[9]
  • 1682 ließ Fjodor III. von Russland Ahnenbücher des Adels verbrennen.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Burschenschaften verbrennen am 18. Oktober 1817 Bücher auf dem Wartburgfest
Siegel der „Gesellschaft zur Bekämpfung des Lasters“ in New York City (1873)
  • Am 4. Juli 1854 verbrannte der Bürgerrechtler William Lloyd Garrison die Verfassung der Vereinigten Staaten während eines Treffens der Abolitionisten in Framingham, Massachusetts als Dokument der Sklaverei.
  • Die 1873 gegründete New York Society for the Suppression of Vice (Gesellschaft zur Bekämpfung des Lasters) des Anthony Comstock (1844–1915) führte die Abbildung einer Bücherverbrennung auf ihrem Siegel. Der Puritaner Comstock war lange Zeit Chef des United States Postal Inspection Service. Die von ihm initiierten Comstock-Gesetze schränkten den Versand „lasziven oder obszönen Materials“ – sei es erotische Literatur, Nacktfotos oder „Gummiartikel“ – erheblich ein. Zudem nutzte er eine Besonderheit des amerikanischen Rechts aus, welches die Zulassung von Zeitschriften, Theaterstücken und Filmen bis in die 1950er-Jahre den kommunalen Behörden überließ. Damit konnte Comstock demokratisch legitimiert zu einem der größten Bücherverbrenner der Geschichte werden. Ihm werden die Verbrennung von 15 Tonnen Büchern sowie die Zerstörung von 150 Tonnen Bleidruckplatten und von fast vier Millionen Bildern zugeschrieben. Zudem trieb er etliche Verleger, Händler und Autoren, darunter Ida Craddock in den Selbstmord und veranlasste mehrere tausend Verhaftungen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

10. Mai 1933, Bücherverbrennung durch die Deutsche Studentenschaft am Opernplatz in Berlin.
  • Am 25. August 1914 wurde in den Anfangstagen des Ersten Weltkriegs die Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Löwen als Vergeltungsmaßnahme gegenüber Angriffen sogenannter Franc-Tireurs durch die Truppen des Deutschen Kaiserreichs niedergebrannt. Die Aktion, die den unwiederbringlichen Verlust vieler mittelalterlicher Handschriften zur Folge hatte, löste Entsetzen in der ganzen Welt aus.
  • Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, wurden in mehreren Bundesstaaten unter dem Absingen patriotischer Lieder wahllos aus den Bücherregalen herausgegriffene deutsche Bücher verbrannt.[12]
  • In den Jahren des Russischen Bürgerkriegs (1918–1922) und im Zuge der von den Bolschewiki angestrebten kulturellen Revolution wurden in der Sowjetunion der späten 1920er-Jahre Bibliotheken geplündert, Bücher verbrannt und auf andere Weise vernichtet.[13]
  • Am 10. Mai 1933 fanden im nationalsozialistischen Deutschland im Zuge einer Aktion wider den undeutschen Geist der Deutschen Studentenschaft Bücherverbrennungen statt, wobei in 22 Universitätsstädten, beginnend mit dem Opernplatz in Berlin, öffentlich zehntausende Bücher von jüdischen, marxistischen und pazifistischen Schriftstellern konfisziert und verbrannt wurden. Im Juni 1933 und in den Monaten danach folgten zahlreiche weitere Aktionen. Die Inszenierung und das Kultisch-Rituelle, das Systematische der Durchführung haben diesem Autodafé den Rang der Einmaligkeit in der Kontinuität der geschichtlichen Reihe von der Antike bis zur jüngsten Gegenwart gegeben.
    Bücherverbrennung 1933 im Rahmen der Aktion wider den undeutschen Geist
  • 1936 Griechenland. Im August ließ Diktator Ioannis Metaxas den Gedichtzyklus Epitaphios von Giannis Ritsos öffentlich verbrennen.
