Bahnhof Jena West

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jena West
Empfangsgebäude des Jenaer Westbahnhofs
Empfangsgebäude des Jenaer Westbahnhofs
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung UJW
IBNR 8011957
Eröffnung 29. Juni 1876
Lage
Stadt Jena
Land Thüringen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 55′ 24″ N, 11° 34′ 41″ O50.92333333333311.578055555556Koordinaten: 50° 55′ 24″ N, 11° 34′ 41″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Thüringen
i7i12i13i15i16i16i18i19

Der Bahnhof Jena West (auch als Westbahnhof bezeichnet) liegt im Westen des Jenaer Stadtzentrums am Streckenkilometer 22,59 der Weimar-Geraer Bahn (auch „Holzlandbahn“ oder Mitte-Deutschland-Verbindung genannt) zwischen Weimar, Jena-Göschwitz und Gera Hbf. Er befindet sich im Stadtteil Jena-Süd.

Die auf 171,64 Metern Höhe gelegene Station wurde am 29. Juni 1876 zeitgleich mit der Strecke eröffnet. Der ehemalige Bahnhof III. Klasse wird in der Bahnhofskategorisierung der Deutschen Bahn mit der Stufe 3 eingestuft.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Empfangsgebäude stand zur Streckeneröffnung im Jahre 1876 noch nicht, es wurde jedoch bis 1878 von der Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft errichtet und ist, bis auf die beiden nachfolgend beschriebenen Änderungen, in dieser Form auch heute noch erhalten. 1908 wurde die Freitreppe in der Mitte des Gebäudes durch einen neuen Mittelbau ersetzt; 1981 kam das Aufsichtsgebäude an der Bahnsteigseite des Empfangsgebäudes hinzu. Das Empfangsgebäude wurde um 2000 renoviert, es zogen einige Einzelhandelsgeschäfte (Zeitschriften-, Blumen- (im ehemaligen Intershop), Modellbahnladen, mehrere Imbisse) ein. Im zweiten Halbjahr 2006 bekamen die Bahnsteige einen neuen Anstrich und neue Sicherungsanlagen sowie die Möglichkeit, den Bahnsteig vom Gleis 2 in Richtung Schott-Werke zu verlassen.

Da die Betriebsdurchführung vor allem in den Anfangsjahren der Weimar-Geraer Bahn durch die schwierigen Geländeverhältnisse zwischen Großschwabhausen und Jena West oftmals schlecht zu handhaben war, was auch auf die bei den Fahrzeugen fehlenden Leistungsreserven zurückzuführen war, wurden auf diesem Abschnitt zahlreiche Züge nachgeschoben. Für diese Zwecke wurde im Bahnhof Jena West ein zweiständiger Lokschuppen samt Übernachtungsmöglichkeit errichtet, dessen Einfahrt sich ursprünglich auf der Bahnsteigseite befand. Da die Länge der Bahnsteige aber bald nicht mehr genügte, verlegte man die Einfahrt auf die entgegensetzte Seite des Lokschuppens.

Außerdem entstand zur Streckeneröffnung eine Wasserstation, währenddessen auch der Bahnsteig zwischen den Gleisen 2 und 3 verlegt und die Gleisunterführung gebaut wurde. Überdies standen auch weitere Anlagen wie Güterschuppen, Laderampe und -straße sowie eine Gleiswaage zur Verfügung.

Um 1926 wurde der Lokschuppen stillgelegt, da sich die Leistung der Lokomotiven deutlich erhöht hatte. Er wurde seitdem unter anderem als Sporthalle genutzt. Aktuell hat das Kassablanca, Club und Ort verschiedener kultureller Tätigkeiten, dort seine Heimat.

Bis 1963 wurde der Westbahnhof durch die Straßenbahnlinie 3, die zwischen Saalbahnhof und Westbahnhof pendelte, bedient. Auf dem Vorplatz des Westbahnhofs befand sich eine Wendeschleife. Nach Einstellung dieser Linie wurde der Verkehr durch Busse ersetzt. Auch Fernbuslinien hielten am Westbahnhof.

