Bahnhof Greifswald

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Greifswald
Außenfassade des Bahnhofs
Außenfassade des Bahnhofs
Daten
Kategorie 4[1]
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Reisende < 5.000/Tag[2]
Abkürzung WGW
IBNR 8010139
Eröffnung 1. November 1863
Architektonische Daten
Baustil Klassizismus
Lage
Stadt Greifswald
Land Mecklenburg-Vorpommern
Staat Deutschland
Koordinaten 54° 5′ 34″ N, 13° 22′ 13″ O54.09277777777813.370277777778Koordinaten: 54° 5′ 34″ N, 13° 22′ 13″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Mecklenburg-Vorpommern
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Der Bahnhof Greifswald ist der wichtigste Bahnhof der mecklenburg-vorpommerschen Kreisstadt Greifswald im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Er befindet sich am Streckenkilometer 209,6 der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn und wird von der Deutschen Bahn AG, die gleichzeitig Eigentümerin ist, sowie von deren regionaler Tochtergesellschaft Usedomer Bäderbahn (UBB) bedient. Der Bahnhof selbst verfügt über einen Haus- sowie einen Mittelbahnsteig mit insgesamt drei Gleisen.

Lage[Bearbeiten]

Der Bahnhof liegt südwestlich der Innenstadt der 54.610 Einwohner zählenden Stadt Greifswald zwischen der Bahnhofstraße und der Osnabrücker Straße im Stadtteil Fettenvorstadt in einer Höhe von m ü. NHN. Nördlich des Bahnhofs fließt der Ryck, westlich des Bahnhofs ist ein Regenrückhaltebecken und in östlicher Richtung befindet sich der Stadtgraben mit dem Schutzwall, der die Innenstadt von der Fettenvorstadt trennt.

Geschichte[Bearbeiten]

→ Siehe auch Geschichte der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn

Die Anbindung der Stadt Greifswald erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Berlin-Stettiner Eisenbahn. Eine feierliche Einweihung der Eisenbahnlinie von Angermünde nach Stralsund erfolgte am 26. Oktober 1863 durch den preußischen König Wilhelm I., der planmäßige Zugverkehr erfolgte jedoch erst am 1. November 1863. Mit dem Bau der Strecke wurde zugleich auch ein Abzweig zum Hafen gebaut. Im Oktober 1863 eröffnete die Eisenbahnwerkstatt der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft, die für Lokomotiven, Personen- und Güterwagen konzipiert war. Im Jahr 1868 wurde das Bahnhofsgebäude in unmittelbarer Nähe der Wallanlagen fertiggestellt. Die preußische Staatsbahn übernahm 1881 die Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft. Am 26. November 1896 wurde die Bahnstrecke Greifswald–Grimmen–Tribsees eröffnet, die im Sommer 1945 bis auf kleine Reste abgebaut wurde. Am 16. September 1897 wurde die Kleinbahn Greifswald–Jarmen eröffnet und am 30. April 1945 wieder eingestellt. Die Gleise baute man als Reparation an die Sowjetunion ab. Am 20. Dezember 1898 wurde die Kleinbahn Greifswald–Wolgast eröffnet und Mitte 1945 als Reparationsleistung demontiert. Am 21. Januar 1903 entstand eine kleine Hafenbahn, die am 21. November 1919 noch erweitert worden ist. Durch mehrere Um- und Erweiterungsbauten in den Jahren 1863, 1906/07 und 1911 bis 1913 wurde der Bahnbetrieb zum größten Industriebetrieb in Greifswald mit bis zu 800 Beschäftigten. Es gab auch Pläne den Bahnhof am Hafen zu bauen, diese wurden jedoch wegen der peripheren Lage zur Streckenführung verworfen. Bis zum Jahr 1910 wurde die Strecke von Angermünde bis Stralsund durchgehend zweigleisig ausgebaut. Mit dem Anstieg der Einwohnerzahl Ende 1928 wuchs auch die Bedeutung Greifswalds als Verkehrsknotenpunkt. In den Jahren 1937/38 gab es eine Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes durch das Städtische Grünamt, dabei entstanden die ersten Parkplätze und man verrohrte den Stadtgraben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Empfangsgebäude beschädigt und anschließend wieder aufgebaut. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein Hauptgleis zwischen dem Berliner Außenring und Stralsund als Reparation für die Sowjetunion abgebaut. Die Wiederinbetriebnahme der durchgehend zweigleisigen Strecke von Angermünde bis nach Stralsund fand erst im Jahr 1978 statt. Am 28. September 1969 wurde durch die Deutsche Reichsbahn eine Strecke zum Kernkraftwerk Lubmin erbaut, die heute durch die Energiewerke Nord GmbH betrieben wird. Im Jahr 1982 baute man den Busbahnhof, eine Grünfläche mit einem Teich wurde dafür bebaut. Mit dem Neubau des größten deutschen Fährhafens Sassnitz (Mukran) in den 1980er Jahren, einem der letzten großen Verkehrsbauprojekte der DDR, begann die schrittweise Elektrifizierung der Strecke Berlin–Stralsund–Mukran.

