Bagrationowsk

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Stadt
Bagrationowsk/Preußisch Eylau
Багратионовск
Wappen
Wappen
Vorlage:Infobox Ort in Russland/Wartung/AltFöderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1325
Frühere Namen Preußisch Eylau (bis 1946)
Stadt seit 1585
Fläche km²
Höhe des Zentrums 70 m
Bevölkerung 6773 Einw. (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte 847 Ew./km²
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40156
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 501
Geographische Lage
Koordinaten 54° 23′ N, 20° 39′ O54.38333333333320.6570Koordinaten: 54° 23′ 0″ N, 20° 39′ 0″ O
Bagrationowsk (Russland)
Red pog.svg
Bagrationowsk (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Oblast Kaliningrad
Liste der Städte in Russland
Preußisch Eylau, nordöstlich von Elbing, östlich von Braunsberg und südlich von Königsberg i. Pr. auf einer Landkarte von 1910.

Bagrationowsk (russisch Багратионовск, 1945–1946 Прейсиш-Эйлау; vor 1946 Preußisch Eylau; polnisch Pruska Iława oder Iławka) ist eine Stadt in der russischen Oblast Kaliningrad, dem ehemaligen Ostpreußen. Sie hat knapp 7.000 Einwohner (2006).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografische Lage

Lage von Bagrationowsk in der Oblast Kaliningrad

Bagrationowsk liegt im Südwesten der Oblast Kaliningrad an der Fernstraße A 195 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128) von Königsberg (Kaliningrad) nach Allenstein (Olsztyn) in Polen. Der Grenzübergang befindet sich nur zwei Kilometer südlich der Stadt. Kaliningrad ist 37 Kilometer entfernt.

Die Stadt ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons Bagrationowsk.

[Bearbeiten] Geschichte

1325 wurde durch den Deutschen Ritterorden die Burg Yladia gegründet, zu deren Füßen sich das spätere Preußisch Eylau entwickelte. Der Balgaer Komtur verlieh der Siedlung 1348 eine Handfeste. Die Burg wurde 1455 durch ein Feuer zerstört. 1514 wurde die Markgerechtigkeit verliehen, und 1585 verlieh Herzog Georg Friedrich das volle Stadtrecht. 1520 und 1525 wurde der Ort durch polnische Truppen verwüstet, die Burg aber vergeblich belagert.

Am 7. und 8. Februar 1807 fand in der Nähe der Stadt die unentschieden beendete Schlacht bei Preußisch Eylau zwischen Napoléon Bonapartes Truppen und russischen Truppen unter General Graf Bennigsen statt, welche die russischen Truppen mit Hilfe eines preußischen Kontingents unter General L’Estocq zwar nicht für sich entscheiden konnten, allerdings erreichten, dass Napoléon erstmals nicht als Sieger das Schlachtfeld verließ. Die Stadt ist heute nach dem russischen General Fürst Bagration benannt, einem Teilnehmer der Schlacht.

Ein Großfeuer richtete 1802 großen Schaden in der Stadt an. Nach der preußischen Verwaltungsreform wurde Preußisch Eylau 1819 Kreisstadt des Landkreises Preußisch Eylau. 1866 wurde der Anschluss an die Ostpreußische Südbahn vollzogen. Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt im August 1914 zeitweilig von russischen Truppen besetzt.

1939 hatte Preußisch Eylau 7.461 Einwohner. Als Wirtschaftsbetriebe waren eine Tuchweberei, eine Eisengießerei, die Maschinenfabrik Johnen, die Genossenschafts-Molkerei, Schadwinkels Getreidemühle und Tauliens Fassfabrik ansässig. Am 9. Februar 1945 wurde die Stadt durch die Rote Armee besetzt und danach unter sowjetische Verwaltung gestellt. In der ehemaligen Infanteriekaserne an der Warschkeiter Chaussee bestand von Mai 1945 bis Herbst 1948 das Kriegsgefangenen- und Internierungslager 533 des NKWD für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs[1] und Zivilpersonen. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde, sofern sie nicht bereits geflüchtet war, in der Folge vertrieben.

