Bacardi
| Bacardi Limited | |
|---|---|
| Rechtsform | private Aktiengesellschaft (engl. private company limited by shares) |
| Gründung | 1992 (1862) |
| Sitz | Hamilton (Bermuda) |
| Leitung | Séamus McBride |
| Mitarbeiter | über 6.000 |
| Umsatz | 4,553 Mrd. US-Dollar (2006) |
| Branche | Spirituosen |
| Website | www.bacardilimited.com |
Bacardi [bəˈkɑɹdi] Limited ist ein Unternehmen mit Sitz auf den Bermudas, das in über 100 Ländern Spirituosen und alkoholische Mischgetränke herstellt und vertreibt. Die gleichnamige Rum-Marke gehört zu den meistverkauften Spirituosenmarken der Welt. Zu den über 200 weiteren Marken des Konzerns gehören Martini (Wermut), Grey Goose (Wodka), Bombay Sapphire (Gin), Dewar's (Scotch Whisky) sowie die Tequila-Marke Cazadores. In Deutschland ist der Konzern durch die Bacardi GmbH mit Sitz in Hamburg vertreten, eine Abfüllanlage steht in Buxtehude.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Am 4. Februar 1862 wurde die Destillerie Bacardi & Ca. in Santiago de Cuba von dem aus Spanien stammenden Facundo Bacardí i Massó (1814–1887) gegründet. Im Jahr 1877 erhielt das Unternehmen die erste Goldmedaille für Qualität auf der Weltausstellung in Spanien.
1910 wurde die erste Abfüllanlage im Ausland in Barcelona errichtet. Damit wurde Bacardi zum ersten international arbeitenden Unternehmen Kubas. 1916 kam eine Abfüllanlage in New York hinzu, 1934 eine Destillerie in Mexiko. 1934 wurde ein Werk in Puerto Rico aufgebaut, um die drastischen Einfuhrzölle in die USA zu umgehen. Nach der kubanischen Revolution im Jahr 1959 emigrierte die Familie Bacardi in die USA, nachdem sie rechtzeitig alle Herstellungsrezepte und Markenrechte auf die Bahamas transferiert hatten. Trotzdem unterscheidet sich der heutige von Bacardi hergestellte weiße Rum sehr von dem seinerzeit unter derselben Firma auf Kuba hergestellten Rum, der heute in der traditionellen Form noch auf Kuba und in Nicaragua produziert wird. Die in Kuba nach eigener Angabe weiterhin nach dem alten Verfahren produzierende originale Destillerie vermarktet ihren Rum unter dem Markennamen „Ron Caney“. Der Rum, der auf Kuba nach dem alten Familienrezept produziert wird, heißt „Santiago de Cuba“.
Bis Ende der 1970er-Jahre war Bacardi Rum zu einer der weltweit größten Spirituosenmarken geworden. Bacardi gliederte sich allerdings noch in fünf getrennte Unternehmen (Mexiko: Bacardi y Comañía S.A. de C.V., Puerto Rico: Bacardi Corporation, Bahamas: Bacardi & Company Limited, Bermuda: Bacardi International Limited). Diese wurden 1992 zur neuen Bacardi Limited mit Sitz in Hamilton zusammengefasst. Kurz darauf erwarb Bacardi die Unternehmensgruppe Martini & Rossi und zahlreiche weitere Marken. Aus dem Rumhersteller wurde ein internationaler Spirituosenkonzern.
Bacardi betreibt heute weltweit 38 Produktionsstandorte, darunter 14 für Rum und Rummixgetränke, zehn für Wermut (Martini & Rossi) und sieben für Whisky. Das Unternehmen ist der größte Spirituosenhersteller, der sich noch in Privatbesitz befindet.
[Bearbeiten] Politische Aktivitäten
Emilio Bacardí y Mazó, der Sohn des Firmengründers, kämpfte Ende des 19. Jahrhunderts gegen die spanische Besatzungsmacht und wurde deshalb zwei Mal verbannt. Später wurde er erster frei gewählter Bürgermeister der Stadt Santiago de Cuba.[1]
Die Familie Bacardi unterstützte den Kampf der Revolutionäre gegen den Diktator Fulgencio Batista. Nach dem Sieg der Revolution entrollte man im Januar 1959 am Firmengebäude ein Plakat mit den Worten „Gracias Fidel“.[2] Die positive Haltung änderte sich jedoch, als sich der pro-sowjetische Kurs von Che Guevara durchsetzte und sie mit der Politik Fidel Castros nicht mehr einverstanden waren.[3] Nach ihrer entschädigungslosen Enteignung am 14. Oktober 1960 auf Kuba emigrierte die Familie Bacardi überwiegend und engagierte sich gegen das herrschende kubanische Regime. José Manuel „Pepin“ Bosch, eines der in den 1960er Jahren in der Geschäftsleitung von Bacardi tätigen Familienmitglieder, war aktiv in der von Exilkubanern in Miami gegründeten Exilregierung tätig.
Gegen Anfang der 1980er Jahre gründete ein anderes geschäftlich erfolgreiches Mitglied der Exilregierung, Jorge Mas Canosa, mit Unterstützung von US-Präsident Ronald Reagan in Florida die Cuban-American National Foundation mit ungefähr 650 Mitgliedern. Nach Aussage des Journalisten Hernando Calvo Ospina gehörten dazu 25 Aktionäre der Familie Bacardi.
