Badische Revolution

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Unter der Badischen Revolution von 1848/1849 versteht man den regionalen Ablauf der fast ganz Mitteleuropa erfassenden revolutionären Unruhen dieser Jahre im Großherzogtum Baden.

Als Teil der bürgerlich-liberalen „Märzrevolution“ in den Staaten des Deutschen Bundes war die Revolution im südwestdeutschen Baden wesentlich getragen von radikaldemokratischen Einflüssen: Sie erstrebte eine badische – im übergeordneten Kontext auch deutsche – Republik unter der Souveränität des Volkes, und richtete sich gegen die Fürstenherrschaft.

Ihre Höhepunkte waren der Heckeraufstand im April 1848, der Struve-Putsch im September 1848, und der auch als „Mai-Revolution“ bezeichnete, bürgerkriegsähnliche Ausmaße annehmende Aufstand im Rahmen der Reichsverfassungskampagne ab Mai 1849. Die Revolution endete am 23. Juli 1849 mit der militärischen Niederschlagung der letzten Erhebung und der Einnahme der Festung Rastatt durch Bundestruppen unter preußischer Führung.

Historischer Überblick[Bearbeiten]

Verklärendes Bild Friedrich Heckers (1811–1881), links stehend

Mit dem Hambacher Fest 1830 wurden die Tendenzen des Vormärz ersichtlich. Teilnehmer am Hambacher Fest war unter anderen Johann Philipp Becker. Nach Ausbruch der Februarrevolution 1848 in Paris und der Ausrufung der Zweiten Republik in Frankreich sprang der revolutionäre Funke zunächst auf Baden über, bevor es in weiteren Staaten des Deutschen Bundes zu revolutionären Unruhen und Aufständen kam.

Gustav Struve

Die deutsche Märzrevolution begann nicht nur in Baden, sondern endete auch hier, als am 23. Juli 1849 die Festung Rastatt als letzte Bastion der Revolutionäre durch preußische Truppen eingenommen wurde.

Die Badische Revolution lief in zwei Phasen ab: Zwischen Anfang März 1848 und September 1848 gab es mit dem Heckerzug und der Erhebung Gustav Struves in Lörrach zwei Versuche, von Südwestdeutschland aus eine Republik durchzusetzen. Mit der Niederlage Friedrich Heckers und seiner Anhänger bei Kandern und dessen Flucht ins Exil sowie der Verhaftung Gustav Struves im September war diese erste Phase beendet.

Die zweite Phase begann – nach der Ablehnung der Paulskirchenverfassung durch die meisten Fürstenhäuser des Deutschen Bundes – mit den Maiaufständen von 1849, die nicht nur in Baden, sondern auch in anderen deutsche Staaten (insbesondere auch in der bayrischen Rheinpfalz) einen Versuch darstellten, eine Durchsetzung der Verfassung doch noch zu erzwingen (Reichsverfassungskampagne). Diese zweite Phase endete in Baden mit der Niederschlagung der Revolution nach letzten Kämpfen im Juli 1849 in Rastatt.

Kennzeichnend für die Badische Revolution im Unterschied zu den anderen Erhebungen im Deutschen Bund war, dass in ihr die Forderung nach einer demokratischen Republik am konsequentesten vertreten wurde. Demgegenüber favorisierten die Gremien und Revolutionsparlamente der anderen Fürstentümer des Deutschen Bundes mehrheitlich eine konstitutionelle Monarchie mit einem Erbkaisertum.

Radikaldemokratische und frühsozialistische Revolutionäre waren in Baden stark vertreten. Einige der profiliertesten Köpfe waren Friedrich Hecker, Gustav Struve und seine Frau Amalie, Gottfried Kinkel und Georg Herwegh und seine Frau Emma. Des Weiteren war Wilhelm Liebknecht, der zu dieser Zeit noch relativ unbekannte spätere Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), der Vorläuferpartei der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), im September 1848 am Aufstand in Lörrach beteiligt und im Mai 1849 als Adjutant Struves Teilnehmer der Badischen Revolution. Auch der Sozialist Friedrich Engels, der während der Märzrevolution für die von Karl Marx in Köln herausgegebene „Neue Rheinische Zeitung“ schrieb, nahm 1849 in der Endphase der Badischen Revolution aktiv an den Kämpfen gegen konterrevolutionäre preußische Truppen teil. Schließlich stießen aus Köln auch die Eheleute Fritz und Mathilde Franziska Anneke zu den badischen Freischärlern.