  • Im März 1938 organisierten die deutschen Nationalsozialisten der NSDAP/AO, Landesgruppe Mexiko, unter ihnen der deutsche Gesandte Heinrich Rüdt von Collenberg, in Mexiko-Stadt ein „Fest für den vollzogenen Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, dem man auch eine kleine Bücherverbrennung anschloss. (Mexiko war der einzige Staat, der den „Anschluss“ politisch verurteilt hatte.)
  • Am 30. April 1938 fand in Salzburg nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland die einzige Bücherverbrennung auf dem Gebiet des heutigen Österreich statt. Sie wurde vom SS-Mann, Lehrer und Schriftsteller Karl Springenschmid inszeniert.
  • 1938 wurden von Nazis in vielen Städten und Dörfern Bücher jüdischer Gemeinden verbrannt (z. B. in den fränkischen Ortschaften Hagenbach, Karlstadt und Steinach).
  • 1941 wurden im nationalsozialistisch besetzten Elsass im Rahmen einer „Entwelschungsaktion“ mehrere Bücherverbrennungen durchgeführt.
  • Am 16. Juni 1944 verbrannte die Döme Sztójay-Regierung in Ungarn 447.627 Bücher jüdischer Autoren[14]
  • 1953 erzwang der amerikanische Senator Joseph McCarthy im Zuge seiner „Kommunistenhatz“ in den USA die Beschlagnahme und teilweise Verbrennung inkriminierter Literatur aus den Bibliotheken der United States Information Agency.
Ost-Berlin 1955, Verbrennung von „Schmutz- und Schundliteratur“
  • 1956 wurde die gesamte deutschsprachige Auflage von Eustace Mullins Buch Secrets of the Federal Reserve vom Verfassungsschutz beschlagnahmt und verbrannt. Mullins befasst sich in dem Werk mit der Entstehung der Federal Reserve Bank, deren Monopol auf die Herstellung von Dollarnoten, der Geschichte sowie der Zusammensetzung des dahinterstehenden Bankenkartells und mit den Folgen für die amerikanische Gesellschaft und die Weltwirtschaft.
  • Im Juni 1956 wurden Werke des Psychoanalytikers Wilhelm Reich im Zusammenhang mit seinen Theorien zur Orgon-Energie nach einer Anklage der amerikanischen U.S. Food and Drug Administration auf richterliche Anordnung auf seinem Anwesen in Rangeley (Maine) verbrannt. Ende desselben Jahres und im März 1960 wurden weitere sechs Tonnen von Reichs Veröffentlichungen, Büchern und Zeitschriften in der Gansevoort-Verbrennungsanlage in New York verbrannt. Bis in die 1960er-Jahre war jeder Besitz von Schriften von Wilhelm Reich in den USA verboten und wurde verfolgt.
  • 1962 wurden die ersten studentischen „Botschafter“, die nach Ost-Berlin einreisen durften, gezwungen, alle ihre mitgebrachten Bücher und Manuskripte vor der Einreise zu verbrennen.
  • Am 3. Oktober 1965 verbrannte eine Gruppe Jugendlicher des Düsseldorfer EC (Entschiedene Christen) Groschenromane, Sex-Magazine und Bravo-Hefte, aber auch Bücher namhafter Autoren, wie Grass, Kästner oder Nabokow unter Rezitieren von Bibelstellen, um Schriften zu vernichten, „die negative Wirkung auf sie gehabt hätten”. Sie hatten dazu die offizielle Genehmigung des Ordnungsamtes der Stadt Düsseldorf.[15] Die Idee kam den Jugendlichen nach der Lektüre von Apostelgeschichte 19,19 EU, wo es heißt: „Und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Zauberbücher herbei und verbrannten sie vor aller Augen.”
  • Seit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei in der Volksrepublik China werden öffentlich „anti-kommunistische” Bücher und Medien vernichtet. Dazu gehören vor allem Bücher und digitale Medien von verfolgten Gruppen wie Demokraten und Menschenrechtlern. Auch Medien von verbotenen religiösen Gruppen, wie Falun Gong, werden öffentlich vernichtet.
