Baby Love

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Baby Love ist der Titel des erfolgreichsten Hits der Supremes aus dem Jahr 1964, geschrieben und produziert von Motowns bedeutendem Autoren- und Produzenten-Team Holland-Dozier-Holland.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1960 entstand die erste Aufnahme der Supremes mit dem Titel After All, komponiert von Smokey Robinson, die jedoch nicht veröffentlicht wurde. Zwischen 1961 und 1963 nahmen sie 40 weitere Songs von verschiedenen Komponisten und mit unterschiedlichen Produzenten auf, 12 davon wurden auf sechs Singles veröffentlicht.[1] Es war eine experimentelle Phase für das junge Mädchentrio um Diana Ross, denn der erfolgbringende Sound konnte noch nicht gefunden werden. Die erfolglosen Singles brachten ihnen bei Motown Records bereits den Namen „No-Hit-Supremes“ ein.[2] Im November 1963 wurden sie an das Autoren- und Produzenten-Trio Brian Holland/Lamont Dozier/Edward „Eddie“ Holland übergeben, das mit der Produktion seiner Komposition When The Love Light Starts Shining Through His Eyes mit einem Rang 23 eine erstmals einigermaßen akzeptable Platzierung für die Supremes erreichen konnte und hierfür einen BMI-Award erhielt. Das Erfolgsrezept für die Supremes war gefunden.

Anfang 1964 schrieben Holland-Dozier-Holland Baby Love über eine nicht mehr intakte Teenagerbeziehung, wobei Lamont Dozier zusammen mit Eddie Holland den Text verfasste, Brian Holland steuerte die Melodie bei. Eddie Holland hatte mit sich wochenlang gekämpft, bevor er den Text auf Papier festhielt.[3] Er beinhaltete eine einfache Geschichte eines durch den Freund verlassenen Mädchens, das ihm sehr nachtrauert. Ursprünglich war der Song für die Marvelettes gedacht, die ihn jedoch ablehnten. Die Supremes konnten sich angesichts ihrer Misserfolge eine Ablehnung hingegen nicht leisten.[4] Deshalb entstand Baby Love / Ask Any Girl im Studio A bei Motown in Detroit am 13. August 1964 mit den Supremes, produziert von Brian Holland und Lamont Dozier.

Die Produktion wurde sehr stark am vorangegangen ersten Millionenseller der Supremes Where Did Our Love Go orientiert und beinhaltet alle Ingredienzen des so genannten Motown-Sounds. Die Instrumentation stammte von den bewährten Funk Brothers, die bei fast allen Motown-Hits mitspielten, nämlich in der Besetzung Earl Van Dyke (Piano), Joe Messina (Gitarre), James Jamerson (Bass), Jack Ashford (Tambourin) und Richard „Pistol“ Allen (Schlagzeug). Andrew „Mike“ Terry spielt mit seinem Bariton-Saxpohon den mittleren Instrumentalteil. Diana Ross dominierte mit der souligen Sopranstimme, der Hintergrundgesang mit „baby-baby“, reagierte im Call and Response-Stil. Das ungewöhnliche Fußstampfen stammte von Mike Valvano, eingebettet in die Rimshot-Technik des Schlagzeugers. Der Refrain befindet sich auf der ständigen Suche nach den Strophen und der Liedbrücke. Rhythmisch handelt es sich um die Betonung des zweiten und vierten Schlags eines 4/4-Taktes. Nach lediglich zwei Takes wurde der Song am 13. August 1964 abgemischt.[5]

Veröffentlichung und Erfolg[Bearbeiten]

Supremes - Baby Love

Baby Love war zunächst nicht als eigenständige Single aufgenommen worden, sondern ein Track der am 31. August 1964 erschienenen LP Where Did Our Love Go. Das Management hatte sich kurzfristig entschlossen, Baby Love am 17. September 1964 als Single (Motown #M1066) auf den Markt zu bringen. Sie gelangte am 3. Oktober 1964 in die US-amerikanische Pop-Hitparade, wo sie ab 25. Oktober 1964 für 4 Wochen Rang Eins belegte. Gleichzeitig verharrte sie auch für vier Wochen auf der Topposition in den Rhythm & Blues-Charts, sodass sie einen enormen Crossover-Erfolg darstellte. Alleine in den USA gingen 3.496.000 Singles über die Theke, 250.000 Stück wurden in Großbritannien verkauft,[6] Baby Love war dort die erste Nummer eins einer Girl Group. Weltweit wurden knapp vier Millionen Exemplare vermarktet. Mit Baby Love waren sie die ersten der Motown-Künstler, die einen zweiten Nummer-eins-Hit verbuchen konnten.[7] In Deutschland wurde ihr Hit lediglich auf Rang 15 verbucht. HDH schrieben insgesamt 14 Top10-Hits für die Supremes.

Coverversionen und Statistik[Bearbeiten]

Obwohl so überaus erfolgreich, wagten nur 16 Interpreten, den Titel als Coverversion herauszubringen. Die bei Motown übliche zyklische Songstruktur stellte sich auch hierbei als ein entscheidendes Hindernis für Coverversionen in der Popmusik heraus. Noch im Erscheinungsjahr des Originals kam eine ähnlich arrangierte Fassung von Jenny & the Jewels auf dem Plattenlabel HIT heraus, das sich auf Budget-Imitationen großer Hits spezialisiert hatte (HIT 153; 1964). Sieht man hiervon ab, entstand erst 1972 von Andy & David Williams die erste bedeutsame Coverversion; La Toya Jackson übernahm den Titel (LP Stop In The Name Of Love; 1995), Mary Stahl im Oktober 1999, Erasure folgte im Februar 2001. Der Song erhielt einen BMI-Award. HDH schrieben für Motown über 200 Titel, davon 70 Top10-Hits und 50 Tophits. Unter diesen Tophits befanden sich 13 aufeinanderfolgende Tophits.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Randy Taraborelli, Motown, 1986, S. 97
  2. Fred Bronson, The Billboard Book of Number One Hits, 1985, S. 155
  3. Tim and Joe Rice/Paul Gambaccin, The Guinness Book of Number One Hits, 1988, S. 79
  4. Fred Bronson, a.a.O., S. 159
  5. Gerri Hershey, Nowhere to Run, 1985, S. 189
  6. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 199
  7. Fred Bronson, a.a.O., S. 159
  8. Billboard-Magazin vom 20. Juni 2009, S. 29