Bützfleth

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53.6541666666679.481Koordinaten: 53° 39′ 15″ N, 9° 28′ 48″ O

Bützfleth
Stadt Stade
Ehemaliges Gemeindewappen von Bützfleth
Höhe: −2–2 m
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 21683
Vorwahl: 04146
Luftbild (Mai 2012)

Das bis 1972 selbständige Kirchspiel Bützfleth ist heute eine Ortschaft der Hansestadt Stade. Es liegt an der Unterelbe im Landkreis Stade im Bundesland Niedersachsen und hat ungefähr 4800 Einwohner. Im Norden grenzt Bützfleth an die Ortschaft Barnkrug und im Süden an die Orte Götzdorf und Schnee und bezeichnet sich auch als das Tor zu Kehdingen. Bützfleth ist mit 1,6 m unter bis 1,8 m über NN je nach Teil des Dorfes einer der tiefst gelegenen Orte Deutschlands (insbesondere Bützflethermoor). Verwaltungsmäßig zugehörige Dörfer sind Abbenfleth im Nordosten, Götzdorf, Götzdorfer Moor im Südwesten, Bützflethermoor im Nordwesten und Depenbeck im Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Buttesvlethe findet sich Anfang des 12. Jahrhunderts in einer Schenkung von Bützflether Ländereien an das Kloster Harsefeld, in der Zeit wird ebenso eine Kapelle erwähnt, deren Gründung man auf das Jahr 1050 schätzt. Funde belegen jedoch eine chaukisch-sächsische Besiedlung des Gebietes bereits im 1. Jahrhundert, woran auch die Urne im Wappen erinnern soll.[1]

Das Dorfleben war in den vergangenen Jahrhunderten wesentlich durch die Unterelbe bestimmt, viele Familien hatten Verbindung zur Schifffahrt. Auf den fruchtbaren Marschböden im Überflutungsgebiet des Urstromtals der Elbe wird außerdem viel Landwirtschaft betrieben, hauptsächlich Obstanbau. Bei der schweren Sturmflut von 1962 wurden Teile von Bützfleth überschwemmt.

Auch die Entscheidung zur Ansiedlung von Industrie Ende der 1960er Jahre führte am 1. Juli 1972 zur Eingemeindung in die Stadt Stade[2] zum nunmehrigen Ortsteil Stade-Bützfleth. Durch die Industrieansiedlung kamen in den nächsten Jahren viele türkische Gastarbeiter nach Bützfleth, die – nun oft schon in der zweiten oder dritten Generation – mit ihren Familien fester Bestandteil des Bützflether Lebens geworden sind, nicht weit von der Nicolai-Kirche gibt es inzwischen eine Moschee vom türkisch-islamischen Kulturverein Diyanet.

Im Zuge der Globalisierung verlor die Seefahrt in den letzten Jahrzehnten für Bützfleth immer mehr an Bedeutung und Bützfleth entwickelte sich mehr und mehr zu einem Vorort von Stade. Das Kerngebiet des Dorfes wurde im Laufe der Jahre durch Erschließung weiterer Neubaugebiete erheblich erweitert. Nach der Stilllegung des direkt benachbarten Kernkraftwerks Stade und der Schließung der 130 Jahre alten Saline im Jahre 2003 und des VAW/Hydro Aluminium-Werks Ende 2006 ist die weitere Entwicklung des Industriegebietes ungewiss und die Situation der vielen ehemaligen Zulieferfirmen und die Arbeitsmarktlage schwierig.

Politik[Bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten]

Der Ortsrat besteht aus 15 Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl 2006 entfielen acht Sitze auf die CDU, sechs auf die SPD und erstmals seit rund dreißig Jahren ein Sitz auf die FDP. Im Verlauf der Wahlperiode verließen je ein Ratsmitglied die CDU-Fraktion sowie die SPD-Fraktion und bildeten gemeinsam die neue Fraktion der Wählergemeinschaft Bützfleth. Nach der Kommunalwahl im Jahr 2011 verteilen sich die Sitze im Ortsrat wie folgt:

Ortsbürgermeister[Bearbeiten]

