BRD
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BRD ist eine nichtamtliche Abkürzung für die Bundesrepublik Deutschland.
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[Bearbeiten] Entstehung und Verwendung des Begriffs
[Bearbeiten] Ursprung
Nach Gründung der Bundesrepublik wurde der Begriff BRD in Westdeutschland zunächst wertfrei verwendet. In der DDR wurde der andere deutsche Staat zunächst meist Westdeutschland genannt. [1]
[Bearbeiten] Abkürzung in der DDR
Die SED-Führung vermied die amtliche Bezeichnung Bundesrepublik Deutschland und verkürzte sie in offiziellen Schreiben auf „westdeutsche Bundesrepublik“, um die von der Sowjetunion postulierte Zweistaatentheorie zu betonen und den Begriff „Deutschland“ für eine gesamtdeutsche Nation offenzuhalten. Dies änderte sich jedoch 1968 mit dem Inkrafttreten der neuen DDR-Verfassung, mit der sich die Deutsche Demokratische Republik vom Ziel der deutschen Wiedervereinigung verabschiedete. Da nun im Osten für die Bundesrepublik konsequent die Abkürzung BRD als propagandistischer Gegenbegriff zu DDR verwendet wurde, um die Gleichberechtigung beider Staaten auszudrücken, und auch im allgemeinen Sprachgebrauch weit verbreitet war, wurde dieser Begriff seit den 1970er-Jahren wiederum im Westen mehrheitlich als DDR-Jargon empfunden.
In bewusster Anlehnung daran benutzten vor allem linke Gruppen in Westdeutschland, so auch die terroristische Rote Armee Fraktion, meist die Abkürzung BRD. Sie ist teilweise im linksradikalen sowie -extremistischen Umfeld bis heute üblich, auch wenn sie sich inzwischen auf das wiedervereinigte Deutschland bezieht.[2][3]
[Bearbeiten] Amtlich konsentierte westdeutsche Abkürzungen
In den alten Bundesländern wurden bis zur Deutschen Einheit die Abkürzungen BR Deutschland, BR Dt., BR Dtl., BRDt., BRep.Dtschl., B’Rep. Dt., B.rep. D, BRep.D, BR Dtld. oder einfach Dtld. bevorzugt; eine Verwendung des Kürzels BRD war und ist von offizieller Seite nicht erwünscht. Im mündlichen Sprachgebrauch war der Kurzname „Bundesrepublik“ für die Bundesrepublik Deutschland gebräuchlich.
Mit der Vermeidung der Abkürzung BRD wollte sich die bundesdeutsche Seite vom DDR-Sprachgebrauch abgrenzen und verhindern, dass west- und ostdeutscher Staat durch analoge Abkürzungen auf eine Stufe gestellt werden. Die Bundesrepublik betrachtete sich trotz aller Lockerungen im deutsch-deutschen Verhältnis stets als einzig legitimer deutscher Staat (siehe Hallstein-Doktrin). Die Bezeichnung „Deutschland“ beanspruchte sie für Gesamtdeutschland und dafür stellvertretend für sich selbst. Durch die fortdauernde Verwendung dieses Begriffs sollte die Existenz einer deutschen Nation – Deutschland als Ganzes – im öffentlichen Bewusstsein gehalten werden, um das Staatsziel der Wiedervereinigung nicht zu gefährden.
Seit dem 4. Oktober 1976 gibt es einen Erlass der Schulbehörde Schleswig-Holstein, der die Abkürzung BRD für nicht „wünschenswert“ erklärt.[4] Verwaltungsrechtlich lässt sich die Unerwünschtheit aufgrund der Meinungsfreiheit nicht durchsetzen. Dennoch wurde die Schreibweise BRD bis in die 1990er-Jahre hinein an einigen westdeutschen Schulen als Schreibfehler gewertet.
[Bearbeiten] Kfz-Nationalitätszeichen
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR entstand ein Streit über die Zuteilung des bisherigen Kraftfahrzeug-Nationalitätszeichens „D“ für Deutschland, auch „D-Schild“ genannt. Die Deutsche Demokratische Republik war mit der der Zuteilung von „DDR“ einverstanden, verlangte aber von der Bundesrepublik die Verwendung der Abkürzung „BRD“ als Folge der Teilung. Aufgrund des Alleinvertretungsanspruches und der (Teil-)Identität mit dem Deutschen Reich bestand die Bundesrepublik aber weiterhin auf das „D“ als Kennzeichen, und konnte sich international auch durchsetzen. Um übrigen Forderungen nach einer Abkürzung „BRD“ entgegenzutreten, wurde deren Verwendung im amtlichen Schriftverkehr der Bundesrepublik Deutschland verboten und war im allgemeinen Sprachgebrauch nicht erwünscht. In der DDR wurde ab dem 1. Januar 1974 das Nationalitätskennzeichen „DDR“ vorgeschrieben. Vorher wurde auch dort das Zeichen „D“ verwendet. Daher auch der Name für das westdeutsche Fernsehmagazin Kennzeichen D, das über Aktuelles in Ost und West berichtete.