Bahnhof während der Sanierung

Am 9. September 1988 ging die Elektrifizierung zwischen Züssow und Greifswald in Betrieb und am 17. Dezember 1988 zwischen Greifswald und Stralsund.[3] In den Jahren 2006 bis 2008 wurde der Bahnhof komplett saniert, dabei wurden die Bahnsteige, Bahnsteigdächer, die Fußgängerunterführung, Lautsprecher, Beleuchtung, Beschilderung sowie die Fuß- und Radwege im Zuge des Projektes „Bahnparallele Greifswald“ modernisiert. Neu hinzu kamen behindertengerechte Aufzüge, Blindenleitsysteme und eine Personenunterführung. Außerdem wurde die Dacheindeckung des Empfangsgebäudes saniert und die Fassade zur Gleisseite im Bereich Hausbahnsteig nach Auflagen der Denkmalpflege teilsaniert.[4] Zur selben Zeit verlegte man auch die Bahnhofsstraße weiter nach Süden. Dabei wurde eine Unterführung unter dem Bahnhof gebaut und der alte Bahnübergang nördlich des Bahnhofs wurde nach Fertigstellung der Unterführung entfernt und durch eine Fußgängerunterführung ersetzt. Im IV. Quartal des Jahres 2009 bis zum 15. Juli 2010 wurde das Bahnhofsgebäude durch das Konjunkturprogramm von Bund und Bahn saniert. Als zusätzliche Maßnahme zum Konjunkturprogramm soll das elektronische Stellwerk für den Bereich Greifswald fertiggestellt werden und der Brandschutz am Bahnhof soll verbessert werden.[4] Am 20. Januar 2008 ging das neue Elektronische Stellwerk in Prenzlau in Betrieb. Mit diesem und dem neuen Stellwerk in Tantow wird die Bahnstrecke von Berlin bis Stralsund einschließlich der Strecke nach Stettin von der Betriebszentrale der Bahn in Berlin-Pankow ferngesteuert. Der Bahnhof steht heute unter Denkmalschutz.[5]

Bahnhofsgebäude[Bearbeiten]

Eingang des Bahnhofs
Rückseite des Bahnhofs

Das Bahnhofsgebäude wurde im Jahr 1879 fertiggestellt und besteht hauptsächlich aus Travertin-Naturstein. Es wurde im Stil des Klassizismus erbaut. In dem Gebäude befindet sich eine Empfangshalle mit mehreren Sitzplätzen und ein DB Reisezentrum. Vom IV. Quartal des Jahres 2009 bis zum 15. Juli 2010 wurde das Bahnhofsgebäude durch das Konjunkturprogramm von Bund und Bahn saniert. Zur feierlichen Betriebsnahme, Einweihung und Inbetriebnahme des Bahnhofs kamen der Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der Vorstandsvorsitzende der DB Station&Service AG Dr. André Zeug und der Oberbürgermeister von Greifswald Arthur König (CDU). Geplant wurde die Maßnahme von der DB Station und Service und durchgeführt durch die FORM NORD GbR. Während der Sanierung wurde die Kellerdecke unterseitig gedämmt und der Dachaufbau sowie die Innenwände des denkmalgeschützten Gebäudes wurden von innen mit einer hochwertigen Dämmung versehen. Aus denkmalschutztechnischen Gründen konnte auf die Klinkerfassade des Gebäudes kein modernes Wärmedämmverbundsystem aufgebracht werden. Stattdessen wurde die Außenfassade mit Heißdampf gereinigt, Fehlstellen ausgebessert und dann komplett lasiert. Die Empfangshalle und das komplette Gebäude bekamen eine neue Farbgebung, die nach dem restauratorischen Gutachten in Abstimmung mit der Denkmalpflege erfolgte. Zudem wurde die Lüftungsanlage saniert und auf aktuelle Lüftungstechnik umgestellt. Die Sanierungsmaßnahme hatte das Ziel einer ganzheitlichen Substanzsanierung, einer größtmöglichen Kohlendioxid-Einsparung sowie einer optischen Modernisierung des Empfangsgebäudes. Somit trägt die energetische Sanierung des Empfangsgebäudes am Bahnhof Greifswald zur Einsparung von Ressourcen und damit zum nachhaltigen Schutz unseres Ökosystems bei. Insgesamt verringert sich der Ausstoß an Kohlendioxid um 70 Tonnen pro Jahr, dies entspricht etwa 27 %. Die eingesparte Energiemenge reicht aus, um 27 Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu beheizen.[6][4]

