Bürgstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Bürgstadt
Bürgstadt
Deutschlandkarte, Position des Marktes Bürgstadt hervorgehoben
49.7136111111119.2713888888889150Koordinaten: 49° 43′ N, 9° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Erftal
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 17,39 km²
Einwohner: 4306 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 248 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63927
Vorwahl: 09371
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 116
Marktgliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Marktverwaltung:
Große Maingasse 1
63927 Bürgstadt
Webpräsenz: www.buergstadt.de
Bürgermeister: Thomas Grün (UWG)
Lage des Marktes Bürgstadt im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Luftbild (2008)

Bürgstadt ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Erftal.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bürgstadt liegt an der Mündung der Erf in den Main und ist nahtlos mit der südwestlich liegenden Kreisstadt Miltenberg zusammengebaut. Es liegt am nordöstlichen Rand des Odenwalds bzw. am südwestlichen Rand des Spessarts (Wertheimer Hochfläche) an der bayerisch-badischen Grenze.

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Name Burgstadt besteht aus den mittelhochdeutschen Wörtern burc, im Sinne eines befestigten Ortes oder einer Burg und stat für Stätte oder Stelle.[2]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[2]

  • 1181 Burgestat
  • 1261 Burgestad
  • 1291 Bürgestad
  • 1308 Burgistat
  • 1320 Burgstat
  • 1594 Bürgstatt
  • 1625 Bürgstadt

Geschichte[Bearbeiten]

Bürgstadt in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)

In frühgeschichtlicher Zeit war der Bürgstadter Berg Sitz einer befestigten Siedlung (heute Wald), die durch einen Ringwall geschützt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung von Bürgstadt erfolgte im Jahr 1181. Bis ins 18. Jahrhundert war Bürgstadt Centgrafensitz, verlor jedoch schon im späten Mittelalter viel von seiner Bedeutung an das benachbarte Miltenberg, das strategisch günstiger lag und durch eine Burg geschützt wurde und daher zum Sitz der Amtes Miltenberg wurde. Auch lag das römische Kastell Miltenberg-Ost teilweise auf Bürgstadter Gemarkung.

In den Jahren 1616–1618 und 1627–1630 kam es in Bürgstadt zu Hexenverfolgungen, denen 91 Menschen zum Opfer fielen. 1628 stiftete Centgraf Leonhard Gackstadt, von Amts wegen Richter in den Hexenprozessen, einen neuen Hochaltar für die Martinskapelle.

Bis zum Jahre 1803 stand Bürgstadt unter der Herrschaft des Kurfürstentums Mainz. Durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde Bürgstadt unter weltliche Herrschaft gestellt. Bis zum Jahre 1816 wechselte die Herrschaft dreimal, bevor Bürgstadt zum Königreich Bayern kam.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Bürgstadt lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Bürgstadt war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Historisches Rathaus
Martinskapelle
Pfarrkirche

Museen[Bearbeiten]

Das Museum in der ehemaligen Bürgstadter Mittelmühle gliedert sich in die Themenschwerpunkte Bürgstadter Weinbau sowie Sandsteingewinnung und -bearbeitung. Ferner sind Tabakanbau, Früh- und Ortsgeschichte und der Lebensweg des hier geborenen Komponisten Johann Michael Breunig (1699–1755) dokumentiert. Seit 2002 zeigt eine Römerabteilung die frühe Lokalgeschichte. Der Geschichte der Heimatvertriebenen in Bürgstadt ist ein besonderer Raum gewidmet. Halbjährlich wechselnd werden in Sonderausstellungen aktuelle Themen der Orts- und Vereinsgeschichte sowie zum dörflichen Alltagsleben vor 1960 anhand der Museumsbestände präsentiert.

Bauwerke[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Martinskapelle, erbaut um 950, mit ihrer um 1590 erfolgten Ausmalung mit einer Bilderbibel, in 40 Medaillons dargestellt. Die Pfarrkirche St. Margareta wurde um 1300 erbaut, 1437 umgebaut und 1617 erweitert. Das sehenswerte gotische Portal stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das historische Rathaus wurde um 1590 erbaut. Die Bauruine der Centgrafenkapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Mai 2000 wurde die zum Bürgerzentrum umgebaute Mittelmühle der Öffentlichkeit übergeben.