Die Basis der Revolution in Baden bildeten die vielerorts gegründeten Volksvereine.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Zusammenhänge zwischen der Revolution in Baden, den Vorgängen im Deutschen Bund und in Europa auf, soweit diese in der Wikipedia beschrieben sind.

Periode Großherzogtum Baden Deutscher Bund Europa
1847
September Offenburger Versammlung 1847
November Schweiz: Sonderbundskrieg
1848 Badische Revolution Deutsche Revolution 1848/49 Italien: Erster Unabhängigkeitskrieg (1848–1849); März 1848 bis Juli 1849

Ungarn: Ungarische Revolution 1848/1849; März 1848 bis August 1849

Februar Mannheimer Volksversammlung Frankreich: Februarrevolution 1848
März Heidelberger Versammlung Märzrevolution

Berlin: Barrikadenaufstand; Märzgefallene; Wien: Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich; Revolution in Sigmaringen

April Heckerzug

Gefecht auf der Scheideck; Gefecht bei Günterstal; Sturm auf Freiburg; Gefecht bei Dossenbach

Juni Prager Pfingstaufstand Frankreich: Juniaufstand und Konterrevolution
September Struve-Putsch

Gefecht um Staufen

Volksaufstand in Frankfurt Slowakei: Slowakischer Aufstand bis November 1849
Oktober Wiener Oktoberaufstand 1848
1849
April Prümer Zeughaussturm
Mai Badische Revolution (Militäraufstand); bis Juli 1849,

Badische Revolutionsregierung (1849); Badische verfassunggebende Versammlung von 1849; Gefecht bei Waghäusel; Festung Rastatt;

Reichsverfassungskampagne; Kaiserdeputation

Dresdner Maiaufstand; Pfälzischer Aufstand; Iserlohner Aufstand von 1849; Elberfelder Aufstand

Zeittafel der Badischen Revolution[Bearbeiten]

