Bahnhof Lissabon Rossio

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Bahnhof Rossio direkt am Platz Rossio

Der Bahnhof Lissabon Rossio (port. Estação de Caminhos de Ferro do Rossio [ɯʃtɐˈsɐ̃u dɯ kɐˈmiɲuʃ dɯ ˈfɛʁu du ʁuˈsiu]) ist ein 1890 eröffneter Kopfbahnhof in der Innenstadt der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, er befindet sich zwischen dem gleichnamigen Platz und der Praça dos Restauradores. Am Bahnhof halten normalerweise nur die im 20-Minutentakt verkehrenden Vorortzüge der staatlichen Comboios de Portugal nach Sintra (Linha de Sintra), die von der Tochtergesellschaft CP Urbanos de Lisboa betrieben werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bau des Bahnhofes 1886
Bahnsteighalle im März 1984

1873 eröffnete die Königlich Portugiesische Eisenbahngesellschaft (Companhia Real dos Caminhos de Ferro Portugueses) die Linha de Sintra zwischen Sintra und Pedrouços im Nordwesten Lissabons, eine direkte Verbindung in die Innenstadt fehlte jedoch zunächst. Auch die Eröffnung des Teilstücks der Linha de Cintura und damit des Bahnhofs Alcântara-Terra half nicht wesentlich bei der Lösung des Problems, zumindest war es nun möglich die Lissabonner Innenstadt mit einem Umstieg in die Straßenbahn schneller zu erreichen.

Um dieses Problem der Linha de Sintra zu lösen und aber auch, um in Lissabon einen innerstädtischen Hauptbahnhof zu bauen, beschloss die Königlich Portugiesische Eisenbahngesellschaft den Bau eines Kopfbahnhofes am wichtigsten Platz Lissabons, am Rossio. Die Bauarbeiten für das Bahnhofsgebäude selbst begannen im Jahr 1886 und waren im darauffolgenden Jahr bereits beendet. Der Architekt José Luís Monteiro entwarf eine im manuelinischen Stil gehaltene Fassade mit zwei hufeisenförmigen Eingängen. Im Eingangsbereich befindet sich eine von Edmond Bartissol entworfenen Statue des portugiesischen Königs Sebastião I.. Die Bahnsteighalle ist an ihrem höchsten Punkt 21 Meter hoch und 130 Meter breit. Der Höhenunterschied zwischen Straßen- und Bahnsteigniveau wurde früher durch Rampen, heute bevorzugt durch Fahrtreppen bewältigt. Eine Verbindung zum Schienennetz fehlte jedoch weiterhin, da die Bauarbeiten für den innerstädtischen, 2,6 Kilometer langen Tunnel zwischen Rossio und Campolide noch nicht beendet waren. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass Rossio zu einem Durchgangsbahnhof erweitert werden könnte. Die Linie sollte dann übers Stadtzentrum samt Knotenbahnhof mit der Linha do Norte und der Linha de Cascais am Terreiro do Paço, einer Brücke über den Tejo, Cacilhas und Seixal zum Bahnhof Barreiro geführt werden, wo die Linha do Alentejo beginnt.

Die ersten Probezüge durch den neuen Tunnel konnten erst ab dem 8. April 1889 fahren, die offizielle Eröffnung des Bahnhofes unter dem Namen „Estação da Avenida“ (Station der Allee) fand am 11. Juni 1890 statt. Die Kosten für den Bau des Bahnhofes und des Tunnels beliefen sich auf 730.000 Réis. Die Königlich Portugiesische Eisenbahngesellschaft war somit nun in der Lage die Züge aus Sintra bis direkt zum Rossio fahren zu lassen. Zwischen 1889 und 1895 fuhren auch die Züge der neu errichteten Linha de Cascais bis zum Rossio, da der Bahnhof Cais do Sodré erst 1895 fertiggestellt war. Auch übernahm der Bahnhof Rossio die geplante Funktion eines Hauptbahnhofes, alle Fernzüge aus Spanien und Frankreich endeten dort. Diese Funktion verlor er erst mit der Eröffnung des weiter östlich gelegenen Bahnhofs Santa Apolónia

Halle des Bahnhofes nach der Sanierung 2006-2008, links ein Zug der Linha de Sintra, Baureihe 2300/2400

Die Strecke nach Sintra und damit auch die Infrastruktur des Bahnhofes Rossio wurde 1955 elektrifiziert. Dabei war auch eine Absenkung der Bahnsteige zwischen 30 und 50 Zentimern nötig. Seit 1959 gibt es einen direkten Übergang zwischen den Zügen der Linha de Sintra und den Züge der Lissabonner Metro, die am benachbarten U-Bahnhof Restauradores (blaue Linie) hält. 1971 stellte das Instituto Português do Património Arquitectónico (dt. Portugiesisches Institut für architektonische Denkmäler) das Bahnhofsgebäude als „Gebäude des öffentlichen Interesses“ unter Denkmalschutz.[1]

Für kurze Zeit – zwischen 1988 und 1991 – hielten am Bahnhof Rossio wieder Fernzüge, die CP richtete eine Intercidades-Linie vom Rossio nach Leiria ein. Diese erfüllte jedoch nicht den erwarteten Nachfrage. Bei einer erneuten Einführung 2002 (und der späteren Wiedereinstellung 2005) begannen die Züge jedoch im Bahnhof Santa Apolónia.

2004 stellte das Nationale Labor für Zivilingenieurswissenschaften (Laboratório Nacional de Engenharia Civil) fest, dass die Tunneldecke des Rossio-Tunnels starke Risse hat, sodass die REFER und das portugiesische Verkehrsministerium eine grundlegende Sanierung des Tunnels und auch des Bahnhofsgebäudes beschlossen. Seit dem 22. Oktober 2004 waren der Bahnhof und der Tunnel gesperrt, die Züge der Linha de Sintra fuhren seitdem über die Linha de Cintura bis zum Bahnhof Lissabon-Oriente und darüber hinaus. Die Wiederöffnung hatte die REFER zunächst für 2006 angekündigt. Sie erfolgte am 16. Februar 2008. [2]

Verkehr[Bearbeiten]

Heute halten am Bahnhof ausschliesslich Vorortszüge der CP Urbanos de Lisboa. Im Viertelstundentakt verkehrt der Zuglauf Rossio–Sintra der Linienfamilie Linha de Sintra.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Decreto 516, 22. November 1971
  2. Ein Bahnhof, abgekoppelt vom Zug der Zeit – die Estação do Rossio in Lissabon. In: portugalmania.de. Abgerufen am 25. November 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paulo Veranda: Estação do Rossio, Câmara Municipal de Lisboa, August 2001, ISBN 972-8672-16-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rossio train station – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

38.714819444444-9.1421944444444Koordinaten: 38° 42′ 53″ N, 9° 8′ 32″ W