Bahnhof Esslingen (Neckar)

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Esslingen (Neckar)
Bahnhof Esslingen5.JPG
Bahnhof Esslingen
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 7
Abkürzung TE
IBNR 8001920
Eröffnung 20. November 1845
Webadresse www.bahnhof.de
Architektonische Daten
Baustil Rundbogenstil (1846)
Neorenaissance (1882/83)
Architekt Michael Knoll (1846)
Lage
Stadt Esslingen am Neckar
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 44′ 19″ N, 9° 18′ 0″ O48.7386111111119.3Koordinaten: 48° 44′ 19″ N, 9° 18′ 0″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
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Der Bahnhof Esslingen (Neckar) ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Esslingen am Neckar und liegt am Streckenkilometer 13,2 der Filstalbahn.

Geschichte[Bearbeiten]

Die einstige Reichsstadt Esslingen war als Endpunkt der ersten württembergischen Eisenbahnstrecke, der Centralbahn Esslingen–Stuttgart–Ludwigsburg vorgesehen. Begünstigt durch die ebene Fläche am Neckar, gingen die Arbeiten schnell voran und am 20. November 1845 konnte der Bahnhof Eßlingen dem Verkehr übergeben werden. Er verfügte über ein einstöckiges Empfangsgebäude und eine Lokomotivremise. Später kam noch ein Wohnhaus für Bahnbedienstete hinzu.

Nicht alle Ratsherren der Oberamtsstadt sahen im neuen Verkehrsmittel einen Vorteil. Noch war hier der Endpunkt der Strecke, doch der Weiterbau durch das Filstal ließ nicht lange auf sich warten. Sie befürchteten, dass hier eine unbedeutende Haltstation an der Ostbahn zwischen Stuttgart und Ulm entstünde, die der Stadt nicht gerecht sei. Aufgrund der geographischen Lage im Tal zwischen den Fildern und dem Schurwald kam jedoch ein Eisenbahnknoten an jener Stelle nicht in Frage.

Zur großen Industrialisierung kam es trotzdem. Die zahlreichen alten Fabrikgebäude in der Weststadt zeugen noch heute vom Aufschwung, den Esslingen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte.

Bereits 1852 stattete die königliche Staatsbahn (K.W.St.E.) die Ostbahn zwischen Cannstatt und Plochingen mit einem zweiten Streckengleis aus.

Der Bahnhof war überlastet und musste vergrößert werden. Dies hatte eine Verschiebung der gesamten Anlage nach Westen zur Folge. Die K.W.St.E. veranlasste den Bau eines neuen Empfangsgebäudes auf Höhe der Friedrichstraße (heutige Berliner Straße). Nun gab es zehn Gleise und vier Bahnsteige. Der Güterbahnhof hatte mehrere Schuppen. 1884 legte die Stadt den Bahnhofsplatz an. In dessen Mitte befand sich ab 1892 ein zwischenzeitlich entfernter gusseiserner Schalenbrunnen. Am Bahnhofsplatz 2 entstand 1899 das Bahnbetriebsgebäude, schräg gegenüber 1901 das 2001 abgerissene Postamt im neugotischen Stil. 1909 kam das Zollamt in der Eisenbahnstraße (heutige Fleischmannstraße) im Jugendstil hinzu.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollte eine neue Bahnlinie die starkbefahrene Ostbahn vor allem vom Güterzugverkehr entlasten. Die Linksufrige Neckarbahn hätte auch Esslingen tangiert. Ein Südbahnhof sollte für Esslingen in der Pliensauvorstadt entstehen. 1909 entschied sich die Staatsbahn, die Trasse aus Kostengründen nicht bis Plochingen, sondern nur bis zum bestehenden Bahnhof Esslingen zu bauen, den sie mit Hilfe einer 260 Meter langen Brücke über den Neckar erreicht hätte. Da die Bahnlinie aber stets in der Konkurrenz zum viergleisigen Ausbau der Ostbahn stand, wurde sie zurückgestellt und schließlich nie errichtet.

1912 nahm die Straßenbahn Esslingen am Neckar ihren Betrieb auf, sie wurde von der Gesellschaft Eßlinger Städtische Straßenbahn (ESS) betrieben. Die Haltestelle auf dem Bahnhofsplatz bedienten beide Linien: Die Durchgangslinie von Obertürkheim nach Oberesslingen und die Stadtlinie, die im Ringverkehr durch die Altstadt führte. Letztere bestand nur bis 1915. Auf der Durchgangslinie fuhren die Straßenbahnen bis 1944. Danach übernahm der Oberleitungsbus Esslingen am Neckar den Betrieb.

Ebenfalls auf dem Bahnhofsplatz war von 1926 bis 1978 die Wendeschleife für die Züge der END – der Straßenbahn Esslingen–Nellingen–Denkendorf GmbH. Die Überlandstraßenbahn verband die Gemeinden Nellingen auf den Fildern und Denkendorf mit ihrer Oberamtsstadt. 1929 kam ein Streckenast hinzu, der in Nellingen abzweigte und Scharnhausen und Neuhausen auf den Fildern anschloss.

Nach dem am 14. Oktober 1931 die Ostbahn zwischen Stuttgart Hbf und Esslingen viergleisig ausgebaut war, begann nach der Elektrifizierung am 15. Mai 1933 der Vorortverkehr nach Stuttgart, aus der sich später die S-Bahn entwickelte. Am 15. Mai 1939 erhielt der Bahnhof den Namenszusatz (Neckar). Die Umbenennung von Eßlingen (Neckar) in die heutige Schreibweise erfolgte am 27. September 1965, nachdem die Stadt bereits im vorigen Jahr die offizielle Schreibweise ihres Namens änderte.

