Bab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter BAB aufgeführt
Der Schrein des Bab (Hängende Gärten der Bahai in Haifa, Israel)
Das Haus des Bab in Schiraz wurde zerstört und durch eine Moschee ersetzt

Bab (arabisch ‏الباب‎, DMG al-Bāb ‚das Tor [zu Gott]‘, Bahai-Transkription der Báb, * 20. Oktober 1819 in Schiraz, Iran; † 9. Juli 1850 in Täbris, Iran) ist der religiöse Ehrentitel von Seyyed ʿAli Muhammad Schirazi (persisch ‏سيد علی ‌محمد شیرازی‎, DMG Seyyed ʿAlī Muḥammad Širāzī, Bahai-Transkription Siyyid ‘Alí Muḥammad Shírází), dem Religionsstifter des Babismus. Den Babi und den Baha'i gilt er als Manifestation Gottes.

Vorgeschichte und Familie[Bearbeiten]

Sayyid Ali Muhammad wurde am 20. Oktober 1819[1] in Schiraz als Sohn eines stadtbekannten Händlers geboren. Sein Vater starb jedoch kurz nach seiner Geburt, so wurde er von seinem Onkel, Hadschi Mirza Sayyid Ali, ebenfalls ein Händler, aufgezogen.

Als er erwachsen war, schloss er sich dem Familiengeschäft an und arbeitete für seinen Onkel als Händler. Durch seine Ehrlichkeit und Frömmigkeit erlangte er sehr bald das Vertrauen seiner Geschäftspartner. Des Weiteren war er bekannt für seine Großzügigkeit gegenüber Hilfsbedürftigen.

Auf einer Pilgerreise nach Karbala genoss er den Unterricht der dortigen Scheichs. Nach Schiraz zurückgekehrt trat er als Reformator auf und hielt eine Reihe von Predigten, in denen er den Klerus der Staatsreligion angriff. Auf der Pilgerreise nach Mekka schrieb er verschiedene Abhandlungen, die als göttliche Offenbarung gelten. Nach seiner Rückkehr ließ er in die schiitische Glaubensformel die Erklärung einfügen, dass „Ali vor Nebil (d.i. Ali Muhammad, wie von den Babis genannt) der Spiegel des Hauches Gottes sei“ beifügen, was einen Aufruhr zur Folge hatte.

Im Jahre 1842 heiratete er Khadíjih-Bagum, mit der er einen gemeinsamen Sohn hatte, welcher jedoch im Kindesalter verstarb.

Offenbarung[Bearbeiten]

In Schiraz begann am 23. Mai 1844 die Offenbarung des Bab

Die Geburtsstunde der Babi-Offenbarung war die Nacht des 23. Mai 1844. Zeuge war Mulla Husayn aus Bushruyyih, der der erste Jünger der neuen Offenbarung wurde.

Sayyid Ali Muhammad schrieb in jener Nacht in Schiraz mit großer Geschwindigkeit das erste Kapitel seines Kommentars zur Joseph-Sure (Sure 12) des Korans mit dem Titel Qayyumu’l-Asma (arabisch: „Der, der die Namen zur Auferstehung bringt“). Hierin erhob er, der sich fortan Bab nannte, den Anspruch, das von den Propheten vergangener Zeiten verheißene Sprachrohr Gottes und zugleich Vorbote eines unermesslich Größeren als er selbst zu sein.

Jünger[Bearbeiten]

In kurzer Zeit fanden ihn 17 weitere Gläubige „durch eigenes Suchen“. Unter diesen 18 Jüngern war die Dichterin und erste Frauenrechtlerin des Mittleren Ostens, die unter dem Namen Qurrat al-ʿAin (arabisch: „Trost der Augen“) oder als Ṭāhira (arabisch: „die Reine“) bekannt wurde.

Der Bab entsandte die 18 Jünger, fortan „Buchstaben des Lebendigen“ genannt, in verschiedene Teile Persiens und Turkestans, um die Nachricht seines Kommens zu verbreiten.

Pilgerreise nach Mekka und Medina[Bearbeiten]

Der Bab selbst begab sich im November 1844 mit dem „Buchstaben des Lebendigen“ Quddus auf die Pilgerreise nach Mekka und Medina, wo er offen seine Sendung erklärte. So offenbarte er dort eine Epistel an den Scherif von Mekka und sandte sie ihm. Außerdem offenbarte er zwischen den heiligen Städten die Ṣaḥīfa baynu’l-Ḥaramayn (arabisch: „Sendschreiben zwischen den heiligen Stätten“).

