Bačko Dobro Polje

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Бачко Добро Поље
Bačko Dobro Polje
Kiskér
Bačko Dobro Polje führt kein Wappen
Bačko Dobro Polje (Serbien)
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Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južna Bačka
(südliche Batschka)
Opština: Vrbas
Koordinaten: 45° 30′ N, 19° 41′ O45.497519.68916666666780Koordinaten: 45° 29′ 51″ N, 19° 41′ 21″ O
Höhe: 80 m. i. J.
Einwohner: 3.988 (2002)
Telefonvorwahl: (+381) 021
Postleitzahl: 21465
Kfz-Kennzeichen: NS

Bačko Dobro Polje (serbisch-kyrillisch Бачко Добро Поље; ung. Kiskér oder Kis Kér; dt. veraltend, Kleinker, Kischker oder Klein Ker) ist ein Ort in der serbischen Provinz Vojvodina im Süden der Batschka; er gehört zur Opština Vrbas

Geschichte[Bearbeiten]

Bačko Dobro Polje wurde um 1786 auf dem Gebiet des damaligen Ungarn von Migranten aus Baden, Franken, dem Elsass, Hessen und der Pfalz[1] gegründet.[2] Joseph II. ermöglichte zunächst 230 protestantischen Haushalten die Übersiedlung.[3] Es wurde als für die Batschka typisches Gassendorf angelegt; die Gassen verkreuzten sich dabei rechtwinklig.[1]

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten ethnisch Deutsche die überwiegende Mehrheit der Einwohner. So waren 1910 von damals 3.550 Einwohnern 3.435 so genannte Volksdeutsche. Während der donauschwäbischen Besiedlung gehörte das Gebiet zunächst zu Österreich-Ungarn, 1918 wurde die Vojvodina jedoch Serbien angeschlossen. 1934 folgten einige Studenten der Fachgruppe Medizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einer Einladung des Direktors der Zentralgenossenschaften der ländlichen Wohlfahrtsgenossenschaften („Woge“) in Neusatz, Johannes Wüscht. Die Studenten kamen vier Sommer hintereinander in die Batschka. Der Sammelband mit den Forschungsergebnissen der „Gruppe Grimm“, zu der auch Gabriele Wülker gehörte, ging als Reichssiegerarbeit aus dem Reichsberufswettkampf der deutschen Studenten 1936/37 in der Sparte „Rasse und Gesundheitswesen“ hervor und enthält ausführliche Daten über die Gemeinde und ihre Bewohner.[4]

Während des Zweiten Weltkrieges war die Batschka vom faschistischen Ungarn besetzt. Nach der Befreiung der Vojvodina 1945 wurden große Teile der donauschwäbischen Bevölkerung vertrieben, so auch im bis dahin von zumeist ethnisch Deutschen bewohnten Bačko Dobro Polje. So kam es in den letzten Kriegstagen in Bačko Dobro Polje zu Massenhinrichtungen von Mitgliedern der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, aber auch anderen bessergestellten Deutschen durch Titos Partisanen.[5] Zudem beherbergte das Dorf ein von jugoslawischen Partisanen eingerichtetes Internierungslager für Volksdeutsche.[2]

In den 1950ern erbaute katholische Schule im Zentrum des Ortes

In den späten 1940ern und frühen 1950ern wurde der Ort von montenegrinischen[6] und in geringerem Maße bosnischen und mazedonischen Migranten besiedelt, so dass 1971 die Bevölkerungsgruppe der Montenegriner mit mehr als 55 % der Bevölkerung überwog. Bis zum Jahr 2002 veränderte sich die Bevölkerungszusammensetzung dahingehend, dass sich 2.246 (57 %) als Serben sehen und nur noch 1.500 (38 %) als Montenegriner.

Fundamente der zukünftigen orthodoxen Kirche.

