Northrop B-2
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Northrop B-2 Spirit | ||
|---|---|---|
| Typ: | Strategischer Bomber | |
| Entwurfsland: | USA | |
| Hersteller: | Northrop Corporation | |
| Erstflug: | 17. Juli 1989 | |
| Indienststellung: | 17. Dezember 1993 | |
| Produktionszeit: | 1988 bis 1997 | |
| Stückzahl: | 21 | |
Die Northrop B-2 Spirit ist ein schwerer strategischer Langstreckenbomber der United States Air Force, produziert vom US-amerikanischen Rüstungskonzern Northrop Grumman. Das Flugzeug ist nach Stealth-Prinzipien gebaut worden und damit ein sogenannter Tarnkappenbomber.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Idee eines Nurflügel-Bombers geht auf deutsche Versuchsmuster für einen „Amerika-Bomber“ aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die B-2 wird oft als direkter Ableger der Horten Ho IX dargestellt. Dies ist zwar nicht nachweisbar, aber durchaus plausibel. Gleichzeitig entwickelten auch die USA dieses Konzept ab 1941 anhand der Northrop YB-35 bzw. Northrop YB-49.
Ende der 1970er Jahre begann die Forschungsabteilung DARPA des US-Verteidigungsministeriums mit der Entwicklung einer später als „Stealth“ bekannt gewordenen Technologie, mit deren Hilfe ein Flugzeug für Radar- und Infrarotdetektoren weitestgehend unsichtbar sein sollte. Der anfängliche Codename des hochgeheimen Waffentechnikprogramms war Project Senior C. J. und wurde später in Advanced Technology Bomber (ATB) umbenannt. Die Entwicklung der B-2 war eines der am besten gehüteten Geheimnisse der US-Luftwaffe und es war das erste Flugzeug, das komplett am Computer entwickelt wurde. Da die erste fertiggestellte Maschine normal ausgeliefert wurde, existiert kein nomineller Prototyp der B-2.
Der Öffentlichkeit wurde die B-2 am 22. November 1988 auf der U.S. Air Force Plant 42 in Palmdale (Kalifornien) vorgestellt. Der Erstflug fand am 17. Juli 1989 statt. Das erste Serienflugzeug wurde am 17. Dezember 1993 an die 17th Bomb Wing der Whiteman Air Force Base in Missouri übergeben.
Am 10. März 1996 absolvierte eine B-2 („Spirit of Washington“) einen 25 Stunden Non-Stop-Flug nach Santiago de Chile.
1998 verfügten die USA bereits über 13 Stück des Typs B-2A zum Stückpreis von über 2,2 Milliarden US-Dollar (1996). Damit kostete ein Bomber ungefähr halb so viel wie ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, wobei sich die enormen Entwicklungskosten von insgesamt 46 Mrd. Dollar auf heute nur 21 gebaute Flugzeuge verteilen. Damit ist die B-2 das weltweit teuerste bisher gebaute Flugzeug. Die reinen Produktionskosten für eine Maschine liegen veröffentlichten Schätzungen zufolge bei 150 Mio. US-Dollar. Am 25. März 1999 fand im Kosovokrieg im Rahmen der Operation Allied Force der erste offizielle Einsatz statt.
Am 23. Februar 2008 stürzte erstmals ein B-2-Bomber mit dem Namen „Spirit of Kansas“ ab. Der Unfall ereignete sich auf der Andersen Air Force Base auf der Pazifikinsel Guam. Beide Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten, das Flugzeug wurde beim Aufprall jedoch vollständig zerstört.[1] [2] Die gesamte Flotte wurde stillgelegt, bis der Fehler identifiziert werden konnte. Ausweislich des Untersuchungsberichts führte hohe Luftfeuchtigkeit während der Kalibrierung von Sensoren dazu, dass die Sensoren beim Start falsche Daten über den Anstellwinkel und die Fluggeschwindigkeit an das flight control system übermittelte. Darauf reagierte die Flugelektronik mit einer Übersteuerung der Fluglage, was zum Strömungsabriss führte. Als die linke Tragfläche der Maschine den Boden berührte, löste die Besatzung den Schleudersitz aus und kam mit Verletzungen davon.[3] Am 15. April 2008 wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen.[4]
[Bearbeiten] Technik und Betrieb
Die B-2 ist ein Langstreckenbomber, der sowohl konventionelle als auch atomare Waffen tragen kann. Um von Militärflughäfen in den USA jeden Punkt der Erde ohne Zwischenlandung angreifen zu können, kann die B-2 in der Luft betankt werden.
Die B-2 Spirit nutzt die Bauweise eines Nurflüglers, dessen spezielle Form die verwertbaren Radar-Reflexionen minimieren soll. Sie besteht zu 80% aus Verbundwerkstoffen und verfügt über etwa 200 Rechner. Es gibt 13 Lockheed MIL-STD-1750A EMP-resistente Missionsprozessoren, die durch 26 MIL-STD-1553B Datenleitungen miteinander verbunden sind. Für die Datenübertragung zwischen den internen Systemen werden Lichtleiter benutzt, auch die Steuerung des Flugzeugs erfolgt über ein Fly-by-Light-System.
