Bahnübergang

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Bahnübergang mit vierschlägiger elektrischer Vollschranke zur kompletten Absperrung einer zweispurigen Straße, hier in Pullach im Isartal
Bahnübergang mit Halbschranken
Höhengleicher Bahnübergang mittels eingelassener Kunststoff-Bahnübergangsplatten

Ein Bahnübergang (Abkürzung: ), auch Eisenbahnkreuzung (EK, Österreich) ist eine höhengleiche Kreuzung einer Eisenbahnstrecke mit einer Straße, einem Weg oder einem Platz. Die Kreuzung einer Eisenbahn mit einer Straße, einem Weg oder einem Platz auf unterschiedlichem Niveau (Brücke/Viadukt) heißt Überführung oder Unterführung. Übergänge für Reisende zum Erreichen eines Bahnsteigs hingegen gelten als Reisendenübergang (RÜ).

Deutschsprachige Staaten[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnübergang (Deutschland)

Auf Eisenbahnstrecken mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von mehr als 160 km/h sind in Deutschland Bahnübergänge unzulässig. Beim Neubau von Eisenbahnstrecken, sogenannten Neubaustrecken, ist, auch wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit nur bis zu 160 km/h beträgt, der Neubau von Bahnübergängen in der Regel nicht mehr genehmigt. Genaueres regelt hierzu das Eisenbahnkreuzungsgesetz (EKrG). Auf den Hauptstrecken im Netz der Deutschen Bahn ist man bestrebt, die Anzahl der Bahnübergänge immer weiter zu reduzieren. Sie werden ersatzlos geschlossen oder durch Über- oder Unterführungen ersetzt.

Österreich[Bearbeiten]

Mechanische Vollschranke altösterreichischer Bauart

In Österreich heißt die Kreuzung der Straße mit dem Gleiskörper amtlich Eisenbahnkreuzung (EK).

Schweiz[Bearbeiten]

Bahnübergang in der Schweiz

Die Andreaskreuze sind weiss mit rotem Rand gehalten. Sie können hochkant oder quer platziert werden, wobei an mehrgleisigen Strecken doppelte Andreaskreuze angebracht werden. Auf Eisenbahnstrecken mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von mehr als 160 Kilometern pro Stunde sind Bahnübergänge unzulässig.

Blinklichtsignale bestehen aus einer dreieckigen schwarzen Tafel mit zwei auf gleicher Höhe angeordneten roten Wechselblinklichtern oder einem roten Blinklichtsignal. In Fällen fehlender Übersichtlichkeit werden vermehrt Drehleuchten eingesetzt. Bei Bahnübergängen mit Blinklichtsignalen wird den Schildern beschrankter Bahnübergang und unbeschrankter Bahnübergang eine Zusatztafel mit der Aufschrift „Blinklicht“ beigefügt. Sicherungen nur mit Blinklichtsignalen und ohne Schranke sind in der Schweiz auf Strassen, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50 Kilometern pro Stunde befahren werden dürfen, unzulässig. Des Öfteren werden Lichtzeichenanlagen („gelb-rot“) verwendet. Analog zu den deutschen Anrufschranken existieren Bedarfsschranken. Man unterscheidet ebenfalls zwischen Halb- und Vollschrankenanlagen. Ausserdem gibt es noch eine Besonderheit von Warnleuchten an Bahnübergängen in Form sogenannter Blitzleuchten, die anstatt der normalen Blinklichter verwendet werden, wenn der Übergang nach vielen Seiten anstatt nur in eine Richtung gesichert werden muss.