  • 1975 kamen in Kambodscha die Roten Khmer an die Macht, deren Führer Pol Pot auf kommunistischer Basis eine reine Agrargesellschaft schaffen wollte, in der jeglicher Intellekt verboten war. Geld wurde abgeschafft, Bücher wurden verbrannt, Lehrer, Händler und beinahe die gesamte intellektuelle Elite des Landes wurde ermordet, um den Agrarkommunismus zu verwirklichen.
  • Im Mai 1981 wurde die Jaffna Public Library in Sri Lanka gestürmt und niedergebrannt, wobei mehr als 97.000 Bücher den Flammen zum Opfer fielen. Dabei wurden auch viele alte Palmblatt-Manuskripte vernichtet.[16]
  • Am 28. November 1986 ließ das chilenische Innenministerium auf direkte Order des Diktators Augusto Pinochet in Valparaíso 15000 Exemplare des regimekritischen Buches Das Abenteuer des Miguel Littín – Illegal in Chile von Gabriel García Márquez verbrennen.
  • Der 1988 erschienene Roman Die satanischen Verse von Salman Rushdie wurde von Muslimen als gotteslästerlich verbrannt.
  • 1992 griffen im Bosnienkrieg serbische Truppen das Orientalische Institut in Sarajevo an, der gesamte Archivfonds wurde zerstört: ca. 250.000 laufende Meter, meistens Original-Dokumente, die Sammlung Manuscripta turcika (7.156 Dokumente), die Sammlung von Sidschilen (66 Sidschilen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert), das Archiv vom Vilajet (ca. 220.000 Dokumente aus dem 19. Jahrhundert), die Sammlung von Tapien, die Sammlung mit den handschriftlichen Manuskripten (5.236 Kodeke). Auch die Universitätsbibliothek mit einigen zehntausend Büchern wurde komplett zerstört.
  • Die 1987 gegründete Nasir-i Khuschra Stiftung in Kabul, Afghanistan beinhaltete einen großen Schatz an Museumsgütern und Büchern[17] in Arabisch, Englisch und Paschtu. Die persische Sammlung war einmalig und enthielt unter anderem eine frühe Ausgabe von Firdausi Schāhnāme, die ismaelitische Sammlung Werke von Hasan-i Sabbah, Nasir-i Khuschra und Siegel des ersten Aga Khan. Am 12. August 1998 zerstörten die Taliban Druckerei, Museum und Bücherei und verschonten nicht einen Buchband, nicht einmal eine tausendjährige Ausgabe des Korans.[18]

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • Im Januar 2001 ließ das Ägyptische Kulturministerium auf Druck islamischer Fundamentalisten 6000 Exemplare homoerotischer Poesie von Abu Nuwas verbrennen.
  • Die wahrscheinlich erste Bücherverbrennung des Jahrhunderts in den USA betraf J. K. RowlingsHarry Potter“. Pastor George Bender und Mitglieder der US-amerikanischen christlichen „Harvest Assembly of God“-Kirche in Pittsburgh verbrannten während eines „book burning“-Gottesdienstes im März 2001 Harry-Potter-Bücher mit der Begründung, der neue Held unzähliger Leser verherrliche Zauberei und Hexentum. Ebenfalls auf dem Scheiterhaufen landeten CDs und Videos von Foreigner, AC/DC, Bruce Springsteen, Pearl Jam, Iron Maiden und Black Sabbath sowie die Walt-Disney-Videos „Herkules“ und „Pinocchio“. Weitere Verbrennungen fanden in Alamogordo (New Mexico), Charleston (South Carolina) und Cedar Rapids (Iowa) statt.
