BNP Paribas

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  BNP Paribas SA
BNP Paribas-Logo
Gebäude der BNP Paribas in Paris
Staat Frankreich
Sitz Paris
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN FR0000131104
BIC BNPAFRPPXXX[1]
Gründung 23. Mai 2000
Website www.bnpparibas.com
Geschäftsdaten 2012
Mitarbeiter 188.600
Leitung

Unternehmensleitung

Baudouin Prot (Chairman)
Jean-Laurent Bonnafé (CEO)

BNP Paribas ist eine französische Geschäftsbank und war an den Einlagen gemessen 2010 die größte Bank Europas, am Börsenwert gemessen 2011 die drittgrößte Bank Europas.[2] Sie entstand am 23. Mai 2000 durch die Fusion der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Zusammen mit der Société Générale und dem Crédit Lyonnais gehört sie zu den drei alten Geschäftsbanken («les trois vieilles») Frankreichs.

Die Bank ist eine der 28 Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „systemically important financial institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft wurden.[3] Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

BNP entstand 1966 aus der Fusion den Banque Nationale du Commerce et de l’Industrie (BNCI) mit dem Comptoir National d’Escompte de Paris (= Nationale Diskontbank Paris; kurz CNEP). 1993 wurde BNP privatisiert.

Die ursprüngliche Compagnie Financière de Paris et des Pays-Bas (= Finanzgesellschaft von Paris und den Niederlanden), gemeinhin als Compagnie Financière de Paribas bekannt, änderte 1998 mit der Akquisition der Compagnie Bancaire die Firmierung einfach in „Paribas“.

1999 lieferten sich BNP und Société Générale eine komplizierte Übernahmeschlacht an der Börse, wobei die Société Générale für Paribas ein Gebot abgab, das von BNP mit einem Gebot für die Société Générale und einem Gegengebot für Paribas beantwortet wurde. BNPs Gebot für die Société Générale scheiterte, während sein Gebot für Paribas letztlich im Zusammenschluss von BNP und Paribas gipfelte.

Bis 2001 wurden alle Einnahmen des Irak aus dem Oil for Food Programm auf einem Treuhänderkonto ausschließlich bei der BNP Paribas verwaltet. Danach wurden sie bei mehreren ungenannten internationalen Banken eingezahlt.

Im Jahre 2002 wurde die deutsche Direktbank Consors mit Sitz in Nürnberg, 2006 wurde das sechstgrößte italienische Bankinstitut Banca Nazionale del Lavoro übernommen.

Ab Oktober 2008 versuchte die BNP Paribas die Fortis Bank Belgium SA zu übernehmen.

Im Rahmen der Finanzkrise erklärte die französische Regierung im Januar 2009 ihre Bereitschaft zu Finanzhilfen für die BNP Paribas. Im Dezember 2008 hatte der Staat bereits nachrangige Schuldtitel über 2,55 Mrd. Euro von der BNP übernommen, die diese nunmehr Ende März 2009 abgelöst hat. Das Finanzministerium erklärte am 31. März 2009, die staatliche Beteiligungsgesellschaft SPPE Société de Prise de Participation de l’Etat werde für 5,1 Mrd. Euro BNP Paribas ca. 187 Mio. Vorzugsaktien ohne Stimmrechte übernehmen. Dadurch steigt die Tier 1-Kapitalquote auf 8,4 Prozent und die Equity-Tier 1 Kapitalquote auf 6,5 Prozent.[5][6] Ende September 2009 gab die Bank bekannt, dass man zur Finanzierung dieser Maßnahme eine Kapitalerhöhung durchführen werde. Dabei ist die Ausgabe neuer Aktien im Wert von 4,3 Mrd. € geplant.[7]

Danach hält der französische Staat 17,03 Prozent der Anteile und ist größter Einzelaktionär vor der AXA Versicherungsgruppe und den Beschäftigten der BNP mit jeweils 4,8 Prozent.[8][9]