Verhaftung und Ausweisung[Bearbeiten]

In der Festung von Maku wurde der Bab vor seiner Hinrichtung eingekerkert

Inzwischen hatten die Aktivitäten der Babi in Schiraz Geistlichkeit und Behörden aufgeschreckt. Als der Bab im Frühjahr 1845 zurückkehrte, wurde er von einem Reitertrupp des Gouverneurs empfangen und unter Hausarrest gestellt. Im September 1846 wurde er nach dem Ausbruch einer Choleraepidemie unter der Bedingung freigelassen, dass er die Stadt verlasse. Der Bab begab sich daraufhin nach Isfahan, wo er eine Zeit lang in den Häusern des christlichen Gouverneurs der Stadt lebte. Nach dem plötzlichen Tod des Gouverneurs änderte sich die Lage schlagartig.

Verbannung und Hinrichtung[Bearbeiten]

Am 9. Juli 1850 wurde der Bab öffentlich hier in Täbris hingerichtet

Im Sommer 1847 wurde der Bab in die Bergfeste Maku in West-Aserbaidschan verbannt und im April 1848 in die Festung Chihriq überwiesen. Im Juli 1848 brachten die Wächter den Bab nach Täbris, wo er verhört wurde. Er erhielt die Bastonade und wurde erneut in Chihriq gefangengesetzt. Der Bab wurde am 9. Juli 1850 öffentlich in Täbris, Persien füsiliert.[1]

Mausoleum[Bearbeiten]

Nach der Hinrichtung des Bab wurden seine Gebeine hier aufbewahrt

Sein Leichnam blieb an verschiedenen Orten versteckt, bis er 1899 nach Haifa verbracht und 1909 von Abdu’l Baha in einem Mausoleum am Berg Karmel zur Ruhe gebettet wurde. Das Mausoleum war zuvor an dem von Baha’u’llah, dem Stifter der Bahai-Religion, vorherbestimmten Platz errichtet worden. Shoghi Effendi ließ 1953 über dem Mausoleum einen vergoldeten Kuppelbau errichten. Die Bahai betrachten den Bab als Herold Baha’u’llahs und als eigenständigen Religionsoffenbarer und haben daher diesen Schrein im Bahai-Weltzentrum integriert. Außerdem sind der 23. Mai (Erklärung des Bab), der 9. Juli (Märtyrertod des Bab) und der 20. Oktober (die Geburt des Bab) Feiertage im Bahai-Kalender.

Offenbarungsumfang[Bearbeiten]

Ein Talisman aus der Feder des Bab
Ein Talisman in der Handschrift des Bab
Eine Tafel in der Handschrift des Bab

Der Bab hat ein umfangreiches Schrifttum verfasst. Er selbst gab 1848 an, dass er 500.000 Verse verfasst habe. Trotz der Unterdrückung des Babismus, welche die Verbreitung der Schriften des Babs erschwerte und oft zu ihrer Vernichtung führte, konnten durch die großen Bemühungen der Babi viele Manuskripte als Kopien erhalten bleiben. Aktuell sind jedoch nur ein kleiner Teil seiner Schriften veröffentlicht, insbesondere auf Arabisch und Persisch. In der Bahai-Gemeinde existiert in europäischen Sprachen eine Sammlung mit Auszügen aus den Schriften des Babs unter dem Titel „Eine Auswahl aus Seinen Schriften“. Louis Alphonse Daniel Nicolas hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Sieben Beweise sowie den arabischen und persischen Bayan ins Französische übersetzt.

Als seine wichtigsten Werke gelten:

Insgesamt enthalten die Schriften des Bab eine Vielzahl an Gattungen, Stilen und Themen. Unter den Werken des Babs finden sich beispielsweise Gebete und Meditationen, Predigten, schriftliche Talismane, Sendschreiben und Briefe an Geistliche und Könige, religiöse Gesetze und Vorschriften, Kommentare zum Koran und Abhandlungen zu den verschiedensten Themengebieten.

