Zwiefalten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Zwiefalten
Zwiefalten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zwiefalten hervorgehoben
48.23259.4641666666667538Koordinaten: 48° 14′ N, 9° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 538 m ü. NHN
Fläche: 45,43 km²
Einwohner: 2187 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88529
Vorwahl: 07373
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 085
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 3
88529 Zwiefalten
Webpräsenz: www.zwiefalten.de
Bürgermeister: Matthias Henne (CDU)
Lage der Gemeinde Zwiefalten im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Landkreis Esslingen Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Sigmaringen Landkreis Tübingen Zollernalbkreis Bad Urach Dettingen an der Erms Engstingen Eningen unter Achalm Gomadingen Grabenstetten Grafenberg (Landkreis Reutlingen) Gutsbezirk Münsingen Hayingen Hohenstein (Landkreis Reutlingen) Hülben Lichtenstein (Württemberg) Mehrstetten Metzingen Münsingen (Württemberg) Pfronstetten Pfullingen Pfullingen Pliezhausen Reutlingen Riederich Römerstein (Gemeinde) Sonnenbühl St. Johann (Württemberg) Trochtelfingen Walddorfhäslach Wannweil ZwiefaltenKarte
Über dieses Bild

Zwiefalten ist eine Gemeinde im Landkreis Reutlingen etwa auf halber Strecke zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Das Ortsbild wird durch die Gebäude der ehemaligen Abtei Zwiefalten (heute: Zentrum für Psychiatrie) dominiert, deren Klosterkirche eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Oberschwäbischen Barockstraße ist. Zwiefalten ist mit 44,3 % seiner Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Name des Ortes leitet sich von seiner Lage in den Tälern der Zwiefalter Aach und der Kessel-Aach her und wurde als Zwivaltum erstmals 904 erwähnt.

Geologie[Bearbeiten]

Eine erdgeschichtliche Besonderheit der Schwäbischen Alb stellt hier der Gauinger Travertin, auch Gauinger Marmor genannt dar.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Zwiefalten, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen bzw. zum Alb-Donau-Kreis¹ und zum Landkreis Biberach².

Hayingen, Emeringen¹, Riedlingen², Langenenslingen² und Pfronstetten.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Zwiefalten mit den Gemeindeteilen Baach, Gauingen, Gossenzugen, Hochberg, Mörsingen, Sonderbuch, Upflamör und Zwiefalten gehören insgesamt 7 Dörfer, 1 Weiler (Attenhöfen) und 3 Höfe (Loretto, Bühlhof, Straubinger).

Im Gemeindegebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Siedlungen: Das um 1100 als Gouwiberc erwähnte Gauberg und Steinhausen, auf das ein Flurname hindeutet im Gemeindeteil Gauingen; Offenhausen im Gemeindeteil Mörsingen; die beiden 1089 erwähnten Siedlungen Elnhausen (als Ellinhusin) und Katzenstaig (als Kazzunsteige) und die 1272 als Weschelinshulwe erwähnte Siedlung Weschlinshülbe im Gemeindeteil Upflamör.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Innere des Münsters

Die Ortsteile Zwiefalten, Mörsingen und Gauingen wurden erstmals auf einer Urkunde König Ludwigs IV. vom 15. Juni 904 erwähnt.

Zwiefalten verdankt seine Bedeutung dem ehemaligen Benediktinerkloster Kloster Zwiefalten, das 1089 von Mönchen aus Hirsau gegründet wurde. Die Grafen Luitold von Achalm und Kuno von Wülflingen sowie ihre Ministerialen ließen dem Kloster umfangreiche Stiftungen zukommen. Zunächst bestand auch ein Frauenkloster im Ort, das jedoch wohl im Laufe des 14. Jahrhunderts aufgegeben wurde; vermutlich handelt es sich bei der heutigen Friedhofskirche um die ehemalige Kirche des Nonnenklosters. Bis zum 15. Jahrhundert gelang es dem Kloster, ein arrondiertes Territorium auf der Schwäbischen Alb zu erwerben. Allerdings plünderten die Bauern im Bauernkrieg von 1525 das Kloster; dabei soll es bei Tigerfeld zu einer Schlacht gekommen sein, bei der die Bauern eine Niederlage erlitten.

Im Jahr 1750 wurde das Benediktinerkloster zur voll bestätigten Reichsabtei erhoben, indem es sich durch hohe Geldzahlungen von der württembergischen Schirmvogtei loskaufte.

Zum Gebiet des Klosters Zwiefalten gehörten die Orte

Deckengemälde im Münster

Anlässlich der Säkularisation 1803 wurde das Kloster gewaltsam aufgelöst. 1812 wurde in den Klostergebäuden die königlich württembergische Heilanstalt eingerichtet.