Bei einigen Geschäften in den Jahren 2002 bis 2009 verstieß die Bank gegen US-Wirtschaftssanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba. 2014 erklärte sich die Bank schuldig. Für die Zahlung von 8,83 Milliarden Dollar entgeht sie einem drohenden Gerichtsverfahren. Sie rettet zugleich ihre US-Banklizenz, die für Geschäfte auf dem US-Markt notwendig ist. BNP darf allerdings ein Jahr lang bestimmte Geschäfte in Dollar nicht mehr abwickeln. Zudem müssen 13 Mitarbeiter das Institut verlassen. Die Bank soll 2013 Rücklagen im Wert von 94,4 Milliarden Euro gehabt haben.[10]

Geschäftsaktivitäten[Bearbeiten]

Profil[Bearbeiten]

Hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung und ihres Nettoergebnisses ist BNP Paribas die größte Bank in der Eurozone. Sie beschäftigt 162.700 Mitarbeiter, wovon 126.600 in Europa angestellt sind, und erreicht eine Präsenz in mehr als 85 Ländern. Die Bank engagiert sich in den drei Kerngeschäftsfeldern "Retail Banking", "Corporate and Investment Banking" sowie "Asset Management and Services".

In Frankreich ist BNP Paribas mit 2.200 Filialen und 4.900 Bankautomaten im Privatkundengeschäft mit 6 Mio. französischen Haushalten, 500.000 Unternehmern und 20.000 Firmenkunden verbunden.

Expansion nach China[Bearbeiten]

Am 23. September 2005 erwarb BNP Paribas einen 20%igen Anteil an der chinesischen Nanjing City Commercial Bank, wie ein chinesischer offizieller Pressebericht in der Staatspresse berichtete. Die Oriental Morning Post aus Shanghai erläuterte, dass BNP dafür US$ 100 Mio. zahlte, obwohl ein Bankmitarbeiter diese Summe dementierte. Er lehnte es jedoch ab, weitere Details bekannt zu geben. Die französische Zeitung La Tribune berichtete, dass BNP Paribas mit vier chinesischen Geschäftsbanken – Ningbo, Wuxi, Nanjing und Suzhou - sprach und bereit war, zwischen US$ 50 und 100 Mio. zu investieren.[11]

Wir sprachen mit verschiedenen Kreditinstituten, aber nur BNP zeigte Vertrauen. Es war nicht einfach für uns, eine gute Vereinbarung zu erreichen“, erläuterte ein Offizieller der Nanjing City Commercial Bank. BNP lehnte einen Kommentar ab. Die International Financial Corporation, die Investmentbank der Weltbank, besitzt bereits 15 % der Nanjing City Commercial Bank, die über eine reguläre Zulassung zur Notierung an der nationalen Börse des Landes verfügt.

Übernahme der belgischen Fortis-Gruppe[Bearbeiten]

Die französische BNP Paribas übernimmt im Zuge der Finanzkrise ab 2007 am 6. Oktober 2008 75 Prozent des belgischen und 67 Prozent des luxemburgischen Teil der Fortis-Gruppe für 14,5 Mrd. Euro.[12] Das Versicherungsgeschäft der Fortis-Gruppe exklusive der Fortis Netherland Insurance N.V. und exklusive der Fortis Insurance International (zu der auch Fortis Deutschland Lebensversicherung AG als Tochterunternehmen gehört) übernimmt BNP zu 100 %.

