Bad Urach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Urach
Bad Urach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Urach hervorgehoben
48.59.4463Koordinaten: 48° 30′ N, 9° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 463 m ü. NHN
Fläche: 55,5 km²
Einwohner: 11.862 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 72562–72574
Vorwahlen: 07125, 07381
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 078
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 8–9
72574 Bad Urach
Webpräsenz: www.bad-urach.de
Bürgermeister: Elmar Rebmann (SPD)
Lage der Stadt Bad Urach im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Landkreis Esslingen Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Sigmaringen Landkreis Tübingen Zollernalbkreis Bad Urach Dettingen an der Erms Engstingen Eningen unter Achalm Gomadingen Grabenstetten Grafenberg (Landkreis Reutlingen) Gutsbezirk Münsingen Hayingen Hohenstein (Landkreis Reutlingen) Hülben Lichtenstein (Württemberg) Mehrstetten Metzingen Münsingen (Württemberg) Pfronstetten Pfullingen Pfullingen Pliezhausen Reutlingen Riederich Römerstein (Gemeinde) Sonnenbühl St. Johann (Württemberg) Trochtelfingen Walddorfhäslach Wannweil ZwiefaltenKarte
Über dieses Bild
Bad Urach

Bad Urach (bis 1983: Urach) ist eine Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Die Stadt ist staatlich anerkannter Luftkurort und Heilbad. Bekannt ist sie auch wegen des Uracher Wasserfalls und des alle zwei Jahre stattfindenden Schäferlaufs. Bad Urach ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Geographie[Bearbeiten]

Marktplatz mit Rathaus
Ehemaliges Amtsgericht
Schule, Amandus-Kirchturm und Schloss
Die ehemalige Schlossmühle
Der Zeughausturm

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Bad Urach liegt am Rand der Schwäbischen Alb, im Tal der Erms.

Geologie[Bearbeiten]

In Bad Urach befindet sich die mit 61 °C heißeste Thermalquelle Baden-Württembergs. Die hohe Wärme beruht auf einer Temperaturanomalie im Untergrund. 1970 wurde die Thermalquelle erschlossen. Sie dient dem Kur- und Heilbadbetrieb. Das Mineral-Thermalbad AlbThermen sowie das Gesundheitszentrum Schwäbische Alb nutzen das Wasser für ihre Gäste. Vor mehreren Millionen Jahren herrschte in der Region aktive Vulkantätigkeit vor. Die Überreste hiervon bilden mit über 350 dokumentierten Plätzen das Gebiet Schwäbischer Vulkan, auch Uracher Vulkangebiet genannt.

Zur Ausnutzung dieser Temperaturanomalie bestand fast ein Jahrzehnt lang das Geothermie-Projekts „Hot-Dry-Rock Bad Urach“ mit den Zielen der geothermischen Stromerzeugung und der Erdwärmeversorgung eines Großteils der Stadt. Die Vollendung des bis dahin sehr aussichtsreichen und weltweit beachteten Projekts scheiterte 2004 an der Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, die notwendige Nachfinanzierung nicht Bad Urach zuzuwenden, sondern ein ähnliches Projekt bei Karlsruhe neu zu beginnen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Bad Urach besteht aus den Stadtteilen Hengen (687,01 ha; 854 Einwohner, Stand 31. Dezember 2005), Seeburg (220,65 ha; 302 Einwohner), Sirchingen (481,78 ha; 1031 Einwohner), Bad Urach (2.797,89 ha; 9289 Einwohner) und Wittlingen (1362,24 ha; 1112 Einwohner). Mit Ausnahme des Stadtteils Bad Urach bilden die Stadtteile zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[2]

Zum Stadtteil Bad Urach gehören die Stadt Urach das Gehöft Güterstein und die Häusergruppe Bleiche. Zu den Stadtteilen Hengen und Sirchingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Seeburg gehören das Dorf Seeburg, Schloss und Hof Uhenfels und das Einzelhaus Wyhler ob Seeburg, und zum Stadtteil Wittlingen gehören das Dorf Wittlingen, das Gehöft Hohenwittlingen und die Einzelhäuser und Häusergruppen Elektrizitätswerk, Georgenau, Pumpwerk Ermsgruppe XIII, Pumpwerk Vordere Albgruppe, Schanz und Villa Mühleisen.

