Bad Zwesten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bad Zwesten
Bad Zwesten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bad Zwesten hervorgehoben
51.0539.175210Koordinaten: 51° 3′ N, 9° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Höhe: 210 m ü. NHN
Fläche: 39,45 km²
Einwohner: 3856 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34596
Vorwahlen: 05626
05621 (Wenzigerode)
06693 (Niederurff)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HR
Gemeindeschlüssel: 06 6 34 027
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ringstraße 1
34596 Bad Zwesten
Webpräsenz: www.badzwesten.de
Bürgermeister: Michael Köhler (FDP)
Lage der Gemeinde Bad Zwesten im Schwalm-Eder-Kreis
Kassel Landkreis Fulda Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Kassel Landkreis Marburg-Biedenkopf Landkreis Waldeck-Frankenberg Vogelsbergkreis Vogelsbergkreis Werra-Meißner-Kreis Knüllwald Homberg (Efze) Frielendorf Schwarzenborn (Knüll) Neukirchen (Knüll) Oberaula Ottrau Schrecksbach Willingshausen Schwalmstadt Gilserberg Jesberg Neuental Bad Zwesten Borken (Hessen) Morschen Malsfeld Wabern (Hessen) Felsberg (Hessen) Spangenberg Melsungen Körle Guxhagen Edermünde Gudensberg Niedenstein FritzlarKarte
Über dieses Bild

Bad Zwesten ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen (Deutschland). Sie verfügt über eine Mineralquelle, bekannt unter dem Namen Bad Zwestener Löwensprudel. Der Ort ist ein Kurort mit zwei Kliniken, der als Heilquellenkurbetrieb und Luftkurort[2] seit 1992 den Namenszusatz Bad führt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bad Zwesten vom Berg Altenburg gesehen, links Altstadt mit Kirche, rechts Neubaugebiet und Hardwaldtkliniken

Bad Zwesten liegt in den östlichen Ausläufern des Kellerwalds etwa 8 km (Luftlinie) südöstlich von Bad Wildungen. Der Ort mit seinen Ortsteilen befindet sich in den Tälern von Wälzebach, Urff und Schwalm, einem südlichen Zufluss der Eder. Außerdem liegt er an der Ostgrenze des Naturparks Kellerwald-Edersee. Die südlichen Ortsteile Oberurff-Schiffelborn und Niederurff befinden sich an der Urff, die unterhalb von Niederurff in die Schwalm mündet. Die höchste Erhebung ist der 636 Meter hohe Hunsrück im Kellerwald, nicht zu verwechseln mit dem westlich des Rheins gelegenen Mittelgebirge Hunsrück.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Bad Zwesten grenzt im Norden an die Stadt Fritzlar, im Osten an die Stadt Borken, im Süden an die Gemeinden Neuental und Jesberg (alle im Schwalm-Eder-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Haina und die Stadt Bad Wildungen (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Stolpersteine vor den früheren Wohnhäusern jüdischer Familien in Bad Zwesten

Zwesten wurde 817 erstmals im Codex Eberhardi als „Tuwesten“ urkundlich erwähnt. 1538 kam es zur Zwestener Bluthochzeit, bei der es sich um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Adligen und Bauern des Dorfes handelte.

Der seit Jahrhunderten bekannte Sauerbrunnen südlich des Ortes wurde 1914 mit einer Brunneneinfassung versehen. Ab 1922 wurde die Quelle durch einen Abfüllbetrieb als Zwestener Löwensprudel wirtschaftlich genutzt. Bereits 1932 wurde die Quelle als „gemeinnützig“ anerkannt und 1960 zur staatlich anerkannten Heilquelle erklärt. Sie bildete die Grundlage für den Fremdenverkehr.

1992 wurde die Gemeinde Kurort. Dabei wurde ihr das Prädikat Heilbad verliehen und der Name in „Bad Zwesten“ geändert. Das Prädikat wurde 2012 in „Heilquellenkurbetrieb und Luftkurort“ geändert[2].

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der hessischen Gebietsreform schlossen sich am 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Betzigerode, Niederurff, Oberurff-Schiffelborn, Wenzigerode und Zwesten zur neuen Gesamtgemeinde Zwesten zusammen.[3]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurden jüdische Mitbürger in Zwesten 1646 als Schutzjuden. Mitte des 18. Jahrhunderts lebten 15 jüdische Familien mit 61 Personen im Ort. In den Nachbardörfern Oberurff und Niederurff lebten zu dieser Zeit 21 sowie 43 jüdische Personen. Wahrscheinlich wurde in Zwesten um 1741 eine Synagoge gebaut, die 1769 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die jüdischen Mitbürger in Vereinen und Verbänden sowie aufgrund ihrer Teilnahme am Ersten Weltkrieg aktiv in das Gemeindeleben eingebunden. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge geschändet, danach als Scheune benutzt und 1969 abgerissen. 1938 lebten 84 jüdische Mitbürger in Bad Zwesten, von denen viele den Ort verließen. Die letzte Familie wurde 1941 von der Gendarmerie in Jesberg deportiert, so dass der Ort im nationalsozialistischen Sinne als judenfrei galt.

