Bad Blankenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Blankenburg
Bad Blankenburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Blankenburg hervorgehoben
50.68444444444411.263611111111220Koordinaten: 50° 41′ N, 11° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 35,56 km²
Einwohner: 6724 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 189 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07422
Vorwahl: 036741
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 005
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
07422 Bad Blankenburg
Webpräsenz: www.bad-blankenburg.de
Bürgermeister: Frank Persike (Die Linke)
Lage der Stadt Bad Blankenburg im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
Über dieses Bild

Bad Blankenburg ist eine Kleinstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen. Sie war bis 2007 ein staatlich anerkannter Luftkurort und bezeichnet sich selbst als Lavendelstadt.

Die Stadt hat etwa 7000 Einwohner und eine Fläche von 35,56 km².

Geographie[Bearbeiten]

In Bad Blankenburg mündet die Rinne in die Schwarza.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Bad Blankenburg gehören acht Ortsteile (urkundliche Ersterwähnung):[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Bechstedt, die Stadt Königsee-Rottenbach, die Stadt Rudolstadt, Saalfelder Höhe und Schwarzburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Blankenburg mit Burgruine um 1900

Blankenburg wurde 1267 erstmals in einem Stiftungsbrief des Saalfelder Nonnenklosters erwähnt.[3] Der Bau der Stadtkirche wurde 1385 begonnen und nach einem Brand baute man weiter, sodass 1794 die Einweihung erfolgen konnte.[4] Der Ort geht auf die einst ebenfalls Blankenburg genannte Burg Greifenstein zurück, unter der sich die Siedlung als nach der Burg genannter Burgweiler bildete und 1267 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Stadtrecht ist seit 1323 urkundlich verbürgt. Im Jahr 1840 gründete Friedrich Fröbel in Blankenburg den ersten Kindergarten in Deutschland. Im selben Jahr begann auch der Kurbetrieb im Ort, durch den Blankenburg 1911 von den damaligen Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt den Titel Bad verliehen wurde. Bis 1918 gehörte der Ort zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Zu DDR-Zeiten wurde das ehemalige Hotel "Schwarzeck" zu einer Parteischule der SED umgebaut und betrieben, aber nach 1990 dem Verfall preisgegeben.

Am 19. Juni 1992 wurden Böhlscheiben und Zeigerheim eingemeindet, am 23. März 1993 folgten Gölitz und Oberwirbach und am 8. März 1994 Cordobang.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1834: 1.256
  • 1933: 4.557
  • 1939: 5.307
  • 1960: 10.126
  • 1994: 8.323
  • 1995: 8.197
  • 1996: 8.136
  • 1997: 8.076
  • 1998: 8.037
  • 1999: 7.963
  • 2000: 7.909
  • 2001: 7.764
  • 2002: 7.688
  • 2003: 7.658
  • 2004: 7.613
  • 2005: 7.498
  • 2006: 7.363
  • 2007: 7.281
  • 2008: 7.235
  • 2009: 7.173
  • 2010: 7.047
  • 2011: 6.873
  • 2012: 6.816
  • 2013: 6.724
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Rathaus
Marktplatz

Stadtrat[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgende Verteilung der 20 Sitze:

Die Linke 9 Sitze
CDU 6 Sitze
FWG 3 Sitze
SPD 2 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün ein aufgerichteter hersehender goldener Löwe mit roter Zunge und Bewehrung.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft mit der nordhessischen Stadt Hofgeismar.
Derzeit (2013) wird eine Partnerschaft mit Tarnów Opolski (Landkreis Opole, Partnerlandkreis des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt), angestrebt.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ev. St. Nicolai Kirche
Katholische Kirche
Stadthalle von 1930
Die Ruine des Hotel Chrysopras zeugt von der früheren Bedeutung als Kurort

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben der Burg Greifenstein das Wohnhaus von Friedrich Fröbel, der in Bad Blankenburg 1840 den ersten Kindergarten der Welt nach seinem pädagogischen Konzept gründete und führte, sowie das jährlich stattfindende Lavendelfest.

