Büsumer Werft

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Büsumer Werft GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1926
Auflösung 1986
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Büsum
Branche Schiffbau

Die Büsumer Werft war eine bis 1986 bestehende Schiffswerft in Büsum.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründungszeit[Bearbeiten]

„Trockenfallen“ im Watt für kleine Außenreparaturen oder zum Teeren
Das RoRo-Schiff Acturus in Bremerhaven

1895 betrieben die Büsumer Kutterfischer den Krabbenfang mit zwölf Booten. Bei Außenreparaturen am Rumpf oder zum Teeren ließen sie sich im Watt „trockenfallen“. Der erste Schritt zur Büsumer Werft war eine 1902 errichtete erste Slipanlage auf dem späteren Tonnenhofgelände, auf der bis 1925 größere Reparaturen durchführt werden konnten.

Die eigentliche Büsumer Werft wurde 1926 von Krämer, Vagt & Beckmann gegründet. Sie begannen mit dem Neubau hölzerner Fischkutter.

1936 übernahmen der Hamburger Schiffbaumeister Wilhelm Sielaff, bekannt durch den Bau von hochwertigen Kajaks und Sportbooten, mit seiner Ehefrau die Werft. Sielaff baute zunächst Torpedotransportschuten und U-Boottürme in Serie. In den Jahren nach dem Krieg entstanden zwei bis vier Fahrzeuge pro Jahr. Der Bauschwerpunkt lag bei Fischereischiffen, Kümos und vereinzelten Spezialbauten. In den Jahren 1957/58 siedelte die Werft auf einen Betriebsplatz im neuerschlossenen Hafenerweiterungsgebiet im Osten Büsums um. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten 29 Kümos die Werft verlassen. Das größte unter Sielaffs Regie gebaute Schiff war 1961 ein 1000-tdw-Kümo. Da nach Sielaffs Tod keine Erben vorhanden waren, wurde die Werft verkauft.

Büsumer Werft GmbH[Bearbeiten]

Der Hamburger Reeder und Werftbesitzer Alnwick Harmstorf übernahm am 1. Oktober 1963 die Büsumer-Schiffswerft W.& E. Sielaff und integrierte sie in die Harmstorf-Gruppe. Zur Zeit der Übernahme hatte die Büsumer-Schiffswerft W.& E. Sielaff 95 Beschäftigte und im Orderbuch standen keine größeren Aufträge. Die Rugia, der letzte größere Auftrag, wurde am 29. November 1963 abgeliefert. Von der Reederei A. F. Harmstorf & Co. mit Sitz in Hamburg Altona kam der nächste Auftrag für den Bau des Küstentankers Yorksand. Dieser Bau erwies sich schwieriger als angenommen. Die Probleme wurden mit Hilfe der Schlichting-Werft gelöst und der 1135-tdw-Tanker mit der Baunummer 215 im Juli 1964 abgeliefert.

Die Werft wurde vom neuen Eigner Harmstorf in den kommenden folgenden Jahren umstrukturiert, die Projektabteilung, Konstruktionsabteilung, Akquisitionsabteilung und die Einkaufsabteilung wurden zur Schlichting-Werft verlagert. Die Fertigung wurde modern ausgebaut, gebrauchte und neue Kräne und Maschinen von der Schlieker-Werft, der AG Weser und der Schlichting-Werft ergänzten die bisherige Ausstattung. Es wurden sogar Werftwohnungen für Mitarbeiter gebaut. Schon Ende 1963 hatte sich die Belegschaft auf 135 Personen vergrößert.

Spezialschiffbau[Bearbeiten]

Die Turicia bildete 1978 den Abschluss einer Serie mit sechs kleinen Kühlschiffen mit je 85.000 Kubikfuß Kühlraum

