Bahnhof Genève-Cornavin

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Gare de Cornavin
Haupteingang des Genfer Hauptbahnhofs Cornavin
Haupteingang des Genfer Hauptbahnhofs Cornavin
Daten
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Perrongleise 8
Reisende ca. 65'000 täglich[1]
Abkürzung GE
IBNR 8501008
Eröffnung 1858, aktueller Bau: 1931
Architektonische Daten
Baustil Neoklassizismus
Architekt Julien Flegenheimer (1931)
Lage
Stadt Genf
Kanton Genf
Staat Schweiz
Koordinaten 499951 / 11844546.216.1422222222222Koordinaten: 46° 12′ 36″ N, 6° 8′ 32″ O; CH1903: 499951 / 118445
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz

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Der Bahnhof Genève-Cornavin (französisch auch nur Gare de Cornavin), ist der Hauptbahnhof der Stadt Genf. Mit täglich ca. 65'000 Reisenden ist er der neunt grösste Bahnhöf der Schweiz.[1] SBB bezeichnen den Bahnhof schriftlich als Genève, SNCF als Genève-Cornavin. Auf den blauen Bahnhofschildern, an den Perrondächer usw., steht die SBB-Schreibweise Genève.

Der Bahnhof befindet sich an den Grenzen der Genfer Quartiere Saint-Gervais, Les Grottes und Les Pâquis. Der gleichnamige Platz vor dem Bahnhof, La Place de Cornavin, ist ein wichtiger Knotenpunkt der Transports Publics Genevois, der städtischen Verkehrsbetriebe. Neben den Omnibussen halten hier auch Strassenbahnen. Unter dem Platz befindet sich eine öffentliche Parkgarage.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Standortwahl des Bahnhofs fiel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während der Planung der Bahnstrecke Genf–Lyon. Nachdem man mehrere Standorte angeschaut hatte, entschied man sich, den Bahnhof an den damaligen Stadtrand zu setzen, um die Anwohner vor dem Lärm und den Abgasen zu schützen und damit die Stadt nicht in zwei Teile geschnitten wird.

Bahnhof Cornavin nach dem Brand
Gleisseite von Süden, links ein Nahverkehrstriebwagen der Baureihe SBB Bem 550

Im Rahmen einer dreitägigen Feier wird die Strecke und der Bahnhof zwischen dem 16. und dem 18.  März 1858 eröffnet. Während der Zeit, als der Bahnhof noch in Hand der PLM liegt, wird der Bahnhof zweimal, 1873 und 1893, erweitert. Durch ein Feuer am 11. Februar 1909 brennt der Bahnhof bis auf seine steinernen Grundmauern ab. Kurze Zeit später, 1912, übernehmen die SBB den Bahnhof. Am 22.Dezember 1925 elektrifiziert diese die Bahnstrecke Lausanne–Genf.

Nachdem am 28. April 1919 während der Pariser Friedenskonferenz entschieden wurde, den Sitz des Völkerbundes nach Genf zu legen, brachen in der ganzen Stadt Genf zahlreiche Arbeiten an. In diesem Zusammenhang wurde der Bahnhof Cornavin nach Plänen des Architekten Julien Flegenheimer mit Skulputen von Jacques Probst im Giebel errichtet. Die Haupthalle wurde schon 1929 eröffnet, die restlichen Arbeiten sind 1931 fertiggestellt worden.

Auf der nach Frankreich führenden Strecke wurde am 27. September 1956 zwischen Culoz und dem Bahnhof der elektrische Betrieb aufgenommen. Die Strecke wurde aber statt nach Schweizer Norm mit der französischen Norm, 1500 V Gleichstrom, elektrifiziert, was der SBB-Strecke zwischen Genf und La Plaine eine Spezialität bescherte. Speziell dafür wurde 1956 eine neue Fahrzeugserie beschafft, die beiden BDe 4/4 II, welche an die französische Spannung angepasst waren. 1995 wurde diese Fahrzeugserie von fünf Bem 550 abgelöst. Die Fahrzeuge werden für den Regionalverkehr verwendet, der Fernverkehr auf dieser Strecke wird durch die SNCF abgewickelt. Seit 1956 besitzt der Bahnhof zwei unterschiedliche Oberleitungsspannungen und ist somit ein Systemwechselbahnhof. Über einem Teil der Bahnhofsgleise kann die Oberleitung zwischen den beiden Systemen umgeschaltet werden. Die Mehrheit der Gleise kann aber nur mit einer Spannungsart eingespeist werden, weshalb für den Rangierdienst die Ee 3/3 IV zum Einsatz kommen, die unter beiden Systemen fahren können. Die SNCF plant die Strecke auf ihre Wechselstromvariante 25'000 Volt und 50 Hertz umzubauen, das genaue Umstelldatum ist noch nicht endgültig (Planungstermin 2013–14).

