BS2000

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BS2000/OSD
Basisdaten
Entwickler Fujitsu Technology Solutions GmbH
Aktuelle Version 9.0
(Juni 2012)
Architekturen S/370, S/390, MIPS, SPARC, x86
Lizenz Proprietär
Website Fujitsu Technology Solutions GmbH

BS2000 (seit 1992 lautet der offizielle Name BS2000/OSD) ist die Mainframe-Betriebssystemplattform von Fujitsu Technology Solutions. Der Name wird von Anwendern auch oft synonym für die Mainframerechner von Siemens/FTS verwendet.

Technische Einzelheiten[Bearbeiten]

Großrechner sind dafür ausgelegt, viele Anwendungen (Programme) auf einem Rechner nebenläufig einrichten (installieren) und ausführen zu können. Damit kann die notwendige Anzahl der Rechner klein gehalten werden. Ursprünglich konnten so Kosten für die früher deutlich teureren Hardwarekomponenten eingespart werden. Heute liegt der Vorteil einer Architektur, die mit wesentlich weniger Rechnern auskommt, darin, dass dadurch die Komplexität der IT-Infrastruktur deutlich geringer ist. Dies spart Betriebskosten und erhöht die Robustheit.

Damit sich verschiedene Anwendungen und Nutzer auf einem Rechner nicht wechselseitig beeinträchtigen, müssen Mainframesysteme die verschiedenen Benutzer und die Prozesse optimal voneinander abschotten können. Sie tun das durch die Virtualisierung aller von den Anwendungen genutzten Ressourcen und durch ein differenziertes, nach Zugriffsrechten und Prioritäten gesteuertes zentrales Ressourcenmanagement.

Der hohe Virtualisierungsgrad entkoppelt zugleich die Anwendungssoftware von Hardware- und Implementierungsdetails und bildet damit die Grundlage für langfristige Kompatibilität, hohe Flexibilität, hohe Verfügbarkeit, weite Skalierbarkeit und große Robustheit der auf Mainframes laufenden Services.

Anders als andere Mainframesysteme bietet BS2000/OSD in allen Betriebsarten (Batch-, Dialogbetrieb und Online Transaction Processing) und unabhängig davon, ob es nativ oder als Gastsystem in einer virtuellen Maschine läuft, genau dieselbe Schnittstelle. Diese Einheitlichkeit der Benutzerschnittstelle und der gesamten BS2000-Softwarekonfiguration macht die Administration und die Automatisierung besonders einfach.

BS2000/OSD ist vorwiegend im europäischen Markt verbreitet. In Deutschland ist es nach den IBM-Mainframesystemen das am meisten verbreitete Mainframesystem. Im öffentlichen Sektor, im Banken- und Versicherungsumfeld, aber auch in der Industrie sind Mainframes wegen ihrer architekturbedingten Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit für viele Kernanwendungen die erste Wahl.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklungsgeschichtlich hat das BS2000/OSD seine Wurzeln im Betriebssystem TSOS (Timesharing-Operating-System), das von RCA zuerst für das Modell /45 der Spectra/70-Serie entwickelt wurde. Diese Rechnerlinie der späten 1960er Jahre war der Architektur der S/360-Serie von IBM nachempfunden. Nach einem Patentstreit mit IBM stellte RCA die Produktion und Weiterentwicklung von Hard- und Software ein.

Siemens übernahm die Entwicklung eigenständig und vertrieb das auf Basis des TSOS entwickelte BBS (Band-Betriebs-System) mit eigener Hardware (System 4004). Die Hardware basierte zu Anfang auf exakten Kopien der RCA-Designs, welche aber neu aufgelöst wurden. Dabei wurden die mechanischen Teile von zöllig auf metrisch geändert. Mit dem Modell 4004/151 bzw. /220 erfolgte der Umstieg auf /370-Architektur mit virtueller Adressierung. Es war eines der ersten Betriebssysteme überhaupt, bei denen konsequent das Prinzip der virtuellen Adressierung und eines abgeschotteten Adressraums für die Programme verschiedener Benutzer eingeführt wurde. Von TSOS erbte das Betriebssystem die konsequente Strukturierung auf einheitliche, satz- und/oder blockorientierte Dateischnittstellen, so dass unnötige Geräteabhängigkeiten in Benutzerprogrammen vermieden werden konnten.