Das Produktionsprogramm verlagerte sich von Fischereischiffen und Kümos zum Spezialschiffbau. RoRo-Schiffe, Produktentanker, Containerschiffe, Schwergutschiffe, sogar Chemikalientanker und besonders Kühlschiffe füllten die Ablieferungslisten der folgenden Jahre. 1966 wurde mit der Steinberg (1.165 BRT) das erste Containerschiff und 1967 mit der Acturus (499 BRT) das erste Ro/Ro-Schiff der Werft gebaut. Die Werft war voll beschäftigt und wurde weiter ausgebaut, neue Gebäude für Werkstätten, das Magazin und für die Bauaufsichten der Reedereien wurden errichtet. Die Belegschaft stieg bis auf 380 Mann. Der Facharbeitermangel bremste eine weitere Expansion, daher wurden Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben. Die abgelieferten Schiffe wurden größer und die Grenzen der Helling und der Schleuse wurde 1973 mit Schiffen von rund 4.000 tdw erreicht. Eine neue Helling war bald errichtet, die Seeschleuse mit der Breite von 13,7 m war jetzt zu klein. Die Landesregierung lehnte eine Vergrößerung oder einen Neubau zunächst ab, erst später 1977 wurde doch mit dem Bau begonnen. 1982 wurde die neue Schleuse schließlich eingeweiht.

Insolvenz und Nachfolgebetriebe[Bearbeiten]

In Jahr 1982 erhielt die Büsumer Werft ein neues, von der Schlichting–Werft gebautes und vorwiegend für Reparaturen für Schiffe bis 10.000 tdw ausgelegtes Schwimmdock mit 110 m Länge und 5000 Tonnen Tragfähigkeit. Es wurde aufgrund zu großer Breite in zwei Teilen durch die Schleuse geschleppt und anschließend zusammengeschweißt. Inzwischen lähmte die Werftenkrise den deutschen Schiffbau. Der Mutterkonzern versuchte das Auftragstal durch Aufträge für die eigenen und verbundenen Reedereien zu überbrücken, was auf Dauer nicht gelang. Im September 1986 ging die Harmstorf-Gruppe in die Insolvenz. Am 30. September 1986 schloss auch die Büsumer Werft ihre Tore.

Schon im Jahr 1982 begann Reimer Landberg auf dem alten Gelände der Büsum-Werft mit dem Betrieb einer reinen Schiffsreparatur- und Umbauwerft. Auf der Büsumer Werft versuchte die Timm Metall- und Schweisstechnik im März 1987 einen Neuanfang und firmiert ab April 1995 als Büsumer Werke Metallbau GmbH, scheitert jedoch später ebenfalls.

Gebaute Schiffe[Bearbeiten]

Das Kühlschiff Rungholtsand löscht in Hamburg

Küstentanker Yorksand[Bearbeiten]

Der Küstentanker Yorksand (Bau-Nr. 215) war das erste Schiff der Büsumer Werft GmbH. Mit einer Vermessung von 499 BRT hatte es bei 61,9 m Länge, 10 m Breite und bei 3,7 m Tiefgang eine Tragfähigkeit von 1135 tdw. Ein aufgeladener 4-Zylinder-Motor von MAK mit 735 kW bei 375/min verlieh dem Schiff eine Geschwindigkeit von 11,5 Knoten. Drei Dieselgeneratoren, zwei mit 35 kW und einer mit 25 kW, versorgten das elektrische Bordnetz und für den Ladungsumschlag standen zwei Ladeölpumpen mit je 150 m³/h zur Verfügung. Das Schiff war für 13 Mann Besatzung eingerichtet.

Kühlschiff Rungholtsand[Bearbeiten]

Das Kühlschiff Rungholtsand (Bau-Nr. 276) wurde 1979 gebaut und hatte bei 95 m Länge, 13,75 m Breite und 4,65 m Tiefgang eine Tragfähigkeit von 3.415 tdw. Ein MAK-Motor mit 3.000 PS bei 600/min ermöglichten dem Schiff eine Geschwindigkeit von 15 Knoten. Zwei Hilfsdieselmotoren mit 660 PS und ein Wellengenerator mit 500 kW dienten zur Versorgung des elektrische Bordnetzes. Der Kühlrauminhalt betrug 130.000 cbft, es konnte Ladung im Temperaturbereich von +12 °C bis -29 °C transportiert werden. Die vier Laderäume mit je 3 Zwischendecks konnten in insgesamt 15 Compartments aufgeteilt werden. Das Schiff hatten Einrichtungen für 15 Mann Besatzung.

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Verschiedene Jahrgänge der Fachzeitschriften Hansa und Schiff&Hafen
  • Hochhaus, K.-H.: Deutsche Kühlschiffahrt, Hausschild Verlag, Bremen, 1996
  •  Detlefsen, Gert Uwe: Vom Ewer zum Containerschiff. Die Entwicklung der deutschen Küstenmotorschiffe. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1983, ISBN 3-7822-0321-6.