Bahnhof Marburg (Lahn)

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Marburg (Lahn)
Hauptbahnhof Marburg.jpg
Bahnhofsgebäude
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 6
Abkürzung FMBG (Bf), FMBG1 (ESt)
IBNR 8000377
Eröffnung 1850
Architektonische Daten
Baustil Neobarock
Architekt Alois Holtmeyer
Lage
Stadt Marburg
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 49′ 12″ N, 8° 46′ 30″ O50.828.775Koordinaten: 50° 49′ 12″ N, 8° 46′ 30″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Hessen
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Der Bahnhof Marburg (Lahn) liegt an Streckenkilometer 104,3 der Main-Weser-Bahn im Nord-Osten Marburgs und wird täglich von etwa 12.000 Menschen frequentiert.

Name[Bearbeiten]

Offiziell trägt der Bahnhof die Bezeichnung Marburg (Lahn). Analog zur Bezeichnung Marburg Südbahnhof für den Haltepunkt Marburg Süd wird jedoch die Benennung Marburg Hauptbahnhof häufiger verwendet. Von seiner Eröffnung 1850 bis zur Eröffnung des Südbahnhofs 1897 trug der Bahnhof die Bezeichnung Marburg/Lahn. Er war dann bis zur Stilllegung der Marburger Kreisbahn und dem damit verbundenen Rückbau des Südbahnhofes zum Haltepunkt 2005 Hauptbahnhof. Daher hat sich dieser Name erhalten. Den Namen Hauptbahnhof trägt auch der Busbahnhof am Marburger Bahnhof.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bahnhof wurde mit dem Bau der Main-Weser-Bahn 1850 fertiggestellt und kam aufgrund der Streckenführung außerhalb des bebauten Gebiets der Stadt auf der anderen Seite der Lahn zu liegen.[2]

Seit 1903 endete am Bahnhof die Straßenbahn Marburg. Zunächst handelte es sich dabei um eine Pferdebahn, die 1911 auf elektrischen Betrieb umgerüstet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich gegen einen Weiterbetrieb und die Straßenbahn stellte 1951 ihren Betrieb ein. Kurze Zeit später wurde der Oberleitungsbus Marburg, der die Straßenbahn ersetzte, eröffnet. Dieser wurde schließlich 1968 auch eingestellt.

Hochbauten[Bearbeiten]

Das erste Empfangsgebäude stammte von Julius Eugen Ruhl. 1907 wurde es im Zuge einer Erweiterung des Bahnhofs durch ein von dem Architekten Alois Holtmeyer entworfenes Empfangsgebäude ersetzt. Nachdem dieses Empfangsgebäude im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, wurde seine äußere neobarocke Form nach Kriegsende weitgehend wiederhergestellt.

Moderne Anzeigetafel

2004 wurde der Bahnhof mit digitalen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen sowie im Empfangsgebäude versehen und zum rauchfreien Bahnhof erklärt. Seit 2011 wird unter anderem das Empfangsgebäude renoviert.[3]

Im östlichen Bahnhofsbereich liegt das ehemalige – heute aufgegebene – Bahnbetriebswerk. Dazu zählen verschiedene um 1890 in Backstein ausgeführte Gebäude, darunter auch ein Ringlokschuppen. Die ehemalige Wagonhalle wird heute als Kulturzentrum genutzt.

Das Empfangsgebäude und die übrigen Hochbauten des Bahnhofs sind heute überwiegend Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Bahnhof Marburg wird von der Bahntochter DB Station & Service AG betreut und in der Kategorie 3 (Regionalknoten mit möglichem Fernverkehrshalt) eingestuft. Die Bahn beschreibt die Serviceleistungen in dieser Bahnhofskategorie mit Hauptbahnhöfen meist mittelgroßer Städte, mit Serviceangeboten bis in den Abend. Auf die permanente Kundenbetreuung durch DB-Mitarbeiter wird jedoch aus Kostengründen verzichtet.

Der Bahnhof wird von verschiedenen Stadtbuslinien des Nahverkehrs der Stadt Marburg angefahren. Zudem ist der dortige Busbahnhof Start- und Endpunkt für zahlreiche Überlandlinien.

Östlich des Personenbahnhofs liegt der stillgelegte Güterbahnhof, der aus einer kleinen Rangieranlage (Ablaufberg mit vier kurzen Rangiergleisen) und den nördlich davon gelegenen ehemaligen Ladegleisen besteht.

Gleise[Bearbeiten]

Gleise, von Süden aus gesehen

Der Bahnhof besitzt sechs Bahnsteiggleise. An den Gleisen 4 und 5 halten die durchgehend über die Main-Weser-Bahn verkehrenden Züge, an den Gleisen 1, 2 und 8 die Züge der Burgwaldbahn, die von Marburg nach Frankenberg (Eder) führt und der Oberen Lahntalbahn nach Erndtebrück. Das Gleis 1a wird speziell für Züge genutzt, die in Marburg beginnen und in Richtung Gießen/Frankfurt fahren, zum Beispiel die Züge der Hessischen Landesbahn (HLB).

Verkehr[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren hielt der IC-Zug Herkules (Kassel – München und zurück) in Tagesrandlage in Marburg. 2002 wurden die Interregiozüge auf der Main-Weser-Bahn in Intercityzüge umklassifiziert. Seitdem ist Marburg Intercity-Systemhalt für IC-Züge der Relation Karlsruhe–Stralsund. Der Bahnhof wird im 2-Stunden-Takt bedient, zudem gibt es täglich eine InterCity-Direktverbindung nach Konstanz. An Werktagen gibt es ferner jeweils eine Direktverbindung nach Berlin Südkreuz über Wolfsburg und Stendal, sowie an Wochenenden nach Westerland (Sylt).