  • Anfang 2001 kam es in Indonesien zu einer Reihe von „Sweepings” („Fegefeuer”) genannten Verbrennungen von als politisch links geltender Literatur, Mangas (japanischen Comics), Popmusik-CDs, aber auch von Khalil Gibrans Essayband Der Prophet. Sie entsprangen studentischem Protest gegen sinkendes Ausbildungsniveau wie auch fundamentalistischem, westliche Vorstellungen negierenden Moralismus.
  • 2002 Tiflis: Bei einer Bibelverbrennung in Gestalt eines Brandanschlages auf ein Gebäude der georgischen Bibelgesellschaft vernichtete eine extremistische Gruppe der georgisch-orthodoxen Kirche vor laufenden Kameras zehntausende „protestantischer” Bibeln.
  • Im März 2003 wurden in Bossier City Musik-CDs der Country Band Dixie Chicks öffentlich von Bulldozern plattgewalzt, nachdem die Sängerin Natalie Maines während eines Auftrittes am 10. März 2003 in einem Londoner Nachtclub eine negative Äußerung über Präsident George W. Bush kurz vor der Invasion amerikanischer Truppen im Irak gemacht hatte, und mehreren Institutionen - darunter das Medienunternehmen Clear Channel - zu einer Zerstörung von CDs der Band aufgerufen hatten.[19]
  • Am 30. März 2005 ordnete der türkische Landrat Mustafa Altinpinar in der südtürkischen Provinz Isparta an, alle Bücher des späteren Nobelpreisträgers Orhan Pamuk aus den öffentlichen Büchereien zu entfernen und zu verbrennen. Pamuk war und ist ein scharfer Kritiker der türkischen Kurdenpolitik und der offiziellen Haltung zum Genozid an den Armeniern im Jahre 1915. Der Landrat begründete seine Entscheidung mit dem Recht der türkischen Nation auf Notwehr gegen Verleumdungen. In den Buchregalen befand sich jedoch kein einziges Werk des Autors, da er schon vorher stark angefeindet wurde. Die Verbrennungsaktion fiel aus. Der Gouverneur der Provinz Isparta, Isa Parlak, hob wenig später die Entscheidung des untergebenen Landrats auf.
  • Am 21. Mai 2006 verbrannten zwei Politiker in Ceccano (Italien) ein Exemplar des Buches „Sakrileg“ von Dan Brown. Einer der beiden, Stefano Gizzi, begründete sein Handeln damit, „Jesus verteidigen“ zu wollen. Der Auslöser für die Verbrennung war die Tatsache, dass in dem Buch „Sakrileg“ die These aufgestellt wird, dass Jesus und Maria Magdalena ein Ehepaar waren und gemeinsame Kinder hatten.
  • Am 24. Juni 2006 wurden bei der Sonnenwendfeier in Pretzien (Sachsen-Anhalt) eine USA-Flagge und das Tagebuch der Anne Frank öffentlich und mit direktem Bezug auf die Bücherverbrennungen während des NS-Regimes verbrannt. Fünf der Täter wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.
  • Am 11. Juli 2007 strahlte die ARD den Dokumentarfilm „Die Hardliner des Herrn“ von Tilman Jens aus, der vom HR produziert wurde und in dem eine Bibel verbrannt wird, was zu Kontroversen führte, da dies in einigen Kreisen als Verhöhnung sowohl der Christen als auch der Juden, denen die fünf Bücher Mose (Tora) ebenfalls heilig sind, empfunden wurde. Jens erklärte: “Es geht darum, die Bibel als drohendes, als Angst machendes Instrument und gleichzeitig als Feuerschwert Gottes darzustellen”.[20]
  • Im Mai 2008 sind in der israelischen Stadt Or Yehuda mehrere hundert Neue Testamente von orthodoxen Talmudschülern eingesammelt und anschließend aufgeschichtet und verbrannt worden. Die Bücher waren einige Tage zuvor von Messianischen Juden, einer Glaubensrichtung, die Jesus als den den Juden versprochenen Messias betrachtet und von allen anderen jüdischen Glaubensrichtungen als christlich angesehen wird, in dem Ort verteilt worden.[21]
  • Im Juli 2010 entfachten der Prediger Terry Jones und die von ihm und seiner Frau geleitete US-amerikanische christliche Dove World Outreach Center-Gemeinde eine Kontroverse um die geplante Koranverbrennung 2010, als sie ankündigten aus Anlass des Jahrestages Terroranschläge am 11. September 2001 in Gainesville (Florida) 200 Exemplare des Koran verbrennen zu wollen. Nach internationalen Protesten sagte Jones die Aktion am 9.  September 2010 ab.
