Büchse der Pandora

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Dieser Artikel erläutert die Büchse der Pandora der griechischen Mythologie, für andere Bedeutungen siehe Die Büchse der Pandora

Die Büchse der Pandora enthielt, wie die griechische Mythologie überliefert, alle der Menschheit bis dahin unbekannten Übel wie Arbeit, Krankheit und Tod. Sie entwichen in die Welt, als Pandora die Büchse öffnete.

Mythos[Bearbeiten]

Die Büchse der Pandora – Kupferstich Jacques Joseph Coinys nach Agostino Carracci

Auf Weisung des Zeus hatte Hephaistos aus Lehm die erste Frau geschaffen, die den Namen Pandora erhielt. Sie war ein Teil der Strafe für die Menschheit wegen des durch Prometheus gestohlenen Feuers. Prometheus’ Bruder Epimetheus und Pandora heirateten.

Zeus wies Pandora an, den Menschen die Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Doch sogleich nach ihrer Heirat öffnete Pandora die Büchse.[1] Daraufhin entwichen aus ihr alle Laster und Untugenden. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das Schlechte die Welt. Zuvor hatte die Menschheit keine Übel, Mühen oder Krankheiten und auch den Tod nicht gekannt. Als einzig Positives enthielt die Büchse die Hoffnung (griechisch ἐλπίς elpís). Bevor diese auch entweichen konnte, wurde die Büchse wieder geschlossen.[1] So wurde die Welt ein trostloser Ort, bis Pandora die Büchse erneut öffnete und so die Hoffnung in die Welt ließ. Demgegenüber steht die Auffassung von Nietzsche, nach der die Hoffnung in Wahrheit das größte Übel aller in der Büchse befindlichen Flüche ist: Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.[2]

Rezeption[Bearbeiten]

Gisela Fuchs zufolge wurde der Mythos der Pandora in der Antike kaum rezipiert. Er gewann erst wieder in der Renaissance an Bedeutung.[3] Heute ist das Öffnen der Büchse der Pandora ein Inbegriff für das Stiften eines Unheils, das sich nicht wiedergutmachen lässt.

Dora und Erwin Panofsky gelang 1956 der Nachweis, dass das Wort Büchse aus einem Übersetzungsfehler Erasmus von Rotterdams bei der Übertragung des griechischen Textes ins Lateinische stamme. Bei Hesiod ist noch von einem πίθος píthos – griechisch für: ‚großer, irdener Vorratskrug‘ (z.B. für Wein, Öl oder Getreide) die Rede. Erasmus wandelte jedoch die Figur der Pandora ab: Die Psyche des Apuleius als Vorbild nehmend, gab Erasmus der Pandora statt des πίθος (lateinisch: dōlium) als Attribut die wesentlich leichtere und somit auch tragbare pyxis (griechisch: πυξίς pyxís; lateinisch: vāsculum), das Büchse bzw. Dose bedeutet.[4]

Auch die Frage, wer die Büchse öffnete, ist ungeklärt: Einige Quellen schreiben diese Tat Epimetheus zu, einige Pandora selbst.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Herder Lexikon: Griechische und römische Mythologie. Herder, Freiburg 1981, Lemma Pandora.
  2. http://www.textlog.de/21656.html
  3. Gisela Fuchs, Der Becher des Sonnengottes. Zur Entwicklung des Motivs „Becher des Zorns“. Hamburg/London/Münster 2003, S. 60.
  4. Panofsky S. 17–38.