Gleisanlage[Bearbeiten]

Gleisseite des Bahnhofs

Der Bahnhof verfügt über drei Bahnsteiggleise. Gleis 1 liegt am 55 cm hohen Hausbahnsteig und hat eine Länge von 321 Metern. Gleis 2 und 3 liegen am Mittelbahnsteig, der ebenfalls eine Höhe von 55 cm hat. Der Bahnsteig am Gleis 2 ist 321 m lang und am Gleis drei 143 Meter, sie sind beide durch eine Unterführung mit dem Hausbahnsteig verbunden.[7] Planmäßig werden nur die Gleise 1 und 2 benutzt, nur bei Verspätungen verkehren auch Personenzüge vom Gleis 3, wenn mehrere Züge hintereinander fahren. Ansonsten wird Gleis 3 auch öfter zum Abstellen von langsamen Güterzügen benutzt, damit Personenzüge diese überholen können. Fernverkehrszüge können am Gleis 3 aufgrund der kurzen Länge nicht halten, ebenso wie Regionalzüge mit mehr als vier Wagen. Am Bahnhof waren drei Rangiergleise für den Güterverkehr vorhanden, es gab noch Werksgleise zur Industriemühle und zum Werk Nachrichtenelektronik Greifswald, diese wurden jedoch wegen der geringen Benutzung abgebaut. Vom Bahnhofsvorplatz besteht Anschluss an mehrere Omnibuslinien, die von den Stadtwerken Greifswald betrieben werden. Außerdem befindet sich vor dem Bahnhof ein Taxistand.

Güterbahnhof[Bearbeiten]

Gleis zum Hafen (Brücke über Ryck)

In Greifswald gab es einen Warenumschlag per Bahn und Schiff. Hauptumschlaggüter im 19. Jahrhundert waren Rüben, Kartoffeln, Getreide, Raps, Mohn, Phazelie, Mehl und Molkereiprodukte. Diese wurden am Hafen umgeschlagen, von der Bahn und vom Speicher auf das Schiff verladen. Aus den Kessler'schen Maschinenwerken wurden Gießereiprodukte und Maschinenteile verladen. Vom Schiff angekommene Waren, wie z. B. Baumaterialien, Steine, Holz, Kohle, Kies, Eisen, Papier und Textilstoffe, wurden teilweise gleich auf die Hafenbahn umgeladen oder am Güterbahnhof zwischen Gützkower- und Grimmer Straße verladen. Dort befand sich auch der Güterbahnhof und der Rangeierbereich der Reichsbahn. Vom Bahnhof Greifswald bis zur Grimmer Straße befanden sich Tierstallungen zum Ankauf von Rindern und Schweinen sowie Kleintieren, diese wurden dann mit der Bahn abtransportiert. Im 20. Jahrhundert wurden Brennstoffe für die Armee mit der Bahn in das Treibstofflager nach Ladebow gebracht um die Volksmarine zu versorgen. Aus einem Sackgleis (Gleis 3) des alten Reichsbahnreparaturwerkes fuhr die Werksbahn von und nach Lubmin zum Kernkraftwerk. Heute verkehren nur noch vereinzelt Züge von und nach Greifswald. Meistens sind dies Atommülltransporte zum Zwischenlager Nord in Lubmin. Das seit einigen Jahren nicht genutzte Gleis nach Ladebow wird seit Anfang 2013 instand gesetzt, um hier wieder Eisenbahnbetrieb zu ermöglichen.[8]

Busbahnhof[Bearbeiten]

neuer Busbahnhof (Mai 2012)

