Ablacher Seen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Baggersee Lutz)
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Fortschreibung bzw. der aktuelle Stand des Bebauungsplanes, aktueller Stand der Besitzverhältnisse, Gestaltung und Regelungen Badestrand Nordufer, Windsurfing, FKK etc.
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Ablacher Seen
Baggersee Lutz (südl. Teil) mit Informationstafel und Blick auf den Ort Ablach (rechts) und den Campingplatz "Seen Camping" (links); 2015
Baggersee Lutz (südl. Teil) mit Informationstafel und Blick auf den Ort Ablach (rechts) und den Campingplatz "Seen Camping" (links); 2015
Geographische Lage Deutschland, Baden-Württemberg
Orte am Ufer Krauchenwies
Orte in der Nähe Ablach
Daten
Koordinaten 48° 1′ 15″ N, 9° 14′ 12″ O48.0208333333339.2366666666667580Koordinaten: 48° 1′ 15″ N, 9° 14′ 12″ O
Ablacher Seen (Baden-Württemberg)
Ablacher Seen
Höhe über Meeresspiegel 580 m ü. NN
Länge 750 mdep1f6
Breite 300 mdep1f7
Umfang 2250 mdep1f9

Die Ablacher Seen[1] (Baggersee Lutz, umgangssprachlich Lutzensee) sind zwei, ursprünglich drei Baggerseen westlich von Krauchenwies, einer Gemeinde im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg, Deutschland. Die ursprünglich zwei westlich liegenden Seen wurden durch das Entfernen eines Fahrdamms bei Renaturierungsmaßnahmen 2007/2008 zu einem Gewässer vereinigt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Ablacher Seen gehören zur so genannte „Krauchenwieser Seenplatte“ im Naturpark Obere Donau. Die Krauchenwieser Seenplatte wird lediglich durch den Fürstlichen Park und den Wildpark Josefslust unterbrochen. Im Fürstlichen Park liegt die Mündung des Andelsbachs in die Ablach. Die Ablach fließt in ihrem begradigten Bett auf der Nordwestseite der Seen.

Der Baggersee Lutz ist ein Grundwassersee, der über keinen natürlichen Zulauf und Ablauf verfügt. Jedoch wird der See durch das Sickerwasser von der 20 Meter entfernt von Südwest nach Nordost fließenden Ablach gespeist. Der östliche See verfügt am Nordostufer über ein künstliches Ablaufbauwerk zur Ablach.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Seen sind durch den Abbau von Kies durch die Krauchenwieser Firma Lutz im Gewann Postwiesen entstandene Baggerseen. Der abgebaute Kies wurde hier im Ablachtal und in der Umgebung durch eine eiszeitliche Moräne vor rund 18.000 Jahren abgelagert. Als die Gletscher abtauten, musste das Schmelzwasser abfließen. Die Schmelzwasserflüsse schotterten die alten Täler auf. Dieser Schotter wurde beim Vorrücken des Gletschers nochmal überdeckt und es bildeten sich so genannte Vorstoßschotter. Diese werden heute im Nassabbau abgebaut.

Da es sich beim Lutzensee um einen künstlichen, durch Kiesabbau entstandenen See handelt, entstand der Name „Lutzensee“ erst nach der Gründung des Betonwerks Lutz 1897.

Die Kiesabbaufläche des Baggersees hatte zum Ende des 20. Jahrhunderts ihre endgültige Größe erreicht, so dass nun das Kiesaufkommen in Richtung Fürstlicher Park im Gewann Unterlachen ausgebeutet wird. Hat voraussichtlich Ende 2008/Anfang 2009 auch diese Kiesabbaufläche, ihre endgültige Größe erreicht, soll im Gewann Rosenwiese zwischen dem Baggersee Lutz und dem Josef-Lutz-Stadion unterhalb von Ablach auf einer Abbaufläche von 6,5 Hektar ein weiterer Baggersee entstehen. Hier sollen in acht bis 14 Jahren 600.000 Kubikmeter Kies im Nassabbau gewonnen werden. Eine mobile Anlage soll dann die Aufgaben des aus den 1950er Jahren stammenden Fabrikgebäudes übernehmen.[2]

Nutzung[Bearbeiten]

Pächter des südlich gelegenen größeren Sees ist der Fischereiverein Forelle Albstadt Zollern-Alb-Kreis 1966 e. V., der den Lutzensee von der Firma Lutz Beton und Kies als Eigentümerin gepachtet hat und auf dem See Angelfischerei mit Tageskarten betreibt.

Der nördliche See ist seit Anfang 2008 Eigentum des Fischereivereins Neufra/Hohenzollern 1996 e. V.[3] Das Angeln ist mit gültiger Jahreskarte erlaubt. Schwimmen, Bootfahren und offenes Feuer sind untersagt.

Damalige Lagerplätze der Fertigrohrteile der Firma Lutz Beton und Kies (2007)
Heutiger Campingplatz "Seencamping Krauchenwies" am Südufer (2015)

Die Firma Lutz Beton und Kies betrieb am südlichen Seeufer den Campingplatz „Ablacher Seen“, welcher inzwischen von der Fa. HLS GmbH übernommen wurde. Der Name wurde zu „Seencamping Krauchenwies“ geändert.