  • Im Februar 2012 verbrannten fünf US-Soldaten in Afghanistan mehrere Koran-Exemplare. Diese waren zuvor im Militärgefängnis Bagram als geheimes Kommunikationsmittel unter den Gefangenen verwendet worden. Um dies zu unterbinden, wurden die Bücher eingezogen und in einem Büro verwahrt. Dort seien die Bücher aber versehentlich in den Müll gewandert, so die Ermittler des US-Militärs. Arbeiter in der Mülldeponie Bagrams bemerkten die Verbrennung des religiösen Buches. In Afghanistan kam es daraufhin zu gewalttätigen Protesten, bei denen rund 40 Menschen ums Leben kamen. Der amerikanische Präsident Obama entschuldigte sich daraufhin bei der afghanischen Bevölkerung. [22]

Heinrich-Heine-Zitat[Bearbeiten]

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Dieses Zitat Heinrich Heines aus seiner Tragödie Almansor (1821, erschienen 1823) behandelt – entgegen einer weit verbreiteten Annahme – nicht die vier Jahre zuvor durchgeführte Bücherverbrennung während des Wartburgfestes 1817, sondern eine Verbrennung des Korans nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Gonzalo Jiménez de Cisneros 1499/1500 (siehe oben). In Heines Toleranzstück spricht der Moslem Almansor ben Abdullah mit Hassan, der verzweifelt gegen die christliche Besatzung kämpft:

Almansor:
Wir hörten daß der furchtbare Ximenes,
Inmitten auf dem Markte, zu Granada –
Mir starrt die Zung im Munde – den Koran
In eines Scheiterhaufens Flamme warf!
Hassan:
Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

Heines Zitat wird allerdings als prophetisch für die Bücherverbrennung im Mai und Juni 1933 im nationalsozialistischen Deutschland angesehen und ist auf vielen Mahnmalen und Gedenkstätten zu lesen (siehe auch Bücherverbrennung 1933 in Deutschland).

Zur Bücherverbrennung auf dem Wartburgfest äußerte sich Heine an anderer Stelle:

„Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen! Ich sage Unwissenheit, denn in dieser Beziehung war jene frühere Opposition, die wir unter dem Namen ‚die Altdeutschen‘ kennen, noch großartiger als die neuere Opposition, obgleich diese nicht gar besonders durch Gelehrsamkeit glänzt. Eben derjenige, welcher das Bücherverbrennen auf der Wartburg in Vorschlag brachte, war auch zugleich das unwissendste Geschöpf, das je auf Erden turnte und altdeutsche Lesarten herausgab: wahrhaftig, dieses Subjekt hätte auch Bröders lateinische Grammatik ins Feuer werfen sollen!“ (Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Viertes Buch, 1840.)

Bücherverbrennung in der Literatur und im Film[Bearbeiten]

„A book is a loaded gun in the house next door. Burn it. Take the shot from the weapon. Breach men's mind. Who knows who might be the target of the well-read man. Me?“ (Fahrenheit 451)
  • In George Orwells Roman „1984“ werden nicht regime-konforme Werke eingeäschert und die Verbrennung „aller Bücher vor 1960“ propagiert.
  • In „Soll man de Sade verbrennen?“ („Faut-il brûler Sade?“, veröffentlicht in Les Temps modernes, Dezember 1951 und Januar 1952), griff Simone de Beauvoir den Begriff der Bücherverbrennung polemisch für eine Literaturkritik zu Marquis de Sade auf.