Seit 2010 wird direkt neben dem Bahnhofsgebäude auf dem Bahnhofsvorplatz ein neuer Busbahnhof gebaut. Dieser soll praktischer und fahrgastfreundlicher werden. Der Umstieg zwischen den Buslinien und der Bahn wird somit auf kurzen Wegen möglich. Der Bahnhof Greifswald wird damit zu einem der modernsten Knotenpunkte im öffentlichen Personennahverkehr des Landes. Der Busbahnhof wird als überdachter Inselbussteig mit acht Bussteigen gebaut (drei Haltestellen für den Stadtverkehr und fünf für den Regionalverkehr). Außerdem wird er mit zwei Anzeigetafeln und einem Gebäude mit einem Warteraum für die Fahrgäste und einer Mobilitätszentrale mit Auskunft und Kartenverkauf erbaut. Für Sehbehinderte wird ein Blindenleitsystem errichtet und für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen wird der Bussteig auf die Höhe der Niederflurbusse angepasst, damit nahezu höhengleich ein- und ausgestiegen werden kann.[9]

Zugverkehr[Bearbeiten]

bis 1945[Bearbeiten]

In den ersten Jahren verkehrten durch Greifswald täglich sieben Zugpaare zwischen Berlin und Stralsund. Davon waren vier reine Personenzugpaare, eines ein reines Güterzugpaar sowie zwei gemischte Zugpaare. Die Züge verkehrten in den Anfangsjahren zunächst zusammen mit den Stettiner Zügen und wurden in Angermünde geflügelt. Da der Personenverkehr stärker zunahm, als zunächst erwartet, richtete die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft bereits wenige Jahre später eigene Zugpaare ein. Durch die 1876 eröffnete Strecke Ducherow–Swinemünde, die eine durchgehende Verbindung nach Usedom ermöglichte, sowie der Strecke Altefähr–Bergen, einschließlich eines Trajektverkehrs zwischen Stralsund und Altefähr im Jahr 1883 stiegen die Zahlen nochmals an. 1891 wurde letztere nach Sassnitz verlängert, von wo es ab 1897 mit einer Postdampferlinie in Richtung Trelleborg weiter ging. Aus dieser ging im Jahr 1909 der als „Königslinie“ bezeichnete Trajektverkehr zwischen beiden Häfen hervor. Gleichzeitig mit Einrichtung der Eisenbahnfähre wurde auch ein Nachtzugpaar zwischen Berlin und Stockholm eingerichtet. Seit 1896 verkehrten noch zusätzlich Regionalzüge und vereinzelt Güterzüge auf den neu eröffneten Strecken Greifswald-Jarmen und Greifswald-Tribsees, diese Züge entfielen ab 1945 wieder, da die Strecken stillgelegt und anschließend demontiert wurden. Im Jahr 1897 kamen noch Regional- und Güterzüge auf der neu eröffneten Schmalspurstrecke Greifswald–Wolgast hinzu. Diese Züge fuhren schließlich seit 1945 wegen Stilllegung der Strecke und Demontage der Gleise auch nicht mehr.

Durch die Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf der Hauptbahn verkürzte sich die Fahrzeit. Wegen steigender Fahrgastzahlen musste die Deutsche Reichsbahn das Angebot stetig erweitern. Den Vorkriegshöchststand erreichte die Auslastung im Jahr 1939 mit bis zu acht Personenzugpaaren täglich. Der Güterverkehr beschränkte sich wie die Jahre zuvor vor allem auf landwirtschaftliche Produkte. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke an mehreren Stellen beschädigt oder zerstört. Daraufhin konnten während dieser Zeit keine Züge verkehren.

1945 bis 1989[Bearbeiten]

Nach ersten Instandsetzungen konnten dennoch ab Juni 1945 die ersten Züge entlang der Strecke rollen. Ein durchgehender Verkehr zwischen Berlin und Stralsund war ab dem Ende des Jahres möglich. 1947 konnte der Rügendamm wieder befahren werden, so dass der Zugverkehr nach Schweden wieder zunahm. Der Güterverkehr transportierte nun vor allem Produkte aus der Metall- und Erdölindustrie.[10][11] In der Zeit der DDR fuhren Fernzüge von Saßnitz (heute Sassnitz) über Berlin nach Dresden, Karl-Marx-Stadt, Eisenach und Meiningen, von Stralsund über Berlin nach Leipzig und Halle (Saale), teilweise auch weiter bis Nordhausen und von Greifswald und Züssow über Rostock nach Wismar.[12] Zudem hatte man auch Anschluss in Saßnitz nach Oslo und Helsinki.