Wappen[Bearbeiten]

Am 15. September 1967 wurde der Gemeinde Zwesten im damaligen Landkreis Fritzlar-Homberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: „In einem von Silber und Blau schräg-links geteilten Schild oben ein wachsender gold-gekrönter roter Löwe, unten ein silberner Becher mit aufsteigenden Sprudelperlen.“[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Gemeindevertreterwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
34,7 %
31,9 %
16,1 %
11,4 %
5,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,7 %p
+3,7 %p
+4,5 %p
+2,9 %p
-3,5 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,7 8 42,4 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,9 7 28,2 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,1 4 11,6 3
FWG Freie Wählergemeinschaft 11,4 3 8,5 2
Bürgerliste Bürgerliste für Bad Zwesten 5,8 1 9,3 2
Gesamt 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 69,7 58,1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 1999 ist Michael Köhler (FDP) Bürgermeister von Bad Zwesten. Bei der Direktwahl am 27. März 2011 wurde er für eine dritte Amtszeit bis 2017 gewählt. Davor waren von 1960 bis 1976 Heinrich Schmidt (SPD) und von 1976 bis 1999 Heinrich Haupt (SPD) hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bad Zwesten unterhält offizielle Partnerschaften mit Chaumont-en-Vexin (Frankreich, seit 1986) und Finsterbergen (Thüringen, seit 1991).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Acker- und Waldlandschaft des Kellerwaldes in Ortsnähe

Die evangelische Kirche in Bad Zwesten wurde im Mittelalter als Wehrkirche erbaut. Sie weist im Turm Schießscharten auf und verfügt in Teilen noch über eine zwei bis drei Meter hohe Wehrmauer, ebenfalls mit Schießscharten.

Das Schloss Zwesten besteht aus einem Herrenhaus und einem so genannten Kavaliershaus, dem ehemaligen Gesindehaus. Der Gebäudekomplex am südlichen Ortsrand entstand im 18. Jahrhundert als landwirtschaftlicher Gutsbetrieb. Das Herrenhaus ließ Wilhelm Treusch von Buttlar 1782 errichten. Der klassizistische Bau wird seit dem Bau eines Portikus um 1915 Schloss genannt. Heute wird die Anlage als Arztpraxis, Wohnhaus und Wellness-Hotel genutzt.

Etwa einen Kilometer nordwestlich des Ortes am Kellerwaldsteig befindet sich auf dem Weg zum 368 m ü. NN hohen Lecktopf der „Sorgenstuhl“, ein Stein mit einer stuhlförmigen Sitzfläche. An ihm können symbolisch Sorgen abgeladen werden, was durch altarmäßig hinterlassene Gegenstände der Besucher deutlich wird.

Seit 1995 besteht ein Heimatmuseum in einem historischen Wohnhaus im Ortskern. Es stellte die Ortsgeschichte dar und präsentiert historische Einrichtungsgegenstände der Region.

2000 wurden in Bad Zwesten die privat initiierten Bad Zwestener Meisterkonzerte ins Leben gerufen. Die Veranstaltungen der Konzertreihe mit hauptsächlich klassischer sowie zeitgenössischer Musik finden zumeist im Kurhaus oder in der Hardtwaldklinik II statt.

Beim Bad Zwestener Ortsteil Oberurff-Schiffelborn befindet sich die Burgruine Löwenstein auf einer 341 m ü. NN hohen Erhebung. Von der Burg sind Mauerreste, der Burgbrunnen und ein Gewölbekeller erhalten. Die Gebäudereste wurden 2002 aufwendig gesichert. Der Bergfried wurde begehbar gemacht und ist als Aussichtsturm zugänglich. Er bietet weiten Ausblick auf die Schwalmpforte, das Tal der Urff und die Nationalpark-Region Kellerwald-Edersee.

Im Ortsteil Niederurff gibt es eine Wehrkirche, die mit der Burg Niederurff eine Einheit bildete. Davon sind die Wehrmauern mit Schießscharten sowie der Burggraben erhalten. Die Burg war Sitz der Herren von Urff.

Das Schloss Oberurff liegt im Ortsteil Oberurff-Schiffelborn. Es ist ein neubarocker Bau, der 1877 von Prinz Philipp von Hanau-Hořovice, dem jüngsten Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel aus dessen morganatischer Ehe mit Gertrude Lehmann, erbaut wurde. Seit 1952 wird es als Internat genutzt.