Im Stadtteil Hengen liegt die abgegangene Burg Fischburg. Im Stadtteil Bad Urach liegen die abgegangenen Ortschaften Berg, Gyrenbad, Merzhausen, Mietenhausen, Pfählen, Sontheim und Weiler, und im Stadtteil Wittlingen liegen die abgegangenen Ortschaften Hennibrunnen, Hofstetten und Winneden sowie die abgegangene Burg Baldeck.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bad Urach, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen:

Hülben, Grabenstetten, Römerstein, Gutsbezirk Münsingen, Münsingen, St. Johann und Dettingen an der Erms.

Geschichte[Bearbeiten]

Urach im 17. Jahrhundert
Urach 1912
Ein Blick auf Bad Urach von der Ruine aus

Reichhaltige Funde auf dem Runden Berg bei Bad Urach belegen, dass dieser Berg in der Spätantike/Frühmittelalter eine bedeutende alamannische Höhensiedlung und ein Machtzentrum der Alamannen war. Urach war Anfang des 12. Jahrhunderts Sitz eines von Egino I. gegründeten Grafengeschlechts. 1265 verkaufte Graf Heinrich von Fürstenberg die Burg Hohenurach und die meisten Besitzungen an Graf Ulrich von Württemberg.

Während der Teilung Württembergs von 1442 bis 1482 war Urach Residenzsitz des Grafen der Uracher Linie.

Seit 1983[4] ist die Stadt ein staatlich anerkannter Luftkurort und ein Heilbad. 1991 fanden in Bad Urach die Heimattage Baden-Württemberg statt.

Bei Bad Urach befinden sich folgende Burgruinen und Burgreste: Burg Baldeck, Burg Blankenhorn, Burg Hohenwittlingen, Burg Hohenurach, Burgrest Fischburg, Burg Littstein, Burg Pfälen, Burg Runder Berg, Burg Schorren (Venedigerloch, Schorrenhöhle) und Burg Seeburg.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Nach der verloren Schlacht bei Nördlingen war Württemberg vollständig von Truppen entblößt. Bereits wenige Tage später, am 9. September 1634 (alten Stils), erschienen bayerische Reiter in der Gegend von Urach. Stadt und Festung wurden damals von dem weimarischen Oberstleutnant Gottfried Holtzmüller verteidigt.

Drei erste Anläufe auf die Dettinger Schanzen konnte Holtzmüller bis zum 10. September noch abwehren. Doch als am 19. Oktober 1634 Graf Walter Butlers Dragonerregiment anrückte und Tiefenbach die Stadt albseitig umschloss, wurde die Lage prekär. Am 21. Oktober 1634 gab Butler schließlich das Signal zum Angriff, indem er die Brandfackel an die Metzinger Keltern legte. Butler marschierte auf Seiten der Weinberge vor. Um aber nach Urach vorzudringen, musste er die Wagenburg bei Dettingen gewinnen, hinter der sich mutige Dettinger Bürger und ein Teil der Hohenuracher Besatzung verschanzten.

Als der Sturm auf die Wagenburg losbrach, strömte das feindliche Fußvolk unaufhörlich über die Weinberge herab und durchschlug schließlich die wacker verteidigte Schanze. 94 Bürger und 30 württembergische Knechte wurden erbärmlich niedergemacht.

Der Marktort Dettingen erfuhr Tage der Plünderung. Nun war der Weg nach Urach offen. Am 21. Oktober 1634 begann die Belagerung der Stadt. 12 Tage lang konnte sich Urach der Übermacht erwehren und wurde während dieser Zeit sechsmal zur Kapitulation aufgefordert. Doch Holtzmüller lehnte die Akkordaufforderung ab. Erst als am 2. November 1634 der Pulverturm im Hundsstall in die Luft flog, gab er die Stadt auf und floh auf die Burg. Zur Strafe für die Weigerung, wurde Urach 5 Tage lang der Plünderung preisgegeben. Danach zogen kaiserliche Truppen ein.