Das Radarsystem der B-2 vom Typ AN/APQ-181 ist ein passiv phasengesteuertes Radar, ähnlich wie das der B-1, das durch eine Version mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung (Active Electronically Scanned Array) ersetzt werden soll. Zudem verfügt das Flugzeug über eine Einrichtung zur Satellitenkommunikation mit den MILSTAR-Satelliten und ein MIDS-Terminal. Zum Selbstschutz kommt der hochentwickelte AN/APR-50 Radarwarnkomplex und das AN/AAR-54 Raketenwarnsystem zum Einsatz.
Die B-2-Flotte besteht heute (Stand Mai 2008) aus 20 der ursprünglich 21 gebauten Maschinen, ist dem 509th Bomb Wing zugeordnet und auf der Whiteman Air Force Base, Missouri stationiert. Im Rahmen des Irakkriegs und bis heute wurden bis zu sechs Maschinen auf die Andersen Air Force Base auf der Pazifikinsel Guam verlegt.
Die B-2 wird normalerweise von einer 2-Mann-Besatzung geflogen, bestehend aus Pilot und Co-Pilot. Es gibt jedoch noch einen dritten Sitz für ein weiteres Besatzungsmitglied, der aber im Einsatz nicht benutzt wird. Die zeitliche Größenordnung der geplanten Einsätze (über 24 Stunden) machte den Einbau einer Toilette sowie die Nachrüstung einer Liege notwendig. Die Einsätze der B-2 im Irakkrieg waren mit einer Flugdauer von durchschnittlich 16,9 Stunden von Guam und 35,3 Stunden von Missouri die längsten Missionen in der Geschichte der militärischen Luftfahrt. Die Piloten nutzten Koffein, Zolpidem und Dextroamphetamin, sowie nach Möglichkeit kurze Schlafpausen auf An- und Rückflug, um die Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten.[5]
[Bearbeiten] Tarnkappentechnologie
Weil Formgebung und Materialeigenschaften die Entdeckung des Bombers mittels Radar weitestgehend verhindern sollen und die Infrarotabstrahlung der Triebwerke reduziert ist, bezeichnet man den B-2-Bomber oft als „Tarnkappenflugzeug“. Die Radarsignatur der B-2 ist vom verwendeten Gegnerradar (Frequenz) sowie der Anzahl und der Ausrichtung der Radargeräte abhängig. Über die Größe der Signatur gibt es keine genauen Angaben, verschiedene Quellen sprechen von der Größe einer Wespe bis zu der einer Taube. Die dunkelgraue Spezialfarbe dient dazu, die Infrarotstrahlen zu absorbieren und die Erkennbarkeit im optischen Spektrum zu verringern.
Die Beschaffenheit der Oberflächen hinter den Abgasdüsen dient dazu, die Abgase zu kühlen, bevor sie das Flugzeug verlassen. Dadurch soll die Wärmesignatur des Bombers für Infrarotsensoren verringert werden. Zur Vermeidung von Kondensstreifen werden den Abgasen spezielle Substanzen zugemischt.
Im Unterschied zur F-117 mit ihrer eckigen Form wurde bei der Entwicklung des B-2-Bombers die Technologie der Continuous Curvature (zu deutsch etwa: Kontinuierliche Krümmung) verwendet, die erstmals beim Tarnkappenexperimentalflugzeug Northrop Tacit Blue benutzt wurde.
Die B-2 wird zur Zeit mit einem neuen Radarschutzanstrich versehen, welcher, neben besserer Leistung, vor allem die Wartung vereinfachen soll. Die neue Substanz wird „Alternate High Frequency Material“ (dt. alternatives, hoch-frequenz [absorbierendes] Material) genannt und soll bis 2012 im Rahmen von bereits geplanten Wartungsarbeiten auf alle vorhandenen B-2 Bomber aufgebracht werden.
Mittlerweile ist umstritten, ob das großteils auf der Radarstreuung basierende Stealth-Konzept der B-2 in der Lage ist, Flugabwehr, die mit multiplen, miteinander verbundenen Radarempfängern operiert, effektiv an der Ortung (und der Bekämpfung) von Stealth-Flugzeugen wie dem B-2-Bomber oder vergleichbarer Fluggeräte wie der F-117 zu hindern. Gerade die Technik der Vernetzung von Radargeräten (Radarverbund) ist keineswegs neu und wurde schon vor Jahrzehnten durch die Staaten des Warschauer Pakts praktiziert. Aus diesem Grund steht bei der Entwicklung neuer „Tarnkappenflugzeuge“ (etwa der F-22 Raptor) die Absorption der Radarstrahlen und nicht deren möglichst effektive Streuung im Vordergrund. Auch auf die Verminderung eines Radarechos nach oben, das etwa von einem Satelliten oder hochfliegenden Aufklärungsflugzeug erkannt werden kann, ist die Konstruktion nicht ausgelegt.