  • In Heinrich Heines Tragödie „Almansor“ (1821) wird von der Verbrennung des Koran während der Eroberung des spanischen Granada 1499/1500 durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Mateo Ximenes de Cisneros berichtet. (siehe oben)
  • In Don Quijote von Miguel de Cervantes verbrennen der Pfarrer und der Barbier Nikolas einen großen Teil der Bücher Don Quixotes, da ihn diese um seinen Realitätssinn gebracht haben. Als zusätzliche Maßnahme wird das Bücherzimmer zugemauert.
  • Im 2. Teil des Dramas „Tamburlaine“ von Christopher Marlowe (1587) verbrennt der Protagonist Tamburlaine nach der Eroberung der Türkei, Kleinasiens und Ägyptens ein Exemplar des Koran, um seine Unabhängigkeit zu bekunden.
  • In dem Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug wohnen Indiana Jones (Harrison Ford) und sein Vater, Henry Jones (Sean Connery), einer Bücherverbrennung der Nazis bei. Henry Jones wendet sich angeekelt und erschrocken ab und sagt „Anstatt die Bücher zu verbrennen, sollten Sie sie lieber lesen“.
  • In dem 2013 verfilmten Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak findet zu Ehren des Führers zu seinem Geburtstag eine Parade statt, die mit einer Bücherverbrennung feierlich endet. Die „Bücherdiebin“ Liesl Memminger wird dort von Franz Deutscher aufgefordert, ein Buch zu verbrennen. Hier wird ihr zum ersten Mal klar, dass der Führer und das Nazi-Regime gegen Juden und Kommunisten vorgehen, der Grund, weshalb sie von Ihrer „kommunistischen“ Mutter zu ihrer neuen Familie in Sicherheit gebracht wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Damwerth: verbrannt - verfolgt - vertrieben, Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Gebiet des heutigen NRW zur NS-Zeit. Eine Dokumentation zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennung, 2003. ISBN 3-937183-11-6.
  • Hermann Haarmann, Walter Huder & Klaus Siebenhaar (Hg.): „Das war ein Vorspiel nur...“ - Bücherverbrennung Deutschland 1933: Voraussetzungen und Folgen. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Akademie der Künste (Berlin) 1983. Berlin/Wien: Medusa Verlagsgesellschaft, 1983. ISBN 3-88602-076-2.
  • Mona Körte, Cornelia Ortlieb (Hrsg.): Verbergen - Überschreiben - Zerreißen. Formen der Bücherzerstörung in Literatur, Kunst und Religion. Schmidt Erich Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-503-09811-8.
  • Christian Graf von Krockow: Scheiterhaufen. Größe und Elend des deutschen Geistes. 2. Aufl.; Berlin 1983. ISBN 3-88680-042-3.
  • Hermann Rafetseder: Bücherverbrennungen: Die öffentliche Hinrichtung von Schriften im historischen Wandel. Böhlau Verlag, Wien 1988. ISBN 3-205-08858-1.
  • Carola Schelle (Hrsg.): Stichtag der Barbarei. Anmerkungen zur Bücherverbrennung 1933. Hannover 1983, ISBN 3-922382-16-9.
  • Jürgen Serke: Die verbrannten Dichter. Weinheim 2002, ISBN 3-407-80899-2.
  • Armin Strohmeyr: Verlorene Generation. Zürich: Atrium-Verlag, 2008. ISBN 978-3-85535-721-5.
  • Werner Treß: „Wider den undeutschen Geist!” Bücherverbrennung 1933. Berlin 2008 (2. Aufl.), ISBN 3-932529-55-3.
  • Theodor Verweyen: Bücherverbrennungen. Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1082-5
  • Ulrich Walberer (Hrsg.): Zehnter Mai 1933. Bücherverbrennung in Deutschland und die Folgen. Frankfurt 1983, ISBN 3-596-24245-2.