Literatur[Bearbeiten]

Vom Bab[Bearbeiten]

  •  Le Livre de Sept Preuves (Dala'il-i-Sab'ih, „Sieben Beweise“). Paris 1902 (übersetzt von Louis Alphonse Daniel Nicolas) (Digitale Ausgabe von 2004 auf H-Bahai).
  •  Le Beyan Arabe (al-Bayan al-'Arabi, „arabische Erklärung“). Paris 1905 (übersetzt von Louis Alphonse Daniel Nicolas) (Digitale Ausgabe von 2004 auf H-Bahai).
  •  Le Beyan Persan (Bayan-i-Farsi, „persische Erklärung“, 4 Bände). Paris 1911, 1913, 1914 (übersetzt von Louis Alphonse Daniel Nicolas) (Digitale Ausgabe von 2004 auf H-Bahai).
  •  Eine Auswahl aus seinen Schriften. Bahá'í-Verlag, Hofheim 1991, ISBN 3-87037-247-8 (Online).
  •  Reading Itself. The Bab’s “Sura of the Bees”. A Commentary on Qur’an 12:93 from the Sura of Joseph (Surat al-nahl, „Sure der Bienen“ [Sure 93 des Qayyum al-Asma’ <Ewiger der Namen>]). In: Occasional Papers in Shaykhi, Babi and Baha’i Studies. 5, 1997 (übersetzt von Todd Lawson) (Online auf H-Bahai).
  •  The Persian Bayan. Ongoing Translation (Bayan-i-Farsi, „persische Erklärung“). In: Translations of Shaykhi, Babi and Baha’i Texts. 1,4, ab 1997 (übersetzt von Denis MacEoin) (Online auf H-Bahai).
  •  The Bab’s “Journey towards God” (Risalah fi’s-Suluk, „Reise zu Gott“). In: Translations of Shaykhi, Babi and Baha’i Texts. 2,1, 1998 (übersetzt von Todd Lawson) (Online auf H-Bahai).
  •  The Primal Point’s Will and Testament („Wille und Testament des Ersten Punktes [der Bab]“). In: Research Notes in Shaykhi, Babi and Baha’i Studies. 7,2, 2004 (übersetzt von Sepehr Manuchehri) (Online auf H-Bahai).

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Narrative Theologie[Bearbeiten]

  •  Hasan Balyuzi: The Báb. The herald of the day of days. George Ronald, Oxford 1973, ISBN 0-85398-048-9.
  •  Muḥammad Zarandī: Nabíls Bericht aus den frühen Tagen der Bahá’í-Offenbarung. Bahá’í-Verlag, Hofheim.
  •  Abdu’l Bahá: Auf den Pfaden der Gottesliebe. Über den Báb und Seine Zeit. Bahá’í-Verlag, Hofheim 1997.
  •  Shoghi Effendi: Gott geht vorüber. Bahá’í-Verlag, Hofheim 2001, Kapitel 1–5, S. 33–133.

Fachliteratur[Bearbeiten]

  •  Denis MacEoin: The Sources for Early Bābī Doctrine and History. A Survey. Brill, Leiden 1992, ISBN 978-9-00409-462-8.
  •  Todd Lawson: Qur’ān Commentary as Sacred Performance. The Bāb’s tafsīrs on Qur’an 103 and 108, the Declining Day and the Abundance. In: Johann Christoph Bürgel, Isabel Schayani (Hrsg.): Iran im 19. Jahrhundert und die Entstehung der Bahā’ī-Religion. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York 1998, ISBN 3-487-10727-9, S. 145–158 (Online als Voransicht bei Google Books).
  •  Armin Eschraghi: Frühe Šaiḫī- und Bābī-Theologie. Die Darlegung der Beweise für Muḥammads besonderes Prophetentum (Ar-Risāla fī Iṯbāt an-Nubūwa al-Ḫāṣṣa). In: Islamic Philosophy, Theology and Science. Texts and Studies. 57, Brill, Leiden 2004, ISBN 978-9-00414-034-9.
  •  Denis MacEoin: The Messiah of Shiraz. Studies in Early and Middle Babism. In: Iran Studies. 3, Brill, Leiden 2009, ISBN 978-9-00417-035-3.
  •  Todd Lawson: Gnostic Apocalypse in Islam. The Literary Beginnings of the Babi Movement. Routledge, London, New York 2009, ISBN 978-0-415-49539-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Celebrating the Birth of the Bab