Flugblatt vom September 1847 mit den „Forderungen des Volkes“, den bei der Offenburger Versammlung formulierten Zielen der Radikaldemokraten
Karte des vom Aprilaufstand 1848 betroffenen Gebietes
zeitgenössische Lithographie des Gefechts bei Kandern aus der Perspektive der Revolutionäre am 20. April 1848, bei der der Heckeraufstand niedergeschlagen wurde
Gedenkstein auf der Kanderner Scheideck für General Friedrich von Gagern und die gefallenen Soldaten und Revolutionäre
  • 12. September 1847: In der Offenburger Versammlung der entschiedenen Verfassungsfreunde trägt Friedrich Hecker die 13 „Forderungen des Volkes in Baden“ nach Bürgerrechten, sozialer Sicherheit und Gleichheit vor, die Gustav Struve auf vier „dringliche Forderungen an die Deputierten in Carlsruhe“ zusammenzieht: 1. Volksbewaffnung mit freien Wahlen der Offiziere. 2. Unbedingte Preßfreiheit. 3. Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands. 4. Sofortige Herstellung eines teutschen Parlaments.
  • 27. Februar 1848: Die Mannheimer Volksversammlung nimmt die 13 Forderungen des Volkes wieder auf und richtet sie als Petition an die Zweite Kammer der Badischen Landstände.
  • 28. Februar 1848: In Freiburg im Haus „Zur Tannen“ wählt die Versammlung einen Volksausschuss, stellt einen Katalog revolutionärer Forderungen zusammen und sendet damit eine Delegation nach Karlsruhe. Die Abordnung trifft am 1. März in der Landeshauptstadt ein.
  • 1. März 1848: 20000 Menschen demonstrieren vor dem Ständehaus des Landtags. Einige Demonstranten dringen in das Gebäude ein. Hecker verlangt die Beseitigung der Adelsprivilegien und die Befreiung der Bauern, somit die Aufhebung der Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems.
  • 2. März 1848: Die Erste Kammer (Ständekammer) verabschiedet eine Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Reste des Feudalwesens, zur Vereidigung des Heeres auf die badische Verfassung und zur religiösen Gleichstellung von Angehörigen nichtchristlicher Bekenntnisse.
  • 4. März 1848: Bauernerhebung in Nordbaden. Die Revolution greift auf andere Staaten des deutschen Bundes über.
  • 19. März 1848: Große Volksversammlung in Offenburg mit 20.000 Teilnehmern. Hecker und Struve sprechen zur Menge. Sie werfen der badischen Regierung vor, den 13 Forderungen des Volkes vom September des vergangenen Jahres unter dem Eindruck der Volksbewegung Anfang März zwar zugestimmt zu haben, aber mit deren verzögerter Umsetzung nur Zeit für die Rücknahme der Zugeständnisse bei nächster Gelegenheit gewinnen zu wollen.
  • 26. März 1848: Karl von Rotteck junior eröffnet in Anwesenheit Struves eine Volksversammlung in Freiburg, an der die Veranstalter die Sicherstellung der persönlichen Freiheit durch ein besonderes Gesetz („habeas-corpus-Akte“) und die vollständige Trennung von Kirche und Staat fordern. Im Rausche der Begeisterung genehmigt die Versammlung auf dem Münsterplatz einen Brief an den preußischen König, worin Struve Friedrich Wilhelms Verhalten in den Märztagen als „königlicher Schauspieler und Bürgertöder“ brandmarkt.
  • 12. April 1848: In Konstanz rufen Hecker und Struve die Republik aus und das Volk im Namen einer provisorischen Regierung zu einer bewaffneten Erhebung auf. Der „Heckerzug“ macht sich auf den Weg Richtung Rheinebene, wo er sich mit einem Zug Georg Herweghs, der „Deutschen Demokratischen Legion“ aus Frankreich vereinigen will, um auf die Landeshauptstadt Karlsruhe zu marschieren.
  • 20. April 1848: Gefecht auf der Scheideck. Bei Kandern im Schwarzwald werden die Aufständischen des Heckerzuges von hessischen Truppen besiegt und zerrieben. Friedrich Hecker flieht ins Exil, das ihn zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA führt.
  • 24. April 1848: Freischaren unter Franz Sigel marschieren auf das von Aufständischen besetzte Freiburg zu, um den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Der Entsatzangriff misslingt. Stattdessen stürmen die Regierungstruppen die letzte Barrikade am Schwabentor und richten anschließend unter den Freischärlern ein Blutbad an.
  • 27. April 1848: Herweghs 900 Mann starke „Deutsche Legion“ wird im Gefecht bei Dossenbach von württembergischem Militär besiegt.
  • 21. September 1848: Bei einem Aufstand in Lörrach ruft Struve unter der Devise „Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle!“ erneut eine Republik aus, doch kommt er auf seinem anschließenden Zug gegen Norden lediglich bis Staufen. Im Gefecht um Staufen schlagen badische Truppen die Aufständischen. Struve wird wenige Tage später inhaftiert (vgl. Struve-Putsch).
  • 29. Januar 1849: In Freiburg gründet Karl von Rotteck junior den Republikanischen Volksverein. Als Gegenbewegung ruft sein Cousin Bürgermeister Joseph von Rotteck mit anderen konstitutionellen Liberalen am 18. Februar zur Gründungsversammlung eines fürstentreuen Vaterländischen Vereins auf. Beide Vereine bekämpfen sich in einem verbissenen Propagandakrieg.
  • 20. März 1849: In Freiburg Prozess gegen Gustav Struve und Karl Blind im Basler Hof vor einem Schwurgericht. Zur Haftverbüßung der verhängten acht Jahre Zuchthaus bringt man die Verurteilten in die Festung Rastatt.
