Bahnhof Jena Paradies

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Jena Paradies
Jena Paradies 02875.JPG
Bahnhof Jena Paradies
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Haltepunkt
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung UJP
IBNR 8011956
Eröffnung 30. April 1874
Lage
Stadt Jena
Land Thüringen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 55′ 30″ N, 11° 35′ 16″ O50.92511.587777777778Koordinaten: 50° 55′ 30″ N, 11° 35′ 16″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Thüringen
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Der Bahnhof Jena Paradies (umgangssprachlich auch Paradiesbahnhof genannt) liegt in der Stadt Jena in Thüringen an der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld (Saalbahn). Jena Paradies ist seit 2002 Jenas einziger Fernverkehrshalt und wird von Intercity- sowie Intercity-Express-Zügen bedient. Benannt wurde er nach dem angrenzenden gleichnamigen Park am östlichen Saaleufer. Betrieblich ist er seit mehreren Jahrzehnten nur ein Haltepunkt.

Lage[Bearbeiten]

Der Bahnhof Jena Paradies liegt am südlichen Rand der Jenaer Innenstadt auf einem schmalen Streifen zwischen dem Stadtring im Westen und der Saale im Osten. Vor dem Bahnhof befinden sich zwei Straßenbahnhaltestellen sowie der örtliche Busbahnhof, so dass Anschluss an zahlreiche Linien des ÖPNV besteht.

Geschichte[Bearbeiten]

Lage des Bahnhofs im Stadtgebiet
Empfangsgebäude des ehemaligen Haltepunktes

Die Inbetriebnahme des Haltepunktes Jena Paradies bei Streckenkilometer 27,3 war am 15. Oktober 1880.[1] Bis 1999 diente er als zentral gelegener Haltepunkt ausschließlich dem Nahverkehr, Fernverkehrshalt der Saalbahn war der im Norden gelegene Saalbahnhof. Im September 1996 hatten sich die Jenaer Stadtverordneten für Jena Paradies als neuen ICE-Halt entschieden, da der Saalbahnhof zu dezentral gelegen erschien. Geldmangel bei der Deutschen Bahn AG führte dann zu Verzögerungen und dem Bau eines provisorischen Haltepunktes.[2] Der wurde südlich der alten Lage 1998/1999 für etwa zwei Millionen DM gebaut. Die Inbetriebnahme der beiden hölzernen Behelfsbahnsteige folgte am 26. September 1999, als der Halt der ICE-Züge der Linie Berlin–Leipzig–München vom Saalbahnhof dorthin verlegt wurde. [1]

Am 1. März 2002 wurde die Bau- und Finanzierungsverträge für den neuen ICE-Bahnhof zwischen der Deutschen Bahn AG, dem Land Thüringen und der Stadt Jena unterzeichnet. Für 16,1 Millionen Euro sollte die neue Station den bestehenden Regionalbahnhof ab 2004 ersetzen.[3]

Im Zuge des 2003 begonnenen Umbaus wurde der Altbau des Bahnhofes aufgegeben, da der bestehende Inselbahnsteig nicht über die für den ICE-Betrieb erforderlichen 370 m Länge verfügte. Der Neubau des Doppelaußenbahnsteigs zwischen km 27,0 und 27,4 erfolgte entlang der vorhandenen Bahntrasse unter laufendem Bahnbetrieb.

Die neue Station wurde zum kleinen Fahrplanwechsel im Sommer 2005 in Betrieb genommen. Die Fertigstellung erfolgte ein halbes Jahr später als geplant. Die offizielle Einweihung wurde am 18. Juni 2005 gefeiert.[4] Die Baukosten lagen bei etwa 21 Millionen Euro.[4]

Während der Planungs- und Bauphase wurden fünf Jahre lang provisorische Holzbahnsteige genutzt.[4] Die zwischen der alten Bahnsteiglage und dem Felsenkeller gelegenen und längsseitig mit den späteren Neubauten übereinstimmenden Übergangs-Bahnsteiganlagen wurden ab dem 4. März 2006 innerhalb einer Woche abgetragen und entsorgt.

Anlagen[Bearbeiten]

Bahnsteig
Warteraum

Der Bahnhof, welcher betrieblich als Haltepunkt eingestuft ist, besteht aus zwei parallel angeordneten, 370 Meter langen Bahnsteigen mit einer Höhe von 55 Zentimetern, welche jeweils auf einer Länge von 117 Metern überdacht sind.[4] Sie befinden sich auf einem Damm, aufgrund des umgebenden Platzmangels liegen ebenerdig unter ihnen Räume, die zwei Fahrkartenausgaben der Deutschen Bahn sowie eine Bäckereifiliale, welche neben Backwaren auch Zeitungen und weitere Produkte für den Reisebedarf anbietet, beherbergen. Die benachbarten Toiletten können während deren Öffnungszeiten benutzt werden. Diese Räumlichkeiten erstrecken sich über eine Länge von 63 Metern. Der Bahndamm wird im Bereich neben den Service- und Verkaufsstationen durch eine Unterführung durchbrochen. Somit wurde ein Durchgang zwischen Stadt und Park geschaffen. Eine weitere Unterführung befindet sich weiter westlich auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Paradiesbahnhof West und damit noch unterhalb der Bahnsteige.

Gesamtplaner des Projekts war Michael Hanka, zunächst unter IFB Dr. Braschel AG, ab 2004 mit dem eigenen Büro Hanka & Nolte Architekten.