Übriges Europa[Bearbeiten]

Belgien[Bearbeiten]

Bahnübergang in Belgien

In Belgien zeigen alle gesicherten Bahnübergänge ihre Betriebsbereitschaft durch eine ständig blinkende weiße Lampe an. Wenn ein Zug naht, schaltet diese ab und die roten Blinklichter blinken im Wechsel. Blinkt die weiße Lampe nicht, so ist mit einem Defekt des Bahnübergangs zu rechnen und dieser mit der gleichen Vorsicht wie bei einem nicht technisch gesicherten Bahnübergang zu überqueren. Die einfachen Andreaskreuze zeigen ein Gleis, die doppelten Andreaskreuze zwei oder mehr Gleise an (siehe Bild). Häufiger ist an den Schranken das Zeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ (Zeichen 250) angebracht.[1]

Dänemark[Bearbeiten]

Dänischer Bahnübergang mit Halbschranke

In Dänemark stehen bei den Bahnübergängen Andreaskreuze, die rot-weiß sind. Unter den Andreaskreuzen befindet sich (bei automatisch gesicherten Bahnübergängen) ein nach unten zeigendes blaues Dreieck mit rot-weißem Rand. In diesem Dreieck befindet sich die rote Blinklichtanlage, welche bei Annäherung eines Zuges zu blinken beginnt. Gleichzeitig ertönt ein Klingelwerk. Das Läutwerk klingelt nur, bis sich die Halbschranke oder die Vollschranke geschlossen hat (bei 2 Schrankenteilen: Wenn sich 1 Schrankenteil geschlossen hat), aber das Blinklicht blinkt auch bei geschlossenen Schranken weiter. Bei unbeschrankten Bahnübergängen klingelt das Läutwerk so lange weiter, bis das rote Blinklicht ausgeht.

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich sind nicht technisch gesicherte Bahnübergänge mit einem Andreaskreuz und zusätzlich mit einem am selben Mast hängenden Stoppschild gesichert. Mehrgleisige Strecken werden durch ein erweitertes Andreaskreuz angezeigt. Die beschrankten Bahnübergänge mit Blinklichtanlage haben kein Andreaskreuz. Unter dem Verkehrsschild Beschrankter Bahnübergang steht in Frankreich bei einer automatischen Anlage immer Signal Automatique, ansonsten ist es ein von einem Posten bedienter Übergang. Es existieren noch einige wärterbediente Anlagen in Frankreich. An sehr vielen Bahnübergängen hängt das Schild „UN TRAIN PEUT EN CACHER UN AUTRE“, welches auf die Gefahr hinweist, dass auf dem hinteren Gleis ein weiterer Zug kommen kann, der von dem Zug auf dem vorderen Gleis verdeckt wurde. An nicht technisch gesicherten Übergängen werden Pfeiftafeln mit dem Buchstaben S aufgestellt, damit der Triebfahrzeugführer pfeift und den Straßenverkehr warnt.

Finnland[Bearbeiten]

Warnkreuz an mehrgleisigem Bahnübergang
Finnischer Bahnübergang

In Finnland sind die Warnkreuze und Schranken in der Farbgebung Rot-Gelb zu finden. In den Schranken der automatischen Bahnübergänge sind Warnleuchten integriert.

Die technisch gesicherten Übergänge haben Warnglocken über den Andreaskreuzen. Verläuft über dem Übergang eine Oberleitung, so wird dies durch ein gelbes Zusatzschild mit Blitzsymbol angezeigt. Im ungesicherten Zustand blinkt eine weiße Lampe unter dem Warnkreuz. Naht ein Zug, so erlischt die weiße Lampe und die roten Blinklichter, heute meist Wechselblinklichter, blinken und die Warnglocken läuten. Manchmal stoppt die Warnglocke mit dem Läuten, wenn der Zug den Bahnübergang erreicht hat. Nicht technisch gesicherte Bahnübergänge haben mindestens ein Warnkreuz pro Fahrtrichtung. Wie in anderen Ländern wird auch hier durch einfache Andreaskreuze angezeigt, dass die Bahnstrecke eingleisig ist und durch doppelte Andreaskreuze, dass die zweigleisig ist.