Linie Strecke Taktfrequenz
IC 26 (Stralsund Hbf –) Hamburg HbfKassel-WilhelmshöheMarburg (Lahn)GießenFriedberg (Hess)Frankfurt (Main) HbfHeidelberg HbfKarlsruhe Hbf (– Konstanz) 2-Stunden-Takt
IC 2190
IC 2191
WesterlandHamburg HbfHannover HbfKassel-WilhelmshöheMarburg (Lahn)GießenFriedberg (Hess)Frankfurt (Main) Hbf Zug verkehrt samstags und sonntags,
viermal nur sonntags

Nahverkehr[Bearbeiten]

Auf der Main-Weser-Bahn wird der Bahnhof im Nahverkehr von den Regional-Express-Zügen der Linie Frankfurt Hbf - Kassel Hbf (Main-Weser-Express) und vom Mittelhessen-Express bedient. Der Bahnhof ist weiter Anfangs- und Endbahnhof für die Obere Lahntalbahn und die Burgwaldbahn, die beide in Cölbe von der Main-Weser-Bahn abzweigen. Des Weiteren beginnen bzw. enden einige Regionalbahn-Züge aus Gießen sowie einzelne Regional-Express-Züge aus Frankfurt Hbf in Marburg. Die Züge der Aar-Salzböde-Bahn fuhren nur zeitweise bis Marburg, meist endeten sie bereits im Abzweigbahnhof Niederwalgern. Seit Dezember 2010 gibt es eine neue Zugrelation. Die HLB fährt von Marburg nach Frankfurt.

Linien[Bearbeiten]

Linien
Treysa Fern IC 26
IC-Linie
Gießen
Kassel-Wilhelmshöhe Fern IC 2190/2191
IC-Linie
Gießen
Kirchhain (Bz Kassel) Regional RE 30
Main-Weser-Express
Gießen
Beginn Regional RE 30
Frankfurt Hbf–Marburg
Marburg Süd
Cölbe Regional SE 30
Mittelhessen-Express
Marburg Süd
Beginn Regional RB 30
Gießen–Marburg
Marburg Süd
Beginn Hessische Landesbahn RE 40
Main-Sieg-Express
Marburg Süd
Cölbe Regional RB 42
Burgwaldbahn
Ende
Cölbe Regional RB 43
Obere Lahntalbahn
Ende

Umgestaltung und Planungen[Bearbeiten]

Der derzeitige Zustand des Bahnhofs wird kritisiert. Er wird – obwohl Marburg ein Zentrum für die Ausbildung sehbehinderter Menschen und der Bahnhof auch mit entsprechenden Hinweisen in Brailleschrift versehen ist – als nicht behindertengerecht eingestuft.[4] Leitstreifen für Sehbehinderte fehlen, ebenso ein gehbehindertengerechter Zugang zu den Mittelbahnsteigen.

Derzeit ist eine Umgestaltung von Empfangsgebäude, Verkehrsstation und Bahnhofsumfeld für insgesamt elf Millionen Euro im Gange. Unter anderem soll der Bahnhofsvorplatz dadurch verkehrsberuhigt und erreicht werden, dass der Verkehr zwischen Innenstadt und Neuer Kasseler Straße nicht mehr direkt vor dem Bahnhofsgebäude vorbeifließt, sondern die Ernst-Giller-Straße nutzt. In den Obergeschossen des Bahnhofs sollen Dienstleistungseinrichtungen entstehen. Die Bauarbeiten am Empfangsgebäude haben am 3. Dezember 2009 begonnen und sollten Ende 2011 abgeschlossen sein. Im Oktober 2010 erfolgte der erste Spatenstich für die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz, wo im ersten Bauabschnitt bis Ende 2011 zunächst die anliegende Verkehrsführung geändert wird. Der Abschluss des Gesamtprojekts wird für 2014 erwartet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss Verlag, Stuttgart 2005, 3 Bände im Schuber, 1.448 S., ISBN 3-8062-1917-6.
  •  Eisenbahnatlas Deutschland. Ausgabe 2009/2010. Schweers + Wall, o. O. 2009, ISBN 978-3-89494-139-0.
  • Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796 – 1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert = Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Beiheft 23, Darmstadt 1984.
  • Andreas Müller: 150 Jahre Eisenbahn in Marburg: Impulse der Stadtentwicklung. 2001, ISBN 3-923820-71-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Marburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Müller, Andreas: 150 Jahre Eisenbahn in Marburg. Impulse der Stadtentwicklung. [Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, Band 71]. Rathaus-Verlag, Marburg 2001.
  2. Das führte zu dem Spitznamen „Champagner-Bahnhof“, weil angeblich einige von dieser Lage profitierende Grundeigentümer die für den Bahnbau maßgeblichen Personen bei einem Sektfrühstück überredet hatten, den Bahnhof entsprechend zu positionieren.
  3. „Bahnhofs-Umbau dauert bis Ende 2014“ , in: Oberhessische Presse, 13. April 2013.
  4. Gesa Coordes: Für Sehbehinderte eine Katastrophe. In: Frankfurter Rundschau (Frankfurt), S. F23.