Mit der Gründung des Unidata-Verbundes durch Bull, Phillips und Siemens wurden die Siemens-Mainframerechner unter der Bezeichnung 7.000 vertrieben. Mit den intern als X-CPUs (X1,X3,X4) bezeichneten Rechnern wurde auch der Befehlssatz erweitert. Der nicht-privilegierte Befehlssatz entsprach weiterhin der /370, wurde aber z. B. um Hardwarestack und Bitmanipulationsbefehle erweitert. Es standen 4 statt 3 Funktionszustände (P1=User, P2=System, P3=Interruptbearbeitung, P4=Maschinenfehler) zur Verfügung.

Im Vergleich zu konkurrierenden Betriebssystemen (insbesondere von IBM) war BS2000 für den Benutzer leichter zu bedienen, da es insbesondere beim Zugriff auf das Dateisystem weniger Konfigurationsmöglichkeiten gab – was aber neben der etwas eingeschränkten Flexibilität auch die Tuning-Möglichkeiten einschränkte. Die Abkürzung TSOS blieb als User-Account bis heute erhalten, sie entspricht der Root-Kennung von Unix-Systemen.

1972
BS2000 wurde bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München als Informationssystem für die Presse eingesetzt. Der große Vorteil für die Softwareentwickler war der integrierte Debugger IDA (Interactive Debugging Aid). An der BS2000-Kommandozeile konnten Breakpoints gesetzt und Programmvariablen ausgelesen und verändert werden.
1975
Im Juni 1975 lieferte Siemens eine Weiterentwicklung dieses Betriebssystems (Version 5.0) für die Modelle der Siemens-Großrechner der Serie 7.700 aus. Schon diese erste BS2000-Version unterstützte Platten-Paging und drei verschiedene Betriebsarten im selben System: den Dialog-, den Batch- und den Teilhaberbetrieb, einen Vorläufer des Online Transaction Processing (OLTP-Betrieb). Das Betriebssystem musste für die vorhandene Hardwarekonfiguration angepasst (generiert) werden, d. h. die internen Tabellen des Betriebssystems für die Ein-/Ausgabe, Hauptspeicherkonfiguration usw. wurden durch einen Systemgenerierungslauf erzeugt. In einem zweiten Lauf wurden die optionalen Software-Module und die zuvor erzeugten Tabellen zu dem eigentlichen ladefähigen Betriebssystemkern gebunden.
1977
Mit dem Kommunikationssystem Transdata erfolgte der Einstieg in die damals moderne Rechnervernetzung. Ähnlich wie im BS2000 musste das PDN (Programmsystem zur Daten- und Netzsteuerung) an die jeweilige Hardwarekonfiguration angepasst werden, d. h. jede Leitung, jedes Modem, jeder Bildschirm und Drucker musste definiert werden.
1978
Die Einführung der Multiprozessortechnik verbesserte die Systemverfügbarkeit; damit wurden die ersten Bi-Prozessormodelle 7.761 und 7.762 von Siemens unterstützt. Das Betriebssystem konnte von da an den Ausfall eines Prozessors verkraften. Gleichzeitig wurde dadurch das Leistungsspektrum erheblich ausgeweitet. Die Leistung einer 7.760 (Monoprozessor) lag je nach Ausbau zwischen 0,98 und 1,07 MIPS.
1979
Mit dem Transaktionsmonitor Universal Transaction Monitor (UTM) wurde das für Mainframes besonders wichtige Online Transaction Processing als weitere Betriebsart unterstützt.
1987
BS2000 wird auf die XA-Architektur portiert (25 bzw. 31-Bit User-Adressraum) und unterstützt jetzt 2 GB große Adressräume, 512 Prozesse und das XS-Kanalsystem (Dynamic Channel Subsystem).
BS2000 wurde auch verkleinert: durch Einsatz einer Hercules-Karte in einem Sinix-System 9780 konnte man sich den Großrechner unter den Schreibtisch stellen.
1989
Mit der Version 9.0 wurden neue Rechner unterstützt. Die zwei Baureihen (H60 und H90) wurden in München entwickelt und in Augsburg gefertigt. Bei der H90 (Entwicklungsname Tiger) kamen wassergekühlte ECL-Schaltkreise zum Einsatz, die Monoprozessorleistung betrug maximal 15 MIPS.