Vor allem unter der Belagerung des Hohenurach (bis 24. Juli 1635 nach Martens / 28. Juli nach Sattler), litt die Bevölkerung schwer. Bis Ende des Jahres 1637 lagen insgesamt 18.000 Soldaten in Stadt und Amt Urach. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Ausgezehrte Regeminter zogen ab und wurden durch frische Kräfte ersetzt. In dieser Zeit wurden 27 Dörfer in Brand gesteckt. Erst im Januar 1639 hatte der Spuk ein Ende und die Stadt wurde wieder Württemberg angegliedert. Urach verlor jedoch dreifünftel seiner Ortschaften an Claudia von Tirol, die die Pfandschaft Achalm beanspruchte.

Die Uracher Kriegsausgaben beliefen sich bis hierhin auf eine Million Gulden.

Am 11. April 1638 wurde die Stadt durch eine Reiterabteilung unter Schaffalitzky des Nachts überfallen und kurzzeitig besetzt. Dass sich Urach dem württembergischen Ritter, der Weimar diente, freiwillig ergab, ist anzunehmen. Schaffalitzky griff daraufhin Pfullingen an und forderte auch Reutlingen zur Übergabe auf. Doch die Weimarer mussten sich am 20. April unverrichteter Dinge zurückziehen, da mit Johann von Götzen ein kaiserliches Heer näherte.

Wieder wurde die Stadt geplündert.

Urach hatte zwei Haupttore. Das Obertor im Osten, das Untertor am Westende der Stadt. Die Schwan’sche Hammerschmiede wurde während der Belagerung von Holtzmüller niedergebrannt, um freies Schussfeld zu schaffen. Außerdem hatte die Stadt drei Getreidemühlen (und) eine „ob der Stadt am Espach und eine zu Mietenhausen“. In der Spitalmühle durfte nur die spitalseigene Frucht gemahlen werden. Außerdem gab es in Urach drei Papiermühlen und eine Druckerei. Alle Mühlen vor den Mauern und sämtliche Gehöfte gingen bei den Feindseligkeiten in Flammen auf. Der angerichtete Schaden durch den Beschuss blieb an den städtischen Gebäuden allerdings gering und wurde mit 5000 Gulden beziffert.[5][6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

(jeweiliger Gebietsstand)

Jahr/Datum Einwohner
1383 1.085
1470 1.805
1525 1.725
1598 2.075
1634 2.300
Datum Einwohner
1652 1.355
1690 2.288
1743 2.730
1783 2.970
1802 2.742

Geschichte der Stadtteile[Bearbeiten]

Hengen wurde am 1. Dezember 1972 eingemeindet und hat circa 854 Einwohner. Der Stadtteil mit dörflichem Charakter liegt mit 736 m ü. NN auf der Albhochfläche. Jährlich wird Mitte August ein von den Vereinen unterstütztes Dorffest veranstaltet. Hengen ist dreifacher Sieger des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“.

Seeburg, seit dem 1. Januar 1975 Stadtteil von Bad Urach, zählt 302 Einwohner und ist wie Bad Urach im Tal gelegen. Sehenswert sind unter anderem das Rathaus von 1815, das 1616 restaurierte und 1836 neu erbaute Pfarrhaus, die Seeburg und Schloss Uhenfels.

Die Siedlung Sirchingen wurde um 400 n. Chr. auf einem erloschenen Schlot des „Schwäbischen Vulkans“ gebaut. Eingemeindet wurde Sirchingen am 1. September 1971 und hat heute rund 1.100 Einwohner. Begrenzt wird Sirchingen durch den Albtrauf und vom Trockental der Urlauter.

Wittlingen, gelegen auf 689 m NN, ist mit 1.112 Einwohnern der größte Stadtteil Bad Urachs. Die alemannische Ursiedlung ist klimatisch günstig in einer vulkanischen Mulde gelegen. Wittlingen gehört seit dem 1. September 1971 zu Bad Urach.

