Bad Köstritz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Köstritz
Bad Köstritz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Köstritz hervorgehoben
50.93055555555612.009722222222203Koordinaten: 50° 56′ N, 12° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Greiz
Erfüllende Gemeinde: für Caaschwitz
für Hartmannsdorf
Höhe: 203 m ü. NHN
Fläche: 16,85 km²
Einwohner: 3633 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 216 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07586
Vorwahl: 036605
Kfz-Kennzeichen: GRZ, ZR
Gemeindeschlüssel: 16 0 76 003
Adresse der
Stadtverwaltung:
Heinrich-Schütz-Str. 4
07586 Bad Köstritz
Webpräsenz: www.stadt-bad-koestritz.de
Bürgermeister: Dietrich Heiland (CDU)
Lage der Stadt Bad Köstritz im Landkreis Greiz
Auma-Weidatal Bad Köstritz Berga/Elster Bethenhausen Bocka Brahmenau Braunichswalde Caaschwitz Crimla Endschütz Gauern Greiz Großenstein Langenwetzendorf Harth-Pöllnitz Hartmannsdorf Hilbersdorf Hirschfeld Hohenleuben Weida Hundhaupten Kauern Korbußen Kraftsdorf Kühdorf Langenwetzendorf Langenwolschendorf Lederhose Linda Lindenkreuz Langenwetzendorf Mohlsdorf-Teichwolframsdorf Münchenbernsdorf Langenwetzendorf Neumühle Paitzdorf Pölzig Reichstädt Ronneburg Rückersdorf Saara Weida Schwaara Schwarzbach Seelingstädt Weida Teichwitz Weida Weißendorf Langenwetzendorf Wünschendorf Zedlitz Zeulenroda-Triebes ThüringenKarte
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Bad Köstritz (bis 1926 Köstritz) liegt am Fluss Weiße Elster im thüringischen Landkreis Greiz, nördlich von Gera. Bekannt ist die Landstadt durch die Brauerei mit ihrem berühmten Schwarzbier, die seit 1543 besteht. Weiterhin werden in Bad Köstritz Dahlien gezüchtet. Im Ortsteil Heinrichshall gibt es ein Chemiewerk.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Caaschwitz, Hartmannsdorf (bei Gera) (nicht zu verwechseln mit Hartmannsdorf (bei Eisenberg), einer Gemeinde, die nördlich von Caaschwitz liegt) und Kraftsdorf im Landkreis Greiz, Silbitz im Saale-Holzland-Kreis sowie die kreisfreie Stadt Gera.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Landschaftspark
Ein Tempel im Park

Der Ort Köstritz fand als Kostricz, eine slawische Siedlungsgründung, erstmals auf einer Pfändungsurkunde 1364 Erwähnung. Eine Burg existierte seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie lag wahrscheinlich auf dem Kirchberg. Von da hat man mit der Anlage das Tal der Elster und den Flussübergang kontrollieren und sichern können.[2] Die Stadt ist aus zwei mittelalterlichen Herrensitzen hervorgegangen.

Zunächst gehörte die Stadt zur Markgrafschaft Meißen, 1364 kam Köstritz an die Reußen. 1689 bis 1704 wurde anstelle der Burg ein neues Schloss errichtet. Im Jahre 1690 gründen die reußischen Grafen von Schleiz (das Haus Reuß jüngerer Linie) für einen Seitenzweig Reuß-Schleiz-Köstritz das Paragium Reuß-Köstritz, das bis 1918 bestand.

Um 1804 wurde in der Elster-Aue der Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet.