Große Teile des Sees sind als Fauna Flora Habitat (FFH) geschützt.[2]

Der Verein „Natur und Landschaft e. V.“ aus Krauchenwies hat zwischen 2011 und 2013 den „Naturerlebnispfad Ablacher Seen“, ein Schautafel geführter Rundweg mit Sitzbänken, Nistkästen, Insektenhotel und Naturbeobachtungsturm im Uferbereich der Ablach, errichtet. Er konnte durch die „72-Stunden“-Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vom 13. bis 16. Juni 2013 fertiggestellt werden. Neben zweier Eingangstafeln informieren Tafeln zu den Themen Natura 2000, Biber, Raue Rampe, Vögel, Sukzession, Wildbienen, Pflanzen am Gewässer, Fische im See, Fließgewässer als Lebensraum für Fische und Wasservögel.[4]

Der Krauchenwieser Gemeinderat beschloss am 10. März 2009 den Bebauungsplan „Ablacher Seen“ als Satzung. Diese ist noch genehmigungsbedürftig.

Ökologie[Bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten]

Im Ornithologischen Jahresbericht 2005 über die Vogelwelt der Krauchenwieser Baggerseen wurden u. a. auch von Brutpaaren folgender Vogelarten berichtet: Flussregenpfeifer, Eisvogel und Prachttaucher.

Der Fischbestand weist folgende Fischarten auf: Hecht (Rekord 37 Pfd. und 132 cm), Zander, Barsche, Regenbogenforellen, Karpfen (Rekord 34 Pfd.), Schleie, Brasse, Döbel, vereinzelt Welse, Aale und verschiedene Weißfischarten.

Vereinzelte Biberspuren geben Auskunft über die rege Tätigkeit zweier sich seit Herbst 2005 am Steidlesee III (See nordwestlich der L456) eingefundenen Biber. 2014 begann der Biber an seiner Burg am Nordufer in der Nähe des Dammweges charakteristisch Holz aufzuschichten.

Flora[Bearbeiten]

Mit der Einrichtung eines Campingplatzes gingen weitgehende Renaturierungsmaßnahmen des Uferstreifen voran. So wurden am östlichen See Wälle aufgeschüttet und der Uferbereich abgeflacht. Hier soll ein breiter Schilfgürtel entstehen. Am Nordwestteil dieses Sees soll eine Flachwasserzone entstehen.

Sediment[Bearbeiten]

Die durchschnittliche Sichtweite liegt bei 2,32 Meter.

Wasserqualität[Bearbeiten]

Die Bewertung der Wasserqualität durch das Regierungspräsidium Tübingen ergab in den letzten Jahren (2002 bis 2007) einen zum Baden gut geeigneten hygienischer Zustand des Gewässers[5]. Die Anzahl von Coliforme Keime lagen meist unter 30, die Fäkalcoliforme Keime ebenfalls auch unter 30, bei einer 100 ml Wasserprobe. Bei Untersuchungen des Verbraucher-Magazins Öko-Test zwischen 2001 und 2003 wurden dem Baggersee Lutz ebenfalls gute Werte bescheinigt. Es wurde zudem auf Phenol, Tenside und Mineralöle getestet, alle Werte waren unterhalb der Grenzwerte.

Am 26. Februar 2008 barst die Haupthydraulikleitung an einem Kiesförderbagger beim östlichen See und es traten 150 bis 200 Liter Hydrauliköl aus. Ein Großteil des Öls konnte durch Sicherungsmaßnahmen der Firma aufgefangen werden. Ein geringerer Teil gelangte in den kiesigen Untergrund. Mit Ölbindemittel verhinderte die Freiwillige Feuerwehr Krauchenwies, dass der Baggersee verunreinigt wurde. Die verunreinigten Kiesschichten wurden abgetragen und entsorgt.

Sehenswürdigkeiten und Bauwerke[Bearbeiten]

Stillgelegter Bahnhof Krauchenwies
  • Bahnhof Krauchenwies: An der Südostseite des Sees, wo auch der stillgelegte Bahnhof Krauchenwies liegt, verlaufen die Hegau-Ablachtal-Bahn und die Bahnstrecke Krauchenwies–Sigmaringen. An der Außenfassade des restaurierten Bahnhofsgebäudes erinnert eine Gedenktafel an die allerhöchste Anwesehnheit Sr. Majestaet unseres Kaisers WILHELM I in diesem Hause am 10. Juli 1875.
  • Josef-Lutz-Stadion: Das Josef-Lutz-Stadion westlich des Sees, im Gewann „Boschenwiesen“, am Ortseingang Ablach ist dem 1999 verstorbenen Unternehmer Josef Lutz gewidmet.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Bebauungsplan für Ablacher Seen. In: Südkurier vom 5. Juli 2007
  2. a b Martina Goldau (mag): Krauchenwieser Seenplatte wird größer. In: Südkurier vom 12. Mai 2006
  3. Neusch: Angler haben keinen See mehr zum Fischen. In: Südkurier vom 4. März 2008
  4. Rundwanderweg Ablacher See, abgerufen am 3. April 2015
  5. Information zur Badestelle Baggersee Lutz des Regierungsbezirks Tübingen Region Bodensee-Oberschwaben

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Fidelis Gauggel: Die Vogelwelt der Krauchenwieser Baggerseen. Ornithologischer Jahresbericht 2005. Naturschutzbund Deutschland e. V. Ortsgruppe Sigmaringen (Hrsg.)