seit 1990[Bearbeiten]

Güterzug bei der Bahnhofsdurchfahrt

Kurz nach der politischen Wende in der DDR 1989/1990 nahm sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr spürbar ab, da diese sich nun weitestgehend auf die Straße verlagerten. Deshalb gab es einen schrittweisen Übergang vom früheren Angebot zu vertakteten Linien. Im überregionalen Güterverkehr der Relation Großraum Berlin–Fährhafen Sassnitz-Mukran nahm die Zahl der Züge in den 1990er Jahren aufgrund veränderter Warenströme weiter ab, da seither viele Züge von und zu den Häfen in Rostock und Hamburg verkehren. Der zurückgegangene regionale Güterverkehr wurde durch die damalige DB Cargo AG (heute DB Schenker Rail Deutschland AG) ab Mitte der 1990er Jahre aus wirtschaftlichen Gründen unter anderem durch das Programm MORA C weiter eingeschränkt. Im Jahr 1993 fuhren Fernzüge der Linie IR 36 von Stralsund über Berlin nach Frankfurt/Main. Diese Linie wurde im Jahr 2002 in eine Intercity-Linie 15 umgewandelt. Außerdem fuhren 1993 auch noch D-Züge nach Schweden.

Triebwagen der UBB im Bahnhof

Seit Beginn der 2000er Jahre verkehren zusätzlich zur Regional-Expresslinie 3 der DB auch die Züge der Usedomer Bäderbahn. Ab dem Fahrplanwechsel 2002 verkehrte im Fernverkehr neben der bestehenden IC-Linie auch die InterConnex-Linie 2 zwischen Stralsund und Zittau, nach mehrmaliger Linienänderung zwischen Stralsund und Dresden. Die Verbindung wurde zum Fahrplanwechsel 2006 wegen Unrentabilität wieder eingestellt. Ab Dezember 2010 dünnte die Deutsche Bahn den Fernverkehr auf der Strecke erheblich aus. Drei von fünf täglich fahrenden IC-Zügen auf der Strecke Berlin-Greifswald-Stralsund wurden gestrichen. Seitdem verkehrt nur noch täglich ein Zug der Linie IC 50 und ein Zug der Linie EC 27. Nach anhaltenden Protesten aus Stralsund und Greifswald über reduzierte Zugverbindungen nach Berlin wurde ein ICE-Zugpaar der Linie 28 von München nach Stralsund versprochen, das seit März 2011 von Sonntag bis Freitag in Richtung Stralsund und von Montag bis Samstag in Richtung München verkehrt. Seit April 2012 verkehren zusätzlich zwei Urlaubszüge der Linie IC 32 an Sommerwochenenden zwischen Köln und Ostseebad Binz, die jedoch die vorher verkehrenden Züge von Köln über Hamburg ersetzen. Von Montag bis Freitag verkehrt ein Zug der Linie IC 30 zwischen Hamburg und Greifswald über Stralsund.

Heute[Bearbeiten]

Linie Verlauf Takt
ICE 28 (Ostseebad Binz –) StralsundGreifswaldPrenzlauEberswaldeBerlinLeipzigJena ParadiesBambergNürnbergAugsburgMünchen 1 Zugpaar
EC 27 (Ostseebad Binz –) Stralsund – Greifswald – Prenzlau – BerlinDresdenPrahaBrno (– Bratislava) 1 Zugpaar
IC 30 StuttgartHeidelbergMannheimBonnKölnDüsseldorfDuisburgEssenBochumDortmundMünster (Westfalen)BremenHamburgSchwerinRostock – Stralsund – Greifswald 1 Zugpaar
(Mo.-Fr.)
IC 32 Köln – Düsseldorf – Duisburg – Essen – Bochum – Dortmund – Hamm (Westfalen)BielefeldHannoverWolfsburgBerlin – Prenzlau – ZüssowGreifswald – Stralsund – Ostseebad Binz einzelne Züge
IC 50 (Ostseebad Binz –) Stralsund – Greifswald – Prenzlau – BerlinHalle (Saale) ErfurtEisenachFuldaFrankfurt(Main) Flughafen Fernb. einzelne Züge
Leipzig einzelner Zug (Sa.)
IC (Ostseebad Binz –) Stralsund – Greifswald – Prenzlau – Berlin – Stendal – Hannover – Nienburg (Weser)BremenDelmenhorstOldenburg (Oldenburg) einzelner Zug (So.)
CNL City-Night-Line Sirius
Ostseebad Binz – Greifswald – Berlin – Halle (Saale) – Erfurt – Frankfurt (Main) – Mannheim – Heidelberg – KarlsruheFreiburg (Breisgau)BaselZürich
1 Zugpaar
(Sa Juli-August)
RE 3 Stralsund – Greifswald – Prenzlau – BerlinWünsdorf-WaldstadtDoberlug-KirchhainElsterwerda 120 min
UBB Stralsund – Greifswald – Züssow – WolgastZinnowitzŚwinoujście 120 min