Seit 1543 wurde das gewerbemäßige „Ausschenken“ von Bier der Fürstlich-Reußschen Bierbrauerei in der unteren Schenke (heute: Goldener Löwe) erlaubt. Der Dahlienzüchter Christian Deegen gründete 1826 eine Gärtnerei und leitete damit den Ruf des Ortes als Blumenstadt ein. Christian Glenck eröffnete 1831 auf der Pohlitzer Flur die Saline Heinrichshall, die allerdings 1909 ihre Produktion einstellte und mit der 1845 errichteten Chemischen Fabrik vereinigt wurde. Im Jahre 1845 richtete Adolf Sturm eine Badeanstalt ein, die 1865 durch Neubau eines Kurhauses und Umwandlung in eine Aktiengesellschaft bedeutend erweitert wurde. Das landwirtschaftliche Institut des Dr. Hans Settegast siedelte sich 1886 in Köstritz an. Daraus entwickelte sich mit einem 1903 errichteten Institutsgebäude die Höhere Gärtner-Lehranstalt, die 1943 für ein Lazarett ausgelagert und 1945 geschlossen wurde. An dieser Lehranstalt legte u.a. Ferdinand Tutenberg sein Examen ab.

Im Jahre 1911 wurde das neue Thüringer Frauenasyl am Goldbach eingeweiht. In Pohlitz entstand 1912 ein neues Schulgebäude. Im Jahre 1919 wurde mit der Erschließung der Gebind als Wohnungsbaugebiet begonnen. Ab 1926 durfte der Ort sich Bad Köstritz nennen. Das Thüringer Ministerium verlieh ihm dann 1927 offiziell das Stadtrecht. Im Jahre 1933 begann die Elsterregulierung von Gera-Thieschitz über Bad Köstritz bis Caaschwitz, mit ihr in Verbindung standen erste große Veränderungen im Köstritzer Park. Es folgte der Bau eines Freibades mit 5-m-Sprungturm 1936 im Zusammenhang mit der Elsterregulierung am Paradies.

Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 mussten Zwangsarbeiter aus den von Deutschland besetzten Ländern im kriegswichtigen Chemiewerk und in der Schwarzbierbrauerei Zwangsarbeit leisten.[3] Im Jahre 1942 wurde der ehemalige Leiter des Thüringer Frauenasyls Werner Sylten im KZ Dachau ermordet. Ab 1943 war Bad Köstritz Lazarettstadt. In der Nacht zum 13. April 1945 wurde eine Kolonne von Häftlingen des KZ Buchenwald auf einem Todesmarsch durch den Ort getrieben, wobei 43 Personen durch den Terror der SS ihr Leben verloren. Die zunächst an verschiedenen Stellen Verscharrten wurden auf den Friedhof umgebettet und mit einer Gedenkanlage geehrt. Ein Gedenkstein an der Staatlichen Regelschule in der Hergerstraße erinnert ebenfalls an sie.

Im April 1945 besetzten US-Truppen den Ort, Anfang Juli wurden sie von der Roten Armee abgelöst. Damit war Bad Köstritz in die Sowjetische Besatzungszone eingegliedert, ab 1949 in die DDR.

1948 wurde die Fürstliche Brauerei, deren letzter Inhaber Rudolf Zersch war, verstaatlicht. Im Jahre 1948 konnte die Wiedereröffnung des Kurhauses als Rheumasanatorium begangen werden. 1953 wurde eine Brücke des Friedens über die Elster mit ca. 800 Metern Spannweite im Zuge einer neuen Fernverkehrsstraße durch den Park eingeweiht – die erste Großbaustelle der Stadt nach 1945. 1969 wurde der Westflügel des Schlosses abgerissen, 1972 der Hauptflügel. Das erste gemeinsame Dahlienfest des Gemeindeverbandes Bad Köstritz wurde 1979 im Park gefeiert. Im Jahre 1985 erfolgte die Rekonstruktion und Neueinweihung der Heinrich-Schütz-Gedenkstätte anlässlich des 400. Geburtstages des Komponisten.