In den 1990er Jahren förderte die Familie Bacardi durch Lobbyarbeit die Verabschiedung des Helms-Burton Act durch den US-Kongress 1996. Der Helms-Burton Act, ein umfassendes Handelsembargo gegen Kuba, wurde sogar zeitweilig als „Bacardi-Gesetz“ verspottet.[4]
[Bearbeiten] Streit um Handelsmarke
1996 brachte eine von Bacardi betriebene Tochterfirma auf den Bahamas einen Rum unter dem Markennamen Havana Club mit einem zum Original veränderten Label in den USA auf den Markt. Daraus entwickelte sich vor dem US-Amt für Patente und Handelsmarken ein Rechtsstreit um den Rum und Markennamen Havana Club, der weltweit außerhalb Kubas seit 1993 von der französischen Gesellschaft Pernod Ricard vertrieben wird. Im Verlaufe dieses Rechtsstreits bat die Familie Bacardi 2002 den Gouverneur von Florida Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, zugunsten von Bacardi gegen Pernod Ricard beim US-Patentamt zu intervenieren, was dieser in der Folge auch tat. Seit dem 8. August 2006, nachdem der langjährige Rechtsstreit zugunsten des Bacardi-Konzerns entschieden worden war – das U.S. Patent and Trademark Office (PTO) hatte die reklamierten Markenrechte seitens der kubanischen Regierung für ausgelaufen erklärt –, wird von Bacardi ein Rum unter dem Markennamen „Havana Club“, angeblich nach Originalrezept, wieder in den USA verkauft. Die originale Havana-Club-Rezeptur aus den 1930er Jahren wurde von der Familie Arechabala, den ursprünglichen Besitzern, die 1960 entschädigungslos auf Kuba enteignet worden war, dem Bacardi-Konzern in den 1990er Jahren neben den verbleibenden Rechten verkauft.
[Bearbeiten] Bacardi Deutschland
| Bacardi GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | Hamburg |
| Leitung | Kjeld Thomsen, Joerg Hansch |
| Mitarbeiter | 285 |
| Branche | Spirituosen |
| Website | www.bacardi-deutschland.de |
Die Bacardi GmbH mit Sitz in Hamburg ist eine Tochtergesellschaft der Bacardi Ltd. und gehört zu den führenden Anbietern von Markenspirituosen in Deutschland. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1919 zurück, als das Handelshaus Charles Hosie gegründet wurde. 1983 wurde Bacardi dessen alleiniger Gesellschafter. Kurz nach Gründung der internationalen Bacardi Ltd. (1992) wurde das Unternehmen Bacardi Deutschland GmbH gegründet; Charles Hosie ist heute wieder im Besitz der Familie Hosie. 1994 wurden die zunächst sehr erfolgreichen Alkopops Bacardi Breezer und Rigo eingeführt, deren Vertrieb 2008 aufgrund stark rückläufiger Absätze durch die Alkopop-Besteuerung eingestellt wurde.[5] Neben den „global brands“ des internationalen Konzerns (siehe unter Produkte) besaß die Bacardi GmbH die deutschen Vertriebsrechte für einige weitere internationale Marken, darunter:
- Finlandia Vodka (Wodka)
- Woodford Reserve (Bourbon Whiskey)
- Southern Comfort (Likör)
- Molinari (Sambuca)
[Bearbeiten] Produkte
[Bearbeiten] Produkte der Marke Bacardi
Unter der Marke Bacardi werden verschiedene Rumsorten und rumhaltige Mixgetränke angeboten:
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[Bearbeiten] Weitere Marken der Bacardi Ltd.
Darüber hinaus gehören zahlreiche weitere Marken zum Konzern:
Gin:
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Rum:
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[Bearbeiten] Literatur
- Ursula L. Voss: Die Bacardís. Der Kuba-Clan zwischen Rum und Revolution. Campus Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2005, ISBN 3-593-37318-1.
- Hernando Calvo Ospina: Im Zeichen der Fledermaus. Die Rum-Dynastie Bacardi und der geheime Krieg gegen Cuba. 2. Auflage. PapyRossa Verlagsgesellschaft, Köln 2006, ISBN 3-89438-243-0 (Neue Kleine Bibliothek 82).
- Tom Gjelten: Bacardi and the Long Fight for Cuba. The biography of a cause. Viking Press, New York NY 2008, ISBN 978-0-670-01978-6.
[Bearbeiten] Film
- Das Geheimnis der Fledermaus. Bacardi zwischen Rum und Revolution. Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 45 Min., Buch und Regie: Ekkehard Sieker und Marcel Kolvenbach, Produktion: WDR, Erstausstrahlung: 9. Februar 2005, Inhaltsangabe vom WDR
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Ursula L. Voss: Die Bacardis. Der Kuba-Clan zwischen Rum und Revolution, Campus Verlag, Frankfurt 2005, S. 11
- ↑ Ein kubanischer Rum macht Karriere, Deutschlandradio Kultur vom 4. Februar 2012
- ↑ http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/08/21/AR2008082102222.html
- ↑ Joaquín Roy: Cuba, the United States, and the Helms-Burton Doctrine: International Reactions, University of Florida Press, 2000, S. 52
- ↑ manager magazin, Aus für Alkopops, 14. August 2007.