Mit der Wende wurden die Gleisanlagen massiv zurückgebaut, alle Werksanschlüsse oder dem Güterverkehr dienenden Gleise sowie sämtliche Weichen wurden entfernt. Der Bahnhof hat heute nur noch zwei Durchgangsgleise. Güterverkehr findet weder im Bahnhof noch überhaupt auf der Mitte-Deutschland-Verbindung statt.

Im Zuge des Ausbaus der Mitte-Deutschland-Verbindung (MDV) plante die DB, wie auch beim Bahnhof Göschwitz die Bahnsteiglänge von 300 m auf 170 m zurückzubauen, was die Reaktivierung als Bahnhof des Fernverkehrs weiter erschwert hätte. Das Eisenbahnbundesamt genehmigte aber in seinem Planfeststellungsbeschluss 2013 diese Absichten nicht.[1] Ab 2014 soll der Bahnhof im Zuge der Sanierung und des komplett zweigleisigen Ausbaus der Strecke zwischen Stadtroda und Weimar saniert werden.[2][3] Ferner gibt es Pläne, am Bahnhof wieder ein Bahnhofstoilette zu errichten und kommunal zu betreiben.[4]

Anlagen für den Anschlussverkehr[Bearbeiten]

1878 wurde der erste Privatanschluss eingerichtet, worauf im Jahre 1889 ein weiterer folgte, der 1894 von Schott & Gen., dem heutigen Schott JENAer Glas, übernommen wurde. Die Güter mussten zunächst auf eine schmalspurig ausgeführte Werksbahn umgeladen werden, bis diese später in eine normalspurige umgewandelt wurde. Es existierte auch ein Brauerei-Anschluss, bei dem die (meist Kohle-) Waggons bis an den Anschluss gefahren und anschließend in eine Feldbahn mit 600 Millimeter Spurweite umgeladen wurden; dieser Anschluss bestand bis in die 1970er Jahre hinein.

Lage des Bahnhofs im Stadtgebiet

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Bahnhof Jena West nahe dem Stadtzentrum war neben dem vor den Toren der Stadt liegenden Bahnhof Jena-Göschwitz der größte Unterwegsbahnhof der Weimar-Geraer Bahn. Von den Jenaer Bahnhöfen und Haltepunkten ist er der meistfrequentierte – aktuell nutzen ihn durchschnittlich etwa 15.000 Reisende am Tag, damit ist sein Fahrgastaufkommen höher als das des ICE-Haltepunkts Jena Paradies an der Saalbahn, welcher im Schnitt vergleichsweise geringe 3.500 Reisende am Tag vorweisen kann. Stark frequentiert wird der Bahnhof von Berufspendlern und Studenten auf dem Weg in die Nachbarstädte Erfurt und Weimar, die in etwa 30 bzw. 15 Minuten erreichbar sind.

Dennoch verlor der Bahnhof mit Einstellung der InterRegio-Linie Aachen/DüsseldorfPaderbornBebraWeimar–Jena West–GeraChemnitz die letzten Fernreisezüge. Er wird heute von RegionalBahn- und RegionalExpress-Zügen bedient, wobei deren Taktfahrplan je nach Wochentag rechnerisch zwischen 30 Minuten und einer Stunde pro Richtung liegt.

Güterverkehr und Anschlussbedienungen sind heute eingestellt, die Gleise wurden bis 2004 allesamt abgerissen. Der Bahnhof ist heute nur noch ein Haltepunkt und verfügt auch nicht mehr über Weichen. Auch ein Überholen langsamerer Züge ist hier nicht mehr möglich. Das dazu nötige Gleis 3, welches bereits seit etwa 2001 wegen „Oberbaumängeln“ gesperrt war, wurde mit den anderen stillgelegten Gleisanlagen im Jahre 2004 entfernt. Güterverkehr findet auf der Mitte-Deutschland-Verbindung, welche von Eisenach bis Dresden weitgehend parallel der A4 verläuft, nicht mehr statt.


Zugkreuzungen sind aufgrund der Zweigleisigkeit zwischen Großschwabhausen und Neue Schenke möglich.

Bahnhofsbezeichnung[Bearbeiten]

Der Bahnhof trug bis zum 30. Juni 1924 den Namen Jena Weimar-Geraer Bahnhof, was, im Gegensatz zum Saalbahnhof, auf Antrag der Stadt Jena zur jetzigen Bezeichnung geändert wurde.