Wappen der eingemeindeten Gemeinden[Bearbeiten]

Hengen
Hengen
Seeburg
Seeburg
Sirchingen
Sirchingen
Wittlingen
Wittlingen

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Bad Urach hat seit der letzten Wahl 27 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 lag bei 49,64 % und ergab folgende Sitzverteilung:

Freie Wählervereinigung 27,3 % – 4,0 % 8 Sitze ± 0
SPD/AB 25,5 % + 3,3 % 7 Sitze + 1
CDU 25,1 % – 2,8 % 7 Sitze ± 0
FDP/DVP 12,8 % + 1,5 % 3 Sitze + 2
Grüne Alternative Liste 7,2 % – 0,1 % 2 Sitze + 1
BUL 2,0 % + 2,0 % 0 Sitze

Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Markus Ewald war bis 2012 gewählt, schied aber 2008 wegen seiner Wahl zum Oberbürgermeister von Weingarten aus dem Amt aus. Am 26. Oktober 2008 wurde Elmar Rebmann (SPD) im ersten Wahlgang mit 55,86 % der abgegebenen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.

  • –1996 Fridhardt Pascher
  • 1996–2004: Markus Hase
  • 2004–2008: Markus Ewald
  • Seit 2009: Elmar Rebmann

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold ein rotes Hifthorn mit blauer Fessel, das Mundstück mit je einer roten, silbernen und blauen Feder besteckt.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

UngarnUngarn Enying in Ungarn

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In den Festungsruinen

Bad Urach liegt an der Deutschen Fachwerkstraße, an der Heinrich-Schickhart-Kulturstraße und der Schwäbischen Albstraße.

Museen[Bearbeiten]

Stadtmuseum Klostermühle[Bearbeiten]

Das Stadtmuseum wurde 1990 eröffnet. Von der ehemaligen Getreidemühle, die 1876 bis auf die Grundmauern fast vollständig abbrannte, sind heute noch das Mühlrad und ein Teil des Triebwerkes erhalten. Durch das städtische Kulturreferat werden im Stadtmuseum gelegentlich Sonderausstellungen veranstaltet.

Residenzschloss-Museum[Bearbeiten]

Das Schloss Urach wurde im 15. Jahrhundert[8] erbaut. Ab 1442 diente das Schloss als Residenz während der württembergischen Landesteilung. Das Residenzschloss war außerdem das Geburtshaus des Grafen Eberhard V. und des Herzogs Christoph von Württemberg. Es besteht unter anderem aus der durch spätgotisches Gewölbe geprägten Dürnitz, dem Palmensaal mit den ältesten Ahnenprobe nördlich der Alpen, dem Goldenen Saal, einem der schönsten Renaissance-Säle Süddeutschlands. Weiterhin besteht es aus dem Torbogen, dem Innenhof, dem Cameralamt und dem Brunnen. Außerdem ist im Schloss die größte Ausstellung barocker Prunkschlitten aus dem Bestand des Landesmuseums Württemberg untergebracht. Im Schloss werden regelmäßig Kostümführungen angeboten.

Bauwerke[Bearbeiten]

Bad Urach besitzt einen spätmittelalterlichen Marktplatz mit dem Rathaus und den Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert, dem heute als Museum genutzten Residenzschloss Schloss Urach der württembergischen Grafen sowie der im spätgotischen Stil erbauten Stiftskirche St. Amandus. Schutzpatrone der Kirche sind Sankt Maria, Sankt Andreas und Sankt Amandus von Maastricht. Die Stiftskirche wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Dezember 2006“ ernannt. In der Nähe der Stadt befinden sich die Festungsruinen der Hohenurach sowie der Burg Hohenwittlingen.

Haus am Gorisbrunnen[Bearbeiten]

Das Haus am Gorisbrunnen war früher als Stadthaus, vermutlich für Gäste des Hofes, bekannt. Es wurde im Auftrag des Grafen Eberhard V. erbaut. Bekannt als der „Vorbote der Renaissance“, wurde das Haus am Gorisbrunnen in den Jahren 1977 und 1981 restauriert und rekonstruiert.