Name[Bearbeiten]

Svetozar Pribićević, Namensgeber von 1922 bis 1928

Bedingt durch die wechselnde Staatszugehörigkeit des Ortes wechselte sein offizieller Name mehrfach. Von der Gründung bis 1918 trug das Dorf den ungarischen Namen Kiskér, der wegen der ethnisch meist deutschen Bewohner oft als Kleinker wörtlich übersetzt verwendet wurde.[1] Von 1918 bis 1922 wurde dies wörtlich ins Serbokroatische Maliker übersetzt. 1922 wurde es nach dem ehemaligen serbischen Minister Svetozar Pribićević, ein ethnischer Serbe aus Kroatien und zu jener Zeit ein überzeugter Jugoslawist, Pribicevicevo benannt, bevor es 1928 den heutigen Namen Bačko Dobro Polje (wörtlich: „Batschkaer Gutes Feld“) erhielt.[1] Während der ungarischen Besetzung 1941 bis 1944 wurde kurzfristig wieder Kiskér verwendet.[1]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Ort ist landwirtschaftlich geprägt; Monokulturanbau von Mais ist vorherrschend.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke von Novi Sad nach Subotica verläuft westlich des Ortes, die ehemalige Station Bačko Dobro Polje ist jedoch aufgelassen. Somit ist die Europastraße 75 von Vardø nach Sitia, die östlich des Dorfes verläuft, heute die einzige wichtige Verkehrsanbindung des Ortes.

Politik[Bearbeiten]

Bei den Gemeinderatswahlen im Dezember 2003 war die ultranationalistische Srpska Radikalna Stranka mit 970 Stimmen (45,6 % aller abgegebenen Stimmen) die mit Abstand erfolgreichste Partei vor der Socijalistička Partija Srbije, der Nachfolgepartei des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, die 339 (15,9 %) Stimmen erzielte.[8] Die liberale Demokratska Stranka erreichte 213 (10,0 %), die nationalliberale Demokratska Stranka Srbije 211 (9,9 %), die liberale G17 Plus 143 (6,8 %) und die Regionalpartei Gradski prevoz u Novom Sadu 105 (4,9 %) der Stimmen.[8] Alle anderen Parteien, inklusive der international bekannten Otpor blieben Splitterparteien mit jeweils weit unter zwei Prozent der Stimmen.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in Bačko Dobro Polje
  • 1786: 230 Haushalte[3]
  • 1880: 2.848[2]
  • 1910: 3.550
  • 1961: 3.922
  • 1971: 3.622
  • 1981: 3.768
  • 1991: 3.940
  • 2002: 3.988[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Kischker.de: Die Historie Bačko Dobro Poljes von 1786 bis 1944 aus Sicht einiger ethnischer Donauschwaben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Gerber, Erich: "Historie von Kischker",http://www.kischker.de/41410.html, letzter Zugriff: 6. Juni 2007.
  2. a b c German-Russian Heritage Society: Hungarian Villages Settled by Germans, http://www.grhs.org/rig/gdo/hungarytorussia.htm, letzter Zugriff: 6. Juni 2007.
  3. a b Lang, Peter. 1971. Beschka: Ortsmonographie der Gemeinde Beschka in Jugoslawien aus der Sicht der ehemaligen Donauschwaben, 1860-1944. Erzhausen 1971, S. 22.
  4. Hans Grimm: Die Bevölkerungsbewegung in Bukin und Bačko Dobro Polje – eine Studie zur Bevölkerungsbiologie zweier Batschkagemeinden. In: Volkheitskundliche Untersuchungen im deutschen Siedlungsgebiet in der südslawischen Batschka. J. F. Lehmanns Verlag, München 1938, S. 87-104 (= Junge Wissenschaft 3)
  5. Suppan, Arnold (2003): „Vergeltung und ‚ethnischer Säuberung‘ Flucht, Vertreibung und Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei und Jugoslawien 1944–1948“, ZfG, 51 (1): S. 74-84, S.79.
  6. BBC Summary of World Broadcasts (1988): „Kosovo Solidarity Rally in Vojvodina Municipality of Titov Vrbas“, EE/0245/B/1, 1. September 1988.
  7. Lagundžić, Ljiljana (2002): "Population Dynamics of Diabrotica virgifera virgifera LeConte and Possibilitis of Its Control (PDF; 260 kB)", IWGO-Newletter 23 (2): 22.
  8. a b c Wahlergebnisse auf Vrbas.net, http://www.vrbas.net/izbori/2003dec_parl/bdp.htm, letzter Zugriff: 6. Juni 2007.
  9. Volkszählung 2002
  10. Court of Bosnia and Herzegowina