Bagband

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53.357.60694444444446Koordinaten: 53° 21′ 0″ N, 7° 36′ 25″ O

Bagband
Gemeinde Großefehn
Höhe: 6 m ü. NN
Fläche: 13,15 km²
Einwohner: 360 (11. Jun. 2007)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26629
Vorwahl: 04946

Bagband ist eine Ortschaft in der Gemeinde Großefehn, Landkreis Aurich, in Ostfriesland. Sie liegt auf einer Höhe von sechs Metern über NN etwa 15 km südlich von Aurich unmittelbar an der Grenze zum Landkreis Leer. Bagband wurde urkundlich erstmals 1454 erwähnt, zählt etwa 360 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von knapp 13,15 km².

Geschichte[Bearbeiten]

Blick vom Kirchturm

Über das Alter der Ortschaft liegen bestimmte Nachweise nicht vor. Die frühesten Spuren einer Ortsansiedlung reichen nach Ansicht der Heimatforscher B. Uphoff und A. Schöneboom bis in die jüngere Steinzeit (3000-2000 v. Chr.) zurück.

Die älteste urkundliche Erwähnung stammt vom 17. März 1454. In dieser Urkunde verpfändet Hippe zu Strackholt „Immobilien in näher bezeichneten Orten zu beiden Seiten der Spetze“. Genannt werden die Ländereien „tho Strackholte, Bacbande, Tymmeln, Hatzehusen unde to Oldendöp“. Im Mittelalter gehörte Bagband zu den "Hooge Loogen".[1]

Wann der Name „Backbant“ entstanden ist, lässt sich nicht ermitteln, ebenso ist die Herkunft des Namens nicht eindeutig belegt.

Nach Schöneboom beschreibt der im Jahre 1454 festgehaltene Name „Backband“ die Lage des Dorfes auf einem erhöhten Landrücken, der durch ein fließendes Wasser umschlossen wird.[2] Die Silbe „back“ stammt aus dem Altsächsischen und deutet auf eine prähistorische Gewässerbezeichnung hin. Die Endsilbe „bant“ betrifft den Landrücken und bedeutet „Glied eines Ganzen“. Das Ganze ist der Geestrücken Bagband-Strackholt, der Teil dieses Ganzen meint den Ort Bagband.

Dass Bagband ein sehr altes Dorf ist, ist auch daran zu erkennen, dass nach verschiedenen Richtungen hin den Einwohnern des eigentlichen Dorfes noch heute Moorflächen gehören, die in neuzeitlichen Siedlungen und selbstständigen Dörfern in engster Nachbarschaft liegen, so in Spetzerfehn, Firrel und Voßbarg.

Am 1. Oktober 1900 wurde die Kleinbahnstation in Betrieb genommen. 1919 erhielt der Ort eine genossenschaftliche Stromversorgung. Der Ortsteil Südermoor wird 1924 angeschlossen, Heselerhörn erst 1958.

102 Landwirte gründeten 1910 die Molkereigenossenschaft Bagband, deren Einzugsgebiet sich von Mittegroßefehn, Ulbargen, Gut Stikelkamp über Bagband, Strackholt, Fiebing, Zwischenbergen, Voßbarg bis nach Aurich-Wiesmoor erstreckte. Sie verarbeitete zeitweilig bis zu 25 Millionen Liter Milch im Jahr. Nach der Aufgabe vieler kleinerer Milchbetriebe stellte die Molkereigenossenschaft ihre Tätigkeit Ende 1992 ein. Die meisten ehemaligen Genossen schlossen sich den Ammerländer Milchwerken an.

Am 1. Juli 1972 wurde Bagband in die neue Gemeinde Großefehn eingegliedert.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Bagbander Kirche[Bearbeiten]

Kirchturm mit Pleishof
Evangelische Kirche Bagband

Die Bagbander Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im Stil der Backsteinromanik gebaut. Die heutige Form ist die eines rechteckigen Langschiffes. In früheren Zeiten waren noch einige Anbauten vorhanden, wie eine Apsis und eine Überdachung der Eingangstür an der Nordwand. Der ursprünglich nordwestlich der Kirche stehende Glockenstuhl mit drei Glocken, war Ende des 19.Jahrhunderts so stark baufällig, dass er nicht mehr genutzt werden konnte. Er wurde abgerissen und durch einen 50 Meter hohen Kirchturm im neugotischen Stil am Westgiebel ersetzen. Im Innern der Kirche sind einige Plastiken aus dem 15. Jahrhundert zu sehen, darunter die Kreuzigungsgruppe und eine Strahlenmadonna. Die Kanzel mit den vier Evangelisten stammt aus dem Jahre 1654. Des Weiteren gibt es eine historische Eckmann-Orgel aus dem Jahre 1775.