  • 9. Mai 1849: Im Zuge der Maiaufstände 1849, mit denen das Volk die Anerkennung der revolutionären Errungenschaften der Reichsverfassung in einzelnen Staaten des deutschen Bundes erzwingen will, meutern in der Bundesfestung Rastatt Soldaten der badischen Garnison und verbrüdern sich mit Teilen der revolutionären Bürgerwehr feierlich unter „Beschwörung der Treue und Liebe zum Volk“.
  • 11. Mai 1849: Verbrüderung der Republikaner mit dem 2. Badischen Infanterieregiment in Freiburg
  • 12./13. Mai 1849: Auf der Delegiertenkonferenz der badischen Volksvereine in Freiburg stellt Amand Goegg „die Frage über die Proklamation der Republik“, findet aber keine Zustimmung.
Karikatur zur Flucht Großherzog Leopolds aus Karlsruhe in der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1849
  • 13. Mai 1849: Eine Volksversammlung in Offenburg beschließt ein 16-Punkte-Programm, das u.a. die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen – allerdings noch immer großherzoglichen – Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano fordert. Die amtierende großherzogliche Regierung lehnt die Forderungen der Offenburger Versammlung ab. Am Abend des 13. Mai fährt der revolutionäre Landesausschuss der Volksvereine nach Rastatt, wo Amand Goegg vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse verkündet und Brentano Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung vereidigt. Noch in der gleichen Nacht vom 13. zum 14. Mai flieht Großherzog Leopold aus seiner Residenz in Karlsruhe ins Exil nach Koblenz.
  • 14. Mai 1849: Das Ministerium Hoffmann / Bekk wird für abgesetzt erklärt und eine Exekutivkommission des Landesausschusses, der zunächst anstelle der geflüchteten großherzoglichen Regierung die Regierungsgeschäfte übernimmt, etabliert sich mit Amand Goegg, Joseph Ignatz Peter und Carl Joseph Eichfeldt unter ihrem Präsidenten Lorenz Brentano.
  • Mai 1849: Johann Philipp Becker wird mit der Schaffung und Organisation der Volkswehr beauftragt. Sein erster Tagesbefehl datiert vom 21. Mai.
  • 30. Mai 1849: Gefecht der Volkswehr gegen hessische Truppen bei Heppenheim.
  • 1. Juni 1849: Unter Lorenz Brentano wird eine provisorische demokratische Regierung gebildet, in der die konservativ-liberalen Kräfte dominieren; der Landesausschuss löst sich auf.
  • 3. Juni 1849: Die wahlberechtigten Männer Badens stimmen nach der Wahlordnung der deutschen Nationalversammlung über die Zusammensetzung einer konstituierenden Landesversammlung ab. Die Tätigkeit der Badischen verfassunggebende Versammlung von 1849 beschränkte sich jedoch auf die kurze Zeit vom 10. Juni bis 30. Juni 1849.
  • 5. Juni 1849: In Karlsruhe bildet sich unter der Führung des aus seiner Haft befreiten Struve und Becker ein „Klub des entschiedenen Fortschritts“ und fordert von der Regierung entschiedene revolutionäre Maßnahmen. Diese lässt die Delegation festnehmen, muss sie jedoch unter dem Druck der in der Stadt stationierten Freischaren wieder frei lassen.
  • Juni 1849: Der polnische Revolutionär Ludwik Mierosławski wird zum General der Revolutionsarmee ernannt. Bundestruppen unter dem Kommando des Generalleutnant Eduard von Peucker und zwei improvisierte preußische Armeekorps unter dem Prinzen von Preußen sowie ein hessisches Truppenkontingent unter Friedrich Ferdinand Wilhelm von Schäffer-Bernstein dringen in Baden ein, um die Revolution niederzuschlagen.
  • 15./16. Juni 1849: Siegreiche Gefechte der badischen Truppen an der Neckarlinie bei Mannheim, Käferthal, Ladenburg und Hirschhorn
  • 20. Juni 1849: Das Erste preußische Korps unter Moritz von Hirschfeld geht nach Herausdrängung der Revolutionstruppen aus der Pfalz bei Germersheim über den Rhein
  • 21./22. Juni 1849: Hirschfelds Sieg im Gefecht bei Waghäusel zwingt die badischen Truppen zum Rückzug, um einer drohenden Umklammerung zu entgehen.
  • 25. Juni 1849: Gefecht bei Durlach, bei dem Beckers Volkswehr den Rückzug der Armee auf die Murglinie deckt. Die Revolutionsregierung flieht nach Freiburg im Breisgau und mit ihr Einheiten der Revolutionstruppen.
  • 28. Juni 1849: Die verfassunggebende Versammlung tagt im Basler Hof zu Freiburg. Auf Antrag Struves beschließt das Gremium, den Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen. Darauf tritt Brentano als Regierungschef zurück, Amand Goegg bildet gemeinsam mit Kriegsminister Werner die „provisorische Regierung von Baden mit diktatorischer Gewalt“.
Franz Seraph Stirnbrand (1788–1882): Gefecht in Gernsbach am 29. Juni 1849
  • 29./30. Juni 1849: Verlustreiche Gefechte an der Murg mit dem Gefecht in Gernsbach am 29. Juni.[1] Ludwik Mierosławski ernennt Major Gustav Tiedemann aus dem Kreis um Struve zum Gouverneur der Festung Rastatt. Die revolutionären Einheiten ziehen sich nach Südbaden zurück. Das Zweite preußische Korps unter Karl von der Groeben zerniert Rastatt.
  • 1. Juli 1849: Ein letztes Aufgebot von etwa 4000 Mann marschiert in Freiburg an den Repräsentanten der Revolutionsregierung und ihrem Oberkommandierenden Franz Sigel vorbei.
  • 7. Juli 1849: Die Preußen rücken kampflos in Freiburg ein.
  • 9. Juli 1849 Die Bürgerwehr Sipplingen nimmt in Bodman Aufständische fest und überführt sie nach Pfullendorf.[2]
  • 12. Juli 1849 Die revolutionären Truppen überqueren bei Baltersweil und Konstanz die Grenze zur Schweiz und bitten um Asyl.[3]
  • 23. Juli 1849: Nach dreiwöchiger Einschließung kapituliert Rastatt vor Groeben. Gouverneur von Rastatt wird der preußische General Heinrich von Holleben.