Am 18. Februar 1987 prallte ein aus La Plaine gekommener BDe 4/4 II-Pendelzug in einen Prellbock. 16 Personen wurden verletzt.[2]

Im Rahmen des RailCity-Konzeptes der SBB wird der Bahnhof momentan in ein «attraktives und modernes Servicezentrum» umgewandelt. Hierfür wurde 2004 der Westflügel des Bahnhof renoviert, der Rest soll zwischen 2009 und 2012 fertiggestellt werden. Momentan beherbergt der Bahnhof über 50 Geschäfte, Bars und Restaurants sowie eine Polizeistation.

Betriebliches[Bearbeiten]

Als Endbahnhof zweier Linien hat sich auch in Genf ein Unterhaltsstandort ausgebildet. Das Depot wurde zwar von Anfang an für beide Bahngesellschaften, die LG (später PLM, SNCF) und die GV (später LFB, OS, JS, SBB), erbaut. Wobei allerdings die Gleise klar einer Gesellschaft zugewiesen waren, es sich in dem Sinn also um zwei Depots unter einem Dach gehandelt hat. Das Depot befindet sich in Richtung Lausanne auf der westlichen (vom See abgewandten Seite) der Strecke, dazwischen liegen die Abstellgleise der SNCF. Bei den SBB, während der Zeit des Kreises I, war die Depotwerkstatt zwar offiziell immer dem Depot Lausanne unterstellt (es gab keine [Strecken-]Lokomotivzuteilung Depot Genf, Ausnahmen waren die Gleichstromtriebwagen), sie wurde aber relativ selbständig geführt. Das Zugspersonal und die Lokomotivführer der SBB wurden immer eigenständig verwaltet. Während sich die SNCF weitestgehend zurückgezogen haben (der Rückzug begann mit der Elektrifizierung ihrer Strecke) und sie in Genf nur noch einen Personalstandort haben, wurde er für die SBB das wichtigste Unterhaltszentrum für die InterCity-Neigezzüge und gehört heute zur Division Personenverkehr.

Besonderes[Bearbeiten]

Bei Ansagen des SBB-Bahnpersonals und Kennzeichnung der SBB-Züge, die i.d.R. bis zum Flughafen weiterfahren, wird der Bahnhof nicht ausdrücklich aufgeführt. Zu beachten ist aber, dass es sich um eine Doppeldeutung handelt; die Züge fahren zuerst Genf (Cornavin/Hauptbahnhof) an, und dann erst den Flughafen. Ob die Durchsagen und Aufschriften „... Genève Aéroport“ nun als „der Zug fährt via ... über Genf bis zum Flughafen“ oder eher als „der Zug fährt via ... bis zum Genfer Flughafen (wobei der Halt am Genfer Hauptbahnhof auch abgedeckt ist)“ interpretiert werden soll, ist dem Passagier selbst überlassen.

Wichtige Daten[Bearbeiten]

  • 18. März 1858; Eröffnung der doppelspurigen Strecke Seyssel–La Plaine–Genève durch die Eisenbahngesellschaft Lyon Genève LG (ab 1. Jan. 1862 PLM, ab 1. Jan. 1938 SNCF)
  • 25. Juni 1858; Eröffnung der Strecke Genève–Versoix, durch die Eisenbahngesellschaft Genève-Versoix GV (ab 1. Aug. 1858 LFB, ab 1. Jan. 1872 SO, ab 28. Juni 1881 SOS, ab 1. Jan. 1890 JS, ab 1. Mai 1902 SBB)
  • 1868; Doppelspuriger Ausbau der Strecke Genève–Gland
  • 11. Februar 1909; Vollbrand des Bahnhofsgebäudes
  • 22. Dez. 1925; Elektrifizierung der SBB-Strecke Renens–Genève mit 15'000 V, 16 2/3 Hz
  • 27. Sep. 1956; Elektrifizierung der SNCF-Strecke Culoz–Genève mit 1500 Volt Gleichstrom (Umstellung auf 25'000 V, 50 Hz in Planung)
  • 27. Sep. 1984 Inbetriebnahme der Gleise 7 und 8 mit neuem Perron für die Züge von und nach Frankreich
  • 18. Mai. 1986 Neues Gleis, inklusive Tunnel Saut de Mouton (1734m), in Betrieb genommen zwischen Genf und Abzweigung Chatelaine für Züge von und nach Frankreich. Start des Umbau der bestehenden Gleise auf Wechselstrom als Teil des Flughafenbahns.
  • 31. Mai 1987; Eröffnung der doppelspurigen SBB-Strecke [Genève] Abzweigung Chatelaine–Genève Aéroport (15'000 V, 16 2/3 Hz)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die SBB in Zahlen und Fakten 2013. SBB CFF FFS, 2014, abgerufen am 20. Juli 2014 (PDF).
  2. Accident CFF: les hypothèses. Journal de Genève, 19. Februar 1987, abgerufen am 16. November 2013 (Le Temps – archives historiques, französisch). mit Foto