Aufgrund von Klagen von belgischen Kleinaktionären entschied ein belgisches Gericht Mitte Dezember 2008, dass eine Übernahme der Fortis Gruppe in Belgien bis zu einer Entscheidung der Aktionäre ausgesetzt werden müsse. Auf der Fortis-Hauptversammlung am 11. Februar 2009 entschieden sich 50,3 Prozent der Aktionäre gegen eine Aufspaltung der Fortis Holding, gegen einen Teilverkauf an den belgischen Staat und gegen einen Weiterverkauf an die BNP Paribas.[13][14][15]

Die Fortis Bank Belgium wurde am 12. Mai 2009 von der belgischen Staatsholding SFPI/FPIM übernommen.[16] und in BNP Paribas Fortis umbenannt.[17]

siehe auch: Fortis (Unternehmen), Absatz Aufspaltung der Fortis-Gruppe

Tochterunternehmen (Auswahl)[Bearbeiten]

Zu den Tochterunternehmen der BNP Paribas gehören:

In Deutschland ist BNP Paribas mit mehr als 4000 Mitarbeitern an 19 Standorten vertreten.

Börsendaten[Bearbeiten]

BNP Paribas ist an der Euronext-Börse in Paris und an der Tokyo Stock Exchange notiert und gehört dem französischen Börsenindex CAC40 an.

Sponsoring[Bearbeiten]

BNP Paribas ist u. a. Sponsor des Davis Cups und der French Open im Tennis sowie Trikotsponsor des RSC Anderlecht.

Kritik[Bearbeiten]

Im September 2010 wurde BNP Paribas zusammen mit zehn anderen Banken vom Conseil de la Concurrence zu einer Geldbuße in Höhe von 381,1 Millionen Euro verurteilt. Die Banken hatten eine Verabredung getroffen, der zufolge sie von Januar 2002 bis Juli 2007 von ihren Kunden 4,3 Cent Scheckgebühren je Scheck verlangten, um Extragewinne zu erzielen. Dies betraf 80 % der in Frankreich verwendeten Schecks. Bis 2002 war der Scheckverkehr in Frankreich kostenfrei. Nach dem Einschreiten der Bankenaufsicht, die die Gewinne „unrechtmäßig“ nannte, wurde diese Praxis beendet. Die Banken dieses Kartells wurden außerdem für überzogene Gebühren mit zusammen 3,8 Millionen Euro bestraft. BNP spielte nach Ansicht des Conseil de la Concurrence eine führende Rolle im Kartell, weswegen ihre Strafe 10 % höher ausfiel. Sie wurde um weitere 20 % erhöht, da BNP bereits im Jahr 2000 wegen Wettbewerbsbehinderung zu einer Strafe verurteilt worden war.[19][20]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BNP Paribas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im BIC Directory beim SWIFT
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDas sind die größten Banken Europas. In: handelsblatt.com. 10. September 2012, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  3. Policy Measures to Address Systemically Important Financial Institutions. In: Financial Stability Board (FSB) vom 4. November 2011 (PDF, 105 kB)
  4. Update of group of global systemically important banks (G-SIBs) (PDF, 43 kB) vom 1. November 2012
  5. fax.net - Frankreich übernimmt für 5,1 Mrd. EUR BNP-Paribas-Vorzugsaktien vom 1. April 2009
  6. Pressemitteilung vom 31. März 2009
  7. Frankreichs BNP Paribas erhöht Kapital
  8. www.apa.at
  9. invest.bnpparibas.com
  10. www.tagesschau.de
  11. BNP Paribas übernimmt Anteil an Nanjing City Commercial Bank
  12. Wie die Finanzkrise die Branche verändert (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv Archive.today) Ftd: Franzosen übernehmen Fortis
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Stabenow: Aktionäre brüskieren den Vorstand. In: faz.net. 11. Februar 2009, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  14. www.faz.net
  15. www.faz.net
  16. Fortis Bank Pressemitteilung vom 12. Mai 2009
  17. BNP Paribas Fortis Pressemitteilung vom 15. Mai 2009
  18. www.bnpparibas.de
  19. Collusion in the banking sector. Pressemitteilung der Autorité de la concurrence vom 20. September 2010, abgerufen am 9. Februar 2011
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHolger Alich: Frankreichs Banken sollen Millionen zahlen. In: handelsblatt.com. 21. September 2010, abgerufen am 6. Dezember 2014.