Bahnhof Graben-Neudorf
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Bahnhof Graben-Neudorf | |
|---|---|
| Regionalbahn im Bahnhof Graben-Neudorf, Gleis 4 | |
| Bahnhofsdaten | |
| Kategorie | 5 „Nahverkehrssystemhalt“ |
| Betriebsart | Kreuzungsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 5 |
| Abkürzung | RGN |
| Eröffnung | 1870 |
| Lage | |
| Ort | Graben-Neudorf |
| Koordinaten | 49° 9′ 42,7″ N, 8° 29′ 25,8″ O49.1618611111118.4904972222222Koordinaten: 49° 9′ 42,7″ N, 8° 29′ 25,8″ O |
| Eisenbahnstrecken | |
Der Bahnhof Graben-Neudorf ist der Dreh- und Angelpunkt der badischen Gemeinde Graben-Neudorf. Besondere Bedeutung im Schienenverkehr kommt ihm zu, da er einen Eisenbahnknotenpunkt bildet. In ihm kreuzen sich die Rheintalbahn zwischen Mannheim und Basel sowie die Bruhrainbahn zwischen Bruchsal und Germersheim. Außerdem zweigte in ihm die 1967 stillgelegte Hardtbahn (Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe) ab. Der Bahnhof ist in die Bahnhofskategorie 5 eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Lage und Ausstattung
Der Bahnhof Graben-Neudorf liegt zentral zwischen den Ortsteilen Graben und Neudorf der Gemeinde Graben-Neudorf, am südlichen Rand der Gemarkung Neudorf. Der Ortsteil Neudorf ist auf der Ostseite der Bahnlinie durch das Wohn- und Industriegebiet Mitte-Ost mit der zugehörigen Einkaufsmeile an der Heidelberger Straße stark an den Bahnhof herangewachsen. Das heutige Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde im Jahr 1980 eingeweiht. Das Relaisstellwerk wurde 1982 in Betrieb genommen. Das Bahnhofsgebäude erfüllt heute außer einem nicht immer geöffneten Wartebereich keine betriebliche Funktion mehr. Es ist zurzeit an ein Sicherheitsunternehmen vermietet. Im alten Bahnhofsgebäude befindet sich heute die Gemeindebibliothek.
Der Bahnhof Graben-Neudorf hat fünf dem Personenverkehr zugängliche Gleise an insgesamt drei Bahnsteigen. Zum Erwerb von Fahrkarten stehen drei Fahrkartenautomaten zur Verfügung, darunter einer für den Fernverkehr mit Touchscreen.
Er ist von der West- und der Ostseite her erreichbar und hat auf beiden Seiten ausreichend Parkplätze und Fahrradabstellplätze. Die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer verbindet beide Richtungen, im Westen den Bahnhofsring mit der Heidelberger Straße im Osten.
Außer dem Bahnhof Graben-Neudorf gibt es in Graben-Neudorf noch den Haltepunkt Graben-Neudorf Nord. Er liegt an der Bahnstrecke Bruchsal–Germersheim (Bruhrainbahn) bei deren Streckenkilometer 10,7 im Nordwesten des Ortsteils Neudorf an der Molzaustraße. Er wurde im Mai 1994 zusammen mit dem Start des Karlsruher Verkehrsverbunds in Betrieb genommen.
Geplant ist ferner ein Haltepunkt Graben-Neudorf Süd. Er soll an der Rheintalbahn auf Höhe der Adolf-Kußmaul-Schule im südöstlichen Ortsteil Graben liegen, wo in absehbarer Zeit ein kleineres Wohngebiet erschlossen werden soll.
[Bearbeiten] Verkehrsanbindung
Der Bahnhof ist Halt von Regionalbahnen und Regional-Express-Zügen.
