BRCA2

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BRCA2
Eigenschaften des menschlichen Proteins
Masse/Länge Primärstruktur 3418 Aminosäuren
Bezeichner
Gen-Name BRCA2
Externe IDs
Vorkommen
Übergeordnetes Taxon Eukaryoten[1]
Bändermodell des Komplexes aus RAD51 (Aminosäuren 97-339) und der vierten BRCA2-Domäne (Aminosäuren 1517–1551), nach PDB 1N0W.

BRCA2 ist ein Protein in den Zellkernen der meisten Eukaryoten, das als Untereinheit mehrerer Proteinkomplexe eine Schlüsselrolle bei der DNA-Reparatur und der homologen Rekombination einnimmt. Beim Menschen wird BRCA2 hauptsächlich in Brust- und Thymusdrüse, sowie in der Lunge, den Eierstöcken und der Milz produziert. Homozygote Mutationen im BRCA2-Gen sind für erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brust- und Eierstockkrebs sowie heterozygote(rezessiv) Mutationen für die Fanconi-Anämie Gruppe D Typ 1 verantwortlich. Das Gen wird daher zur (veralteten) Klasse der Tumorsuppressorgene gezählt.[2]

Das BRCA2-Protein bindet an RAD51 und PALB2. Der Komplex mit RAD51 bindet mit Hilfe von PALB2 an DNA-Doppelstrangbrüche und leitet die DNA-Reparatur ein. BRCA2 wird für die Bildung der RAD51-Nukleofilamente benötigt, indem es RPA vom resektierten DNA-Abschnitt entfernt und durch Rad51 ersetzt. BRCA2 ist daher essenziell für die genomische Stabilität einer eukaryotischen Zelle.[3]

Name[Bearbeiten]

BRCA2 ist eine Abkürzung für den englischsprachigen Ausdruck BReast CAncer 2, early-onset (deutsch: Brustkrebs 2, frühe Manifestation), in einigen Publikationen wird das Gen auch als Brustkrebsgen 2 bezeichnet.

Die Lage von BRCA2 im Genom[Bearbeiten]

Das BRCA2-Gen liegt auf dem langen Arm (q-Arm) von Chromosom 13, Genlocus 12.3. Es reicht von Basenpaar 31.787.616 bis Basenpaar 31.871.804, das heißt es umfasst 84.193 Basenpaare. Das daraus codierte Protein besteht aus 3418 Aminosäuren und hat eine molare Masse von 384.225 Da.

Risiko und Erkennung[Bearbeiten]

Frauen und Männer mit einer Keimbahnmutation in BRCA2 haben ein erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs, aber auch an anderen Krebsarten zu erkranken.[4]

Mit Hilfe einer DNA-Analyse kann festgestellt werden, ob eine PatientIn eine mutierte Form des BRCA2-Gens hat. Für Frauen und Männer mit familiärer Belastung für Brust- und Eierstockkrebs übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Beratung, Gentest und Früherkennungsprogramm. Als sinnvoll wird die Durchführung des Tests angesehen, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • mindestens zwei Personen in der Familie sind oder waren an Brustkrebs erkrankt, davon mindestens eine vor dem 51. Lebensjahr
  • drei Personen mit Brustkrebs in der Familie (unabhängig vom Erkrankungsalter)
  • eine Erkrankung in der Familie mit einseitigem Brustkrebs und einem Erkrankungsalter vor dem 36. Lebensjahr
  • ein Fall von beidseitigem Brustkrebs in der Familie, wobei die erste Erkrankung im Alter von 50 Jahren oder früher aufgetreten ist
  • ein Fall von Eierstockkrebs in der Familie, wenn die Erkrankung vor dem 41. Lebensjahr aufgetreten ist
  • ein Fall in der Familie mit Brust- und Eierstockkrebs
  • ein Mammakarzinom bei einem Mann
  • zwei oder mehr Fälle von Eierstockkrebs in der Familie.[5]

Vor und nach Durchführung des Gentests sind intensive Gespräche mit den Patienten von großer Wichtigkeit.[6][7]

Entdeckung[Bearbeiten]

Das BRCA2-Gen wurde 1994 von Michael Stratton und Richard Wooster am Institute of Cancer Research der Universität London entdeckt.[8][9]

Prävention[Bearbeiten]

siehe BRCA1#Prävention

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Honrado u. a.:Pathology and gene expression of hereditary breast tumors associated with BRCA1, BRCA2 and CHEK2 gene mutations. In: Oncogene, 25/2006, S.5837–45. PMID 16998498
  • S. M. Domchek, B. L. Weber: Clinical management of BRCA1 and BRCA2 mutation carriers. In: Oncogene, 25/2006, S.5825–31. PMID 16998496
  • T. Hay, A. R. Clarke: DNA damage hypersensitivity in cells lacking BRCA2: a review of in vitro and in vivo data. In: Biochem Soc Trans, 33/2005, S.715–7. PMID 16042582
  • A. Tutt, A. Ashworth: The relationship between the roles of BRCA genes in DNA repair and cancer predisposition. In: Trends Mol Med, 8/2002, S.571–6. PMID 12470990
  • D. C. Daniel: Highlight: BRCA1 and BRCA2 proteins in breast cancer. In: Microsc Res Tech, 59/2002, S.68–83. PMID 12242698
  • B. J. Orelli, D. K. Bishop: BRCA2 and homologous recombination. In: Breast Cancer Res, 3/2001, S.294–8. PMID 11597317
  • A. R. Venkitaraman: Chromosome stability, DNA recombination and the BRCA2 tumour suppressor. In: Curr Opin Cell Biol, 13/2001, S.338–43. PMID 11343905

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UniProt Suchergebnis mit PS50138 Match nach Taxonomie
  2. UniProt P51587
  3. Thorslund T, West SC: BRCA2: a universal recombinase regulator. In: Oncogene. 26, Nr. 56, Dezember 2007, S. 7720–30. doi:10.1038/sj.onc.1210870. PMID 18066084.
  4. U. Hamann: Brustkrebs – Sind es die Gene oder die Umwelt? (PDF; 111 kB), Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, September 2003
  5. bp: Ullrich K, BRCA1/2-Testung: Kriterien wurden modifiziert. (PDF; 495 kB) In: Medical Tribune Nr. 2, April 2008, S. 7.
  6. H. Keßler: Brustkrebs: Früherkennung durch Gentest – Erlösung oder Schicksalsschlag: wie ein Gentest das Leben von Frauen verändert. In: Die Zeit, Nr. 12/1996
  7. Beckmann MW, Hochrisikofamilien mit Mamma- und Ovarialkarzinomen: Möglichkeiten der Beratung, genetischen Analyse und Früherkennung, in Deutsches Ärzteblatt, 94/1997, S. A161–167.
  8. M. R. Stratton u. a.: Familial male breast cancer is not linked to the BRCA1 locus on chromosome 17q. In: Nat Genet., 7/1994, S.103–7. PMID 8075631
  9. M. R. Stratton, R. Wooster: Hereditary predisposition to breast cancer. In: Curr Opin Genet Dev, 6/1996, S. 93–7. PMID 8791478
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