Reisende, die zur Holzlandbahn (ErfurtWeimarGera), der zweiten durch Jena verlaufenden Bahnstrecke, umsteigen wollen, müssen den etwa 800 Meter entfernt liegenden Bahnhof Jena West nutzen oder alternativ am wenige Kilometer südlich gelegenen Bahnhof Jena-Göschwitz umsteigen.

Zwei siebenteilige ICE-Triebzüge machen die Größenverhältnisse deutlich (das Empfangsgebäude befindet sich im zweiten Bildviertel von links)

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Bahnhof stellt nach dem Wegfall des Fernverkehres auf der Mitte-Deutschland-Verbindung und den damit verbundenen Halten in Jena West und Göschwitz die einzige Möglichkeit dar, Fernreisezüge ohne vorheriges Umsteigen benutzen zu können. Dennoch steht er mit einer durchschnittlichen Frequentierung von täglich etwa 3500 Reisenden nur an zweiter Stelle nach dem Jenaer Westbahnhof. Dies resultiert im Wesentlichen aus seiner geringeren Bedeutung für den Pendler-Nahverkehr.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
ICE 28 (Hamburg-Altona-) BerlinHalleNaumburgJena ParadiesNürnbergIngolstadtMünchen 120 DB Fernverkehr
ICE 28 (Hamburg-Altona-) Berlin – LeipzigJena ParadiesSaalfeldBamberg – Nürnberg – AugsburgMünchen 120 DB Fernverkehr
IC 28 Berlin Gesundbrunnen – Leipzig – Jena Paradies – Saalfeld – Bamberg – Nürnberg – Augsburg – München ein Zugpaar DB Fernverkehr
RE 18 Jena SaalbfJena Paradies – Saalfeld – KronachLichtenfels – Bamberg – Erlangen – Nürnberg 120 DB Regio
RB 24 Naumburg – Camburg – Jena Paradies – Orlamünde – Saalfeld 120 DB Regio Südost
RB 24 Großheringen – Camburg – Jena Paradies – Orlamünde – Saalfeld 120 DB Regio Südost
EB 28 Jena Saalbf – Jena Paradies – Orlamünde – Pößneck 120 Erfurter Bahn

Abseits der Taktverbindungen verbinden einzelne Züge Jena Paradies mit:

Im Jahr der Inbetriebnahme der neuen Anlage, im Jahr 2005, wurde die Station von ICE-Zügen im Zwei-Stunden-Takt, einzelnen Wochenend-Intercites sowie 70 Regionalbahnen pro Tag bedient.[4]

Laut Angaben der Deutschen Bahn würden bei den täglich 32 haltenden ICE-Zügen durchschnittlich jeweils 15 Ein- und Aussteiger gezählt.[5]

Mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt, im Dezember 2017, soll der Bahnhof seinen Status als Systemhalt des DB Fernverkehrs verlieren. Als Ersatz sind neue Nahverkehrszüge vorgesehen. Die Deutsche Bahn diskutiert darüber hinaus, zwei Zugpaare zwischen Jena und Berlin einzusetzen, die nach ihren Angaben jedoch nicht kostendeckend seien.[6] Die Züge sollen früh morgens sowie gegen 7:30 Uhr Richtung Berlin abfahren und abends in Jena ankommen, einer davon kurz vor Mitternacht.[7] Inwieweit als Ersatz zusätzlicher Regionalverkehr angeboten werden kann, sei laut Angaben der Deutschen Bahn nicht absehbar (Stand: August 2013).[8]

Nach dem Planungsstand von 2010 sollten nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke einzelne Fernzüge in Tagesrandlage über Jena geführt werden.[9] Nach dem Planungsstand von 2012 sollte das ICE-Zugangebot auf zwei Zugpaare pro Tag (von und nach Berlin) reduziert werden.[5]

Trivia[Bearbeiten]

  • Der im Jahre 1954 in Jena geborene deutsche Maler Werner Büttner zeigte 2011 im Kunstverein in Hamburg seine Ausstellung Die erlösende Eloquenz erprobter Dinge - Jena Paradies Revisited. Werner Büttner.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jena Paradies – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Werner Drescher: Die Saalbahn – Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Großheringen, Jena und Saalfeld. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-586-6., S. 141
  2.  Werner Drescher: Die Saalbahn – Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Großheringen, Jena und Saalfeld., S. 143
  3. Meldung 10-Jahres-Vertrag mit Thüringen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2002, ISSN 1421-2811, S. 163.
  4. a b c d e Meldung ICE-Station Jena Paradies. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2005, S. 359.
  5. a b Tino Zippel: Land will Anschluss Ostthüringens sichern. In: Ostthüringer Zeitung, Ausgabe Gera, 21. November 2012 (ähnliche Version online).
  6. Manuel Rehkopf: Vollständige Inbetriebnahme der Neu-/Ausbaustrecke VDE 8, Angebotskonzept DB Fernverkehr AG. Präsentation, 26. August 2013, S. 7, 15.
  7.  Tino Zippel: Kein ICE für Saalfeld vorgesehen. In: Ostthüringer Zeitung. 28. August 2013, S. 1 (ähnliche Version online).
  8.  Fragezeichen hinterm ICE-Halt. In: Neue Presse. 30. August 2013, S. 3 (online).
  9. Tino Zippel: Neue ICE-Trasse: Sprinter sollen nicht in Erfurt halten. In: Thüringer Allgemeine, 20. September 2010.