Die Revolution war gescheitert. Die badische Armee wurde aufgelöst und später unter preußischer Führung neu aufgebaut. Vielen Revolutionären gelang die Flucht ins Exil, darunter Struve, Brentano, Carl Schurz, Friedrich Engels, Friedrich Beust, andere wurden verhaftet und vor Standgerichte mit preußisch-badischer Besetzung gestellt. Nach dem Fall Rastatts hatte das preußische Kommando Karl Alois Fickler den Bruder des badischen Agitators Joseph Fickler mit der Verteidigung der Angeklagten beauftragt.[4] Die Standgerichte verurteilten 27 Revolutionäre zum Tode durch Erschießen (darunter den letzten Festungskommandanten von Rastatt, Gustav Tiedemann) und verhängten gegen andere lange Haftstrafen in preußischen Gefängnissen. In den Kasematten von Rastatt, wo viele Revolutionäre gefangen gehalten wurden, brach Typhus aus und forderte viele Opfer.

Standrechtlich erschossene Revolutionäre[5][Bearbeiten]

Vom 27. Juli bis 27. Oktober 1849 waren in Mannheim, Rastatt und Freiburg Standgerichte tätig. Insgesamt wurden 27[6] Todesurteile verhängt und vollzogen – vier weitere Todesurteile wurden nicht vollzogen.[7]

In Rastatt[Bearbeiten]

Kapitulation der revolutionären Besatzung von Rastatt gegenüber den Truppen des Deutschen Bundes am 23. Juli 1849

In Rastatt wurden 19 Todesurteile vollstreckt. Der ebenfalls zum Tode verurteilte Otto von Corvin wurde begnadigt und seine Strafe in eine Zuchthausstrafe umgewandelt.