Wanderwege[Bearbeiten]

Durch den Ort verläuft der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel "Wanderbares Deutschland" zertifizierter Fernwanderweg.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Am zweiten Samstag im Juni findet jährlich die Weinkulturnacht statt. Alle fünf Jahre (letzter Termin 14. Februar 2010[3]) wird ein Faschingsumzug mit der Altweibermühle (erste Erwähnung 1860) als Höhepunkt veranstaltet. Immer am ersten Juliwochenende veranstaltet der örtliche Fußballclub sein Turnier um den jeweiligen Centgrafen-Cup. Das Turnier trägt seinen Namen in Anlehnung an die geschichtliche Vergangenheit der Gemeinde. Am zweiten Wochenende im Juli findet jedes Jahr das Straßen- und Hoffest statt, an dem sich zahlreiche Vereine beteiligen.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Auf dem Bürgstadter Centgrafenberg wird Rotwein angebaut, welcher für Bürgstadt von großer Bedeutung ist. Vor allem Spätburgunder und Frühburgunder wachsen auf dem Buntsandsteinboden zu sehr guten Rotweinen heran. Der bekannteste Winzer des Ortes ist Paul Fürst, der im Jahr 2003 Winzer des Jahres des Gault-Millau-Weinguide wurde. Fast durchgängig bieten die örtlichen Weinbaubetriebe im zweiwöchentlichen Wechsel in Häckerwirtschaften ihren selbsterzeugten Wein mit unterschiedlichen Arten von Brotzeiten an.

Bürgstadt liegt seit 1990 am Fränkischen Rotwein Wanderweg.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[4]
Wahlbeteiligung: 67,17 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,92 %
37,31 %
14,39 %
5,38 %

Der Gemeinderat besteht aus 17 Mitgliedern einschließlich des Bürgermeisters:

Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Bürgstädter Wappens lautet: In Rot auf grünem Boden eine silberne Burg mit offenem Tor in der Zinnenmauer und zwei seitlichen Zinnentürmen; zwischen ihnen schwebend ein sechsspeichiges silbernes Rad.

Auf die ehemalige Landesherrschaft weisen das Mainzer Rad und die Farben Silber und Rot hin. Die Burg ist redend für den Namen des Orts.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Weinbau spielt in Bürgstadt eine bedeutende Rolle. Mit knapp 60 ha Rebfläche ist die Gemeinde eine der größten Weinbaugemeinden am Untermain. 1612 wurde der Bürgstadter Rotwein erstmals erwähnt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Bürgstadt verfügt über ein beheiztes Freizeitbad mit Großwasserrutsche sowie Sportplätze, Tennisplätze, eine Tennishalle mit Squashfeldern und Spielplätze. In beiden Richtungen des Maintals stehen ausgebaute Fahrradwege zur Verfügung; darüber hinaus gibt es zahlreiche Wanderwege an Main, Erf, in den Weinbergen und im Wald.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ernst Heinrichsohn (1920–1994), Bürgermeister von 1960 bis 1980. 1980 in Köln wegen Beteiligung an der Judenverfolgung in Frankreich zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Bürgstadts Einwohner waren auch nach der Verurteilung von der Unschuld ihres Mitbürgers überzeugt, die Journalistin Lea Rosh dokumentierte diese Aussagen in mehreren Fernsehfeatures für Kennzeichen D.[5]

Söhne und Töchter des Marktes[Bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten]

Der Legende nach soll Martin Luther in Bürgstadt von der Kanzel gepredigt haben. Erbost über die Engstirnigkeit der Bürger soll er sie als Kreuzköpf beschimpft haben.

Nach einer anderen Quelle sollen die Bürger Martin Luther, der sie bekehren wollte, aus dem Ort vertrieben haben. Sie rissen Kreuze auf dem Friedhof aus und verjagten den Reformator[6][7].

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Meister: Die Martinskapelle in Bürgstadt. Zeugnis von Kunstsinn und Glaubenseifer einer Landgemeinde um 1600. Bürgstadt 2004, ISBN 3-00-015104-4
  • Wolfgang Meister: Die Kirchen in Bürgstadt – Martinskapelle – Alte Pfarrkirche St. Margareta – Neue Pfarrkirche St. Margareta. Katholische Kirchenstiftung St. Margareta, Bürgstadt 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bürgstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 43.
  3. Carneval Club Concordia: Bericht von der Altweibermühle und Kreisumzug 2010. www.kreuzkoepf.de. Abgerufen am 16. Oktober 2010.
  4. http://kombn-web.de/kommunalwahlen_2014/gr/676000_000084/0006761160000.html
  5. Judith Weißhaar: Lea Rosh erinnert sich an Bürgstadt, in: Anne Klein (Hrsg.): Der Lischka-Prozess: eine jüdisch-französisch-deutsche Erinnerungsgeschichte. Ein BilderLeseBuch. Metropol Verlag, Berlin 2013, S. 183–190
  6. Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Landkreis Miltenberg 2003
  7. Uz-Atlas - Primasonntag 11.November 2012