  • Hans-Albert Walter: Deutsche Exilliteratur 1933-1950. Bd. 1: Bedrohung und Verfolgung bis 1933. Darmstadt [u. a.] 1972.
  • Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. ISBN 978-3-462-03962-7.
  • Thomas Werner : Den Irrtum liquidieren. Bücherverbrennungen im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. ISBN 978-3-525-35880-1

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bücherverbrennung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. St Dominic and the Albigenses in der WEB Gellery of Art.
  2. a b  Matthias Schöberl: Vom pfälzischen Teilstaat zum bayerischen Staatenteil. Landesherrliche Durchdringungs- und Religionspolitik kurpfälzischer und kurbayerischer Herrschaft in der Oberen Pfalz von 1595 bis 1648. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät III der Universität Regensburg. Regensburg 2006, S. 238, DNB 980424429 (PDF-Dokument; 6,04 MB, abgerufen am 23. Januar 2013).
  3.  Schöberl: Vom pfälzischen Teilstaat zum bayerischen Staatenteil. Regensburg 2006, S. 245.
  4. William Pynchon (er zählte 1630 zu den Gründern der Kolonie Massachusetts) veröffentlichte 1650 in London das Traktat The Meritorious Price of our Redemption, in dem er die calvinistische Prädestinationslehre in Frage stellte. Bei seiner Rückkehr nach Boston wurde er der Häresie bezichtigt; seine Schrift ist eine der ersten, die auf amerikanischem Boden verboten und öffentlich verbrannt wurden. Sein Nachfahre Thomas Pynchon verarbeitete dies 1973 in seinem Hauptwerk Die Enden der Parabel.
  5.  A. A. R.: Censure et condamnation des Lettres Provinciales. In: Les Provinciales, ou Lettres de Louis de Montalte. Tome Premier. Firmin Didot, Paris 1819, S. 284 f. (Digitalisat, abgerufen am 26. August 2013).
  6.  A. A. R.: Censure et condamnation. Paris 1819, S. 283.
  7.  A. A. R.: Censure et condamnation. Paris 1819, S. 288 ff..
  8.  A. A. R.: Censure et condamnation. Paris 1819, S. 281 f..
  9. http://prueckner.bplaced.net/trauma/Tartuffe/hintergrund.html
  10. Pierre Lepape: Denis Diderot. Eine Biographie. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-593-35150-1, S. 55
  11. Michael Soëtard: Jean-Jacques Rousseau. Leben und Werk. Verlag C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63197-9, S. 82
  12. Am Beispiel Ohios: http://www.timesreporter.com/local_news/x47243802/Anti-German-sentiments-ran-high-in-1918
  13. Jörg Baberowski: Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt, C.H. Beck, München 2012, S. 142 f, ISBN 978-3-406-63254-9.
  14. René Geoffroy: Ungarn als Zufluchtsort und Wirkungsstätte deutschsprachiger Emigranten (1933–1938/39). Frankfurt am Main : Lang 2001, S. 265 f
  15. Ferdinand Ranft: „Ein Licht ins dunkle deutsche Land”, Die Zeit Nr. 42, 15. Oktober 1965
  16. Wilson, A.J. Sri Lankan Tamil Nationalism: Its Origins and Development in the Nineteenth and Twentieth Centuries, p.125
  17. Virani, Shafique. The Ismailis in the Middle Ages: A History of Survival, A Search for Salvation (New York: Oxford University Press), 2007, S. 110.
  18. Virani, Shafique. The Ismailis in the Middle Ages: A History of Survival, A Search for Salvation (New York: Oxford University Press), 2007, S. 111-112.
  19. http://www.usatoday.com/life/music/news/2003-03-18-chicks_x.htm
  20. EPD: EKD-Rundfunkbeauftragter kritisiert ARD-Film „Hardliner des Herrn“, 16. Juli 2007
  21. Jerusalem Post
  22. Obama entschuldigt sich für Koran-Verbrennung, Spiegel Online am 23. Februar 2011, abgerufen am 11. März 2011