  • Gottfried Bauer († 4. Oktober 1849) – Soldat, Gissigheim
  • Karl Bernigau († 20. Oktober 1849) – Major, Mühlhausen
  • Ernst Gustav von Biedenfeld († 9. August 1849) – Bataillonskommandeur, Bühl
  • Georg Böhning († 17. August 1849) – Uhrmacher, Chef der Flüchtlingslegion, zuletzt Oberst, Wiesbaden
  • Andreas Counis († 15. September 1849) – Soldat, Pforzheim
  • Ernst Elsenhans († 7. August 1849) – Publizist, Feuerbach
  • Josef Günthard († 22. September 1849) – Soldat, Konstanz
  • Konrad Heilig († 11. August 1849) – ehem. badischer Unteroffizier, zuletzt Major und Kommandant der Festungsartillerie Rastatt, Pfullendorf
  • Karl Jakobi († 3. September 1849) – Major des Arbeiter-Bataillons, Mannheim
  • Peter Jäger († 22. September 1849) – Soldat, Assamstadt
  • Jean Josef Jansen († 20. Oktober 1849) – Geometer, Köln
  • Josef Kilmarx († 8. Oktober 1849) – Feldwebel, Rastatt
  • Ludwig Kohlenbecker († 8. Oktober 1849) – Soldat, Karlsruhe
  • Konrad Lenzinger († 25. August 1849) – Korporal, Durlach
  • Theophil Mniewski († 25. August 1849) – polnischer Offizier, Wodzierady (Russ.-Polen)
  • Ludwig Peter Wilhelm Schade († 12. September 1849) – Leutnant, Karlsruhe
  • Friedrich Wilhelm Schrader († 20. Oktober 1849) – Deserteur der 8. preußischen Artillerie-Brigade, Mansfeld
  • Gustav Nikolaus Tiedemann († 11. August 1849) – ehem. badischer Dragonerleutnant, zuletzt Oberst und Kommandant der Festung Rastatt, Landshut,
  • Philipp Zenthöfer († 25. August 1849) – Büchsenmacher und Soldat, Mannheim

In Freiburg[Bearbeiten]

Nach kriegsgerichtlicher Verhandlung zum Tode verurteilt wurden 1849 in Freiburg drei Revolutionäre:

  • Johann Maximilian Dortu – Preußischer Unteroffizier, während der Revolution Major der Badischen Volkswehr – am 11. Juli vom Kriegsgericht verurteilt – am 31. Juli,
  • Friedrich Neff – Student der Philosophie, Teilnehmer an den Freischarzügen von Hecker und Struve am 9. August, sowie
  • Gebhard Kromer – Korporal der badischen Revolutionsarmee am 21. August,

auf dem Wiehre-Friedhof standrechtlich erschossen.

In Mannheim[Bearbeiten]

In Mannheim wurden 5 Todesurteile vollstreckt. Der ebenfalls in Mannheim zum Tode verurteilte Theodor Mögling wurde begnadigt und die Strafe in eine Zuchthausstrafe umgewandelt. Das Mannheimer Standgericht legte in 15 weiteren Verfahren jeweils eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren fest.[8]

Weitere Folgen und Auswirkungen[Bearbeiten]

In der Folge kam es außer den standrechtlichen Erschießungen auch zu Verhaftungen und Geldstrafen. Die Auswanderung von ca. 80.000 Badenern (5 % der Bevölkerung), vor allem nach Amerika war zum einen der wirtschaftlichen Not geschuldet zu einem Teil aber auch der gescheiterten Revolution. Die Emigranten dieser Zeit werden als Forty-Eighters oder „Achtundvierziger“ bezeichnet. Baden blieb bis 1851 durch die Preußische Armee besetzt.