1990 wurde das Kurhaus geschlossen und sieben Jahre später abgerissen. Das Wohngebiet Am Rosenhügel sowie die Wohnparks Am Birkenhain und Am Erlicht wurden seit 1993 errichtet. Das modernisierte Freizeit- und Erholungsbad und eine Beach-Volleyball-Anlage wurden 1998 eröffnet. Ein Jahr später folgte die Eröffnung der Seniorenresidenz Karlskrona auf dem Gelände des ehemaligen Kurhauses.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1994 wurden Reichardtsdorf und Gleina (bei Bad Köstritz) eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 31. Dezember 1994):

  • 1849: 1337
  • 1885: 1756
  • 1933: 2489
  • 1939: 2550
  • 1994: 3472
  • 1995: 3547
  • 1996: 3615
  • 1997: 3694
  • 1998: 3750
  • 1999: 3922
  • 2000: 3965
  • 2001: 4001
  • 2002: 4003
  • 2003: 3964
  • 2004: 3998
  • 2005: 3964
  • 2006: 3916
  • 2007: 3855
  • 2008: 3777
  • 2009: 3732
  • 2010: 3743
  • 2011: 3707
  • 2012: 3642
  • 2013: 3633
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Das Palais im Stadtzentrum, heute Sitz der Stadtverwaltung

Bad Köstritz ist erfüllende Gemeinde von Caaschwitz und Hartmannsdorf.

Stadtrat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:[4]

Partei CDU Die Linke FWG
Sitze 9 3 4
Stimmenanteil 53,9 % 22,1 % 24,0 %

Die Wahlbeteiligung lag bei 54,3 % (+0,6 %p).

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen von Bad Köstritz

Die Stadt Bad Köstritz beschreibt das von ihr verwendete Wappen folgendermaßen: »Silberner Löwe nach links-rückwärts gewandt, doppelschwänzig und rot bewehrt, in der rechten Pranke das gerade Schwert, die linke stützt sich auf den Schild auf blauem Grund, die in Freundschaft verbundenen „treuen Hände“«. Heraldisch korrekt: „In Gold ein linksgewendeter widersehender doppelschwänziger rotbewehrter silberner Löwe mit schwarzer Mähne und Haupt, in der rechten Pranke ein goldenes Schwert mit schwarzer Parierstange, die linke auf einem schwebenden Schild ruhend, darin in Blau zwei treue Hände in natürlichen Farben.“
Für eine andere Form des Wappens gilt folgende Wappenbeschreibung: „In Blau ein linksgewendeter widersehender doppelschwänziger rotbewehrter silberner Löwe, auf zwei asymmetrischen silbernen Flachstufen stehend, in der rechten Pranke ein silbernes Schwert, die linke auf einen blauen Schild gelegt, darin zwei silberne treue Hände.“

Die Fahne ist eine Trikolore, längsgestreift in gleich breiten Bahnen mit den Farben Schwarz, Weiß, Blau (von links nach rechts).

Partnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fachwerk
Heinrich-Schütz-Haus
Torbau des 1969-72 zerstörten Schlosses
Roggenmühle
Portal der Brauerei in Köstritz

In Bad Köstritz beginnt die Reußische Fürstenstraße, sie endet in der Kurstadt Bad Lobenstein.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Stadt kann viele sehr gut erhaltene Fachwerkbauten vorweisen.

Von der früheren Vierseitenanlage des Schlosses wurde der größte Teil zur DDR-Zeit abgetragen.

Die Roggenmühle wartet noch darauf, zur alten Schönheit zurückzufinden.

→ Siehe auch Dorfkirche Uhlstädt

Museen[Bearbeiten]

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist das Heinrich-Schütz-Haus. Es wurde 1985 als Forschungs- und Gedenkstätte begründet und im Jahre 2000 saniert. Hier findet sich eine Dauerausstellung für den Komponisten. Neben seiner musealen und wissenschaftlichen Funktion versteht sich das Haus auch als ein Ort der Musikdarbietung – der eigene Konzertraum bietet 50 Besuchern dafür Platz. Das Haus ist zudem Treffpunkt der Schütz-Akademie e.V., ein Kulturverein, der sich mit der Lebenskultur des 17. Jahrhunderts beschäftigt.[5]

In der Mansarde des Köstritzer Palais, dem heutigen Sitz der Stadtverwaltung, wurde 2003 ein Julius-Sturm-Gedenkzimmer eingerichtet. Bereits von 1918 bis 1945 hatte ein solches existiert.