Lage und Anbindung[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Jena Paradies ist rund 600 Meter östlich gelegen, die Jenaer Innenstadt befindet sich rund 800 Meter vom Bahnhof entfernt in die gleiche Richtung. Zwischen beiden Bahnhöfen verkehren die OVO-Linie 102 sowie die PVG Apolda-Linie 280, welche jedoch unregelmäßig verkehren.

Regionalverkehr

Der schienengebundene Regionalverkehr wird durch drei Linien der DB Regio Südost abgewickelt.

Linie Verlauf Takt Fahrzeuge
RE 1 GöttingenGothaErfurtWeimarJena West – Göschwitz – GeraGößnitzGlauchau 120 min Baureihe 612
RE 3 (Erfurt –) Weimar – Jena West – Göschwitz – Gera - Altenburg/Greiz 120 min Baureihe 612
EB 21 Weimar – Jena West – Göschwitz – Gera 120 min1 Stadler Regio-Shuttle RS1

1Mo–Fr zusätzlich Verstärker alle 120 min zwischen Weimar und Göschwitz, morgens und nachmittags bis Gera.

Stadtverkehr

Der Westbahnhof ist durch die zwei Haltestellen Westbahnhof und Westbahnhofstraße an das Jenaer Busnetz angeschlossen.

Linie Verlauf
10 Stadtzentrum–Westbahnhofstraße–Fachhochschule–Beutenberg Campus–Damaschkeweg
11 Stadtzentrum–Westbahnhofstraße–Fachhochschule–Beutenberg Campus
12 Stadtzentrum–Westbahnhofstraße–Fachhochschule–Beutenberg Campus–Ammerbach–Winzerla–Burgau
13 Stadtzentrum–Westbahnhofstraße–Fachhochschule–Beutenberg Campus–WinzerlaGöschwitz, Schleife
15 WestbahnhofWestbahnhofstraße–Stadtzentrum–Saalbahnhof–Rautal
OVS-64 von/nach Pößneck
OVO-102 von/nach Schleiz
JES-417 von/nach BuchaMildaDürrengleina

Zwischen 1939 und 1963 bestand eine Straßenbahnlinie zwischen Westbahnhof und Saalbahnhof. Diese Relation wird heute von der Buslinie 15 befahren. Wegen der geringen Auslastung zwischen Stadtzentrum und Westbahnhof wird die Linie 15 auf diesem Abschnitt in den Entwürfen zum Nahverkehrsplan 2014-2018 in Frage gestellt.[5] Die Buswendeschleife vorm Westbahnhof ist heute noch erkennbares Relikt dieser Straßenbahn, nachdem eine zeitlang noch der Gleiskörper an den Haltestellen der Regionalbusse erkennbar gewesen war.

Literatur und Medien[Bearbeiten]

  •  Werner Drescher: Die Weimar-Geraer Bahn – Von der Privatbahn zum Teil der Mitte-Deutschland-Verbindung. EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-88255-451-7.
  •  Günter Fromm: Eisenbahnen in Thüringen – Daten und Fakten. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 3-929000-24-5.
  •  Günter Fromm: Thüringer Eisenbahnstreckenlexikon 1846–1992 – Die Königliche Eisenbahn-Direktion und die Reichsbahndirektion Erfurt 1882–1992 & Eisenbahnen in Thüringen – Daten und Fakten 1846–1992. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 3-929000-33-4.

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Eisenbahn-Bundesamt untersagt drastische Kürzung der Bahnsteige in Jena. auf: fernverkehr-jena.de.
  2. Geld fehlt für Ausbau der Gleise zwischen Weimar und Gera. auf: otz.de.
  3. Jena kämpft um Bahn-Fernverkehr – vergeblich? auf: jenapolis.de.
  4. Toiletten an den Bahnhöfen der Stadt Jena. auf: Ratssitzungssystem der Stadt Jena
  5. Entwurfspräsentation zum Nahverkehrsplan 2014-18 (PDF; 1,9 MB) auf: Website der Stadt Jena, Dezernat für Stadtentwicklung