Seit Dezember 2007 ist der Bahnhof Graben-Neudorf wieder an das Busnetz angeschlossen. Die Buslinien Hochstetten–Neudorf und die Ringlinie Graben-Neudorf–Dettenheim, letztere seit Dezember 2008, bedienen hier die Haltestelle mit dem Namen Graben-Neudorf Bahnhof. Die Bushaltestelle befindet sich gegenüber dem Bahnhofsgebäude an der Straße Bahnhofsring. Die beiden Buslinien werden im Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) von der Regionalbusverkehr Südwest GmbH (RVS) als Lizenznehmer und in deren Auftrag teilweise von verschiedenen privaten Busunternehmen aus der Region mit den Liniennummern 124 (Hochstetten–Neudorf) und 198 (Graben-Neudorf–Dettenheim) betrieben. Zur Bedienung des Bahnhofs biegen die Linienbusse von der Hauptstraße in Graben-Neudorf Mitte auf den Bahnhofsring ab und kehren danach auf die Hauptstraße zurück. Die Bushaltestelle Graben-Neudorf Bahnhof liegt zwischen der Haltestelle Graben-Neudorf Zentrum und Neudorf Amalienstraße. Die Ankunft- und Abfahrtzeiten der Busse sind nicht auf alle Relationen der Züge der Deutschen Bahn abgestimmt.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Eröffnung und Entwicklung zum Knotenpunkt
Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke Mannheim – Schwetzingen – Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe im Jahr 1870 begann die Geschichte des Bahnhofs. Am 23. November 1874 wurde die Bruhrainbahn nach Rheinsheim eröffnet, die am 15. Mai 1877 nach Germersheim verlängert wurde.
Im Jahr 1895 wurde die strategische Bahnstrecke Graben-Neudorf – Blankenloch – Karlsruhe – Durmersheim – Rastatt – Haguenau eröffnet, womit die fortan als Hardtbahn bezeichnete Strecke Graben-Neudorf – Eggenstein – Karlsruhe als Nebenbahn ins Abseits geriet.
Auf der Bruhrainbahn verkehrten etwa ab 1890 zunächst Fernzüge der Relation München – Stuttgart – Bretten – Bruchsal – Germersheim – Landau – Biebermühle – Zweibrücken – Saarbrücken, ebenso auf der Rheintalbahn Karlsruhe – Mannheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Fernverkehr der Ost-West-Richtung an Bedeutung und wurde auf der Bruhrainbahn eingestellt. Trotz der Tatsache, dass der Bahnhof Knotenpunkt zweier überregionaler Magistralen war, war er nie Halt von Fernzügen.
[Bearbeiten] 20. Jahrhundert
Im Jahr 1967 wurde der Betrieb auf der Hardtbahn eingestellt und die Strecke zwischen Graben-Neudorf und Leopoldshafen abgebaut. Zwischen 1987 und 1989 wurde die Hardtbahn mit teilweise geänderter Streckenführung durch die Ortskerne bis Hochstetten reaktiviert. Heute betreibt die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hier mit hoher Fahrgastakzeptanz die Stadtbahnen S 1 und S 11 des Karlsruher Verkehrsverbunds. Über eine Verlängerung nach Graben-Neudorf auf der alten Bahntrasse wurde nachgedacht, sie erscheint aber nicht realisierbar, zumal Graben-Neudorf über die Rheintalbahn direkt mit Karlsruhe verbunden ist. Langfristig aussichtsreicher erscheint eine Fortführung der Hardtbahn von Hochstetten über Dettenheim nach Philippsburg.
1972 kam es im Bahnhof zu einem gefährlichen Unfall. Ein Fass in Form einer Bleibox, das Plutonium enthielt und per Güterzug zum Kernforschungszentrum Karlsruhe transportiert werden sollte, kippte um und rollte in im Bahnhof Graben-Neudorf auf das Gleis. Von vorbeifahrenden Zügen wurde es in die Luft geschleudert. In Schutzanzügen wurde anschließend nach dem Fass gesucht, erst nach Stunden wurde es gefunden. Das Plutonium war der Bleibox nicht entronnen; andernfalls wäre der gesamte Bahnhof mit Plutonium kontaminiert worden.[1]
[Bearbeiten] Bahnhofsname
Fälschlicherweise wird der Bahnhof Graben-Neudorf in der Umgangs- und Eisenbahnersprache, wohl aus einer gewissen Sprachfaulheit heraus, häufig nur mit „Graben“ bezeichnet. In Karlsruhe Hbf wird in den Abfahrtplänen und auf den elektronischen Zugzielanzeigern das Kürzel „Graben-N.“ verwendet, wie bei anderen Bahnhofsnamen mit Bindestrich (z. B. „Kassel-W.“, „Wiesloch-W.“, „Bietigheim-B.“) ist dies dort mit Platzmangel begründet.