Bis November 2010 bekleidete Wolfgang Rust (CDU) das Amt des Ortsbürgermeisters. Nach dessen Rücktritt wurde sein bisheriger Stellvertreter Sönke Hartlef (CDU) von den Mitgliedern des Ortsrates zu seinem Nachfolger gewählt. Neuer stellvertretender Ortsbürgermeister wurde daraufhin Manfred Ehler (SPD).[3]

Themen[Bearbeiten]

Viel diskutierte politische Themen:

  • die Elbquerung der A 20 westlich von Hamburg (und der geplante Anschluss an A 22 und/oder A 26): Viele wollen sie, keiner will sie vor seiner Haustür
  • die Schließung/Erhaltung des Bützflether Freibads, zu dessen Bau und Unterhaltung die Stadt Stade sich im Rahmen der Eingemeindung 1972 verpflichtet hatte
  • die Einführung einer Durchleitungsgebühr für Regenwasser, das durch Rohre der Stadt in das jahrhundertealte Entwässerungssystem des Bützflehter Schleusenverbands geleitet wird, zur Sanierung des maroden Leitungssystems in der Stader Altstadt
  • Erweiterung des in Bützfleth gelegenen Seehafen Stade durch die Hamburger Firma Buss Ports + Logistics (inzwischen erfolgt)
  • Bau eines Kohlekraftwerkes auf dem Gelände des ehemaligen VAW/Hydro Aluminium-Werks
  • Bau einer Müllverbrennungsanlage im Industriegebiet

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr auf dem Obstmarschenweg in Bützfleth

Durch Bützfleth führt als Hauptstraße die L 111, der so genannte Obstmarschenweg, der sich quer durch das Alte Land als L 140 fortsetzt und die Obstanbaugebiete an der Unterelbe verbindet. Bützfleth ist über eine selten verkehrende Überland-Buslinie der KVG sowohl mit Stade als auch mit Kehdingen verbunden. Nächstgelegener Bahnhof ist Stade. Die schmalspurige Kehdinger Kreisbahn, die Bützfleth mit Stade und Itzwörden (Oste) verband, wurde bereits 1936 stillgelegt und restlos demontiert.

Über die Häfen Bützfleth und Abbenfleth besitzt der Ort eine direkte Anbindung an die Elbe. Zur Infrastruktur in dem teilweise unter dem Meeresspiegel gelegenen Land müssen auch die Entwässerungssysteme von Marsch und Moor gezählt werden: Der Bützflether Schleusenverband betreibt ein System von Wettern, Landern und Kanälen mit Pumpstationen, die Wasser über Siele in die Elbe ableiten.

Die Freiwillige Feuerwehr Bützfleth (eine Stützpunktfeuerwehr) wurde bereits 1877 gegründet. Die nächste Polizeiwache und das nächste Krankenhaus befinden sich in Stade, es gibt in Bützfleth allerdings Arztpraxen.

Das Abbenflethsperrwerk bei Bützfleth liegt an der Mündung der Bützflether Süderelbe in die Elbe.

Industrie und Gewerbe[Bearbeiten]

AOS
Einfahrt zum Bützflether Industriehafen

Der in Bützfleth gelegene Seehafen Stade ist der (vom Umschlag her) neuntgrößte Seehafen Deutschlands, in dem 2011 5,22 Mio t Güter umgeschlagen wurden.[4] Er wurde 1972 eröffnet und kann bei einer Wassertiefe von 10,4 m Schiffe bis zu 150 m Länge aufnehmen. Auf dem Industriegelände im Osten (Bützflether Sand) sind die Firmen Dow Chemical und Aluminium Oxid Stade (AOS) sowie eine Reihe weiterer Lieferanten und Dienstleister ansässig. Das ehemalige Aluminiumwerk der VAW wurde 2003 durch den norwegischen Großkonzern Hydro Aluminium aufgekauft und Ende 2006 stillgelegt (laut Hydro aufgrund zu hoher Strompreise) und teilweise abgerissen. Der Rest wurde abgewickelt, die Mitarbeiter wurden vorübergehend in der Transfergesellschaft Unterelbe aufgefangen.[5] Im direkt südlich angrenzenden Industriegebiet um die Schwingemündung wurde 2003 das Kernkraftwerk Stade und (vermutlich im direkten Zusammenhang damit[6]) die Saline geschlossen, so dass sich ein großes brachliegendes Industriegebiet ergeben hat. Die neue Nutzung dieses Gebietes wird zurzeit diskutiert.