Zum Teil scheint sich die Aussage der skeptischen Stadtväter aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bewahrheitet zu haben. Zwar ist der Bahnhof Esslingen heute ein Umsteigepunkt zwischen der S-Bahn und dem Regionalverkehr, aber alle Fernzüge lassen ihn außen vor. Von einem bedeutungslosen Bauwerk kann dennoch nicht die Rede sein.

Empfangsgebäude[Bearbeiten]

Das erste, eingeschossige Empfangsgebäude entstand 1846 vermutlich unter der Leitung von Georg Morlok nach Plänen von Michael Knoll. Der im schlichten Stil Knolls gestaltete und schmal geschnittene achtachsige Bau besaß ein Satteldach. Der Stadtseite war ein Arkadengang vorgelagert.[1]

Bahnhof Esslingen 1905 Stadtseite.png
Empfangsgebäude von 1882/83, Stadtseite

In den 1880er Jahren zählte Esslingen über 20.000 Einwohner und war die viertgrößte Stadt Württembergs. Daher stattete die Staatsbahn das neue Empfangsgebäude entgegen der ansonsten üblichen Sparsamkeit prunkvoller aus. Es wurde 1882 bis 1883 im italienischen Renaissancestil errichtet. Der Architekt erstellte keinen von Grund auf neuen Entwurf, sondern wandelte die Pläne des 1869 bis 1873 erbauten Bahnhofs in Mengen nur leicht in seinen Proportionen ab. Der Bau setzt sich aus einem langgezogenen, 15-achsigen einstöckigen Mittelbau und zwei zweistöckigen Kopfbauten zusammen. Dem Mittelteil ist ein Arkadengang vorgelagert.[2]

Für die Gestaltung des zentral im Mittelteil gelegenen Eingangsportals ließ sich der Architekt wohl von römischen Triumphbogen inspirieren. Gut sichtbar über dem Zugang prangt das württembergische Wappen, von Eichenlaub und Lorbeeren umgeben. Darunter die Jahreszahl MDCCCLXXXIII (1883). Auf dem Risalit selbst steht in Großbuchstaben das Wort BAHNHOF. Das alte Empfangsgebäude, das am Ende der Bahnhofstraße stand, musste weichen. Teile davon erwarb die Firma Friedr. Dick und baute sie auf ihrem Fabrikgelände als Bürogebäude wieder auf. Sie wurden Ende der 1980er Jahre abgerissen.

Südausgang Esslinger Bahnhof, Fußweg zum Landratsamt

Im Zuge des Konjunkturpakets II soll das Empfangsgebäude mit energetischen Maßnahmen saniert werden. Zusätzlich sollen die Bahnsteige durch Aufzüge besser zugänglich gemacht werden.

Bahnbetrieb[Bearbeiten]

Den Bahnhof bedienen Regionalzüge und die Linie S1 der Stuttgarter S-Bahn. Gleis 1 und der Hausbahnsteig existieren nicht mehr. Auf Gleis 2 halten planmäßig keine Züge. Auf Gleis 3 halten die Regionalzüge Richtung Bad Cannstatt. Gleis 4 verfügt über keinen Bahnsteig, hier durcheilen Güter- und Fernzüge den Bahnhof. Auf Gleis 5 und 6 verkehren die Regionalzüge in Richtung Plochingen. Gleis 7 bedienen die Regionalzüge und S-Bahnen Richtung Bad Cannstatt, Gleis 8 die in Richtung Plochingen. Die Gütergleise 9 und 10 enden in Richtung Plochingen an einem Prellbock.

Der Bahnhof Esslingen (Neckar) entspricht laut der Deutschen Bahn AG der Bahnhofskategorie 3.

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Strecke Taktfrequenz
RE R1 Stuttgart – S-Bad Cannstatt – Esslingen (Neckar) – Plochingen – GöppingenGeislingen (Steige)Ulm 60-Minuten-Takt
RE R8 Stuttgart – S-Bad Cannstatt – Esslingen (Neckar) – Plochingen – NürtingenMetzingenReutlingenTübingen 60 Minuten-Takt (von mittags bis abends auf 30-Minuten-Takt verdichtet)
RB R1 Stuttgart – S-Bad Cannstatt – Esslingen (Neckar) – Plochingen – Göppingen – Geislingen (Steige) 30-Minuten-Takt

S-Bahn[Bearbeiten]

Linie Strecke
S 1 Kirchheim (Teck)Wendlingen – Plochingen – EsslingenNeckarpark – Bad Cannstatt – Hauptbahnhof – SchwabstraßeVaihingenRohrBöblingenHerrenberg (Verstärkerzüge im Berufsverkehr zwischen Esslingen und Böblingen.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Mey: Esslingen – Einst und heute. Bechtle Verlag, Esslingen am Neckar 1992, ISBN 3-7628-0514-8.
  •  Andreas M. Räntzsch: Stuttgart und seine Eisenbahnen. Die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Raum Stuttgart. Uwe Siedentop, Heidenheim 1987, ISBN 3-925887-03-2.
  • Chr. Ottersbach, C. Ziehr: Esslingen am Neckar – Kunsthistorischer Stadtführer. BechtleBuch+MagazinVerlag, Esslingen am Neckar 2001, ISBN 3-7628-0564-4.
  • Otto Borst: Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar. Bechtle Verlag, Esslingen am Neckar 1977, ISBN 3-7628-0378-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Roland Feitenhansl: Der Bahnhof Heilbronn – seine Empfangsgebäude von 1848, 1874 und 1958. DGEG Medien, Hövelhof 2003, ISBN 3-937189-01-7, S. 102.
  2. Feitenhansl (2003), S. 179