Die Bagbander Mühle[Bearbeiten]

Bagbander Mühle mit Mühlenhof

Die Bagbander Mühle ist eine Galerie-Holländerwindmühle aus dem Jahre 1812. Die Mühlenflügel waren bis 1910 mit Segeln bestückt, von 1911 an besitzt die Mühle Jalousienflügel. Das Mauerwerk besteht aus einem Achteck aus gebackenen Ziegelsteinen, in Muschelkalk gemauert. Die Mühle hat zwei Mahlgänge. Zur Kornförderung dienen ein Elevator und ein windbetriebener Flaschenzug. Die Steine eines Mahlganges haben ein Gewicht von 25 Zentnern. Der obere Stein ist der Läufer (Leoper), während der darunter liegende Stein als Bodenstein (Ligger) bezeichnet wird. Beim Schärfen der Steine wird mittels eines Kranes jeweils der obere Stein abgehoben. Die Kappe ist aus Bongossi-Holz gefertigt und mit einem Kupferdach abgedeckt. Die Mühle ist reetgedeckt und erreicht bei gutem Wind eine Leistung von 75 PS.

Der „Hartog Hinnerk Steen“[Bearbeiten]

Der Hartog Hinnerk Steen

Auf dem Platz neben der Kirche findet man einen gut 50 cm hohen Feldstein, in dem die Buchstaben „HH“ geschlagen sind. Die Buchstaben stehen für „Hartog Hinnerk“, womit Herzog Heinrich von Braunschweig gemeint ist. Dieser Gedenkstein erinnert an die Belagerung der Festung Leerort im Jahre 1514. Leerort wurde damals nicht allein von Söldnern, sondern auch von ostfriesischen Bauern, worunter sich auch Bagbander befanden, verteidigt. Nachdem diese mit Beendigung der Belagerung, hervorgerufen durch den Tod von Herzog Heinrich, der durch eine Kanonenkugel getroffen wurde, nach Bagband zurückkehrten, richteten sie den Stein auf und meißelten die Buchstaben hinein.

Ostfriesen Bräu mit Brauereimuseum[Bearbeiten]

Ostfriesen Bräu vom Kirchturm

Die ersten Schritte zur Gründung der Ostfriesen Bräu wurden im Jahre 1998 getätigt. Braumeister René Krischer erwarb das Grundstück mit den Gebäuden der ehemaligen Molkerei. Innerhalb eines Jahres wurden die alten Räumlichkeiten der Milchproduktion zu einer Braugaststätte mit Brauereimuseum umgebaut. Im Zuge des Umbaus wurde auch eine Brauerei in den bestehenden Gebäuden eingerichtet. Am 23. April 1999 wurde die Brauerei eröffnet. In der urigen, im rustikal fränkischen Stil eingerichteten Gaststätte lassen sich sowohl dunkles Landbier als auch Bierschnaps und Bierlikör sowie biertypische Speisen, Brotzeiten und regionale Speisen genießen. Führungen sind buchbar.

Biggenboom[Bearbeiten]

In einer Ausbuchtung an der Bundesstraße 436 zwischen den beiden Ortschaften Bagband und Strackholt noch innerhalb der Bagbander Gemarkung liegt „der verfluchte Platz“ mit dem Biggenboom. Für beide Orte hatte der Biggenboom früher einmal eine ähnliche Bedeutung wie der Upstalsboom für das Friesentum. Streit zwischen den Ortschaften wurde oftmals am Biggenboom geschlichtet. An dieser Stätte soll früher eine Eiche gestanden haben, die von einem Blitz zerschmettert worden ist, genauso wie ein Menschenalter darauf der Sprössling des Biggenboom. Lange Zeit ist der Sage nach auf dem verfluchten Platz nichts gewachsen. Ein später gepflanzter Apfelbaum wurde vom Sturm zerbrochen, seine Früchte seien nie reif geworden, heißt es. Im März 1928 wurde ein neuer wilder Apfelbaum gepflanzt, der aber bereits zwei Jahre später wieder eingegangen war, so dass schon im März 1930 ein weiterer gepflanzt werden musste. Nach dem dieser seinen Dienst verrichtet hatte, wurde er am 16. März 2002 ersetzt.

Kirchengemeinde Bagband[Bearbeiten]

Friedhofskapelle Spetzerfehn

Die Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bagband mit ihren rund 660 Mitgliedern ist die südlichste Parochie im Kirchenkreis Aurich. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf Bagband außerdem der Ort Neuemoor (Landkreis Leer) sowie Teile von Spetzerfehn. Herzstück der Kirchengemeinde Bagband ist die romanische Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Zur Kirchengemeinde Bagband zählt auch die Friedhofskapelle Spetzerfehn. Die ehemalige Dorfschule der Fehnkolonisten wurde von Gemeindegliedern zu einer Kapelle ausgebaut. In der Bagbander Gemeinde treffen sich regelmäßig mehrere Kreise. Darunter sind zwei Konfirmandengruppen, ein Senioren- und ein Frauenkreis, eine Krabbel- und eine Kindergottesdienstgruppe sowie ein Posaunen-, ein Kirchen- und ein Gospelchor.