Im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasiemorde der „Aktion T4“ wurde die Staatliche Heil- und Pflegeanstalt Zwiefalten zu einem Zwischenlager für die Tötungsanstalt Schloss Grafeneck. Diese nahm im Januar 1940 ihren „Betrieb“ auf. Mindestens 1673 psychisch kranke Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder wurden 1939/40 über Zwiefalten in andere staatliche Anstalten oder nach Grafeneck „verlegt“. Die sogenannten „Grauen Busse“ der Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat) waren in dieser Zeit stetiges Ortsbild. Die zwischenverlegten Patienten und Heimbewohner stammten aus Bedburg-Hau, Ellwangen, Fußbach, Heggbach, Kaufbeuren, Konstanz, Kork, Krautheim, Liebenau, Mariaberg, Rastatt, Sinsheim und Stetten im Remstal. Im Zuge der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 verließ am 2. April 1940 der erste Transport mit 50 Frauen Zwiefalten. Bis zum 9. Dezember 1940 wurden in 22 Transporten mehr als 1.000 Patienten aus Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und getötet. Auch nach dem Ende der zentralen NS-Tötungsanstalt Grafeneck im Dezember 1940 ging die Ermordung von Patienten in Zwiefalten mit einer mit Morphium oder Trional gefüllten Spritze weiter. 1949 wurde die ehemalige Direktorin Martha Fauser (Direktorin von 1940–1945) wegen des „Verbrechens des Totschlags“ zu einer Gefängnisstrafe von lediglich einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Ein Gedenkstein auf dem Friedhof der Anstalten erinnert an dieses Geschehen.[4]

Heute ist in der ehemaligen Klosteranlage das Zentrum für Psychiatrie der Münsterklinik Zwiefalten.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Baach mit Attenhöfen[Bearbeiten]

1938 eingemeindet (535 m NN; 260 Einwohner)
Baach liegt an der Straße nach Riedlingen im Aachtal. Attenhöfen ist ein Weiler von vier Bauernhöfen auf einem Hügel über dem rechten Aachufer und der am südlichsten gelegene Ort im Landkreis Reutlingen. Bei dem Ortsteil Baach existieren noch Reste der Burg Baach.

Gossenzugen[Bearbeiten]

1938 eingemeindet (545 m NN; 120 Einwohner)
Gossenzungen liegt nordwestlich von Zwiefalten im Tal der Zwiefalter Aach.

Gauingen[Bearbeiten]

Wappen Gauingen.png Am 1. Januar 1975 eingemeindet (738 m NN; 140 Einwohner)
Gauingen liegt auf der Hochalb an der Straße nach Reutlingen (B 312). 3 geteiltes Straßendorf, das sich von Hochfläche in eine seitliche Talmulde der Zwiefalter Aach hinabzieht. Bekannt ist Gauingen durch das Travertin Vorkommen.

Hochberg[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1975 eingemeindet (685 m NN; 80 Einwohner)
Hochberg liegt fünf Kilometer oberhalb Zwiefaltens in westlicher Richtung am Rande des Tobeltales.

Mörsingen[Bearbeiten]

Wappen Moersingen.png

Am 1. Februar 1972 eingemeindet (661 m NN; 100 Einwohner)
Mörsingen liegt in einer Talmulde auf der Schwäbischen Alb, rund 5 km südwestlich von Zwiefalten.

Sonderbuch[Bearbeiten]

Wappen Sonderbuch.png Am 1. Januar 1975 eingemeindet (674 m NN; 190 Einwohner)
Sonderbuch liegt am Abhang eines Seitentälchens nordöstlich von Zwiefalten.

Upflamör[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 eingemeindet (740 m NN; 90 Einwohner)
Upflamör ist der höchstgelegene Ortsteil und liegt westlich von Zwiefalten.
Siehe auch Burg Siegeberg

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohnerzahl
1. Dezember 1871 ¹ 2045
1. Dezember 1900 ¹ 2414
17. Mai 1939 ¹ 2559
13. September 1950 ¹ 2879
6. Juni 1961 ¹ 3037
27. Mai 1970 ¹ 3000
25. Mai 1987 ¹ 2334
31. Dezember 1995 2273
31. Dezember 2000 2180
30. September 2003 2166
31. Dezember 2005 2133
31. Dezember 2010 2067

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:

  1. CDU/BWV 73,3 % (+4,1) – 11 Sitze (=)
  2. FWZ/SPD 27,7 % (-4,1) – 3 Sitze (-1)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die derzeitige Amtszeit von Hubertus-Jörg Riedlinger endet am 1. Juli 2014.