Zwei Kilometer südsüdwestlich des Zentrums der Stadt liegt rechts der Schwarza die Wallanlage Hünenkuppe, geschützt durch die angrenzenden Steilhänge. Es ist wahrscheinlich eine Befestigungsanlage der jüngeren Bronze- oder älteren Eisenzeit. Die siedlungsunfreundliche Lage deutet auf einen Kultstandort hin. Er wird aber auch mit den damaligen Goldfunden in der Schwarza in Verbindung gebracht.[6]

Bad Blankenburg war ab 1926 Tagungsort des Vertreterconvents (VC),[7] des Verbands der Turnerschaften, vgl. Studentenverbindungen. In Bad Blankenburg wurde vom VC eine Sportstätte für die Turnfeste errichtet, die heute die Landessportschule Thüringen beherbergt. Ebenso errichteten die Mitglieder des VC die Stadthalle und restaurierten den Turm auf Burg Greifenstein.[8]

Heute findet in Bad Blankenburg jährlich im Herbst die Greifensteintagung des Coburger Convents (CC) statt.

Ein im Jahre 2001 errichteter Gedenkstein auf dem Gelände des evangelisch-kirchlichen Anna-Luisen-Stiftes erinnert an die mehr als 200 behinderten Kinder, die dort in den 1920er Jahren bis in die 1940er Jahre Opfer von Vernachlässigung und der Preisgabe ihres Lebens wurden. 54 von ihnen wurden 1941 in die Thüringer Landesheilanstalt Stadtroda verbracht, von denen 24 nicht zurückkehrten, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Euthanasieprogramm T4 zum Opfer fielen.[9]

Am Oelberg (im häufig so genannten Wohngebiet Dörfchen) wurde 1985 für die Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald, der den Ort im April 1945 passierte,[10] ein Gedenkstein aufgestellt.

Durch Bad Blankenburg verläuft der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Bad Blankenburg liegt an der seit 1895 bestehenden Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld. Außerdem verläuft die Bundesstraße 88 (IlmenauNaumburg) durch den Ort.

Von 1874 bis 2000 wurde zudem noch die Bahnstrecke Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg betrieben.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Städte Bad Blankenburg, Rudolstadt und Saalfeld/Saale arbeiten seit 1997 als Städteverbund Städtedreieck am Saalebogen zusammen und begannen eine Diskussion über einen möglichen festeren Zusammenschluss. Ein Ergebnis ist u. a. die Zusammenlegung der Wirtschaftsförderungen zu einer regionalen Wirtschaftsförderagentur im Juli 2007.

Medien[Bearbeiten]

Im Bereich der Medien sind in der Stadt Verlage wie auch größere Druckereien vertreten. Bad Blankenburg gehört zum Verbreitungsgebiet der Ostthüringer Zeitung (OTZ) und wird im Bereich der elektronischen Medien neben den allgemeinen öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten Thüringens vom SRB, dem regionalen Bürgermediensender versorgt.

Elektro- und Elektronikindustrie[Bearbeiten]

In Bad Blankenburg gibt es zwei Hersteller von Antennentechnik: Blankom Antennentechnik GmbH und Antennentechnik Bad Blankenburg AG. Beide sind Nachfolgebetriebe des VEB Antennenwerke Bad Blankenburg.

Die Stadt war bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Standort von Elektro- bzw. Radioherstellern. 1919 entstand in Bad Blankenburg die Hermann Pawlik – Elektrotechnische Fabrik Heliogen. Eines ihrer Produkte waren Detektorempfänger. 1946 wurde der Betrieb nach der Liquidation[11] in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) umgewandelt, bevor sie 1950 zum VEB Fernmeldewerk Bad Blankenburg wurde. Ab 1961 produzierte der Betrieb unter dem Namen VEB Antennenwerke Bad Blankenburg.[12]

1930 gründete Franz Baumgartner (eFBe) eine Firma für Heizkissen und elektrische Apparate. In der DDR wurde 1952 das Vermögen beschlagnahmt. Daraus entstand der VEB (K) Elektro-Heiz-Geräte, später vergrößert und umbenannt in VEB (B) Elektrogeräte- und Armaturenwerk Bad Blankenburg. 1978 wurde der Betrieb dem Kombinat VEB Elektrogerätewerk Suhl zugeordnet und die Produkte wurden unter dem Markennamen AKA electric auch in Ausland exportiert. Zwei Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde der VEB Elektrogeräte Bad Blankenburg am 21. Mai 1992 in eine GmbH und der Treuhandanstalt als Gesellschafter unterstellt. Das Unternehmen firmierte danach als Efbe Elektrogeräte GmbH. Zum 1. Januar 1993 erfolgte die Privatisierung und Bernd Heinze übernahm das Unternehmen und erwarb die Produktionseinrichtungen und Werkzeuge der in Konkurs gegangenen Schott Elektrogeräte GmbH aus Groß Ippener und begann mit der erneuten Produktion von elektrischen Produkten unter den Marken efbe-Schott, Maybaum und Kalorik. Die Efbe GmbH mit ihrer Tochtergesellschaft die Efbe Elektrogeräte gehören zur Team Kalorik Group N.V. mit Sitz in Sint-Genesius-Rode (Belgien).