Altes Rathaus[Bearbeiten]

Das alte Rathaus war im Jahre 1562 das Interimsrathaus von Bad Urach. Danach diente es als städtisches Wohn- und Lagergebäude. Bis zum Jahre 1927 diente das alte Rathaus als Unterkunft für ärmere Bürger. Weiterhin hatte das alte Rathaus die Funktion einer Spinnanstalt, eines Schulhauses und eines Waaghauses. Heute befindet sich im alten Rathaus – nach einem vernichtenden Brand im Jahre 1929 − ein Gasthof.

Rathaus[Bearbeiten]

Das Rathaus ist ein Bauwerk aus dem Jahre 1440, erweitert wurde es 1562. In den Jahren 1907 und 1908 erfolgte dann der Umbau. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verkauften Bäcker und Metzger ihre Waren im Erdgeschoss des Gebäudes. Nach dieser Zeit war das Erdgeschoss bis 1939 ein Fruchtmarkt, bis ins 16. Jahrhundert eine Ratsdiele, sowie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Ratssaal und in den Jahren 1907 und 1908 eine Arkade mit Wappenreihe.

Altes Oberamt[Bearbeiten]

Erbaut in der Mitte des 15. Jahrhunderts, wurde das Gebäude 1568 zur Herberge zum goldenen Kreuz. Von 1812 bis 1938 hatte das Gebäude die Funktion des Oberamts.

Webervorstadt[Bearbeiten]

Die Webervorstadt besteht aus vier Häuserzeilen mit insgesamt 29 Häusern, die nach den Plänen von Heinrich Schickhardt entstanden. Erbaut wurde die Webervorstadt unter Herzog Friedrich I. von Württemberg im Jahre 1599.

Haus auf der Alb[Bearbeiten]

Am Albtrauf liegt das 1930 erbaute Haus auf der Alb, ein ehemaliges Erholungsheim, das heute vom Land Baden-Württemberg als Tagungsstätte der Landeszentrale für politische Bildung genutzt wird.

Parks[Bearbeiten]

  • Kurpark

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Uracher Wasserfall in der Hitzeperiode 2003
Wasserfall bei Bad Urach, April 2005

Touristische Anziehungspunkte sind die Falkensteiner Höhle und der Uracher Wasserfall, der aus einem kalkhaltigen Quellgebiet gespeist wird und im Laufe der Zeit eine Spitze an den Hang der Schwäbischen Alb gebildet hat. Weniger bekannt aber ebenso attraktiv ist der Gütersteiner Wasserfall, auf halber Höhe hinter dem malerischen Gestütshof Güterstein des Haupt- und Landgestüts Marbach gelegen.

Vereine[Bearbeiten]

  • KGC Bad Urach e.V. (Minigolf)
  • 1. Narrenzunft Bad Urach e. V.
  • DLRG Ortsgruppe Bad Urach e. V.
  • Bad Urach – aktiv e. V.
  • Fanfarenzug Bad Urach e. V. 1962
  • FV Bad Urach e. V.
  • Musikverein Bad Urach 1992 e. V.
  • TSV Urach 1847 e. V.
  • NaturFreunde Bad Urach e. V.
  • Gesangverein 1889 Hengen
  • Schützengilde Hengen e. V.
  • Sportfreunde Hengen e. V.
  • DRK Ortsverein Bad Urach
  • zahlreiche weitere Vereine der Ortsteile

Jugendarbeit[Bearbeiten]

  • Bauwagen Bad Urach 1997 e. V.
  • forum 22 – Kino, Café und Kultur, freies Jugendprojekt des Bad Uracher Stadtjugendrings
  • Pfadfinder Bad Urach
  • Das Jugendcafé Oase, früher als Teestube Oase bekannt, ist jeden Freitagabend (außer in den Ferien) ab 19.00 Uhr im Gemeinschaftshaus des Württembergischen Brüderbunds, Langestraße 25, geöffnet. Es werden geistliche Inputs, kleine Snacks, Tischbillard, Tischfußball und eine chillige Atmosphäre geboten. Ein paar mal im Jahr werden größere Events wie z. B. Konzerte oder Jugos veranstaltet.
  • Jugendclub Seeburg e. V.
  • Deutsches Jugendrotkreuz
  • Jugendorchester der Stadt Bad Urach