  • 1962–1990: Karl Ragg (CDU)
  • 1990-2014: Hubertus-Jörg Riedlinger (SPD)
  • seit 2014: Matthias Henne (CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau übereinander zwei ineinander verschlungene silberne Ringe, die drei Kreissegmente bilden, in denen sieben (3:1:3) sechsstrahlige goldene Sterne erscheinen.“

Im Schultheißenamtssiegel wurden die späteren Wappenfiguren – allerdings noch ohne Schild – anscheinend schon im 19. Jahrhundert abgebildet. Vermutlich sollen die zwei verschlungenen Ringe auf den Gemeindenamen hinweisen, während die sieben Sterne vom Wappen des ehemaligen Klosters Zwiefalten abgeleitet sind. Die Farben des Wappens sind mit Beratung durch die Archivdirektion Stuttgart in der Sitzung des Gemeinderats am 15. Dezember 1933 festgelegt worden. Das Landratsamt Reutlingen hat die Flagge am 9. März 1982 verliehen.[5]

Auf blauem Hintergrund befinden sich zwei ineinander verschlungene Ringe, die den Zusammenfluss der Zwiefalter-Aach und der Kessel-Aach symbolisieren. Die sieben goldenen Sterne stammen aus dem Wappen der ehemaligen Grafen von Achalm.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Abtei Zwiefalten

Zwiefalten liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße.[6]

Museen[Bearbeiten]

  • Erstes Württembergisches Psychiatriemuseum
  • Peterstormuseum: Im ehemaligen Schulgebäude der Klosterangestellten, ein Heimatmuseum

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Münster Unserer Lieben Frau, die Kirche der 1806 säkularisierten[7] Abtei, gilt als Meisterwerk des deutschen Spätbarock. Der Bau wurde 1739 von den Brüdern Joseph und Martin Schneider begonnen und bis 1765 von Johann Michael Fischer vollendet. Die reiche Ausstattung der Kirche enthält ein spätgotisches Gnadenbild von 1430 sowie barocke Deckenfresken und ein Altarblatt von Franz Joseph Spiegler, Fresken von Andreas Meinrad von Au, Stuckaturen von Johann Michael Feuchtmayer d. J., außerdem Skulpturen und ein Chorgestühl von Johann Joseph Christian.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Wimsener Höhle, auch Friedrichshöhle, eine seit 1447 bekannte Wasserhöhle, mit einem Kahn befahrbar. Die Gesamtlänge beträgt 723 m, jedoch sind erst 263 m vermessen.
  • Zwiefaltendorfer Tropfsteinhöhle, mit einer Länge von 27 Metern kleinste Schauhöhle in Deutschland. Zwiefaltendorf ist Teilort von Riedlingen.
  • Aachtopf (Kesselbach) entspringt im Talgrund des Dobeltals, ähnlich dem Blautopf bei Blaubeuren.
  • Heuneburg (Upflamör) ist eine keltische Wallanlage im Wald bei Upflamör. Die 4,5 Hektar große Fläche war spätestens ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. besiedelt und lässt aufgrund der vorhandenen Wälle und Gesteinsreste die damalige Lebensweise erahnen.
  • Schlossberg Sonderbuch mit Burgstall Burg Sonderbuch.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Die Narrenzunft Rälle e. V. betreibt die schwäbisch-alemannische Fasnet im Ort. Hauptfigur der Zwiefalter Fasnet ist der 1962 in der heutigen Form geschaffene „Klosterrälle“, ein Narr in Katzenmaske. Weitere Figuren sind der „Teutschbuch-Gockel“ (seit 1977), der „Gauinger Bär“ (seit 1978), der „Zwiefalter Hansel“ (seit 1982) und die „Krättenweib„ auch „Korbfrau“ genannt (seit 1975). Die Narrenzunft ist Gründungsmitglied der 1969 gegründeten Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON).
  • Jedes Jahr findet im gemeindeeigenen Höhenfreibad das Zwiefalter Schwimmbadfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Zwiefalten liegt an der Bundesstraße 312. Diese verbindet die Gemeinde im Norden mit Reutlingen und im Süden mit Riedlingen.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 227.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Münsterschule Zwiefalten
  • Gesundheits- und Krankenpflegeschule

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten]

Eine Bar im Berliner Stadtteil Kreuzberg trägt den Namen des Ortsteils Upflamör „San Remo – Upflamör“.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zwiefalten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Klosterkirche Zwiefalten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

dito von Bach, Gauingen, Sonderbuch.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Abenteuer GeoPark. In: Schwäbische Alb! hin-reisend natürlich the nature place to go. hrsg. von Schwäbische Alb Tourismusverband. Bad Urach 2010; S. 6 f., hier S. 7
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 89–92
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 106
  5. Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg Band 4, Seite 113; Herausgeber: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1987 ISBN 3-8062-0804-2
  6. Ferienstraßen. In: Schwäbische Alb! hin-reisend natürlich the nature place to go. hrsg. von Schwäbische Alb Tourismusverband. Bad Urach 2010; S. 10 f.
  7. Ursula Pechloff: Münster Zwiefalten, Unserer Lieben Frau. Peda Verlag, Passau, o. ISBN, o. Jahr