Das Hamburger Unternehmen Buss Group (Buss) hat den Hafen Bützfleth weiter ausgebaut. Es ist ein Umschlag ca. 1 Mio t geplant. Außerdem wird das neue Terminal in der Lage sein, 60.000 Container pro Jahr umzuschlagen.[7]

Bildung[Bearbeiten]

Der einzige Kindergarten brannte im April 2007 vollständig aus[8], ist aber momentan wieder benutzbar. Schüler können die Grundschule Bützfleth besuchen. Nach der Grundschulzeit müssen sie mit dem Bus nach Stade oder Drochtersen zu einer weiterführenden Schule fahren: Gymnasiasten besuchen typischerweise das Vincent-Lübeck-Gymnasium und Realschüler die Realschule Camper Höhe, da dies der jeweilige Einzugsbereich der Schulen ist. Alternativ bietet sich auch der Besuch der Elbmarschen-Schule in Drochtersen an, eine kooperative Gesamtschule mit den drei Schulzweigen Haupt- und Realschule sowie Gymnasium.

Religion[Bearbeiten]

Die Geschichte der St.-Nicolai-Kirche in Bützfleth geht vermutlich auf eine erste Kapelle im elften Jahrhundert zurück. Nach vollständigem Verfall gab es zahlreiche Sanierungen und Erweiterungen. Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai ist Heike Kehlenbeck. Nicht weit davon entfernt existiert eine Moschee, die der türkisch-islamische Kulturverein Mitte der 1990er Jahre im ehemaligen Sparkassengebäude am Obstmarschenweg einrichtete.

Freizeit[Bearbeiten]

Bademöglichkeiten[Bearbeiten]

In Bützfleth gibt es ein beheiztes Freibad (in der Regel geöffnet von Mai bis September, neuerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten) und nord-östlich von Bützfleth (in Abbenfleth) einen langen Strand mit einem Café hinter dem Deich. Das Freibad wird in der Saison 2006 erstmals von einem privaten Trägerverein betrieben, der die Schließung durch die Stadt Stade abwendete.

Kinder[Bearbeiten]

Über den Ort verteilt existieren vier Spielplätze. Außerdem gibt es in Bützfleth einen Spielkreis und einen Kindergarten.

Veranstaltungen und Märkte[Bearbeiten]

Am dritten Wochenende im August findet in Bützfleth das jährliche Schützenfest statt, zur Vorweihnachtszeit in der Festung Grauerort ein Weihnachtsmarkt. Sie wird zudem für weitere Veranstaltungen, beispielsweise Flohmärkte, kleinere Festivals und Konzerte genutzt.

Sport[Bearbeiten]

In Bützfleth gibt es einen Sportverein, den TuSV Bützfleth, der schon 1906 als Männerturnverein Bützfleth gegründet wurde. Seit 2005 kooperiert die Handballsparte des TuSV mit dem TVG Drochtersen in Form der HSG Bützfleth/Drochtersen. Das Sportzentrum in Bützfleth besteht aus einer kleinen und einer großen Sporthalle, Fußballplätzen, einem Freibad mit 25 m Bahnen und Sprungturm sowie Tennisplätzen. Zudem besitzt die Schule in Bützfleth über eine eigene kleine Sporthalle und einen Fußballplatz. Ferner gibt es in Bützfleth einen Schützenverein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bützfleth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In: Doris Marks (Hrsg.): Kehdingen – Peer un Scheep an Priel un Fleth. Schriftenreihe, Schüthe-Druck, Hamburg, 2000, ISSN 0944-0038
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 246.
  3. Lars Koch: Bürgermeister tritt nach Konto-Affäre zurück. In: Hamburger Abendblatt, 19. November 2010, abgerufen 23. November 2010
  4. Bilanz der deutschen Seehäfen. In: Hansa, Heft 4/2012, S. 77–81, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504
  5. „Ein Ende ist auch ein Anfang“. In: Hamburger Abendblatt, online-Ausgabe 23. März 2007
  6. Akzo-Nobel-Konzern schließt Saline Stade zum Monatsende. In: Die Welt, 25. Juni 2003
  7. Buss kommt in den Hafen Bützfleth. In: Hamburger Abendblatt, online-Ausgabe 29. Mai 2006
  8. Pressemitteilung der Polizei