Ortseinfahrt von Bagrationowsk

Am 7. September 1946 wurde Preußisch Eylau nach Fürst Bagration (siehe oben) in Bagrationowsk umbenannt. Durch die Lage an der neuen sowjetisch-polnischen Grenze lag die Stadt nun in einem wirtschaftlich und infrastrukturell toten Winkel, der die weitere Entwicklung der Stadt behinderte. Zunächst wurden durch die aus Zentralrussland, Weißrussland, dem Wolgagebiet und der Ukraine angesiedelten Neubürger in der Umgebung der Stadt kollektivierte Landwirtschaftsformen aufgebaut. Das Wirtschaftsleben der Stadt richtete sich nun auch vollständig hierauf aus. Das Stadtbild Bagrationowsks änderte sich durch Neubau von Wohnhäusern, Abriss der vielen kriegszerstörten Bauten und Vernachlässigung der alten Bausubstanz maßgeblich. Bagrationowsk wurde Sitz eines Rajons. Nach der Perestrojka und dem Zerfall der Sowjetunion gewann die Stadt wieder an Bedeutung als Transitstadt, da sich hier der wichtigste Grenzübergang der Kaliningrader Oblast nach Polen befindet.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohnerzahl Bemerkung
1875 3738 *
1890 3446 * (davon 42 Katholiken und 42 Juden)
1910 3270 *
1933 4322 *
1939 7461 *
1959 4400 **
1979 6000 **
1989 6728 *
2002 7216 *
2006 6773  

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)

[Bearbeiten] Stadtgemeinde Bagrationowsk

Die Stadtgemeinde Bagrationowsk mit den vier Landgemeinden

Durch eine Struktur- und Verwaltungsreform[2] innerhalb der Oblast Kaliningrad im Jahre 2009 wurden im Rajon Bagrationowsk eine Stadtgemeinde und vier Landgemeinden gebildet, denen alle Ortschaften („Siedlungen“) innerhalb des Rajons zugeordnet wurden. Bagrationowsk bildet dabei alleine die Bagrationowskoje gorodskoje posselenije (Stadtgemeinde Bagrationowsk) – neben den vier Landgemeinden Dolgorukowo (Domtau), Gwardeiskoje (Mühlhausen), Niwenskoje (Wittenberg) und Pogranitschny (Hermsdorf).

[Bearbeiten] Kirche

[Bearbeiten] Evangelisch

[Bearbeiten] Kirchengemeinde

Die Reformation fasste in Preußisch Eylau schon früh Fuß. Der erste namentlich bekannte lutherische Geistliche war Pfarrer Johann Karaus, der bereits 1535 in der Stadt amtierte. Sehr bald wurde auch ein zweiter Geistlicher („Diakonus“) eingesetzt. Gehörte Preußisch Eylau ursprünglich zur Inspektion Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce), so war die Stadt bis 1945 dann Superintendentursitz und namensgebender Ort des Kirchenkreises, der innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert war.

Flucht und Vertreibung in den Jahren 1945 und später ließen die Gemeinde fast auf Null schrumpfen. In den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad neue evangelische Gemeinden, nicht aber in Bagrationowsk. Die nächsteliegende Gemeinde ist die Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen) in zehn Kilometern Entfernung. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) und gehört zur Propstei Kaliningrad[3] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

[Bearbeiten] Kirchengebäude

Zwischen 1525 und 1945 war die alte Pfarrkirche[4] aus dem 14. Jahrhundert evangelisches Gotteshaus. In den Jahren 1317 bis 1325 war sie im Stil der Backsteingotik errichtet worden. 1807 wurde sie im Zusammenhang der Schlacht bei Preußisch Eylau beschädigt, erfuhr 1879 eine grundlegende Veränderung und kam 1945 mit nur wenigen Beschädigungen glimpflich davon. Bis in die 1960er Jahre war die Kirche Pferdestall, seither wird sie als Fabrikhalle und Speicher benutzt. Der bauliche Zustand ist stabil, das Gebäude denkmalgeschützt.

[Bearbeiten] Pfarrer

Die Stadt Preußisch Eylau mit dem dazugehörigen Kirchspiel betreuten bis 1945 jeweils zwei Geistliche[5]:

  • Johann Karaus, 1535/1554
  • NN.
  • David Rhodius, ab 1572
  • Johann Schönfeldt, bis 1579
  • Matthias Bienwald, 1588-1593
  • Thilo Balthasar, bis 1593
  • NN., bis 1602
  • Caspar Tiefholtz, bis 1603
  • Thilo Valentin, ab 1603
  • NN., bis 1607
  • Johann Hän, ab 1607
  • Valentin Damerow, 1610-1616
  • Jacob Murray, 1616-1637
  • Christoph Cotenius, bis 1617
  • Christoph Lange, 1617-1629
  • Johann Benedict Reinhardi, 1629-1636
  • Zahcharias Reinhardi, 1636-1656
  • Johann Lang, 1637-1645
  • Johann Georg Faber, 1647-1655
  • Martin Glenius, ab 1656
  • Pancratius Buck, 1656-1680
  • Andreas Strauß, 1657-1663
  • Gottfried Teschendorf, 1663-1671
  • Sebastian Kuppelich, 1678-1694
  • Christoph Coggius, 1682-1704
  • Christoph Jetzel, 1694-1729
  • Gottfried Heling, bis 1724
  • Christian Friedrich Wegner, 1724-1731
  • Johann Behrendt, 1729-1745
  • Martin Lindenau, 1731-1735
  • Georg Theodor Hein, 1735-1783
  • Christoph Albrecht Stein, 1746-1751
  • Georg Friedrich Lamhardt, 1751-1790
  • Johann Daniel Friedrich Petzold,
    1783-1823
  • Johann Fröloff, 1791-1807
  • Adolf Reinhold Ziegner, 1809-1816
  • Gottlieb Emanuel Gäsbeck, 1816-1854
  • Johann Carl Rauschke, 1824-1831
  • Karl Wilhelm Glodkowski, 1832-1839
  • Gustav Michael Prange, 1839-1871
  • Johann Wilhelm Warschutzki, 1854-1871
  • Carl Louis Friese, 1871-1885
  • Carl Gustav Wiebe, 1872-1876
  • Paul Gustav Adolf Strehl, 1873-1880
  • Johann Gottlieb Malletke, 1876-1881
  • Rudolf Moritz Krieger, 1885-1890
  • Ernst Karl W. Bourwieg, 1886-1911
  • Karl Rudolf Arthur Hering, 1890-1892
  • Gustav Friedrich Büchler, 1892-1912
  • Adalbert Gottlieb Immanuel Ebel, 1911-1921
  • Alfred Müller, 1912-1919
  • Walter Wittkowsky, 1914-1915
  • Paul Terpitz, 1918-1919
  • Konrad Grottian, 1919-1926
  • Karl Wilhelm Heinrich Müller, 1922-1944
  • Walter Kaminski, 1927-1934
  • Martin Braun, 1935-1945

[Bearbeiten] Kirchenkreis

Vor 1945 war Preußisch Eylau Superintendentursitz und namensgebender Ort eines Kirchenkreises innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Dem Kirchenkreis Preußisch Eylau waren 21 Pfarrorte mit ihren Kirchspielen zugehörig, die heute zum Teil auf russischem (RUS), zum Teil aber auch auf polnischem (PL) Staatsgebiet liegen[6]:

Name (bis 1946) Heutiger Name/Staat Name (bis 1946) Heutiger Name/Staat
Albrechtsdorf Wojciechy/PL Kreuzburg Slawskoje/RUS
Almenhausen–Abschwangen KaschtanowoTischino/RUS Landsberg Górowo Iławeckie/PL
Borken Borki/PL Mühlhausen Gwardeiskoje/RUS
Buchholz Bukowiec/PL Petershagen Pieszkowo/PL
Dollstädt Krasnosnamenskoje/RUS Preußisch Eylau Bagrationowsk/RUS
Eichhorn Wiewiórki/PL Reddenau Rodnowo/PL
Groß Peisten–Hanshagen Piasty WielkieJanikowo/PL Schmoditten Rjabinowka/RUS
Guttenfeld Dobrzynka/PL Stablack (ab 1938) Dolgorukowo/RUS
Jesau Juschny/RUS Tharau Wladimirowo/RUS
Kanditten Kandyty/PL Uderwangen Tschechowo/RUS
Klein Dexen (bis 1937) Furmanowo/RUS

[Bearbeiten] Katholisch

Bis 1945 gab es in Preußisch Eylau eine römisch-katholische Pfarrgemeinde, deren Bestand ebenfalls durch Flucht und vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg endete. Preußisch Eylau gehörte damals zum Bistum Ermland.

[Bearbeiten] Orthodox

Die russisch-orthodoxe Kirche in Bagrationowsk

Seit den 1990er Jahren gibt es in Bagrationowsk eine orthodoxe Gemeinde, die über ein neu errichtetes Gotteshaus verfügt. Sie ist in die Diözese Kaliningrad und Baltijsk (Königsberg und Pillau) der Russisch-orthodoxen Kirche eingegliedert.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Preußisch Eylau in der Weltliteratur

Die Schlacht bei Preußisch Eylau von 1807 ist der Ausgangspunkt der Erzählung 1832 von Honoré de Balzac (1789–1850) geschriebenen Erzählung Le Colonel Chabert. Der Titelheld wird als Oberst unter dem französischen Feldmarschall Joachim Murat (1806–1808 Großherzog von Berg-Düsseldorf/Nordrhein-Westfalen) bei „Eylau“ schwer verwundet und für tot gehalten, bei Heilsberg in einem Massengrab lebendig beerdigt, jedoch durch eine Heilsberger Bauersfrau gerettet.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  2. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  3. Ev.-luth. Propstei Kaliningrad
  4. Die evangelische Kirche in Preußisch Eylau
  5. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 114-115
  6. Kirchenkreis Preußisch Eylau

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Bagrationowsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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