Im Zentrum der Stadt hinter dem Haus des Gastes befindet sich das Dahlien-Zentrum Bad Köstritz. Dort findet eine Dauerausstellung mit Themen zur Dahlie statt. Im Sommerhalbjahr kann man sich im dahinterliegenden Schau- und Lehrgarten Naturarten von Dahlien, alte Sorten und Neuzüchtungen ansehen. Es beherbergt das Deutsche Dahlien-Archiv.

Parks und Gärten[Bearbeiten]

  • Im denkmalgeschützten ehemaligen Schlosspark befindet sich ein kleines Tiergehege.
  • Das Rosarium, der ehemalige Kurpark, befindet sich gegenüber der heutigen Seniorenresidenz.
  • Hinter dem Dahlien-Zentrum Bad Köstritz liegt der Schau- und Lehrgarten für Dahlien.

Sport[Bearbeiten]

Der Köstritzer Werfertag ist seit 1995 ein jährliches Sportereignis, bei dem die besten deutschen Sportler in den Wurfdisziplinen der Leichtathletik (Diskuswerfen, Kugelstoßen, Speerwerfen u. a.) an den Start gehen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Östlich um die Stadt herum führt die Bundesstraße 7, über die in etwa 6 km Entfernung die Anschlussstelle Gera der Bundesautobahn 4 zu erreichen ist. Ebenfalls im Osten der Stadt befindet sich der Bahnhof an der Bahnstrecke Leipzig–Gera–Saalfeld, an dem Regionalbahnen und -expresse halten.

Durch Bad Köstritz führt der Elster-Radweg.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Köstritzer Schwarzbierbrauerei GmbH
  • Chemiewerk Bad Köstritz GmbH
  • Biogas-Kraftwerk der WABIO Bioenergietechnik GmbH: 2007 Betriebsbeginn, 2009 Insolvenz-Anmeldung. Der insolvente Betrieb wurde 2010 von der Danpower-Gruppe übernommen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Bad Köstritz befindet sich die Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Georg Anton Benda (1722–1795), deutsch-böhmischer Kapellmeister und Komponist, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Köstritz
  • Christian Deegen (1798–1888), begründete 1826 in Köstritz die deutsche Dahlienzüchtung
  • Hans Settegast (1852–1936), ab 1886 Leiter der höheren landwirtschaftlichen Lehranstalt in Köstritz
  • Werner Sylten (1893–1942), deutscher evangelischer Theologe

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Hundt: Goethe und die Geologie Ostthüringens.; Kulturamt der Stadt Gera; Gera 1949; S. 10–32.
  • Christel Russe: Veröffentlichungen Museum für Naturkunde Gera der Stadt Gera Heft 21/22 - Beiträge zur Geologie, Flora und Fauna Ostthüringens XXI/XXII. Museum für Naturkunde Gera, Gera 1994/95, S. 43–72.
  • Erhard Lemm, Angelika und Frank Schenke, Siegfried Mues: Die reußische Fürstenstraße. Lemm-Werbung, Gera 1995, S. 12, 19, ISBN 3-931635-00-7.
  • Erhard Lemm, Angelika und Frank Schenke: Bad Köstritz - Porträt einer Stadt in Thüringen. Verlag Erhard Lemm, Gera 2000, ISBN 3-931635-14-7.
  • Christian Danneger: Weiße Elster aufwärts - Ein Wanderführer. Forum Verlag Leipzig Buch, Leipzig 2009, S. 59–61, ISBN 978-3-931801-66-3.

Filme[Bearbeiten]

  • ARD, MDR: Thüringen - Bilderbuch Deutschland - Von der oberen Saale zur Reussischen Fürstenstrasse; UAP Video GmbH; Leipzig 2005; DVD, Europe-Pal, 4:3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig- Verlag 2001 S. 163 ISBN 3-910141-43-9
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. In der Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 109, ISBN 3-88864-343-0
  4. Stadtratswahl 2014 auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 6. August 2014
  5.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Museen in Thüringen. Frankfurt a.M. 1995, S. 30.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Köstritz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Köstritz – Reiseführer