Baccalauréat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das französische Baccalauréat (informelle Kurzform Bac, analog zu „Abi“) entspricht in etwa dem Abitur beziehungsweise der Matura. Genau genommen wird es, obwohl nur Abschluss einer höheren sekundären Schulausbildung, als erster akademischer Grad in Frankreich, Algerien, Marokko und Tunesien verstanden; der Prüfungskommission sitzt jeweils ein Universitätsprofessor vor.

Unterschiedliche Typen des Baccalauréat[Bearbeiten]

Es gibt drei verschiedene Typen des Baccalauréats:

  • Baccalauréat général mit drei Fachrichtungen (filières): Literatur und Philosophie (Bac L – littéraire), Naturwissenschaft (Bac S – scientifique) und sozialen Wissenschaften (Bac ES – économique et social)
  • Baccalauréat technique mit acht Fachrichtungen wie zum Beispiel Hotel, medizinischen und sozialen Berufen, Laborberufen…
  • Baccalauréat professionnel mit über 50 Fachrichtungen von Kunststoffgießerei über Automechanik bis Einzelkaufmann.

Der Düsseldorfer Bildungsforscher Rainer Bölling gibt folgende Daten an:

„Hinter diesem nationalen Ereignis steht ein gewaltiger organisatorischer und finanzieller Aufwand. 2011 wurden 166.866 Prüfer in 4.737 Examenszentren aufgeboten, um 654.548 Kandidaten zu examinieren. 4.880 Aufgaben waren für die verschiedenen Prüfungen erstellt worden, rund vier Millionen Arbeiten mussten korrigiert werden. Die Kosten beliefen sich auf 83,10 Euro pro Kandidat, insgesamt auf etwa 54,4 Millionen Euro.“[1]

Was die Vergleichbarkeit der Noten in diesem „französischen Zentralabitur“ angeht, ist Bölling kritisch:

„Dieser Eindruck [der Vergleichbarkeit der Noten] schwächt sich […] bei einem Blick auf den Korrekturvorgang deutlich ab. Da es keine landesweit gültigen Bewertungsvorgaben und keine Zweit- oder gar Drittkorrektur gibt, hängt das Ergebnis je Fach von nur einem Prüfer ab. Und da kann es große Bewertungsunterschiede geben. So wurden 2006 und 2007 in einem Test drei Schülerarbeiten der Fachrichtung ES von dreißig Lehrern für Wirtschaftskunde unabhängig voneinander beurteilt. Bei einer Arbeit reichten die Bewertungen von 5 bis 16, bei einer anderen von 8 bis 18 von 20 Punkten.“[2]

Berechtigung zum Studium[Bearbeiten]

Alle diese Baccalauréats berechtigen zum Studium an einer französischen Hochschule beziehungsweise Grande école, so die Theorie. Da das Baccalauréat als erster akademischer Grad gilt, kann es an französischen Universitäten keine Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) geben. Die Grandes Écoles jedoch halten Concours – also Auswahlverfahren – ab, auf die man sich normalerweise nach dem Baccalauréat mit zwei Jahren in einer Classe préparatoire vorbereitet. Allerdings öffnen sich immer mehr Grandes Écoles für Bewerber, die keine akademische Vorbildung haben. Hier werden die „acquis professionnels“ herangezogen, also der berufliche Werdegang des Bewerbers. Auch die Verwaltungs-Elitehochschule ENA verfährt nach diesem Muster.

Anerkennung des Baccalauréat[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Das Problem der Anerkennung des Baccalauréats in Deutschland ist relativ komplex. Die Konferenz der Kultusminister der Länder legte 1986 einen Katalog fest, dem ausländische Zeugnisse zu entsprechen haben, um als Hochschulreife in Deutschland anerkannt zu werden (etwa sechs Fächer, davon zwei Sprachen, Mathematik, etwas Soziales etc.).

Allein das Baccalauréat général erfüllt alle diese Voraussetzungen und wird deshalb als uneingeschränkte Allgemeine Hochschulreife anerkannt. Sowohl die Baccalauréats techniques als auch die Baccalauréats professionnels qualifizieren in der Regel nicht uneingeschränkt für ein Studium an einer deutschen Hochschule.

Das Baccalauréat in Belgien und Kanada[Bearbeiten]

In Belgien und Kanada ist das Baccalauréat kein Sekundarschulabschluss, sondern ein akademischer Grad, der nach einem mindestens dreijährigen Hochschulstudium verliehen wird (z. B. Bachelier ès Arts, Bachelière en Sciences médicales).

Begriffsunterschiede[Bearbeiten]

Der französische Begriff Bachelier entspricht dem Gesellen beziehungsweise dem lateinischen Baccalaureus. Der relativ neue akademische Grad heißt Bachelor.

Das deutsche Baccalaureat, auch Bakkalaureat, über engl. bachelor, ist ein Hochschulabschluss, der zum Tragen des Titels Baccalaureus berechtigt. Das theologische Baccalaureat endet mit dem Abschlussgrad des Baccalaureus Theologiae seu Divinitatis.[3] Es ist mit dem Bachelor identisch, weiteres siehe dort.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Bölling: Frankreichs Zentralabitur ist kein Vorbild für Deutschland. In: FAZ Nr. 64 / 15. März 2012, S. 8
  2. Ebd.
  3. [1] DAAD, Grundständige Studienmöglichkeiten, evangelische Theologie, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Webzugriff 2. Februar 2012. (Toter Link)