[Bearbeiten] Technische Daten
| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Stückpreis: | Flyaway: 727 Mio. US-Dollar[6] Systempreis: 882 Mio. US-Dollar[6] Inkl. Entwicklung: 2,02 Mrd. US-Dollar[6] |
| Anzahl | Aktiv: 20; ANG: 0; Reserve: 0 ; Verlust: 1 |
| Hersteller | Northrop Grumman Corp. |
| Länge: | 21,03 m |
| Spannweite: | 52,43 m |
| Tragflügelfläche: | 464,50 m² |
| Tragflächenbelastung: |
|
| Höhe: | 5,18 m |
| Leergewicht: | 45.360 kg |
| normales Startgewicht: | 152.635 kg |
| maximales Startgewicht: | 181.437 kg |
| Tankkapazität: | 110.000 Liter |
| Geschwindigkeit: |
|
| Dienstgipfelhöhe: | 15.152 m |
| Reichweite: |
|
| Besatzung: | Zwei Piloten |
| Antrieb: | vier General Electric F-118-GE-100 Mantelstromtriebwerke |
| Schubkraft: | je 84,5 kN |
| Schub-Gewicht-Verhältnis: |
|
[Bearbeiten] Bewaffnung
In zwei internen Waffenschächten können unter Normalbedingungen bis zu 18.144 kg Waffen mitgeführt werden. Theoretisch sind bis zu 35.800 kg möglich, jedoch würde durch eine solch hohe Waffenlast die Reichweite stark reduziert werden.
- freifallende Bomben:
- nuklear: 16 × B61 (max. 300 kt Sprengkraft) oder B83 (max. 1,2 Mt Sprengkraft)
- konventionell: 80 × Mk 82 (276 kg), 16 × Mk 84 Bomben (908 kg)
- Wasserbomben: 80 × DST Mk 36 (227 kg)
- Brandbomben: 36 × M-117 (340 kg)
- Streubomben: 36 × CBU-87 (430 kg/202 panzerbrechende Geschosse), CBU-89 (322 kg/72 Anti-Panzer-Minen, 22 Anti-Personen-Minen) oder CBU-97 (420 kg/40 panzerbrechende Geschosse, autonome Zielsuche)
- gelenkte Bomben:
- GPS-gelenkt: 80 × GBU-30 JDAM, 16 × GBU-32 JDAM, 8 × GBU-38 JDAM, 8 × GBU-37, 2 × Massive Ordnance Penetrator
- Laser-gelenkt: 8 × GBU-27 Paveway III oder GBU-28 Paveway III
- Abstandswaffen:
- Gleitbomben: 2161 × GBU-39 SDB, 16 × AGM-154 JSOW
- Marschflugkörper: 16 × AGM-158 JASSM
1 Anzahl nur mit maximaler Waffenzuladung möglich (35.880 kg).
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe abgestürzt
- ↑ USAF-Video des Absturzes
- ↑ Air Combat Command: B-2 Accident Report Released vom 5. Juni 2008
- ↑ Jane's Defense Weekly, 3. Mai 2008, Seite 32
- ↑ David N. Kenagy et al.: Dextroamphetamine Use During B-2 Combat Missions. In: Aviation, Space, and Environmental Medicine, Vol. 75, No. 5, May 2004, ISSN 0095-6562, p. 381-386
- ↑ a b c B-2 Bomber: Cost and Operational Issues
[Bearbeiten] Weblinks
- Die B-2 auf der Boeing-Website
- Air Force Link — Fact Sheet: B-2 Spirit
- Home of America´s Bomber — The B-2 Spirit of Whiteman Air Force Base
- B-2 Spirit — Northrop Grumman
- CNN — B-2 stealth bombers make combat debut — March 24, 1999
- FAS — B-2 Spirit — United States Nuclear Forces
Zivile Baureihen
Grumman G-44 Widgeon – Grumman G-21 Goose – Grumman G-73 Mallard – Grumman Gulfstream I – Grumman Gulfstream II
Militärische Baureihen – Grumman
Grumman HU-16 – Grumman A-6 – Grumman C-1 – Grumman C-2 – Grumman E-1 – Grumman E-2 – Grumman AF-2 – Grumman JF – Grumman FF – Grumman F2F – Grumman F3F – Grumman F4F – Grumman XF5F – Grumman F6F – Grumman F7F – Grumman F8F – Grumman F9F – Grumman F-9 – Grumman XF10F – Grumman F11F – Grumman F-14 – Grumman OV-1 – Grumman S-2 – Grumman TBF – Grumman X-29
Militärische Baureihen – Northrop
Northrop B-2 – Northrop F-5 – Northrop F-20 – Northrop F-89 – Northrop T-38 – Northrop YF-23 – Northrop YB-35 – Northrop YB-49 – Northrop Tacit Blue