1990
Mit der virtuellen Maschine VM2000 können mehrere BS2000-Systeme, auch unterschiedlicher Versionen, parallel auf einem Rechner laufen. Das Konzept findet sich heute bei Virtualisierungslösungen wie VMWare ESX oder XEN wieder. Das neue hierarchische Speicherverwaltungssystem HSMS verdrängt automatisch selten genutzte Daten auf billigere Speichermedien. Sobald diese Daten wieder benötigt werden, werden sie ebenso automatisch wieder auf Medien mit schnellem Datenzugriff restauriert. Das Bandarchivsystem Maren ermöglicht den Anschluss von Robotersystemen.
1991
BS2000 wird mit der Version 10 in voneinander entkoppelte Subsysteme zerlegt. Das erhöht die Flexibilität bei der Weiterentwicklung und der Softwareauslieferung. Außerdem wurde die Sicherheit des Systems gemäß F2/Q3 evaluiert.
1992/1995
Das BS2000 wird in Richtung Offenheit für Anwendungssoftware neu ausgerichtet und heißt ab da BS2000/OSD (Open Server Dimension). Nach der Portierung der POSIX-Schnittstellen 1992 wird 1995 der XPG4-Standard voll unterstützt.
1996
Portierung von BS2000/OSD auf die RISC-Architektur der Firma MIPS. Obwohl das Betriebssystem jetzt auf unterschiedlichen Hardware-Architekturen (S-Server mit S/390-Architektur und SR2000-Server für die RISC-Architektur) läuft, wird für BS2000-Anwendungen der objektkompatible Ablauf garantiert. Für S/390 produzierte Anwendungen können ohne Neuübersetzung auf Rechnern mit RISC-Architektur eingesetzt werden. Durch die notwendige Emulation des S/370-Befehlssatzes ist die Performance von nicht neu übersetzen Programmen nicht immer optimal.
1997
Mit WebTransactions können bestehende BS2000-Anwendungen Internet-tauglich gemacht werden, ohne in diese Anwendungen eingreifen zu müssen.
1999
Als erstes Betriebssystem weltweit erhält BS2000/OSD das Internet-Branding der Open Group.
2002
Mit der Portierung von BS2000/OSD auf die SPARC-Architektur entsteht die neue SX-Serverlinie. Damit setzt Fujitsu Siemens Computers seine Strategie der Hardwareunabhängigkeit bei gleichzeitigem Erhalt der vollen Kompatibilität fort.
2004
Nach ESCON und FICON wird jetzt auch Fibre Channel unterstützt. Durch die Integration in SAN-Speichernetze mit Fibre-Channel-Technologie werden Durchsatzsteigerungen gegenüber den Vorgängertechnologien erreicht.
2007
BS2000/OSD-Version 7.0 wird freigegeben. Entwicklungsschwerpunkte sind: Bereitstellung der Snap- und Clone-Funktionalität der EMC Symmetrix DMX-Speichersysteme für BS2000-Dateien und -Platten. Online Provisioning für Pubsets (Diese Funktion fügt je nach Bedarf zu einem BS2000-Dateisystem automatisch Platten aus einem Pool freier Platten hinzu oder gibt überschüssige Platten wieder in diesen Pool zurück). Autonome, dynamische Steuerung von I/O-Ressourcen (IORM). Ähnlich wie die Prioritätensteuerung bei der Zuteilung von CPU-Zeitscheiben realisiert diese Funktion eine Prioritätensteuerung für Prozesse beim Zugriff auf I/O-Ressourcen.
2008
BS2000 wurde auf die x86-Architektur portiert. Die neuesten Server verwenden Intel-Xeon-CPUs.
2009
Im Mai 2009 wird FSC zu Fujitsu Technology Solutions (FTS)
BS2000/OSD-Version 8.0 wird freigegeben.
2011
BS2000/OSD-Version 9.0 wird als Pilotphase für Ende März 2012 angekündigt[1]
2012
Freigabe von BS2000/OSD-Version 9.0 im Juni 2012
2014
Neue SE-Server-Generation, die S/390- und x86-64-HW vereinigt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heise: Fujitsu poliert Mainframe-Betriebssystem BS2000 auf