Sonstiges[Bearbeiten]

Bad Blankenburg ist Sitz der Deutschen Evangelischen Allianz, ein Zusammenschluss evangelisch und vor allem evangelikal gesinnter Christen verschiedener Gemeinden und Gruppen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Friedrich Fröbel (1782–1852), Pädagoge, gründete in Blankenburg den ersten Kindergarten der Welt
  • Berthold Sigismund (1819–1864), Bürgermeister von Blankenburg, Arzt, Pädagoge, Schriftsteller, Dichter und Politiker
  • Eleonore Heerwart (1835–1911), Pädagogin, lebte zeitweise in Blankenburg
  • Anna Thekla von Weling (1837–1900) Schriftstellerin, Übersetzerin und Gründerin der Blankenburger Allianzkonferenz, hier gestorben
  • Dietrich Eckart (1868–1923), Publizist und Verleger, lebte hier von 1913 bis 1915 mit seiner aus Blankenburg stammenden Frau
  • Ernst Modersohn (1870–1948), evangelischer Theologe, lebte ab 1906 in Bad Blankenburg
  • Paul Wiedeburg (1872–1935), Mediziner, Sanitätsrat, gründete 1901 das Thüringer Waldsanatorium „Schwarzeck“, das er bis 1935 leitete
  • Hans Berger (1873–1941), Neurologe und Psychiater, Entwickler der Elektroenzephalographie (EEG), leitete kurz vor seinem Tod das Sanatorium Warda
  • Johannes Prüfer (1882–1947), Fröbelforscher, lebte ab 1933 in Bad Blankenburg
  • Helmut Steuer (1911–2005), Arzt, Entomologe, erforschte besonders die Schmetterlingsfauna; Ehrenbürger von Bad Blankenburg
  • Klaus Beer (* 1942), Leichtathlet, besuchte die Geschwister-Scholl-Schule in Bad Blankenburg
  • Hannelore Friedel (* 1948), Leichtathletin, DDR-Meisterin im Kugelstoßen 1970, besuchte die Geschwister-Scholl-Schule und die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Bad Blankenburg
  • Marlies Göhr (* 1958), Leichtathletin, besuchte die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Bad Blankenburg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. a b Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-58-9, S. 11–67.
  3. Geschichte (der Stadt Bad Blankenburg). Stadt Blankenburg, 2012, abgerufen am 1. Mai 2012: „Es ist anzunehmen, dass die Siedlung an Rinne und Schwarza schon Jahrzehnte früher existierte. In einem Lehnsbrief von 1323 tauchte Blankenburg dann als Stadt auf.“
  4. Werner Herrmann: Stadtkirchen in Thüringen. Verlagshaus Thüringen, 1990, ISBN 3-86087-023-8, S. 22/23.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBad Blankenburg will Städtepartnerschaft mit Gemeinde Tarnau in Polen schließen. In: bad-blankenburg.de. 08/21/2013 00:12:21, abgerufen am 21. August 2013 (deutsch).
  6. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 185.
  7. Hochschulpolitisches Amt des VC (Hrsg.): Verband der Turnerschaften auf deutschen Hochschulen. Selbstverlag des VC, Charlottenburg 9 / Spandauer Berg 9, 1926/27, S. 3 ff.
  8. Erich Müller: Turnerschafterbuch. Verlag des Turnerschafterbuches Mainz, 1933, S. 277 f.
  9. Holger Spierig: „Herr, vergib uns unsere Schuld“. Kirchliches Pflegeheim in Bad Blankenburg arbeitet die dunklen Stellen seiner Geschichte auf. Glaube und Heimat Nr. 37 vom 15. September 2002.
  10. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 232.
  11. Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Schriftverkehr im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Thüringen. 1924 bis 1959. Betriebsverzeichnisse, SAG-Betriebe, Reparationen
  12. Veröffentlichungen der Firmen-Webseite der Bad Blankenburg GmbH

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Blankenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien