Bahnhof Metzingen (Württemberg)

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Metzingen (Württ)
Bahnhof Metzingen
Bahnhof Metzingen
Daten
Kategorie 4
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung TME
IBNR 8004009
Eröffnung 20. September 1859
Lage
Stadt Metzingen
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 32′ 20″ N, 9° 17′ 24″ O48.5388888888899.29Koordinaten: 48° 32′ 20″ N, 9° 17′ 24″ O
Höhe (SO) 354 m ü. NN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i7i12i13i15i15i16i17i20

Der Bahnhof Metzingen (Württemberg) (kurz Metzingen (Württ)) ist ein Eisenbahnknoten an der Neckar-Alb-Bahn von Plochingen nach Tübingen, an dem die Ermstalbahn nach Bad Urach abzweigt. Er wird von einem Intercity-Zugpaar und Regionalzügen bedient.

Geschichte[Bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten]

Beim Bau der Oberen Neckarbahn sah die Königlich Württembergische Staatsbahn für Metzingen bereits die Funktion als Knotenpunkt vor. Die Stadtverwaltung bat die Staatsbahn um einen Bahnhof westlich der Erms. Doch wegen eines besseren Neigungswinkels und um die projektierte Bahnlinie Richtung Urach leichter anschließen zu können, verlegte sie die Gleise östlich der Stadt.

Staatsbahnzeit[Bearbeiten]

Am 20. September 1859 eröffnete die Staatsbahn den Streckenabschnitt PlochingenReutlingen. Das Empfangsgebäude, in dem zu Beginn auch die Post untergebracht war, ist erhalten geblieben. Die Bahnlinie nach Urach, für die eine eventuelle Weiterführung nach Münsingen geplant war, zweigte ab 27. Dezember 1873 in Metzingen ab. Anfangs betrieb die private Ermsthalbahn-Gesellschaft die Strecke.

Am 1. Oktober 1901 vollendete die Staatsbahn den zweigleisigen Ausbau des Streckenabschnitts Neckartailfingen–Metzingen. Zum 1. April 1904 übernahm sie den Betrieb auf der Ermstalbahn. Seit 31. August 1907 gelangten die Reisenden über einen Eisensteg zum Mittelbahnsteig.

Am 8. November 1912 beklagte sich der Gemeinderat über das Empfangsgebäude, dessen Größe, ihrer Meinung nach, nicht mehr ausreiche. Defizite gab es vor allem bei der Gepäck- und der Güterverladung. Zu dieser Zeit ist noch immer die Wichtigkeit der Landwirtschaft in Metzingen erkennbar. Hauptsächlich verluden Bauern Obst, Gemüse, Wein, Rinder, Schweine und Schnittholz. Aber auch Leder- und Eisenwaren wurden hier verschickt.

Reichsbahnzeit[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1934 begann zwischen Plochingen und Tübingen der elektrische Zugbetrieb. 1938 beschleunigte die Deutsche Reichsbahn auf diesem Abschnitt den Güterverkehr. Dies beinhaltete den Verzicht auf lange Aufenthalte der Güterzüge in Metzingen. Die Betriebsstelle erhielt für das Zusammenstellen von Güterzügen eine Kleinlokomotive. Die Reichsbahn errichtete für sie einen hölzernen Schuppen am Durchlass der Reichsstraße 28 (heutige Ulmer Straße). Spöttisch erhielt er von der Metzinger Bevölkerung die Bezeichnung Südbahnhof. Die ortsansässigen Nazis wetterten gegen das Bauwerk. Im Nationalsozialistischen Mitteilungsblatt erschien der Artikel Metzingen wehrt sich gegen Bausünden. In diesem forderten sie den Abriss, der aber ausblieb.

Bundesbahnzeit[Bearbeiten]

1959, hundert Jahre nach der Eröffnung, hielten und durchfuhren täglich 130 Züge Metzingen. 112 auf der Bahnstrecke Plochingen–Tübingen und 18 auf der Stichbahn nach Urach. Davon waren 92 Reisezüge und 24 Güterzüge. Dazu kamen noch 14 sonstige Zugfahrten, wie Dienst- und Leerfahrten. Die hohe Frequenz erforderte einen Ausbau des Bahnhofsgebäudes, der 1960 erfolgte. Der alte Güterschuppen südlich des Empfangsgebäudes musste 1962 weichen. Die Deutsche Bundesbahn ersetzte ihn 1972.

In den darauf folgenden Jahren ging der Zugverkehr durch den steigenden Individualverkehr zurück. Am 27. Mai 1976 gab die Bundesbahn den Personenverkehr auf der Ermstalbahn auf. Im Mai 1982 ersetzte eine Unterführung den Eisensteg aus dem Jahr 1907. Im darauf folgenden Jahr entfernte man ihn. Zum 1. Januar 1988 gab die Bahn den Stückgutverkehr im Bahnhof Metzingen auf. Der nicht mehr benötigte Schuppen für die Kleinlokomotive wurde abgerissen.

Zeit der Deutschen Bahn AG[Bearbeiten]

Seitdem am 1. August 1999 wieder planmäßig Dieseltriebwagen Reisende auf der Ermstalbahn befördern, ist Metzingen wieder ein Knoten im Personenverkehr. Seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 hält ein Intercity-Zugpaar in Metzingen. Die ungenutzte Güterhalle wurde im Juni 2011 abgerissen, um einen Bauplatz für ein Geschäftshaus und Parkplätze zu schaffen.

Empfangsgebäude[Bearbeiten]

Bahnhof Metzingen 1906

Das Empfangsgebäude ist ein zweistöckiges Bauwerk mit Satteldach. Die Fenster und Türen im Erdgeschoss unterscheiden sich von den Fenstern im Obergeschoss durch Rundbogen. Die Außenmauern im Erd- und Obergeschoss bestehen aus hellem Sandstein. Die Fassade des Dachstocks ist mit hellroten Backsteinen verklinkert. Auch bei den Gesimsen finden sich Backsteinelemente.

Der ursprüngliche Hauptbau misst eine Länge von 25,78 Metern und eine Breite von 14,32 Metern. Die schlanke Schalterhalle des Gebäudes war zu Beginn offen. Erst 1888 ließ die Staatsbahn Türen einbauen.

Im Erdgeschoss befanden sich Warteräume für die 2. und 3. Klasse, sowie Diensträume für die Bahn und die Post. Das Obergeschoss bot für Bedienstetenwohnungen Platz.

Am 1. März 1889 erhielt Metzingen in der Post einen Telefonanschluss. 1893 verließ die Post das Empfangsgebäude und bezog das ebenfalls erhaltene Postgebäude nördlich des Empfangsgebäudes.

1960 vergrößerte die Bundesbahn das Gebäude. Der nördliche einstöckige Anbau beherbergt seitdem eine Gastwirtschaft. Außerdem wurden erstmals Toiletten innerhalb des Gebäudes installiert. Er ist 18 Meter lang und 12,49 Meter breit. Der 15,5 Meter lange und 14,32 Meter breite einstöckige Anbau nach Süden hin war für die Gepäck- und Expressgutabfertigung bestimmt.

Bahnbetrieb[Bearbeiten]

Der Bahnhof verfügt über drei Bahnsteiggleise. Auf Gleis 1, dem Hausbahnsteig, halten die Züge Richtung Reutlingen, auf Gleis 2 die Richtung Nürtingen. Auf Gleis 3 starten die Züge nach Bad Urach.

Am bahnsteiglosen Gleis 4 befindet sich eine erhaltene Bodenwaage. Sie ist nicht mehr in Betrieb.

Der Bahnhof Metzingen entspricht laut der Deutschen Bahn AG der Bahnhofskategorie 4.

Fernverkehr[Bearbeiten]

Linie Strecke Taktfrequenz
IC 32 (Berlin SüdkreuzDortmundEssenDuisburg –) DüsseldorfKölnBonnKoblenzMainzMannheimStuttgart – Plochingen – Tübingen Ein Zugpaar

Regionalverkehr[Bearbeiten]

RE Stuttgart – Bad CannstattEsslingen (Neckar) – Plochingen – Wendlingen – Nürtingen – Metzingen – Reutlingen – Tübingen 60-Minuten-Takt (von mittags bis abends auf 30-Minuten-Takt verdichtet)
RB Plochingen – Wendlingen – Nürtingen – Metzingen – Reutlingen – Tübingen – Herrenberg 60-Minuten-Takt
RB (Herrenberg – Tübingen – Reutlingen –) MetzingenDettingen – Bad Urach 60-Minuten-Takt

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dieter Reichold: Obere Neckarbahn. Eine Zeitreise auf der Strecke Plochingen, Wendlingen, Nürtingen, Metzingen, Reutlingen. Wiedemann Verlag, Münsingen-Rietheim 2010, ISBN 978-3-941453-09-8.

Weblinks[Bearbeiten]