Vereine[Bearbeiten]

Dorfverein Bagband e. V.

Der Dorfverein Bagband e. V. wurde am 5.Oktober 1993 gegründet. Zweck des Vereins ist die Förderung der dörflichen Struktur, von Kultur und Tradition, die Förderung des Heimatgedankens und Brauchtums, jeweils unter Einbeziehung aller Alters- und Gesellschaftsschichten.

Der Verein möchte die sozialen, zwischenmenschlichen Bindungen und Prägungen des noch weitgehend bäuerlich strukturierten Dorfes erhalten und dabei die Belange der Jugend unter Anpassung an zeitgemäße Strukturen wahren. In der praktischen Arbeit versucht der Dorfverein die verschiedenen gesellschaftlich und altersbedingt unterschiedlichen Interessen zum Nutzen des Dorfes und seiner Einwohner zusammenzuführen.

Freiwillige Feuerwehr Bagband

Die Freiwillige Feuerwehr Bagband wurde am 26. Juli 1897 gegründet. Sie ist eine der ältesten Feuerwehren im Landkreis Aurich. Eine Pflichtfeuerwehr, ausgerüstet mit zwei Handdruckspritzen, war zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden. Unterlagen der Ostfriesischen Brandkasse weisen aus, dass bereits am 7. Juli 1846 nach einem Brand eine Spritzenprämie und Reparaturkosten für die Spritze der Bagbander Mannschaft gezahlt wurden. Im Jahre 2007 konnte die Bagbander Feuerwehr das 110-jährige Bestehen feiern.

Landfrauenverein Bagband - Strackholt

Im Januar 1951 wurde der Landfrauenverein Bagband - Strackholt gegründet. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, Beiträge zur Verbesserung der ländlichen Verhältnisse zu leisten und an der Förderung der Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsbereiches der Landfrau mitzuwirken. Als besondere Bereiche gelten Gesellschaft, Wirtschaft und Agrarpolitik, Rechts- und Sozialfragen. Aber auch Kultur, Bildung und Erziehung, Ernährung und Gesundheit, sowie Hauswirtschaft und Umweltschutz sind Themen, mit denen sich der Landfrauenverein beschäftigt.

Viehwirtschaft in Bagband

Landwirtschaftlicher Zweigverein Bagband - Strackholt

Die Gründung des Landwirtschaftlichen Zweigvereins Bagband - Strackholt erfolgte am 25. Januar 1921. Eine der damaligen Hauptaufgaben war die Ernährungssicherung der Bevölkerung. Heute geht es um hochwertige Nahrungsmittel und um Quotenregelungen. Aber auch Berufsgenossenschaft, Krankenkasse, Alterskasse und neuerdings eine eigenständige Rente der Landfrauen sind Beratungspunkte die von der Geschäftsstelle des Hauptvereins bei den Zweigvereinen angeboten werden.

Mühlenverein Bagband e. V.

Am 4. Februar 1991 wurde der Mühlenverein Bagband e. V. gegründet. Der Verein bezweckt die Pflege und die Förderung der mit der Mühle, dem Backhaus und dem Müllerhandwerk verbundenen Traditionen und Kultur. Hierbei ist es Absicht der Gemeinde, die mit hohem Kostenaufwand hergerichtete Mühle nicht nur offen zu halten, sondern die Mühle nach ihrer früheren Bestimmung wieder mit Leben zu füllen, d. h. zum Mahlen zu nutzen. Dabei unterstützt der Verein die Gemeinde, indem er die Mühle für Besucher öffnet. Zudem veranstaltet der Mühlenverein viermal im Jahr einen Brotbacktag, an dem Brot und andere Backwaren im torfbeheizten Steinofen des Backhauses gebacken werden.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Viehmarkt

Bagbander Markt

Jedes Jahr an einem Freitag Ende April laden der Ortsrat Babagband und die Freiwillige Feuerwehr Bagband zu einem Vieh- und Krammarkt mit abendlichem Zeltfest ein. Erstmals fand der Bagbander Markt am 28. April 1864 statt und ist somit einer der ältesten Märkte in Ostfriesland. War der Bagbander Markt vormals hauptsächlich ein Viehmarkt - bis vor dem Zweiten Weltkrieg wurden bis zu 1000 Stück Vieh aufgetrieben - spielt der Viehmarkt heute eine Nebenrolle und wird nur noch wegen der Tradition aufrechterhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Kroon: Bagband - Die Geschichte eines Bauerndorfes. [Bagband 1995]
  • Albert Kroon: Bagband. In: Ostfriesische Landschaft. Aurich (online; PDF; 44 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bagband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Dettmar Coldewey: Frisia Orientalis - Daten zur Geschichte des Landes zwischen Ems und Jade. Lohse-Eissing-Verlag, Wilhelmshaven 1974
  2. Schöneboom: Unser Ostfriesland
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 261.