[Bearbeiten] Internationale Abkürzungen
International waren und teilweise sind die entsprechenden Abkürzungen wie FRG (für Federal Republic of Germany) im Englischen und RFA (République Fédérale d’Allemagne) im Französischen üblich. Die russische Abkürzung ФРГ (für Федеративная Республика Германия, Federatiwnaja Respublika Germanija) ist auch heute noch sehr gebräuchlich.
Für das vereinigte Deutschland haben sich verschiedene Abkürzungen durchgesetzt:
- D: als Kfz-Nationalitätszeichen und zivile Luftfahrzeug-Kennung,
- DE (neben DEU Landescode des internationalen Standards ISO 3166): im Internet,
- GER (offizielles Mannschaftskürzel des IOC; engl. für Germany): bei internationalen Sportereignissen.
[Bearbeiten] Heutige Verwendung
Seit dem Ende des Kalten Krieges Ende des 20. Jahrhunderts und mit der Deutschen Wiedervereinigung hat die Diskussion um die Abkürzung BRD ihre Brisanz verloren. So setzt der Duden seit den 1990er-Jahren „BRD“ mit „Bundesrepublik Deutschland“ gleich, während er zu Zeiten des Kalten Krieges noch darauf bestand, dass es sich um eine „nichtamtliche Abkürzung“ handelte. Seit den 1990er-Jahren verwendet auch die dem Bundesministerium des Innern unterstellte Bundeszentrale für politische Bildung in Veröffentlichungen die Abkürzung BRD.
Vereinzelt wird noch von Rechtsextremisten wie Horst Mahler die Abkürzung BRD verwendet, um zu verdeutlichen, dass die Bundesrepublik Deutschland aus ihrer Sicht zum einen nur einen Teil Deutschlands beinhalten würde – in revanchistischen Kreisen misst man dem Deutsch-Polnischen Grenzvertrag zu den ehemaligen deutschen Ostgebieten von 1990 keine Bedeutung zu – und zum anderen kein souveräner Staat sei, sondern lediglich eine „Organisationsform einer Modalität der Feindmächte des Deutschen Reiches“ (OMF-BRD)[5] – in Anlehnung an den von Carlo Schmid 1948 geprägten Begriff der „Organisationsform einer Modalität der Fremdherrschaft“. Außerdem wird das Kürzel verwendet in Darstellungen, die die Bundesrepublik als illegitimen Staat ansehen, dessen Regierung so genannte Kommissarische Reichsregierungen gegenüber gestellt werden.[6]
Die amtliche Auffassung zu BRD ist einer der wenigen Fälle (siehe auch Rechtschreibung), in dem auf diese Weise direkt in den bundesdeutschen Sprachgebrauch eingegriffen wurde.
[Bearbeiten] Ähnlicher Streitfall
Eine vergleichbar ideologisch geführte Diskussion gibt es um die Begriffe Berlin (West), West-Berlin und Westberlin. Durch die Zusammenschreibung Westberlin betonte die DDR das Eigentümliche des Westteils von Berlin, um ihn von „Berlin, Hauptstadt der DDR“ abzugrenzen. Ähnlich die politische Debatte um den Begriff Westdeutschland.
[Bearbeiten] Literatur
- Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel. Die deutsche Frage im Spiegel der Sprache. Olzog, München/Wien 1979, ISBN 3-7892-7180-2.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ vgl. (auch für die folgenden Absätze zur Begriffsgeschichte): Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte, Handbuch zur deutschen Einheit, 1949–1989–1999, Campus Verlag 1999, S. 222; außerdem: Werner Besch et al, Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, Verlag Walter de Gruyter, 2. Teilband, 2. Auflage 1998, S. 2031; sowie: Georg Stötzel, Martin Wengeler, Karin Böke, Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland, Verlag Walter de Gruyter, 1995, S. 317 ff.
- ↑ Siehe zahlreiche Texte linker Gruppen, z. B. die Auflösungserklärung der RAF
- ↑ Spiegel online – „Was Schüler über DDR und BRD denken“
- ↑ Erlass der Schulbehörde Schleswig-Holstein
- ↑ Verfassungsschutzbericht 2006 der Freien und Hansestadt Hamburg, S. 193
- ↑ Siehe hierzu Rechtslage des Deutschen Reiches nach 1945 und eine private Internetseite des Juristen Frank Schmidt, die sich mit den so genannten Kommissarischen Reichsregierungen auseinandersetzt