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Herbstliche Musiktage Bad Urach
  • Frühjahrs- und Herbstkonzert des Jugendblasorchesters und Musikvereins Bad Urach
  • Internationales Frauenhandballturnier des TSV Bad Urach
  • Uracher Schäferlauf, findet nur in ungeraden Jahren statt
  • Rock Days: Zweitägiges Festival mit 14 Bands, veranstaltet vom Verein Rock Days e.V. Die Bands kommen größtenteils aus der Region. Mit ca. 500 Besuchern pro Abend eine der größten Veranstaltungen dieser Art in der Umgebung.
  • Stadtfest im Wechsel zum Schäferlauf
  • KulturMomente: die städtische Veranstaltungsreihe des Amtes für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Einer Sage zufolge wurde die Brezel in Bad Urach erfunden:

Frieder, der Uracher Bäcker und Hofbäcker von Graf Eberhard im Barte, war beim Grafen in Ungnade gefallen, er hatte die Freundschaft und das Wohlwollen des Grafen durch üble Nachreden verloren. […]
Da er ein guter Herrscher war, ließ er den Frieder ins untere Schloss bringen und sprach: Nur weil ich deine Backkunst schätze, will ich dir noch eine Chance geben. Wenn du innerhalb von drei Tagen einen Kuchen oder ein Brot erfindest, durch welches dreimal die Sonne scheint und das mir besser schmeckt als alles was ich kenne, dann sollst du frei sein![9]

Dergleichen Sagen finden sich jedoch auch an mehreren anderen Orten, etwa im nahe gelegenen Altenriet, wo jedes Jahr ein Brezelmarkt gefeiert wird.

Premiumwanderwege Grafensteige[Bearbeiten]

Seit Januar 2014 gibt es in Bad Urach fünf sogenannte Premiumwanderwege, welche nach den Kriterien des Deutschen Wanderinstituts erfolgreich hinsichtlich ihrer Qualität geprüft worden sind. Der Wasserfallsteig, der Hohenurachsteig, der Hochbergsteig, der Hohenwittlingensteig und der Seeburgsteig bilden zusammen die Bad Uracher Grafensteige.

Mineral-Thermalbad AlbThermen[Bearbeiten]

Das Mineral- und Thermalbad AlbThermen liegt im Kurzentrum. Das aus zwei Heilquellen in 770 Meter Tiefe entnommene Mineral-Thermalwasser mit einer Quelltemperatur von 61 Grad speist sechs Innen- und Außenbecken mit Badetemperaturen zwischen 32 und 38 Grad. Zusätzlich zum Textilbadebereich gibt es noch eine 3000 m² große Saunalandschaft mit klassischer finnischen Sauna, eine mit 55 Grad besonders milde Biosauna, eine Dampfkammer sowie Blockhaussaunen.

Heilanzeigen des Mineralwassers: • degenerative und chronisch entzündliche Gelenkleiden • Erkrankungen der Wirbelsäule und Rückenmuskulatur • Unfallbehandlungen sowie Rehabilitation nach gelenkchirurgischen Eingriffen • vegetative Dystonie und Prophylaxe vegetativnervöser Störungen • Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen • neurologische Leiden

Gegenanzeigen des Mineralwassers: • akuter Gelenkrheumatismus • frisch entzündliche Prozesse • nicht kompensierte Herz- und Kreislauferkrankungen und andere maligne Prozesse • kachektische Zustände • Herzinsuffizienz ab Stadium 3 NYHA • Herzrhythmusstörungen ab Lown 3b • Ateminsuffizienz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 28 führt durch die Stadt und verbindet sie im Westen mit Reutlingen und Tübingen und im Osten mit Ulm. Die B 465 führt von Bad Urach aus über die Schwäbische Alb nach Ehingen und Biberach.

Die Ermstalbahn verbindet Bad Urach über Metzingen, wo Anschluss an die Eisenbahnlinie Tübingen–Stuttgart besteht, direkt mit Reutlingen, Tübingen und Herrenberg.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Wabe 221. Für die Stadt selbst gilt der Stadttarif 21.