Großbritannien[Bearbeiten]

Durch Tore gesicherter Bahnübergang, England

In Großbritannien gibt es an gesicherten Bahnübergängen Warnblinkanlagen ähnlich der luxemburgischen Anlagen. Wenn ein Zug naht, leuchtet für 4 Sekunden ein gelbes Dauerlicht, welches anschließend erlischt, und zwei rote Wechselblinklichter werden aktiv. Diese Warnblinkanlagen gibt es alleine ohne Schranken oder in Kombination mit Halb- und Vollschranken. Außerdem gibt es auch häufiger noch wärterbediente Bahnübergänge. Man kann des Öfteren noch auf Bahnübergänge mit Klapp- oder Schiebetoren treffen. An unbeschrankten Bahnübergängen sind in jedem Fall Andreaskreuze angebracht.

Luxemburg[Bearbeiten]

Luxemburgische Warnblinklichtanlage mit Andreaskreuz

In Luxemburg werden die meisten Bahnübergänge mit einer Blinklichtanlage gesichert, welche der deutschen stark ähnelt. Anders als in Deutschland gibt es dort an beschrankten Bahnübergängen keine Andreaskreuze. An beschrankten Bahnübergängen steht pro Fahrtrichtung ein weiß-rot gestreifter Mast. An diesem ist eine schwarze Fläche angebracht, in der zwei Blinklichter installiert sind, welche abwechselnd blinken, wenn der Übergang gesichert ist. Diese Anlagen sind ausschließlich signalgesteuert. Nicht technisch gesicherte sowie technisch gesicherte unbeschrankte Bahnübergänge verfügen über ein waagerechtes Andreaskreuz.

Niederlande[Bearbeiten]

beschrankter Bahnübergang
Niederländischer unbeschrankter Bahnübergang mit Blinklicht (bis 2007)

In den Niederlanden ähnelt das Aussehen der beschrankten Bahnübergänge dem der USA mit Wechselblinklichtern. Vor jedem Bahnübergang steht mindestens ein Andreaskreuz pro Fahrtrichtung. Wie in anderen Ländern wird auch hier durch einfache Andreaskreuze angezeigt, dass die Bahnstrecke eingleisig ist oder durch doppelte Andreaskreuze, dass sie mehrgleisig ist. Alle Bahnübergangsarten haben meist auf beiden Seiten weiß-rot schraffierte Warnbaken, an denen oft auch ein blaues Warnschild befestigt ist.

Unbeschrankte Bahnübergänge mit einer Lichtzeichenanlage gibt es seit 2007 nicht mehr. Sie wurden alle entweder mit Schranken versehen oder stillgelegt.

Schweden[Bearbeiten]

1 1 34 1 (Swedish road sign).svg
Järnvägssignal, rött.svg
Järnvägssignal, vitt.svg

In Schweden dürfen die Züge maximal mit folgender Geschwindigkeit über Bahnübergänge fahren: 140 km/h ohne Schranken, 160 km/h mit Schranken, 200 km/h mit Schranken und Hindernisdetektor. Straßenbenutzer maximal 70 km/h ohne Schranken mit Signal, 90 km/h mit Schranken. In Schweden gibt es rund 8.500 Bahnübergänge (Stand: 2005), davon rund 2.000 mit Schranken.[2] Es gibt 26 auf der E45 und fünf auf anderen Europastraßen.

Tschechien und Slowakei[Bearbeiten]

Unbeschrankter Bahnübergang mit Haltlichtanlage in Grundstellung
Nicht technisch gesicherter Bahnübergang mit Stoppschild
Zahl der Unfälle (blau), Toten (rot) und Verletzten (gelb) an tschechischen Bahnübergängen pro Jahr