In der Sommersaison fährt sonnabends und sonntags der Ausflugzug „Rügen Express“ von Berlin über Angermünde, Züssow und Bergen nach Binz auf Rügen.

Kulturhaus der Eisenbahner[Bearbeiten]

Kulturhaus der Eisenbahner

Das Kulturhaus der Eisenbahner liegt nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Es war der Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Eisenbahner Greifswalds und Umgebung. In ihren freien Stunden trafen sich dort Eisenbahner um in Interessengemeinschaften zu arbeiten, ein Buch zu lesen oder um gesellig beisammen zu sein. Der Modellbahnclub Greifswald e. V. führte dort mehrmals Modellbahnausstellungen aus.[13] Es wurde als Sol- und Moorbad gebaut und beherbergt heute das Amtsgericht Greifswald sowie das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern.

Haltepunkt Greifswald Süd[Bearbeiten]

Haltepunkt Greifswald Süd

Im Süden von Greifswald liegt der Haltepunkt Greifswald Süd. Er liegt 2,6 km südlich vom Bahnhof Greifswald und an den Strecken Angermünde-Stralsund und Greifswald–Lubmin. An dem Haltepunkt halten die Züge des RE 3 und die UBB jeweils im Zweistundentakt. Der Haltepunkt besitzt zwei Gleise mit jeweils einem 156 m langem und 55 cm hohen Bahnsteig.[14] Er gehört zur Kategorie 6[1] und wurde im Jahr 2007 komplett saniert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Grusenick: 145 Jahre Bahnhof Greifswald: 1863-2008. Beiträge zur Greifswalder Eisenbahngeschichte. Neddermeyer, Berlin 2008. ISBN 3-933254-91-4
  • Dieter Grusenick, Erich Morlok, Horst Regling: Die Angermünde-Stralsunder Eisenbahn einschließlich Nebenstrecken. transpress, Stuttgart 1999. ISBN 3-613-71095-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Greifswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bahnhofskategorieliste 2012. Abgerufen am 10. Mai 2012 (PDF; 240 kB).
  2. Bahnhofsentwicklungsprogramm Mecklenburg-Vorpommern Aktueller Stand und Konzeption 2006. Abgerufen am 28. Mai 2012 (PDF; 3,6 MB).
  3. Greifswalder Bahnhof auf der-greifswalder.de
  4. a b c Ostseebahnhof erhält den letzten Schliff auf bahnhof.de
  5. LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN 2. Wahlperiode. 11. August 1997, S. 471, abgerufen am 6. Mai 2012 (PDF; 956 kB).
  6. BAHNHOF GREIFSWALD ENERGETISCHE SANIERUNG DES EMPFANGSGEBÄUDES. Abgerufen am 28. Mai 2012 (PDF).
  7. Bahnsteiginformationen Station Greifswald. Abgerufen am 15. April 2012.
  8. Land fördert Sanierung des Bahngleises zum Seehafen Ladebow. Unter: http://www.greifswald.de/pressemitteilungen/mitteilung-lesen/article/land-foerdert-sanierung-des-bahngleises-zum-seehafen-ladebow.html
  9. Schröder: Kurze Wege zwischen Bus und Bahn auf bahnaktuell.net
  10. Dieter Grusenick, Erich Morlok, Horst Regling.
  11. Deutsches Kursbuch Sommer 1939
  12. Kursbuch der Deutschen Reichsbahn
  13. Historie Modellbahnclub Greifswald e.V.
  14. Bahnsteiginformationen Station Greifswald Süd. Abgerufen am 15. April 2012.