Gericht, Behörden und Einrichtungen[Bearbeiten]

Bad Urach verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Tübingen und Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört. Ferner besitzt Bad Urach ein Finanzamt und mit der Ermstalklinik ein Krankenhaus.

Die Stadt ist auch Sitz des Kirchenbezirks Bad Urach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Bildung[Bearbeiten]

In der Stadt befinden sich das Graf-Eberhard-Gymnasium, die Geschwister-Scholl-Realschule [10], seit 2012 die nach Barbara Gonzaga benannte Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule Bad Urach,[11] die Grundschule im Stadtteil Wittlingen,[12] zwei Förderschulen sowie eine kaufmännische Schule.

Tourismus[Bearbeiten]

Bad Urach hat eine weit ins 19. Jahrhundert hineinreichende Tradition als Urlaubsort und Ausflugsziel und führt die Prädikate Luftkurort und Heilbad. Die erfolgreiche Bohrung nach Mineralthermalwasser und dessen Erschließung führte 1983 zur Anerkennung als Heilbad, was einen Boom in der touristischen Erschließung auslöste. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg weist für Bad Urach im Jahr 2012 367.344 Übernachtungen aus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Heinrich von Württemberg (1448–1519), Dompropst in Eichstätt und Graf in Mömpelgard, von 1490 bis zu seinem Tod auf Hohenurach inhaftiert
  • Hans Ungnad, mit vollem Namen Hans Ungnad von Weissenwolf, Freiherr von Sonneck (1493–1564), österreichischer Staatsmann, der ab ca. 1557 in Urach eine Buchdruckerei unterhielt und zur Verschriftlichung südslawischer Sprachen entscheidend beitrug.
  • Nicodemus Frischlin (1547–1590), Dichterhumanist, war auf der Festung Hohenurach eingekerkert und stürzte bei einem Fluchtversuch am 29. November 1590 zu Tode
  • Matthäus Enzlin (1556–1613), Jurist und Geheimer Rat des Herzogs, auf Hohenurach inhaftiert und auf dem Marktplatz in Urach hingerichtet
  • Eduard Mörike (1804–1875), Lyriker, besuchte ab 1818 in Urach das evangelische Seminar
  • Carl Heinrich Rösch (1807–1866), Arzt und Sozialreformer, war in den 1840er Jahren Oberamtsarzt in Urach, als solcher Gründer der Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg (heute Mariaberg e.V.)
  • Georg Stahl (1880–1974), Architekt der “Villa Irene”, Hirschseeweg (mit Arthur Bossert)
  • Hans Eißler (1931–2005), Jurist (Direktor des Amtsgerichts Bad Urach) und Präsident der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
  • Helmut Haussmann (* 1943), Politiker der FDP (1988–1991 Bundesminister für Wirtschaft) und Unternehmer
  • Ekke Hoffmann (* 1943), ehemaliger Bundestrainer der Deutschen Handball-Nationalmannschaft der Frauen; ehemals Lehrer an der Grund- und Hauptschule Bad Urach
  • Willi Baumeister, lebte seit 1943 in Urach

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Stadt Bad Urach – Zahlen und Fakten
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 27–99
  4. Internetauftritt der Stadt Bad Urach, abgerufen am 6. September 2011
  5. Geschichte der innerhalb der gegenwärtigen Gränzen des Königreichs … von Carl von Martens, Stuttgart 1847
  6. Geschichte der Achalm und der Stadt Reutlingen: in ihrer …, Bände 1–2 von Carl Christian Gratianus, Tübingen 1831
  7. Beschreibung des Oberamts Urach von 1831 und 1909
  8. Internetseite des Schlosses, abgerufen am 17. August 2013
  9. Der Brezelbäcker: Brezelgeschichte
  10. Geschwister-Scholl-Realschule, abgerufen am 19. Oktober 2012
  11. Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule Bad Urach, abgerufen am 19. Oktober 2012
  12. Grundschule Wittlingen, abgerufen am 19. Oktober 2012

Literatur[Bearbeiten]

  • Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Klaus Gereon Beuckers (Hrsg.): Neue Forschungen. Stadt, Schloss und Residenz Urach. Schnell und Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2825-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Urach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Urach – Reiseführer