Durch Bad Zwesten führt der Kellerwaldsteig, ein Rundwanderweg im Naturpark Kellerwald-Edersee. Der mit Kunstwerken ausgestattete Barbarossaweg X8 führt im Norden der Gemeinde am Ortsteil Wenzigerode vorbei. Die Künstlerinitiative Ars Natura hat darüber hinaus einen Rundweg (Markierung X8a) zwischen Wenzigerode und dem Kernort Bad Zwesten als Kunstwanderweg eingerichtet.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist der an der östlichen Gemeindegrenze zu Neuental und Borken gelegene Berg Altenburg (433 m ü. NN) mit Resten der gleichnamigen Ringwallanlage Altenburg. Er bietet mit einem Aussichtsturm den Blick auf Bad Zwesten, den Habichtswald, das Osthessische Bergland und die Nationalpark-Region Kellerwald-Edersee.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Löwensprudel Brunnentempel

Der Ort Bad Zwesten verfügt über eine angemessene Infrastruktur und bietet ausreichende Einkaufsmöglichkeiten.

Kurbetrieb[Bearbeiten]

Der Aufschwung von Bad Zwesten als Heilbad und Luftkurort beruht auf einem Quellgebiet mit mehreren Mineralquellen in südlicher Ortsnähe. Wirtschaftlich wird eine Quelle zur Herstellung des Bad Zwestener Löwensprudels genutzt, eine andere dient für Trinkkuren im Kurbetrieb. Die Quellen liegen an der Straße nach Niederurff in einem parkähnlich gestalteten Gelände, dem Kurpark am Löwensprudel. Eine weitere Kurparkanlage ist der Kurpark am Kurhaus nördlich vom Ortskern.

Kliniken[Bearbeiten]

Oberhalb des Kurortes befinden sich auf einer Anhöhe die Hardtwaldklinik I (Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik) und die Hardtwaldklinik II (analytische Psychotherapie, Psychosomatik, Verhaltenstherapie und Psychodrama). Beide Fachkliniken verfügen über etwa 650 Betten. Weiterhin ist an die Hardtwaldklinik I das Neurologische Zentrum Bad Zwesten, bei dem es sich um eine Neurologische Akutklinik handelt, angeschlossen.

Freizeit[Bearbeiten]

Nahe dem Ort am Fuße des Berges Altenburg gibt es einen Campingplatz an der Schwalm, den seit 1961 der Camping-Club-Kassel e. V. betreibt. Dort führt ein Radfernweg vorbei. Für Kanuten, Motorrad-, Radfahrer und Wanderer bietet der Campingplatz Übernachtungsmöglichkeiten in Trekkinghütten.

Fußball[Bearbeiten]

Die Spielgemeinschaft Bad Zwesten/Urfftal ging 1987 aus dem FC Rot-Weiß Bad Zwesten e. V. und dem TSV Urfftal 08 e. V. hervor. Die Spielgemeinschaft unterhält mehrere Jugend-, Herren-, Damen- und Senioren-Fußballmannschaften. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Kreisliga A Schwalm-Eder, die Reservemannschaft in der Kreisliga B. Seit 2013 gibt es eine Damenmannschaft, sie spielt in der Kreisliga A Nordhessen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bad Zwesten liegt am Schnittpunkt der Bundesstraßen 3 und 485. Zur Bundesautobahn 49 (KasselFritzlar - Marburg) Anschlussstelle Borken/Bad Zwesten sind es ca. fünf Kilometer. Die Gemeinde gehört dem Nordhessischen Verkehrsverbund an, der u. a. ein Anrufsammeltaxi zum Bahnhof Borken an der Main-Weser-Bahn anbietet. Bad Zwesten ist seit Juli 2014 an das nationale Fernbusliniennetz durch MeinFernbus angebunden.

Bildung[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

In Bad Zwesten gibt es zwei Schulen:

  • Altenburgschule, Bad Zwesten (Grundschule)
  • CJD Jugenddorf-Christophorusschule, Oberurff (Realschule und Gymnasium mit Internat)

Kindergärten[Bearbeiten]

  • Kindergarten Kasseler Straße, Bad Zwesten
  • Kindergarten Betzigeröder Weg, Bad Zwesten

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Opfer: Zwesten : Betzigerode, Niederurff, Oberurff, Schiffelborn und Wenzigerode; Bilder und Texte erzählen, wie es damals war. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1989, ISBN 3-925277-31-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Zwesten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Zwesten – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b  78. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 15. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2013, ISSN 0724-7885, S. 309.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 392.
  4. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 15. September 1967 (StAnz. S. 1233) Seite 1 der tif-Datei 1,93 MB