Denkmale für die hingerichteten Revolutionäre
Rastatt05.jpg
Im Alten Friedhof Rastatt (heute Kreiskrankenhaus)
Grabmal Familie Dortu Freiburg im Breisgau.jpg
Grabmal Max Dortu auf dem Freiburger Wiehre-Friedhof
Neff1.JPG
Grabmal Friedrich Neff auf dem Friedhof in Rümmingen
Bruchsaler Revolutionäre.jpg
Friedhof Bruchsal
Denkmal1848ergross.JPG
Friedhof Mannheim

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): 1848/49. Revolution der deutschen Demokraten in Baden. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5201-9.
  • Alfred Georg Frei, Kurt Hochstuhl: Wegbereiter der Demokratie. Die badische Revolution 1848/49. Der Traum von der Freiheit. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1997, ISBN 3-7650-8168-X.
  • Stefan Heym: Lenz oder die Freiheit. (Roman, alter Titel: Die Papiere des Andreas Lenz), btb Verlag, Neuauflage September 2005, ISBN 3-442-73457-6.
  • Der Rhein-Neckar-Raum und die Revolution von 1848/49. Revolutionäre und ihre Gegenspieler. Hrsg. v. Arbeitskreis der Archive im Rhein-Neckar-Dreieck. Mit Beiträgen von Hans Fenske und Erich Schneider. Verlag Regionalkultur Ubstadt-Weiher, 1998. ISBN 3-929366-64-9
  • Otto Wermuth: „Wir haben´s gewagt“, Die badisch-pfälzische Revolution 1849. Rombach Verlag, 1981, ISBN 3-7930-0367-1.
  • Klaus Gaßner/Diana Finkele: Der Aufstand der badischen Demokraten. Verlag Regionalkultur, ISBN 3-929366-97-5
  • Susanne Asche und Ernst Otto Bräunche (Hrsgb.): Die Straße der Demokratie. Info Verlag Karlsruhe 2007
  • Ang. Hauser-Hauswirth: Wege der Revolutionäre. Wanderrouten Deutsche Revolution in Baden 1848/49, LpB Baden-Württemberg 1998
  • Frank Engehausen: Kleine Geschichte der Revolution 1848/49 in Baden. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010, ISBN 978-3-7650-8596-3

Theater[Bearbeiten]

  • Die Geschichtstheatergesellschaft[10] Stuttgart würdigte am 4. Juli 1998 in einer Aufführung in historischen Uniformen und mit historischen Requisiten zum 125. Jubiläum die Grußadresse Friedrich Heckers vom 4. Juli 1873 an die Badischen Revolutionäre.

Film[Bearbeiten]

  • Lenz oder die Freiheit. 4-teiliger Fernsehfilm. Revolutionsdrama zur badischen Revolution 1849. Nach der gleichnamigen Übersetzung des ursprünglich in englisch geschriebenen historischen Romans von Stefan Heym („The Lenz papers“). Bundesrepublik Deutschland 1986, 4 × 90 Min., Regie: Dieter Berner

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Badische Revolution – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Badische Revolution 1848/49 – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Söhner: Einigkeit und Recht und Freiheit. Augenzeugenbericht eines Soldaten der badischen Revolutionsarmee. In: Kurpfälzer Winzerfest Anzeiger 2010, S. 40–44
  2. Internetseite Bürgermiliz Sipplingen
  3. Historische Freiburger Bürgerwehr e.V.: Die Badische Revolution von 1848/49 in Freiburg
  4. von L.: Fickler, Karl Alois. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 777 f.
  5. s. [1]
  6. In Mannheim wurden nicht 6, sondern 5 Todesurteile vollzogen, weshalb sich die Gesamtzahl von 28 (Homepage Naturfreunde) auf 27 reduziert
  7. s. Homepage der Naturfreunde Rastatt; abgerufen am 13. September 2013
  8. Andreas Lüneberg: Mannheim und die Revolution in Baden 1848 - 1849, ISBN 3-937636-82-X, S. 199 online
  9. s. Karl Mossemann: Carl Hoefer. Ein Lehrerschicksal aus den Revolutionsjahren 1848/1849. In: Badische Heimat, 33. Jahrgang, 1953, Heft 4; S. 290–295
  10. Seite der Geschichtstheatergesellschaft