In Tschechien und der Slowakei zeigen die Straßensignale der technisch gesicherten Bahnübergänge ihre Betriebsbereitschaft und Grundstellung durch eine weiß blinkende Lampe an. Straßenverkehrsteilnehmer dürfen den Überweg in diesem Fall mit 50 km/h befahren. Nähert sich ein Zug, blinken die beiden oberen roten Lampen abwechselnd. Solange sich der Zug nach der Ausschaltung in der Annäherungsstrecke der Gegenrichtung befindet, sind die Straßensignale dunkel. Der Überweg darf von Straßenverkehrsteilnehmern mit 30 km/h passiert werden. Die Straßensignale gibt es als Haltlichtanlagen oder in Kombination mit Halb- oder Vollschranken. In jedem Fall sind an unbeschrankten Bahnübergängen quer liegende Andreaskreuze angebracht. Hinweisschilder mit der roten Aufschrift Pozor Vlak („Achtung Zug“) rufen außerdem zur besonderen Vorsicht vor allem an unbeschrankten Bahnübergängen auf, die es in Tschechien noch sehr häufig gibt.

Außereuropäisch[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Israel[Bearbeiten]

Die Regelung in Israel entspricht hinsichtlich der Ausschilderung weitgehend der deutschen.

USA[Bearbeiten]

In den USA ist jeder Bahnübergang mit mindestens einem Verkehrszeichen „Railroadcross“ pro Fahrtrichtung gesichert. Ist am Bahnübergang mehr als ein Gleis zu überqueren, so wird die Anzahl der Gleise auf einem Zusatzschild unterhalb des Andreaskreuzes angegeben. Kreuzt eine größere Straße eine Bahnlinie, so sichern Halbschranken und Wechselblinklichter den Bahnübergang. Die meisten dieser Schrankenanlagen verfügen über eine mechanische oder elektronische Warnglocke.

Früher gab es in den USA anstatt der heutigen Blinklichtanlagen sogenannte „Wig-Wags“: Auf einer oder beiden Seiten des Bahnübergangs standen Masten mit dem Warnkreuz, über denen eine bewegliche Scheibe mit einer roten Laterne hing. Näherte sich ein Zug, so bewegte sich die Scheibe mit rotem Dauerlicht in einer Schaukelbewegung hin und her und eine Warnglocke ertönte.[3] Neuerdings gibt es Warnsysteme, welche das Pfeifen einer Lokomotive (in den USA meist mit mehrstimmigen Fanfaren) über Lautsprecher am Bahnübergang wiedergeben, um die Straßenverkehrsteilnehmer über das Herannahen eines Zuges zu informieren. Damit soll die Lärmbelästigung für die an der Bahnstrecke Wohnenden reduziert werden.

Madagaskar[Bearbeiten]

Die Flughafenkreuzung

Auf der Insel Madagaskar gibt es eine Besonderheit, wobei die Bahnstrecke Manakara–Fianarantsoa die Landebahn des Flughafens Manakara niveaugleich kreuzt. Eine Kreuzung einer Bahnstrecke mit einer Landebahn ist nur noch aus Pakistan bekannt, dort gibt es allerdings keinen regelmäßigen Zugverkehr mehr.

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Hein: Sp Dr 60-Stellwerke bedienen, Eisenbahn-Fachverlag Heidelberg-Mainz, ISBN 3-9801093-0-5
  • Hinweise für das Anbringen von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen, HAV 12. Auflage, Kirschbaum Verlag GmbH Bonn
  • Georg Kerber und Andreas Stirl: Signale und Fahrleitungen auf Modellbahnanlagen, Transpress Verlag, ISBN 3-613-71075-7
  • Andreas Braun: Signale der deutschen Eisenbahnen, GeraMond Verlag, ISBN 3-932785-14-2
  • Bundesbahndirektion Hannover: 1843-1983. 140 Jahre Eisenbahndirektion Hannover. Hannover o. J. (1983), Seite 91 ff.

Siehe auch[Bearbeiten]

Eine Sonderform ist die Drehschranke, hier um 1910 im rumänischen Timișoara

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnübergänge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Deutschland
Österreich
Videobeispiele aus anderen Ländern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bild
  2. http://www.banverket.se/sv/Amnen/Jarnvagen/Undersida-3-Jarnvagen/Jarnvagsovergangar.aspx
  3. Wig-Wags in Aktion.